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Wiener Ärztekammer: vorübergehend geschlossen?

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vorübergehend geschlossen

Heute vormittags war unter http://www.notstandspital.at/ unter dem Impressum der Wiener Ärztekammer eine neue Seite im Netz, auf der Patienten anonym und ungeahndet ihre Beobachtungen über Missstände in den Krankenhäusern posten konnten.
Die noch spärlich gefüllte Seite zeigte die bekannten Bilder aus überfüllten Wartebereiche und einige kritischen Texte dazu.
Nachmittags bekam man nur den oben eingefügten Screenshot zu sehen.
Der Online-Standard hat zu diesem Link noch um 9:34 berichtet:
Das will aber auch die Ärztekammer, sie hat die Seite Notstandspital ins Leben gerufen, um die Wiener Spitalsärzte besser zu erreichen.
http://derstandard.at/2000013030110/Aerztekammer-verhandelt-ohne-Aerztegewerkschaft

Google kennt den Link sogar schon seit 4 Tagen!

Jetzt ist aber dort „vorübergehend geschlossen“.

Wem diese Seite wohl so im Weg war und wer so viel Einfluss hat, dass er sie so rasch schließen konnte?
Fragen über Fragen, jedenfalls verschärft sich der Kampf.


Nachtrag:

Die Wiener Ärztekammer verteidigt die vorübergehende Schließung der Seite damit, die Verhandlungsgespräche nicht belasten zu wollen.
Ja geht’s noch? Wir drohen Euch, aber keiner hat’s gesehen?

Schließlich stellte ÄK Präsident am 18.3. auf Facebook klar, dass er sich einem Wunsche seines Vizepräsidenten gefügt hat.

Ich weiß nicht ob mich das jetzt nicht mehr erschüttert, als wenn sich herausgestellt hätte, dass die Schließung auf direkten Wunsch der Stadträtin geschehen wäre. Jedenfalls ist es ein eindeutiges Signal, dass man sich vor so einer Ärztevertretung nicht zu fürchten braucht, egal welchen Wahnwitz man ihnen zumutet.

Written by medicus58

17. März 2015 at 19:28

Oberhauser: Gefährliche Versprechungen des Bestehenden, aber bringt’s das?

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Patienten tappen

Die neue Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser sagt dem KURIER: „Der Patient muss sich erwarten können, dass er, wenn er in ein Spital geht, weiß, was ihn dort erwartet. Dass er weiß, wie oft dort eine spezielle Behandlung durchgeführt wurde, und wie oft es Komplikationen gab.“
http://kurier.at/politik/inland/wie-gut-ist-mein-arzt-das-spital-patienten-tappen-im-dunkeln/84.253.086

und folgt somit SIgrid Pilz, die ebensolches – selbstverständlich auch wieder in dem verlinkten Kurier Artikel (Wie man einen guten Arzt findet) seit Jahren fordert.

Frau Bundesminister fiel es sicher leicht, die Bekanntgabe von Komplikationsraten einheimischer Spitäler zu fordern, schließlich hat das Projekt Austrian In-Patient Quality Indicator (AIQI) bereits ihr Vorgänger zum Laufen gebracht und die Publikation der ersten Auswertungen wurde ohnehin schon für 2014 versprochen (http://orf.at/stories/2173576/2173682).

in Hintergrundgesprächen zu diesem Projekt warnten aber einige der Projektmitarbeiter davor, diese Zahlen völlig ungefiltert zu veröffentlichen. Die Begründung war aber nicht, wie offenbar der Kurier mit seiner grellen Überschrift Patienten tappen im Dunkeln andeuten möchte, dass man den Patienten nicht „reinen Wein“ einschenken will, sondern dass sich überproportional schlechte regionale Ergebnisse mitunter nicht auf Fehler in dem betreffenden Spital, sondern auf Pribleme in der umgebenden Infrastruktur zurückzuführen waren:
Wenn das Rettungswesen in der Region deutlich längere Anfahrtszeiten hat, wird die Sterblichkeit von Schlaganfall- oder Herzinfarktpatienten höher sein, auch wenn beim Eintreffen im Spital alles perfekt läuft.
Wenn kleinere Spitäler die schlecht laufenden Fälle präfinal in das Schwerpunktspital überstellen, wird das dort die Statistik verschlechtern.

Nun könnte man meinen, dass das ja nicht so schlimm wäre, schließlich verlinkt der Kurier ja auf deutsche Links, wo Spitals- und Ärzteranking bereits abrufbar ist. Ob die deutschen Verhältnisse aber so vorbildhaft sind, mag bezweifelt werden, berichtet aktuell Die Süddeutschevon einem anderen Nebeneffekt von auf den ersten Blick sinnhaften Lenkungswerkzeugen im Gesundheitssystem (http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/chirurgie-ein-drittel-der-chefaerzte-raeumt-ueberfluessige-ops-ein-1.2119093). Das leistungsorientierte Finanzierungssystem, das ja auch in Österreich eingeführt wurde führte dazu, dass die Entscheidungen von Ärzten nicht ausschließlich nach medizinischen Kriterien erfolgen:

Ein Drittel der Chefärzte greift zum Skalpell, um die wirtschaftliche Lage der Klinik aufzubessern.
Andererseits geben 21 Prozent der Chefärzte an, dass sie mindestens einmal im Monat einem Patienten eine nützliche Behandlung vorenthalten oder sie durch eine billigere ersetzen. 46 Prozent der Befragten mussten zumindest einmal in den vergangenen sechs Monaten Leistungen einschränken. 

Und nun überlegen wir einmal, wie man die Komplikationsrate von Blinddarmoperationen senken kann:

Richtig, man operiert einfach mehr Gesunde, deren akute Bauchschmerzen eben nicht auf einer eitrigen Appendix beruhen und sowohl kurze Aufenthaltsdauer und kaum noch Bauchfellentzündungen erleben.

Das ist natürlich kein Plädoyer gegen eine Transparenz innerhalb des Systems aber eine Warnung gegen falsche Incentives im Gesundheitssystem.

Written by medicus58

8. September 2014 at 19:27

Die Stadt Wien will nur das Beste für Patienten

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schreibt heute www.heute.at.
Das klingt doch ganz anders als hier im Mai, als ich die Wiener Gesundheitspolitik als „planlose Planwirtschaft“ (http://wp.me/p1kfuX-jr ) charakterisierte.
Liest man aber den Artikel weiter erfährt man, dass
das gesamte Wilhelminenspital bis 2024 völlig neu gebaut werden soll.

Nicht nur, dass man davon im lautstark verkündeten Wiener Spitalskonzept 2030 nichts erfahren hat, sondern der Neubau schließt auch die 2003 (!) um 15 Millionen € errichtete Spitalsküche, die im Frühjahr eröffnete Herzstation und die aktuell eröffnete Palliativstation ein. Na wenn schon, denn schon …. es geschieht ja nur zum Besten der Patienten!
Dass andererseits Millionen € in den Reinvestitions- und Sachaufwandbudgets fehlen interressiert ja niemand.

Aber, der heute-Bericht verschweigt, dass das ja alles System hat:

Im Kaiserin Elisabeth Spital, dessen Schließung im Vorjahr im Rahmen des Wiener Spitalskonzeptes 2030 verkündet wurde, aber schon seit vielen Jahren in Diskussion stand, wurden erst 2003 mit großem Getöse und für 12,2 Millionen Euro ein OP-Trakt errichtet, den man sich gegen Jahresende schenken kann:
Am 27. Juni 2003 eröffnete Stadträtin Prim. Dr. Pittermann in Anwesenheit hochkarätiger Prominenz aus dem Krankenanstaltenverbund und der Gemeindepolitik offiziell das neue OP-Gebäude, das Platz für drei hochmoderne OP-Säle sowie einen Aufwachraum mit 4 Plätzen und eine Zentralsterilisation bietet. Ein verglaster Gang verbindet 3 der 5 Bettenpavillons mit dem OP-Neubau.
http://www.wienkav.at/kav/kes/texte_anzeigen.asp?id=2042

Neben dem Donauspital wird augenblicklich das 1982 eröffnete Geriatriezentrum nicht, wie noch 2008 berichtet (http://www.krone.at/Wien/Geriatriezentrum_Donaustadt_wird_voellig_umgebaut-Senioren_zittern-Story-116374) umgebaut
sondern nach 30 Jahren großteils abgerissen und neugebaut, auch wenn im Siegerprojekt erklärt wird, dass „das Objekt zu jung zum Abriss“ wäre (http://www.vasko-partner.at/news/media/pdf/185.pdf).
Das Bild läßt aber wohl etwas anderes vermuten, oder?


„Bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode im Jahr 2015 investiert die Stadt Wien rund 1,8 Milliarden Euro in den Gesundheits- und Pflegebereich“ frohlockt http://www.wien.gv.at/gesundheit-soziales/investitionen-gesundheit.html noch immer. Das Datum dieser Meldung ist unklar, aber offenkundig vor 2011 ins Netz gestellt …
wenn der Link nimmer funktioniert, weil das doch jemand gelesen hat, habe ich sicherheitshalber ein PDF angefertigt 😉

Ehrlicher wäre es zuzugeben, dass man mit diesem Geld Bauunternehmen, Medizintechnikunternehmen, etc. fördert NICHT den Gesundheits- und Pflegebereich.

Relativ junge Gebäude abzureissen, frisch eröffnete Stationen dem Erdboden gleich zu machen und daneben diplomiertes Pflegepersonal gegen Abteilungshelferinnen zu ersetzen, Ausbildungsplätze für Ärzte einzusparen, das sind keine Investitionen, die Patienten spüren, das ist
Planlose Planlosigkeit

4.2.2011: Ägypten:Termiten:Menschen: Eine Prophezeiung

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Am 6. Oktober 1981 wurde Anwar El Sadat ermordet. Im Sommer 1982 kam ich in Ägypten an, um als Student ein Monat an der Universitätsklinik in Kairo zu arbeiten. Schon die Einreise über den Hafen von Alexandria hatte etwas Kafkaeskes: Brav hatten meine Begleiterin und ich neben altem Fotoapparat und anderen Dingen auch ein Stethoskop auf den Zollpapieren deklariert. Dieser offensichtlich unbekannte Gegenstand verunsicherte den Zollbeamten und er bestand darauf, diesen zu sehen. Nachdem ich mein Lithmann Stethoskop aus dem untersten Winkel meines Tramperrucksackes entbunden hatte, untersuchte er es mit höchster Akribie und wachsendem Verdacht. Selbst phonetische („El Hakim“) und demonstratorische Versuche ihn von der Harmlosigkeit des Objektes zu überzeugen, schlugen fehl. Nach gefühlten 60, wahrscheinlich jedoch nur 10 Minuten lähmender Pantomime und wachsender Hostilität kam endlich sein Vorgesetzter herbei, kanzelte ihn mit einer typischen Handbewegung und einigen gutturalen Lauten ab und ließ mich hinaus auf den Kai gehen. Bei meiner Begleiterin schien sich das Schauspiel unverändert zu wiederholen. Hier hatte die Obrigkeit aber etwas früher ein Einsehen. Der Verdacht, dass der durchschnittliche Ägypter bei seinem Arzt selten mit einem Stethoskop konfrontiert wurde, verdichtete sich während unserer späteren Erlebnisse im Giza Hospital bzw. im Cancer Institute. Weshalb in letzterem überwiegend schwangere Frauen untergebracht waren, erschloss sich uns nie, aber schließlich ist die Gravidität eine Tumorerkrankung (Tumor heißt eigentlich nur Raumforderung) mit Spontanheilung ….

Die Zustände in Kairo waren eher lähmend, die Versorgungslage schwierig und der jetzt täglich in den Nachrichten erwähnte Tahrir Platz erinnerte – olfaktorisch gesehen – eher an eine öffentliche Bedürfnisanstalt unter Rotlichtbestrahlung als an ein Stadtzentrum.

Die medizinischen Zustände an den beiden Spitälern waren ziemlich unbeschreiblich, Katzen liefen über Frischoperierte und die Ärzteschaft, die nur kurz ihre Privatordinationen verließ, um im Spital vorbei zu schauen, jammerte, dass sie kein Geld für die neuesten „Panzerschrank-Antibiotika“ aus dem Westen hatten. Meine Einwürfe, man „könnte sich auch manchmal die Hände waschen, um Infektionen zu reduzieren“, oder „bei uns wäre jede VW-Vertragswerkstätte steriler als dieser Operationssaal“, würde ich vielleicht auch nicht mehr in dieser Schärfe formulieren, jedoch entsprachen sie exakt meiner Wahrnehmung. Unter vier Augen gab man ja auch zu, sich selbst im Krankheitsfall lieber in ein britisches Militärspital einweisen zu lassen, als in die eigene Klinik. Damals prophezeite ich, dass sich das Regime in diesem Land kaum halten werde und es bald (!) zu einer Entwicklung wie 3 Jahre zuvor im Iran kommen würde …. OK, ich bin nicht unfehlbar. Nach einigen weiteren unliebsamen Überraschungen beendeten wir unsere „medizinische Karriere“ und reisten als Touristen durch das Land.

Eine Episode noch zum Schluss: Als wir die Kliniken verlassen haben, was wiederum den Verantwortlichen unangenehm war, weil sie dann keine Austauschstudenten mehr nach Österreich schicken konnten, saßen wir bargeldlos (Kreditkarte ?, he, wir schreiben 1982 und da drängte noch niemand einem Studenten so was auf …) und entsprechend desperat in einem kleinen Park in Kairo und hielten den üblichen „Was-nun-Kriegsrat“. Ein alter Mann, sicher der 101. Bettler für heute, kam auf uns zu und fuchtelte uns mit den Händen vor dem Gesicht herum. Alle Versuche ihn mit „No bakshish“ zu vertreiben misslangen und wir reagierten immer mürrischer. In dieser Lage, kein Geld, kein Quartier, der Rückflug erst in einem Monat, riss uns nun wirklich die Geduld mit diesem „Kameltreiber“ und ich wurde ziemlich laut. Da nahm er mich bei der Hand – so eine Unverschämtheit, will der meine Uhr ?- führte mich zu dem Stamm des Baumes unter dem wir saßen und zeigte mir die riesigen Termiten, die dort hinaufkletterten. Dann machte er mir wortlos klar, dass er uns nur warnen wollte unter diesem Baum zu bleiben, denn die Termiten könnten aus den Ästen auf uns herabfallen. Er lächelte, verbeugte sich leicht und ging unter meinem entschuldigenden Gestammel ab.

Wenn ich heute die Fernsehbilder aus Kairo sehe, denke ich auch den hilflosen Zöllner und an die überheblichen Ärzte an der Klinik, aber auch an den alten Mann im Park …. und an meine Vorurteile. Hoffentlich liege ich mit meiner Prognose einer iranischen Entwicklung auch in den nächsten 30 Jahre so falsch wie mit meiner damaligen Einschätzung, dass alle die einen ansprechen nur betteln wollen. Ägypten ist ein großes Land und es gibt viele „große“ und „kleine“ Menschen.

Da seither so viel Zeit vergangen ist, glaube ich, dass der Rest der Geschichte wenig Bedeutung für die heutige Situation hat. Vermutlich hat sich die „Schichtung“ der Gesellschaft nicht so sehr geändert, aber viele meiner damaligen Erlebnisse würden nur indieselbe Kerbe schlagen:
Die von „Dr. Ali“, der damals praktisch das gesamte Giza Hospital im  Alleingang am Laufen hielt, weil er sich – im Gegensatz zu den Oberärzten und Professoren – keine eigene Wohnung leisten konnte.
Der Polizist, der täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dieselbe Brücke „bewachte“, aber mir auf einem Plan von Kairo nichteinmal ungefähr zeigen konnte, wo wir uns eigentlich befänden.
Der Studentenvertreter, der zugab, dass das Studentenaustauschprogramm gegen den Willen der Professoren durchgesetzt wurde und entsprechend von diesen auch boykotiert wurde.
Der in London ausgebildete Spitalsleiter, der einmal pro Woche erschien, einen Kaffee nahm und wieder in lukrativere Gefilde entschwand.
All das würde nur meinen damaligen Eindruck verstärken: Je tiefer der Mensch auf der sozialen Leiter stand, je freundlicher war er. Je „höher“ er auf der Leiter stand, je unangenehmer empfand ich ihn.
Drei Dinge noch: In den abendlichen Gesprächen mit den Ärzten (!) über den damals noch frischen Friedensschluss mit Israel, stimmten alle darin überein, dass es nur ein vorübergehender Waffenstillstand sein kann.
Der freundliche Mangosaft-Verkäufer vor unserer Unterkunft, bei dem wir um einen Bettel täglich die einzige frische Frucht tranken, die damals zu erhalten war, sah in uns schon bald gute Freunde, so dass er meinte, dass er für uns etwas Besseres hätte. Mit verschwörerischer Mine griff er unter seine Theke und holte einen Tetrapak Orangensaft hervor. Was er nicht lesen konnte, das Produkt stammte aus Österreich (ob Rauch weiß ich nicht mehr sicher) und die Orangen stammten aus Jaffa.
Etwas hat sich abr seither total verändert. Wenn man damals einen Ägypter als Araber angesprochen hat, hat er sich das aufs Schärfte verboten!

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 17:32

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