Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Hans Jörg, geh voran

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Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die Machtübergabe Jörg Haiders an seine Nachfolgerin (Susanne, geh voran) im damaligen Bienenzüchterverein BZÖ, jetzt könnte man den Sager umdrehen.

Hans Jörg Schelling, der als Haupverbandvorsitzender für eine Aufwandsentschädigung von monatilch 3000 € schon einmal die Lösung aller Probleme unseres Gesundheitssystems im Helpdesk gefunden hat (Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind) krönt sein Karriere in dem er mit PRAEVENIRE, dem Gesundheitsforum Seitenstetten erneut uns allen voraus geht und:

den Patient im Mittelpunkt des Miteinander aller Interessensgruppen
stellt und mit Structure follows strategy zum Schluss kommt
PRAEVENIRE ist, dass es um Menschen und nicht Systeme geht.

Im Schlagschatten des Stifts Seitenstetten klingt der Ansatz auf Latein noch humanistischer und zukunftsforscher:

prae-veniō <venīre, vēnī, ventum>

praevenio(m. Akk.)zuvorkommen, überholen

Angesichts des Vorsitzenden und seiner Vita, vom XXXLutz-Steuerschoner und -Millionär zum Wirtschaftskämmerer und Finanzminister, mögen Zweifel aufkommen, ob es im bei seinen Aktivitäten nur um unser aller Gesundheit geht, aber auch dafür würde sich der Name seines Vereins eignen, gibt doch das Wörterbuch als weitere Übersetzungunsmöglichkeit auch Folgendes an:

praeveniovereiteln, verhindern

Aber schließlich findet man unter den Unterstützern auch die ÖÄK und die Wiener Ärztekammer, neben den üblichen Verdächtigen….

Written by medicus58

19. März 2019 at 17:11

Ich zahlen nicht mehr für Ihre Sucht

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torte

Im April 2013 habe ich mich schon über die immer lauter werdenden Aufrufe zur gesundheitlichen Eigenverantwortung unter dem Titel Gesundheit ist Pflicht (http://wp.me/p1kfuX-Cj ) kritisch geäußert.

Aktuell stößt Möbelhändler, Unternehmensberater, ÖVAG Aufsichtsrat und Hauptverbandschef HJ Schelling wieder in dieses Horn.
Nachdem er erst kürztlich im telefonischen Helpdesk (Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind http://wp.me/p1kfuX-OR ) den Stein der Weisen der extramuralen Krankenversorgung gefunden zu haben glaubte, verkündet er im aktuellen Standard (http://derstandard.at/2000004192638/Schelling-Es-wird-von-der-Aerztekammer-viel-Propaganda-betrieben)

„Den Menschen muss ihr Körper genauso wichtig werden wie ihr Auto.

Wenn Sie mit Sommerreifen im Winter fahren, zahlt die Versicherung nichts, bei uns dürfen Sie alles tun.

Inhaltlich ist der ersten Aussage kaum zu widersprechen, jedoch wenn das vom Vize-Chef der Österreichischen Wirtschaftskammer (ja, den Job hat er auch noch) kommt, beschleicht mich bei der zweiten Aussage der Verdacht, dass es ihm letztendlich um Strafzahlungen (pardon  Prämienerhöhungen) bei Zuwiderhandeln geht.

Klar kann man argumentieren, weshalb die Allgemeinheit, eh nicht die Wirtschaftskammer, dafür zahlen soll, wenn ich mir die Leber hart saufe oder das Lungenkarzinom anrauche, nur sind derarige Überlegungen nur auf den ersten Blick schlüssig.

Für eine neue, sehr effektive aber auch sehr teure Therapie der Hepatitis C verweigern die Krankenkassen bei uns und in Deutschland ( http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-08/hepatitis-medikament-krankenkassen-teuer
http://www.tt.com/lebensart/gesundheit/8645324-91/hepatitis-c-gro%C3%9Fe-hoffnung-auf-heilung.csp) die Kostenübernahme. Steht da neben den hohen Kosten vielleicht im Hintergrund auch die moralische Keule, dass man sich vielleicht nicht angesteckt hätte, hätte man geschützten Verkehr ausgeübt?

Noch mehr sollte unserem Wirtschaftskämmerer zu denken geben, was eine eben publizierte Studie dargestellt hat:

Eine hohe Belastung im Job kann das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlich erhöhen. Das ergab die Auswertung bevölkerungsbasierter Studiendaten durch Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift‚ Psychosomatic Medicine‘ veröffentlicht.

http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/article/24827/index.html

http://journals.lww.com/psychosomaticmedicine/Abstract/publishahead/Job_Strain_as_a_Risk_Factor_for_the_Onset_of_Type.99170.aspx

Was ist mit dem „Burn out“ des vom Arbeitgeber zumindest vorübergehend sehr geschätzten Workaholic?

Sollen die ausgelagerten Programmierer, die scheinselbstständigen Ich-AGs oder die Multipraktikanten die Therapie ihrer Magengeschwüre selbst berappen, weil sie als Ich-AG in die Selbstausbeutung getrieben werden?

Sollen in diesen Fällen die Patienten ein zweites Mal bestraft werden oder übernehmen dann die Arbeitgeber oder besser gleich die Wirtschaftskammer diese Kollateralschäden?

end of irony

Written by medicus58

11. August 2014 at 17:46

Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind

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Schelling

Wenn Sie Schmerzen über dem Zwerchfell haben, drücken Sie 1!
Wenn Sie Schmerzen unter dem Zwerchfell haben, drücken Sie 2!
Wenn Sie nicht wissen, was Ihr Zwerchfell ist, drücken Sie 3 oder wieder die Schulbank!

So stellt Hauptverbandschef HJ Schelling (Familie Putz geht zum Gesundheitsdienstleister http://wp.me/p1kfuX-12) den neuen gesundheitsreformerischen Geniestreich diverser und (m.E.) perverser LandesgesundheitsräteVersicherer und Telemedizinanbieteres natürlich nicht dar, wenn Ärztehonorare eingespart werden sollen, sondern so:

Meine Praxis 24“ bedeutet laut Hauptverband, dass Patientinnen und Patienten auch außerhalb gewohnter Ordinationszeiten medizinischen Rat und Hilfe finden – etwa durch medizinisch geschulte Ansprechpartner rund um die Uhr oder innovative telefon- und webbasierte Services.

http://medonline.at/2014/konferenz-ueber-zukunft-medizinischer-primaerversorgung/

Neu ist das ja ohnehin nicht, wie hier schon berichtet wurde, existieren bereits viele Versionen der elektronischen Patienteninformation:

Frag den Professor – er wartet nur auf Dich – Großes Kino oder medizinische Peepshow? http://wp.me/p1kfuX-tJ

Online Praxen, dort hat Ihr Arzt noch Zeit für Siehttp://wp.me/p1kfuX-fq

MED 2.0 Facebook for the insane http://wp.me/p1kfuX-iK

und jeder weiß, dass er bei DrEd ganz schnell sein Viagra rezeptiert bekommt:  http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56206

Neu ist, dass die bisher installierten Systeme augenfällig gewinnorient sind und sich im Kleingedruckten jedwelcher Haftung entbinden, hier aber ein angeblich gemeinnütziges, staatlich geschütztes Monopol auf diesen Zug aufspringt. .

Auch das jetzt als beispielhaft als „Schweizer Modell“ genannte http://www.medgate.ch/ ist ein gewinnorientierter, privater Anbieter, der von den Versicherungen dafür entlohnt wird, Patienten davon abzuhalten in die Arztordinationen zu gehen.

Von der Problematik gesundheitsrelevante Informationen via Internetseite einem Entscheidungsalgorithmus zur Verfügung zu stellen, wollen wir hier gar nicht sprechen.

Keine Frage, viele Informationen werden schon jetzt vom nicht-ärztlichen Personal (Sprechstundenhilfe, Zahnarzthelferin, Arztgattin/Arztgatten, Portier, …) bezogen, aber ob man diesen mitunter gefährlichen Prozess nun ganz offiziell über die IT zementieren soll, wage ich schärfstens zu hinterfragen.

Wer mit den „überlasteten Ärzten“ argumentiert, die sich doch über all jene freuen sollen, die zusätzlich in den Gesundheitsmarkt drängen, sollte sich doch einmal fragen, ob diese Überlastung ausschließlich mit der finanziellen Gier meiner Kollegenschaft erklärt werden kann oder nicht auch etwas mit dem absurden Entlohnungsschema zu tun hat, das Masse vor Klasse setzt.

Wer sich dann noch überlegt, ob irgendetwas besser werden kann in diesem Gesundheitssystem, wenn man noch mehr Geld von den die primäre Leistung Erbringenden in Richtung gewinnorietierter Anbieter und IT-Industrie pumpt, dem kann ob dieses neuesten gesundheitsreformerischen Geniestreichs nur die Zornesröte ins Gesicht steigen.

Written by medicus58

2. Juli 2014 at 07:00

Hurra! Wir haben eine Gesundheitsreform!

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Österreich bebt, zumindest der mediale Teil davon:

Wir haben eine Gesundheitsreform!

Gesundheitsminister Stöger: „partnerschaftliches Zielsteuerungsmodell“
Landeshauptmann Pühringer:Ende des Verschubbahnhofs
Hauptverbandschef Schelling; „Der 13. Juni in einigen Jahren als „Tag der Patienten“ gesehen
SPÖ Kärnten Kaiser: Wichtiger Schritt um freien Zugang zur besten Gesundheitsversorgung für alle zu sichern!

http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/innenpolitik/art385,905172
http://fb.me/19Mi59eph

Déjà-vu, wir erinnern uns:

Rauch-Kallat  2004:
Mit dem Strukturplan soll Österreich in 32 Gesundheitsregionen eingeteilt werden, in denen das Leistungsangebot geregelt werden soll. Für die Umsetzung sollen eine Bundesagentur und neun Landesagenturen eingerichtet werden.
http://derstandard.at/1746613

Schüssel 2004: „Zum ersten Mal wird hier nicht nur Geld umverteilt, sondern es werden wirkliche Reformen angedacht und umgesetzt – vor allem miteinander und nicht gegeneinander“
http://www.oe-journal.at/Aktuelles/!2004/1104/W2/21211Pfinanzausgleich.htm

Rauch Kallat 2005: Es sei erstmals in der Zweiten Republik eine Qualitätssicherung im Gesundheitswesen gelungen http://www.news.at/articles/0504/10/103932/rauch-kallat-gesundheitsreform-neue-selbstbehalte

Rauch-Kallat 2005: Mit „ungeheuerlichen und völlig aus der Luft gegriffenen Vorwürfen“ versuche Kräuter nun, „die Erfolge der Gesundheitsreform herunterzuspielen“.
http://www.salzburg.com/sn/nachrichten/artikel/1618349.html

Rauch-Kallat 2006: Krankenkassen bilanzieren 2005 positiv
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/115338_Kassenbilanz-ohne-Konsens.html

Bures 2006: Rauch-Kallat schafft sich Machtbasis – aus unabhängigen Qualitätsinstituten wird weisungsgebundene Stelle
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20060420_OTS0116/bures-rauch-kallat-schafft-sich-machtbasis-aus-unabhaengigen-qualitaetsinstituten-wird-weisungsgebundene-stelle

Ach, ja Gesundheitsreformhttp://wp.me/p1kfuX-hF

Link: http://derstandard.at/1338559540525/Gesundheitsreform-Es-war-letztlich-keiner-bereit-wirklich-Kompetenzen-abzugeben

Written by medicus58

13. Juni 2012 at 17:51

Was lange verhandelt wird: Die Gesundheitsreform und das Ende des Sozialstaates

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Morgen, am 13.6. sollen die Eckpunkte des neuen Gesundheitssystems unterzeichnet werden, die Bund, Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Länder vereinbart haben. Die Wiener Zeitung (Gesunde Grenzen für die Kostenspirale) scheint im Gegensatz zu vielen anderen (z.B. die Ärzteschaft) vorinformiert. Die nachfolgenden Einträge stammen aus diesem Artikel: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/top_news/?em_cnt=464137
Der „Wiener Zeitung“ liegt das Papier vor, das Finanzministerin Maria Fekter, Gesundheitsminister Alois Stöger, Landeshauptmann Josef Pühringer, Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, Hauptverbands-Präsident Hans-Jörg Schelling und die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkassen Ingrid Reischl am Mittwoch unterzeichnen werden. Ab 2013 soll aber eine gemeinsame Zielsteuerung der überbordenden Kostensteigerung – vor allem im Spitalsbereich Einhalt gebieten. Ein bundeseinheitliches Krankenanstaltengesetz wird es aber nicht geben, die Länder beharren auf ihren Landesgesetzen.
Das heißt, der Bund geht erneut vor den Landeshauptleuten in die Knie. Die letzten Jahre hat gzeigt, dass es für den Bund, der letztlich für die anfallenden Defizite aufkommen muss, die bauwütige (http://wp.me/p1kfuX-k5http://wp.me/p1kfuX-kg) Landesfürsten anrichten.  Morgen, Mittwoch, soll eine „Politische Vereinbarung über ein partnerschaftliches Zielsteuerungssystem für das österreichische Gesundheitswesen und einen Ausgabendämpfungspfad für die öffentlichen Gesundheitsausgaben“ unterzeichnet werden. Damit wird die Basis geschaffen, auf der eine Vereinbarung gemäß Artikel 15a der Bundesverfassung unter Beteiligung der Sozialversicherung erarbeitet werden kann.
Ich weiß ja nicht, ob diese Formulierung akkordiert ist, aber dass, nachdem die Kammern in den Verfassungsrang gehoben wurden, auch die Sozialversicherung in einen Prozess eingebunden wird, der in der Bundesverfassung nur zwischen Ländern und Bund abzulaufen hat, ist m.E. bizarr. Diese soll im Oktober fertig sein. Mit 1. Jänner 2013 sollen das gemeinsame Zielsteuerungssystem und die Ausgabenobergrenzen in Kraft treten. Mit 1. Jänner 2013 sollen das gemeinsame Zielsteuerungssystem und die Ausgabenobergrenzen in Kraft treten.
Das Bild (Copyright liegt bei Hauptverband und Wiener Zeitung) zeigt die beabsichtigten „Kostendämpfungen“ Bund, Sozialversicherung und Länder legen gemeinsam ein sektorenübergreifendes (intra- und extramuraler Bereich) Zielsteuerungssystem vor, das Versorgungs- und Finanzziele beinhaltet. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben dürfen künftig nicht stärker als das BIP wachsen.
Wie kürzlich schon hier (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67163) angesprochen, besteht notgedrungen ein Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung einer Gesellschaft und den Steuereinnahmen und Geld, dass die öffentliche Hand nicht hat, kann sie nicht ausgeben. Es widerspricht aber sowohl dem Versicherungs- als auch dem Solidaritätsgedanken, dass ich im aktuellen Schadensfall nur das bekommen kann, was ich gerade einzahle. Gerade die antizyklischen Aktivitäten der öffentlichen Hand stabilisieren das Leben der Bürger, wenn die Wirtschaft ihre Schweinezyklen abfeiert.
Es ist auch bemerkenswert, dass NOCH NIEMAND eine BINDUNG DER WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG ODER BANKENRETTUNG an das BIP gefordert hat, sondern man sich stets an den Gesundheits- und Sozialsystemen bedient.
Die Länder erhalten ein virtuelles Budget, das sich Sozialversicherung und Land aufteilen müssen. Es bleibt also eine Entscheidung der beiden Partner auf Länderebene, ob sie Ambulanzen abbauen und dafür den niedergelassenen Bereich stärken oder eben umgekehrt. Wichtig ist dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger, dass hier gut abgestimmt wird. Einen Ausbau der Ambulanzen bei gleichzeitiger Erhöhung der Gruppenpraxen oder der Verlängerung der Ärztepraxen-Öffnungszeiten wird es nicht geben. Hier ist bemerkenswert, dass zwar der Hauptverband in den Spitalsbereich hineinregieren kann, für den er im Schnitt weniger als die im Artikel angegebenen 50% beiträgt, umgekehrt aber nicht darauf reagiert wird, dass die SPITALSAMBULANZEN DESHALB ÜBERLASTET SIND, WEIL DER NIEDERGELASSENE BEREICH nicht funktioniert.
„Es ist ein Kompromiss und nicht die beste Lösung“, analysiert Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für höhere Studien das vorliegende Papier für die „Wiener Zeitung“. Aber immerhin gebe es eine vertragliche Verpflichtung zu Ausgabenobergrenzen. Hier stiert einem die Unvernunft mit glasigen Augen an. Hauptsache „Deckel“! Wir wissen eh, dass das System schlecht ist, aber dafür beschränken wir die Kosten.
Verantwortlichkeiten nicht geklärt
So kritisiert Czypionka etwa, dass die Verantwortlichkeiten nicht geklärt sind: „Wenn die Versorgungsziele nicht erreicht werden, wer ist dann wem gegenüber Rechenschaft schuldig?“ Das sind wir gewöhnt: Im ÖSG (Österr. Strukturplan Gesundheit) kann stehen was will, wenn der Gesundheitsstadtrat nicht will, werden defekte Großgeräte drei Jahre lang nicht ausgetauscht, hat man einen guten Draht zu ihm, dann sprudeln die Mitteln nur so.
Wenn das alles so kommt, wie es die Wiener Zeitung schreibt (und auch andere Informationen sprechen seit vielen Wochen dafür), dann haben wir es mit folgenden Fakten zu tun.

DER SOZIALSTAAT, DER IN WIRTSCHAFTLICHEN KRISEN GEGENSTEUERN KANN (wenn er es noch kann) WIRD DURCH EINE KOSTENBINDUNG AN DAS BIP ENDGÜLTIG BEGRABEN.

DIE POLITIK NIMMT SICH WIE SCHON IM FISKALPAKT JEDE INTERVENTIONSMÖGLICHKEIT UND HAT ABGEDANKT.

DIE BÜRGER (ARBEITNEHMER UND ARBEITGEBER) MÜSSEN ZWAR UNTER DEM TITEL „KRANKENVERSICHERUNG“ ZAHLEN, DABEI HANDELT ES SICH JEDOCH UM KEINE VERSICHERUNG MEHR.

SOLANGE ES LANDESHÄUPTLINGE GIBT, WIRD ES IN DIESEM LAND KEINE FINANZIERUNG DES GESUNDHEITSWESEN AUS EINER HAND GEBEN.

Written by medicus58

12. Juni 2012 at 17:02

Endlich ELGA: Cui bono?

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Jetzt kommt Bewegung rein, alle sind sich einig, da muss es ja was Gutes sein:
ELGA

Trotz aller hier immer wieder angeführter Bedenken http://wp.me/p1kfuX-9g http://wp.me/p1kfuX-hp
und den schlechten Erfahrungen anderer in
UK: http://www.bmj.com/content/344/bmj.e3739, http://www.aekwien.at/aekmedia/Healthcare_UK.pdf  Tschechien: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Tschechien-stoppt-elektronische-Patientenakte-IZIP-1587082.html trotz Kritik von
Ärztekammer: http://www.aekwien.at/index.php/aerztekammer/oeffentlichkeitsarbeit/kampagnen/elga/1098.html Datenschützern: http://www.argedaten.at/php/cms_monitor.php?q=PUB-TEXT-ARGEDATEN&s=76073ews Sozialdemokratischen Ärzten: http://www.initiative-elga.at/ELGA/pressespiegel_infos/Analyse_ELGA_kritische_Betrachtung_120206.pdf

sind sich nun  Niederösterreichs Schatten-Gesundheitsminister Sobotka (http://wp.me/p1kfuX-4g) und Wiens Gesundheitsstadträtin Wehselsy (über deren Planlosigkeit hier kürzlich berichtet wurde: http://wp.me/p1kfuX-jr) einig, (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120604_OTS0235/sobotka-und-wehsely-zur-gesundheitsversorgung-in-der-ostregion) dass
ELGA kommt!

Damit sind Sie in guter Gesellschaft:
Gesundheitsminister Stöger (der Patienten seit Jahren versichert, dass es trotz finanzieller Kürzungen keine Einschränkungen im Gesundheitssystem gibt http://wp.me/s1kfuX-lugen) verkündet ELGA Start 2012: http://orf.at/stories/2124009/ Wir halten für die Zukunft fest: Einrichtungskosten rund 130 Millionen € ab 2017 laufenden Kostenknapp 70 Mio. (oder zuletzt nur 18 Mill., je nach Quelle) €/Jahr
Für Hans Jörg Schelling (Vorstandsvorsitzender des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger und vom Möbelverschleißer umgeschulter Dirigent der Gesundheitsdienstleister https://medicus58.wordpress.com/tag/schelling/) ist die Lösung überhaupt klar: „Fragen Sie keinesfalls Ihren Arzt.“

Für Martin Gleitsmann von der Wirtschaftskammer wird durch die lückenlose Transparenz der Gesundheitsdaten „die Patientensouveränität gestärkt.“ http://www.schaffler-verlag.com/gw_artikel_dl/111208.pdf Ersetzen Sie Gesundheits- durch Finanzdaten und fragen Sie sich, weshalb wir dann ein Bankgeheimnis brauchen …

Und die Patientenanwälte sind ja ohnehin für ELGA: http://kaernten.orf.at/news/stories/2511593/ Weil Sie das Wohl der Patientenschaft im Auge haben, hoffe ich mal.

Und da das Ganze ja auch von der Europäischen Union auf das heftigste eingefordert wird:  Die Europäische Kommission will die digitale Wirtschaft verbessern, indem es allen Europäern einen Zugang zu Online-Krankenakten in ganz Europa bis spätestens 2020 ermöglichen will. Mit der neu in Kraft getretenen Richtlinie 2011/24/EU über Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung und einer Umsetzung bis 2013, ist es unvermeidlichdass ein zentrales europäisches Gesundheitsakten System noch vor dem Jahr 2020 zur Realität werden wird. (Text Übersetzung Wikipedia) http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0267364911001257

Ja, wenn alle dafür sind und sich nur die Ärzte dagegen wehren, was liegt da auf der Hand?

„Fragen Sie keinesfalls Ihren Arzt“ der hat was zu verbergen …

Unsere Grafik stammt von der APA und ist einem Artikel der Presse entnommen: http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/762666/ELGA_Man-kann-die-Aerzte-nicht-in-Ketten-abfuehren
Das BuMin gliedert die für 2017 erwarteten Einsparungen wie folgt auf:
45 Millionen € werden eingespart, weil Arzneimittelwechselwirkungen vermieden werden! In anderen Worten E-MEDIKATION! Interessant, denn bisher war E-Medikation nur ein kleienr Teil von ELGA, jetzt ist es das Zugpferd. Über E-Medikation als machtpolitischer Prüfstein machte sich Pichlbauer so seine Gedanken (http://bit.ly/MwZDZM) um an anderer Stelle klar zu machen: “ e-Medikation und Arzneimittelsicherheitsgurt haben nur den einen Hintergrund (Patientensicherheit ist es nicht!): Die Apotheken brauchen einen USP, der ihre Privilegien schützt!” http://fb.me/1MlxBHNCk

Die bisher als Kostentreiber den Patienten verkauften Benefizien der durch ELGA  vermiedenen Doppelbefundungen (Labor, Röntgen) kommen überhaupt nicht mehr vor … komisch, nicht.
31 Millionen € werden eingespart, weil es weniger Arbeitsausfälle gibt! Eine Begründung habe ich nicht gefunden, weshalb jemand, der von sich glaubt krank zu sein erst durch einen Blick in ELGA als „gesund“ entlarvt werden kann; oder geht das BuMin davon aus, dass diese Krankenstände eine Folge von Arzneimittel-Wechselwirkungen darstellen? Na, dann ist der Spruch, dass das Gute aus der Apotheke kommt, schon sehr zu relativieren …

28 Millionen ersparen wir uns durch vermiedene Spitalseinweisungen! Weil wir aus ELGA erfahren, dass der frische Herzinfarkt nicht zu hospitalisieren ist? dass die verwirrte, alleinstehende Omi, gar nicht verwirrt und alleinstehend ist? dass der Hausarzt, seine Patienten allein dadurch heilen könnte, indem er alle Medikamente, die von den Fachärzten rezeptiert wurden, einfach absetzt? Endlich, ELGA!
Wenn Millionen Fliegen nicht irren können, dass Scheisse was Gutes ist, dann müssen auch alle Experten Recht haben,
die noch nie einem Patienten gegenüber saßen,
die nie aus einem alten, der deutschen Sprache nicht mächtigen Anatolier herausfinden mussten, wo es schmerzt,
die nicht täglich feststellen, dass immer wieder elektronischen Daten falsch, unzugänglich, doppeldeutig oder mißverständlich sind,
die nicht Stunden in diversen ELGA Lenkungsausschüssen über das fundamentale Unverständnis der Informatiker den medizinischen Entscheidungsprozessen gegenüber staunten durften …

Mein Tip: „Fragen Sie doch fallweise einen Arzt“

Der mag geldgierig sein
(aber warum betreibt Ihr Apotheker seinen Laden?)
Der mag hinter Ihrem Krankenschein her sein
(aber Ihr Politiker will doch auch nur Ihre Stimme)
Der will sich vieleicht nicht in seine Karten schauen lassen
(aber der Zeitungsherausgeber sagt Ihnen ja auch nicht freiwillig, dass er den Gesundheitsbeitrag nur gebarcht hat, weil auf der nächsten Seite ein einschlägiges Inserat geschaltet wurde)
Aber Ihr Arzt hat irgendwann sein Geschäft in mind. 5 Jahren Studium und mind. 3 – 6 Jahren praktischer Ausbildung gelernt …

und am Ende des Tages werden Sie wie alle anderen hier genannten Personen ihn brauchen,
wenn Sie krank sind,
aber auch, wenn Sie nur glauben, dass Sie krank wären!


Links:
Aus dem Institut für Informationssysteme des Gesundheitswesens 2008 http://iig.umit.at/dokumente/msc_hackl.pdf

Written by medicus58

5. Juni 2012 at 17:34

Familie Putz geht zum Gesundheitsdienstleister

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Hans Jörg Schelling
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_J%C3%B6rg_Schelling  , studierter Betriebswirt, Möbelhändler bei Leiner/KIKA und nach Differenzen bei XXXLutz und erst seit 21. Jänner 2009 Vorsitzenden des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Mit der von professionellen Unternehmensberatern gewöhnten Geschwindigkeit, legt er nach kurzer Einarbeitungszeit die Strategische(n) Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitswesens aus Sicht der Sozialversicherung, den MASTERPLAN GESUNDHEIT vor. http://images.derstandard.at/2010/11/19/masterplan.pdf  Beliebte Begriffe sind einerseits pseudomarktwirtschaftliche Termini wie Gesundheitsdienstleister, Zertifizierung und andererseits Plattheiten, die jeder alternativmedizinischer Verkaufsfahrt alle Ehre machen würden: ganzheitlichen Ansatz zur Verbesserung der Gesundheit vergangenheitsorientiert, Vom Lippenbekenntnis zum Lebensprinzip Man könnte ja fast glauben, dass alle bisher von der Politik eingesetzten Player ( http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31614  ) nur zu dumm waren, die Wahrheit zu sehen und die einzige Lösung zu finden. Danach breitet Herr Schelling seine Wahrheiten aus und verspricht durch die gänzliche Elimination der Ärztinnen und Ärzte aus dem Entscheidungsprozess endlich Statt auf Krankheit, den Blick auf Gesundheit lenken. Ich vertrete nicht die Position der Österr. Ärztekammer, aber deren Resolution zum Masterplan läßt tief blicken, mit welcher Hü-und-Hott-Politik in den letzten Jahren in diesem Land Gesundheitspolitik gemacht wird: http://www.aekwien.at/aekmedia/Masterplan_Resolution.pdf  Nur in einem Punkt trifft Herr Schelling die Wahrheit: Die Versorgung erfolgt nicht nach dem Bedarf, sondern nach den Zuständigkeiten der Akteure im Gesundheitswesen Der Hauptverband der Österr. Sozialversicherungen ist seit Jahrzehnten einer dieser Akteure und glaubt uns jetzt glauben machen zu können, dass seine Meinung neutral wäre ……
Vergleiche auch:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33160
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33251
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33820

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