Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Dr. Herbert Schmeiszer

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geboren 1924, gestorben ?

Studium der Geschichte und Philosophie
seit 1946 Volkschullehrer
seit 1947 Hauptschullehrer
seit 1959 Professor an einer allgemeinbildenden höheren Schule in Wien
Vortragender an der Wiener Volkshochschule
Mitautor eines Bildungsbuches für Geschichte

Co-Autor der ab 1971 erschienenen 4-bändigen Geschichte Österreichs in Stichworten.

Mich hat er 3 Jahre in Geschichte und 2 Jahre in Soziologie, Philosophie und Psychologie unterrichtet, maturiert habe ich bei ihm über Literatursoziologie (Georg v. Lukács (http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Luk%C3%A1cs), und die psychologischen und philosophischen Grundlagen der Populären Kultur.

Heute findet Google zu „Dr. Herbert Schmeiszer“ 225 Ergebnisse, wobei offenbar nur die Links zum genannten Buch wirklich auf die Person hinweisen.

Sucht man nach „Bertl“, so wie wir ihn hinter seinem Rücken nannten, findet Google zwar 2,05 Mill. Einträge, aber ich bin mir sicher, dass keine einzige zur wahren Person führt.

Deshalb hier ins Herrgottswinkerl

Warum?

Es gibt wahrscheinlich nur wenige Menschen, die einen wirklich prägen, und „Bertl“ war sicher einer derer, die mein Denken von früh an, nicht beeinflussten, sondern herausforderten und erweiterten.

Als er uns 11 oder 12-Jährigen im Zusammenhang mit altägyptischer Geschichte und dem Osiriskult einen Exkurs lieferte, wo denn das Bild der „getöteten Gottheit“ sonst so zwischen Mittelamerika und Christentum überall aufpoppte, da mag man das als „Perlen vor die Rüsseltiere streuen“ sehen, unseren Eltern gegenüber hat er sich verteidigt, dass man „in dem Alter alles in ihre Köpfe bringen muss, womit man später arbeiten will“.

Sehr oft hat er uns gesagt, er könne uns die Geschichte der Welt in einer Schulstunde erschöpfend erklären, nur müssten wir halt aufpassen …

Klingt überheblich, war es aber nicht … als „wandelnde Bibliothek“ hatte er stets Zugriff auf 1000e Bücher, die man unbedingt gelesen haben musste; dass er irgendwo auch eine Lehrbefugnis für „Deutsch“ hatte, deckte die Geistesgeschichte doch ziemlich ab.

Sein Spruch „Lest’s Burschen lest’s“ brachte ihn zuverlässig in jede Maturazeitung und war sein bildungspolitisches Credo:
Waunst lesen kaunst, kaunst ollas lernan“.

Er konnte vermitteln, dass man an jedes Problem horizontal, d.h. im Vergleich zu allen anderen aktuellen Problemen und Lösungsansätzen und vertikal, d.h. im Vergleich zur bisherigen Lösungsgeschichte der Menschheit herangehen kann.
Man musste nur mit einer gewissen Virtuosität induzieren und deduzieren können.

Als ich ihn nach irgendeinem Anknüpfungspunkt zum Thema Literatursoziologie fragte, kam es wie aus der Pistole geschossen:
Da gehst nächsten Mittwoch ins Collegium Hungaricum, da gibt an Vortrag über den Lukács, dann kaufst da aus’n Luchterhandverlag sei Biachl „Schriften zur Literatursoziologie“ und nächste Wochen redn mir einmal drüber …“

Das Buch war ein richtiger Ziegel, die 100erten Seiten Soziologiesprech ziemlich harter Tobak und ich fürchte, dass ich damals nur einen geringeren Teil der Sache verstanden habe ….
Dass Lukács Marxist war, der manch andere Marxisten als Murxisten beschimpfte, blieb mir aber in Erinnerung!

„Bertl“  war ein waschechter Sozi, was wohl auch verhindert hat, dass er damals (vor der Kreisky Evolution), als er es angestrebt hat, an der Uni unterkommen konnte.
Wir konnte ihn verblüffen, wenn er über unsere Jeans-verliebte „Uniformiertheit“ wetterte, die wir fälschlich als Individualismus empfinden würden und wir ihn fragten, weshalb er denn eine Krawatte trägt.
Als er während des Referates eines Mitschülers in einer späten Nachmittagstunde aufstand, nach hinten zur Steckdose ging und sich begann trocken zu rasieren, parierte er unsere Verblüfftheit mit der Aussage: „Ich geh jetzt in die Oper, da muss man sich ja rasieren…“

Hätte ich mehr Zeit, würden mir sicher noch mehr „Gschichtln“ einfallen, über einen kleinen, fast schmächtigen, im Unterricht stets einen verschnuddelten Anzug und eine konservative Krawatte tragenden Lehrer, der auf den ersten Blick das Klischee des „Philoprofessors“ nur allzu gut bediente, der aber sobald er den Mund aufmachte,
zu einem lässig lächelnden Herrscher über den menschlichen Geist wurde, intellektuell und plump in einem Atemzug sein konnte,
das Erhabene ebenso wie das Banale als Evidenz heranzog und
letztlich nur eines gelten liess: Menschlichen Geist.

Einen seiner Sätze habe ich nie vergessen:
Professor heisst Lehrer, überlegt euch einmal, was eure Professoren denn bekennen …

In der aktuellen Bildungsdebatte: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39051 ist es mir wichtig, hier an einen der ganz wenigen (2 ?) Lehrer zu erinnern, dem ich in meinem bisherigen Bildungsweg (der in späterem Alter ohnehin mehr zum Einbildungsweg wird) etwas zu verdanke glaube.

Zumindest einen Eintrag mehr, sollte Google über

„Dr. Herbert Schmeiszer“

finden ….

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:24

Österreich darf nicht sitzenbleiben

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Na wer sagt ’s denn ….
Kaum kümmert sich ein ehemaliger Finanzminister und „Wahlneffe“ ein wenig um die österreichische Bildungspolitik:
http://www.nichtsitzenbleiben.at/
schon wird sein Wille erfüllt:

Aufsteigen mit bis zu drei Fünfer
Die Koalition hat sich auf eine schon lange geplante Schulreform geeinigt. In der Oberstufe der AHS und BMHS (berufsbildende mittlere Schulen) soll künftig ein Aufsteigen mit bis zu drei Fünfern möglich sein.
http://tirol.orf.at/magazin/tirol/tirolerisch/stories/514642/
http://kurier.at/nachrichten/3914071.php
http://www.krone.at/Nachrichten/Sitzenbleiben_soll_abgeschafft_werden-Aufsteigen_mit_5-ern-Story-12542
Verstehen Sie mich richtig, ich habe in meiner Oberstufen-AHS und als Student insgesamt ca 10 Jahre sehr gut von der Nachhilfe gelebt und weiß, dass Noten nicht immer gerecht und schon gar nicht
KARDINAL,
vermutlich auch nicht einmal
ORDINAL sind.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Skalenniveau)
Trotzdem bin ich überzeugt, dass mehr Leute verdient als unverdient „durchfallen“. Jeder kennt den ungerechten Einzelfall, nur ist das nicht der Punkt:

Während wir in der „wirklichen“ Welt von Rankings nur so getrieben werden,
von Heidi’s Klums Supermodel Ranking bis
zu Standard and Poor’s Griechenland Bashing,
glauben wir denn wirklich, dass wir Kindern was Gutes tun, wenn wir ihnen in der Schule vorgaukeln, dass es keine Beurteilungen gibt?

Mir kommt das so vor wie der verunglückte Versuch aus den 70ern, aus der ehemaligen „Mittelschule“, also einer explizit allgemeinbildenden Schule in der Mitte zwischen „Grundausbildung“ und „weiterführender, spezialisierender Bildung“ an der Universität (ut sim), nicht zuletzt aus wahltaktischen Gründen in den Großstädten, die Regelschule für alle zu machen.

Das Ergebnis war – wieder in den Großstädten – der Niedergang der „Hauptschulen“, die zum Sammelbecken von denen wurden, die halt nix Besseres zusammen bringen und eine Entwertung der „Mittelschule“ zur „AHS“ (=Allgemeinschule)

Die „Neue Mittelschule“ als Euphemismus für die „Hauptschule A-Zug“ macht für mich schon semantisch wenig Sinn.
Alle schienen zufrieden, vor allem die, die ihre Kinder in „was Besseres“ unterbingen konnten.
Dass das letzendlich wenig Wert hatte,
weder am Arbeitsmarkt („wo sind die Zeiten, wo man sich um die Maturanten gebalgt hat?)
noch an der Uni, die jetzt „Eingangsprüfungen“ und „Eingangssemester“ benötigt, weil man sich nicht mehr sicher ist, dass das was „für reif befunden wurde“ auch was weiß,
wen juckt’s …
Also, Österreich darf nicht sitzenbleiben, aber ob es das alles weiterbringt, wage ich zu bezweifeln.

Written by medicus58

20. Oktober 2011 at 20:36

Österreich darf nicht sitzenbleiben

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Na wer sagt ’s denn ….

Kaum kümmert sich ein ehemaliger Finanzminister und „Wahlneffe“ ein wenig um die österreichische Bildungspolitik:

http://www.nichtsitzenbleiben.at/

schon wird sein Wille erfüllt:

Aufsteigen mit bis zu drei Fünfer
Die Koalition hat sich auf eine schon lange geplante Schulreform geeinigt. In der Oberstufe der AHS und BMHS (berufsbildende mittlere Schulen) soll künftig ein Aufsteigen mit bis zu drei Fünfern möglich sein.
http://tirol.orf.at/magazin/tirol/tirolerisch/stories/514642/
http://kurier.at/nachrichten/3914071.php
http://www.krone.at/Nachrichten/Sitzenbleiben_soll_abgeschafft_werden-Aufsteigen_mit_5-ern-Story-12542

Verstehen Sie mich richtig, ich habe in meiner Oberstufen-AHS und als Student insgesamt ca 10 Jahre sehr gut von der Nachhilfe gelebt und weiß, dass Noten nicht immer gerecht und schon gar nicht
KARDINAL,
vermutlich auch nicht einmal
ORDINAL sind.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Skalenniveau)

Trotzdem bin ich überzeugt, dass mehr Leute verdient als unverdient „durchfallen“. Jeder kennt den ungerechten Einzelfall, nur ist das nicht der Punkt:

Während wir in der „wirklichen“ Welt von Rankings nur so getrieben werden,
von Heidi’s Klums Supermodel Ranking bis
zu Standard and Poor’s Griechenland Bashing,
glauben wir denn wirklich, dass wir Kindern was Gutes tun, wenn wir ihnen in der Schule vorgaukeln, dass es keine Beurteilungen gibt?

Mir kommt das so vor wie der verunglückte Versuch aus den 70ern, aus der ehemaligen „Mittelschule„, also einer explizit allgemeinbildenden Schule in der Mitte zwischen „Grundausbildung“ und „weiterführender, spezialisierender Bildung“ an der Universität (ut sim), nicht zuletzt aus wahltaktischen Gründen in den Großstädten, die Regelschule für alle zu machen.

Das Ergebnis war – wieder in den Großstädten – der Niedergang der „Hauptschulen“, die zum Sammelbecken von denen wurden, die halt nix Besseres zusammen bringen und eine Entwertung der „Mittelschule“ zur „AHS“ (=Allgemeinschule)

Die „Neue Mittelschule“ als Euphemismus für die „Hauptschule A-Zug“ macht für mich schon semantisch wenig Sinn.

Alle schienen zufrieden, vor allem die, die ihre Kinder in „was Besseres“ unterbingen konnten.

Dass das letzendlich wenig Wert hatte,
weder am Arbeitsmarkt („wo sind die Zeiten, wo man sich um die Maturanten gebalgt hat?)
noch an der Uni, die jetzt „Eingangsprüfungen“ und „Eingangssemester“ benötigt, weil man sich nicht mehr sicher ist, dass das was „für reif befunden wurde“ auch was weiß,
wen juckt’s …

Also, Österreich darf nicht sitzenbleiben, aber ob es das alles weiterbringt, wage ich zu bezweifeln.

Written by medicus58

15. Juni 2011 at 21:41

Bildung billig

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Im Online-Standard ist ein interessantes Interview mit Prof. emerit. Blum von der Boku zu lesen:
http://derstandard.at/1303291525159/derStandardat-Interview-Seit-dem-Wintersemester-halte-ich-Vorlesungen-kostenlos

Neben einigen Aussagen über die Folgen des Bolognia-Prozesses sticht vor allem seine Aussage ins Auge, dass er seit seiner Pensionierung weiterhin Vorlesungen hält, ohne dafür eine finanzielle Entschädigung zu bekommen.

Die Onlinekommentare zu diesem Artikel schwanken zwischen wissender Zustimmung und neidvollen Verweisen auf die guten Pensionsrechte „alter“ Univerträge.

Einmal fest zu halten, dass der Universitätsbetrieb stets ganz maßgeblich darauf setze, dass von ihrem Gegenstand begeisterte Akademiker gerne und für geringe oder gar keine Entschädigung ihr Wissen weitergeben, war wichtig.

Auch die stets prekären Vertragsverhältnisse am Beginn universitärer Karrieren gehören dazu. Ich selbst arbeitete die ersten 4 Jahre auf blind unterfertigten Karenzverträgen mit täglicher Kündbarkeit. Mir wurde der Zettel über meine Dienstzeiten schon mit der Versicherung überreicht dass man davon ausgeht, dass darüberhinaus selbstverständlich gratis zu arbeiten ist. Überstunden wurden weder monitiert noch bezahlt. Viel später bin ich dahinter gekommen, dass man jemanden anderen auf diese Ausbildungsstelle gemeldet hatte und sich so meine Ausbildungszeit verlängerte.

Und ich war kein Einzelfall!

In Wirklichkeit war das für uns auch kein Problem, denn Beruf war Hobby.

Erst als wir realisierten, dass wir von denen ausgenützt wurden, die sehr wohl mit unserer Arbeitsleistung Geld und (Publikations) Impact gemacht haben, fühlten wir uns mies.

Wenn nun die Erkenntnis Allgemeingut wurde, dass nur Wert hat was Geld bringt, darf man sich nicht wundern, dass es im System kracht.  Universitäre Verschulung benötigt noch mehr Lehrer als früher und die finden sich unter den augenblicklichen Rahmenbedingungen halt nicht.

Dozent heißt übrigens Lehrer! Professor heißt Bekenner!

In diesem Sinne ist Prof. Blum für seine Be- und Erkenntnisse zu danken.

Besser geht’s nicht

Im Standardforum schrieb ein „Gerhard Grabner“ am 16.12.2010 22:04

Den Markt als Allheilmittel für die Universitäten anzusehen, schließt darauf, dass der Verfasser nicht verstanden hat, was eine Universität im Kern ist: nämlich ein Diskurszusammenhang von Erkenntnissuchenden und keine Fabrik. Auch keine Berufsausbildung. Und ihre Gedeihen hängt ab: vom Willen der Gesellschaft, Wissenschaft zu finanzieren. Und von demokratischen Bedingungen statt Top-Down-Managment. Wer das nicht will soll die Unis abschaffen und Berufsausbildungsinstitutionen für die Industrie schaffen, von dieser bezahlen lassen und sie auch so nennen. Aber nicht Universität.

Ach tut das gut ….

http://derstandard.at/plink/1291455230164?sap=2&_pid=19227699#pid19227699

und immer wieda – PISA

Wozu die Aufregung, dass ein Großteil von uns nicht sinnverstehend lesen kann: Ist doch eine Alltagserfahrung!

Gebrauchsanweisungen
(auch die, die nicht direkt aus dem Südchinesischen übersetzt wurden)
Nachrichtensendungen
(wo eine Digiwand mit unnötigen Grafiken die Leute bei der Stange hält, die sonst nur Bahnhof verstehen würden)
Krone, Heute, Österreich et al.
(wo die Verkürzung auf den einfachen Hauptsatz manipulatives Programm ist)
Nintendeo, Wii, PS, X-Box, 3D Movie et al.
(wo der Schauwert den kargen Inhalt überdeckt)
Gesetzestexte
(OK, da das war unfair, ich weiß)

Die visuelle Reizüberflutung schärft vielleicht die Reaktionsfähigkeit, jedoch geht dies auf Kosten der wichtigsten Kulturtechnik des Menschens: 
Lesefähigkeit

Das Problem ist vor allem, dass der funktionelle Analphabetismus unserer Gesellschaft die Basis ihres Funktionierens entzieht:

Wozu verlangen Patientenanwälte Aufklärungsblätter, Beipacktexte und Reverse, wenn das der Patient sowieso nicht versteht.
Wieso machen wir Volksabstimmungen, Wahlen und Umfragen, wenn wir befürchten müssen, dass in Ermangelung des Verständnisses ohnehin nur randomisierte Antworten erhoben werden.

Nur machen wir es uns zu leicht, die Schuld hier nur in der Schule zu suchen. Die Diskussion sollte auf jene begrenzt werden, die selbst im letzten Monat mindestens ein Buch gelesen haben!

Ich darf mitreden ….

und noch was zur Schreibschwäche unserer Politik: http://www.youtube.com/watch?v=ZkscI8_2vqU

Wir zahlen bereits Studiengebühren!

Weshalb leiste ich Steuern und Abgaben an den Staat, wenn dieser glaubt das Recht zu haben mich erneut zur Kasse bitten zu dürfen, sollte ich von ihm eine Leistung benötigen.

Bronner zu den Krankenkassen: „Ja, aber in der Not wird auch etwas geleistet.“
Qualtinger: „Beiträge“

Unselbständig Erwerbstätige haben in Österreich eine der höchsten Abgabenquoten. Der Staat „schneidet“ durch seine Verbrauchsteuern, durch die Mineralölsteuern, bei der ORF-Gebühr, … mit, ohne dafür eine Leistung zu erbringen. Hier wird Verursacherprinzip und Zweckbindung negiert.

Ich finde das OK, wenn dafür Grundbedürfnisse abgedeckt werden. Auch die Frau Burgstaller hat – so wie ich – in einer Zeit studiert, wo sowohl Schulgelder in den „Mittelschulen“ als Vorlesungsgebühren an den Unis aus dem Topf bezahlt wurden, die wir mit unseren täglichen Abgaben und Steuern füllen.

Burgstallers Deal: Tausche die selbstverständliche Verpflichtung des Staates den Kindern seiner Steuerzahler eine Universität bereit zu stellen, gegen die selbstverständliche Verpflichtung ein optimales Schulwesen zur Verfügung zu stellen, ist möglicherweise politisch der einzige Weg da was weiter zu bringen, moralisch ist das nicht. Und klug auch nicht.

Bürger können doch nicht so blöd sein, dass sie es hinnehmen immer mehr für den Staat leisten zu müssen und immer weniger Leistungen von ihm zu bekommen, weil wir Banken retten mussten; denn der Staat sind wir. 
Leistet er nichts mehr für uns, dann sollten wir ihn uns auch nicht mehr leisten.

http://derstandard.at/1288659508935/derStandardat-Interview-Das-faellt-uns-allen-auf-den-Kopf

Studiengebühren:Fachhochschulen:Lehrwerkstätten:Klassenkampf

Die östterreichischen Universitäten haben ab 2013 einen Mehrbedarf von ca. 250 Mio Euro. http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3858&Alias=wzo&cob=524869

2009/10 studierten in Ö 332.624 Personen. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/formales_bildungswesen/universitaeten_studium/021630.html

Das heißt, die Studiengebühren müssen pro Person 751,60 € betragen, wenn man glaubt, dass Studiengebühren das Finanzloch schliessen sollen. Aber Achtung: damit gibt’s noch keinen Seminar- oder Laborplatz, keinen Universitätslehrer mehr und weiterhin Stau bei den Prüfungsterminen.

Wo das hin führt, sieht man am schon weiterentwickelten neoliberalen Modell in UK, wo zuerst von den Konservativen, dann von Labour und nun wieder von den Konservativen die Studiengebühren auf 10 600 Euro erhöht wurden! 
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2010/12/10.mondeText1.artikel,a0064.idx,23

Und übrigens, zahlen eigentlich all die Lehrlinge, die in staatlich unterstützten Lehrwerkstätten ausgebildet werden und somit der Wirtschaft das Geld für die Ausbildung ersparen, dafür auch Lehrgeld?

Wenn wir hier – völlig zu Recht argumentieren, dass das eine Investition in die Zukunft unserer Bürger ist, weshalb verlangen wir von jungen Menschen, die einen höheren Bildungsweg anstreben plötzlich, dass sie selbst dafür zahlen?

Beispiel gefällig? Während früher medizinisch technische Dienste in Schulen und dann Akademien ausgebildet wurden, die Spitälern angeschlossen waren und aus dem Gesundheitsbudget finanziert wurden, besuchen sie heute Fachhochschulen und müssen in zunehmendem Ausmaß für ihre Berufsausbildung selbst zahlen.

Fazit: Alles was über die (Aus)Bildung zum Hackler hinaus geht, soll sich der Bürger mehrfach bezahlen: mit Steuern der Eltern, Studiengebühren, Prüfungsgebühren und eigenen Steuern als Werkstudent.

Auch wenn das unglaublich retro klingt, das ist Klassenkampf von oben herab! Auch so unterbinde ich Wettbewerb!

 

Siehe auch: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32622

Written by medicus58

2. Mai 2011 at 11:50

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