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Das Phantom der U Bahn

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Irgendwie spooky. Da hat mich doch grad wer in der U Bahn gegrüßt und ich habe keine Ahnung wer das war, denn er trug eine FFP2.

Stammt ja nicht von mir, aber Herr Kurz wird u. a. in die Österreichische Gesetzgebung eingehen, dass er es gleichzeitig geschafft hat uns ein Vermummungsverbot und eine Maskenberordnung zu verpassen.

A propos Phantom. In miesen Zeiten wie diesen sollte wieder was ins hiesige Herrgottswinkerl gestellt werden, also diesen Teil meines Blogs, wo das verträumt wird was wichtig und gut ist.

Als Fan guter Musicals, abseits des Tonleitergejaules aus dem Hause Disney ist Stephen Sondheim schon längst Bewohner des hiesigen Herrgottswinkerl, so wie Tim Rice der Librettist der ersten Erfolge Andrew Lloyd Webers. Letzterer hat es bislang nicht ins Winkel geschafft, was heute nachgeholt wird. Sondheim und Webber haben am selben Tag, dem 23.3.,Geburtstag, nur trennen sie 18 Jahre. Was sie aber vereint, beide gehören der Covid-Risikogruppe an und beide hocken, einer in UK, der andere auf der anderen Seite des Teiches in Selbstisolation.

Wie die beiden vor ein paar Tagen Alles Gute zum Geburtstag wünschten und Sondheim uns gleich mal das ausreichend lange Händewaschen-Ritual demonstrierte, ist einer der wenigen Lichtblicke in dieser ver-virten Zeit:

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Written by medicus58

1. April 2020 at 17:00

Veröffentlicht in Herrgottswinkerl

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Volksoper:Sondheim:Empfehlung

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Sweeney Todd Volksoper

Als „Größter Stephen Sondheim-Fan ever„, wie hier im „Herrgottswinkel“ nachzulesen ist (http://wp.me/p1kfuX-6C), versteht es sich von selbst, dass ich (gestern) in die Volksoper pilgerte, um die Erstinszenierung von Sweeney Todd zu sehen. Als das Haus letztes Jahr Sondheims Frühwerk „Forum“ (dt. Die spinnen die Römer…) durchaus respektabel auf die Bühne brachte, hätte ich niemals geglaubt, dass sich die Direktion trauen würde, auch das tief-schwarze und -auch wenn es Sondheim in einem aktuellen Interview wieder nur dem Premierenregisseur Hal Prince zuschreibt- gesellschaftskritische Drama zu riskieren.
Das Risiko ist ein mehrfaches:
Sondheim ist bekannt dafür, dass er von Kritikern zwar hochgelobt, seine Werke aber vom breiten Broadwaypublikum nie lange auf dem Spielplan gehalten wird.
Die Story in der Pasteten aus Menschenfleisch als Kollateralschaden eines Rachefeldzugs zum ökonomischen Aufstieg der Mrs. Lovett führt, deren Lüge wiederum die Verzweiflung Todds zur blutrünstigen Rage steigert, verlangt eine ausgezeichnete Regie, um den schmalen Grad zwischen Drama und Farce zu halten.
Und schließlich die Sprache!  Sondheim, ein begnadeter Komponist und Texter, ist bekannt für seine komplexen inneren Reime, für Wortspiele und (Pullitzerpreis ausgezeichnete) Dialoge, die so eng an die Rhythmik der Musik angepasst sind, dass es nahezu unmöglich scheint, das alles in eine andere Sprache zu transponieren.
Wenige haben das nur annähernd so gut geschafft wie Marcel Prawy mit den Liedtexten der West Side Story.
Also schon der Mut das Stück, 34 Jahre nach seiner Premiere (!!!)in Wien heraus zu bringen, sollte anerkannt werden.

Aber eigentlich könnte man sich diese Einführung ersparen, denn das was man augenblicklich in der Volksoper erleben kann, ist eine hervorragende Inszenierung, die auch international bestehen könnte. (Auch durch die Location bedingt ganz anders als mein Lieblingsinszenierung im „Circle in the Square Theatre“ am Broadway (14.9.1989 bis 25.2.1990), die mich damals für das Stück einnahm, aber eine fast perfekte Interpretation.)
In erster Linie soll das geniale Bühnenbild von Mathias Fischer-Dieskau genannt werden.  Die Idee die Protagonisten zwischen den Zahnrädern des Mahlwerks spielen zu lassen, das einige von ihnen zur Pastetenfülle verarbeiten wird, wäre „Tony-verdächtig“ würden bei uns diese Preise vergeben werden.
Zu den Darstellern haben unsere Zeitungen schon das meiste gesagt. Auch wenn ich in Phrasierung und Tempo sehr auf die Premierenbesetzung (Angela Landsbury, Len Cariou) fixiert bin, schafft Morten Frank Larsen in der Titelrolle die Schwierige Balance zwischen Gesang und Schauspiel.  Dagmar Hellberg als Mrs. Lovett ist ein Ereignis: Gesanglich und schauspielerisch Letztendlich, was das große Manko der Verfilmung des Stoffes war, ist der Volksopernchor und seine Solisten eine für dieses Stück ganz wichtige Stütze.
Und nun zum deutschen Text. Wilfried Steiner hat, auch wenn einige Kritiker im Netz das weniger positiv sehen, seine m.E. unmögliche Aufgabe, durchaus mit Anstand erledigt. Manche Wortspiele und Reime gelangen überraschend gut, manches muss rein phonetisch unverständlich bleiben und nur wenig ist m.E. glatt danebengegangen.  Zu letzterem zählt jedoch die Übersetzung des  „They all deserve to die“ mit „Der Tod macht alle gleich“. Das ist sinnverfälschend, weil Todds in dem Moment, wo ihm der korrupte Richter entwischt, seinen Hass generalisiert und seinen Massenmord als einzige Erlösung für seine Mitmenschen sieht.
Aber in einem Kurier-Interview hat Sondheim ohnehin eine Generalpardonierung ausgesprochen: „Ich liebe die deutsche Sprache. Ihr Klang passt gut zu diesem Stück. „Sweeney“ ist ja kein zorniges Werk, aber eines von starker Entschlossenheit – etwas, das für mich in der deutschen Sprache essenziell mitschwingt. Allerdings bin ich neugierig, wie all die Silben auf meine Noten passen. Eure Wörter sind ja viel länger als die englischen Gegenstücke.
Abschließend hat sich diese Inszenierung eine lange Laufzeit verdient und man sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen zu sehen, dass Musical mehr ist als das was die Vereinen Bühnen seit Jahren – hochsubventioniert- für die Reisebüros inszenieren.

Werkeinführung:   http://youtu.be/aEFvb52QeVY

Written by medicus58

22. September 2013 at 11:52

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