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Das Covid-19 Impf-Dilemma hat schon Hippokrates vorhergesehen (Update 6.1.2021)

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Desperate times require desperate measures,
ist zumindest im Englisch-sprachigen Raum ein geflügeltes Wort, das vermutlich auf den alten Hippokrates zurück geht, als ob der Alte schon geahnt hätte, was jetzt in der Pandemie so abgeht.

Seit Wochen, ja Monaten wird über Impfungen gesprochen, der Beginn von Massenimpfungen angekündigt, bzw. in einigen Ländern (Russland, China, UK,…) auch schon exekutiert, ehe andere Behörden (FDA in den USA, EMA für die EU) diese Impfungen zugelassen haben. Dort wo bereits außerhalb von Studien geimpft wird, beruft man sich auf eine Notfallzulassung, die eigentlich nicht für die Verabreichung neuer Medikamente an Gesunde gedacht war.

Sieh man sich die weiter unten verlinkten Daten zum medial seit längerem am lautesten gepriesenen Impfstoff an, der in den USA als amerikanische Leistung (Pfizer-BioNTech), in Deutschland als deutsche Leistung (BioNTech-Pfizer) gepriesen wird, dann sprechen wir von einem Median der Nachbeobachtung von 2 Monaten!

Dieser kleine Blog am Rande des weiten Netzes nimmt sich jetzt nicht so wichtig, dass er sich zu einer endgültigen Abwägung zwischen Nutzen und Risiko, sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft durchringen wird, aber er möchte den Zugang zu den vorliegenden Informationen erleichtern, was schwer genug ist, weil noch verdammt wenig Informationen jenseits von Pressekonferenzen und Ankündigungen bekannt wurde.

Wie unten verlinkt, beschäftigt sich die Europäische Zulassungsbehörder EMA erst seit Anfang Oktober in einem sogenannten Rolling Review mit dem Impfstoff von AstraZeneca, seit November mit den Produkten von drei anderen Herstellern. Einreichunterlagen haben erst am 1.12.2020 von Pfizer-BioNTech, Moderna und Janssen erhalten und veranstalten am 11.12.2020 ein Öffentliches Stakeholder Meeting. Auch hat die EMA im Gegensatz zur FDA, die aktuell die eingereichten Daten für den Pfizer-BioNTech offengelegt hat und für 15.12. Daten von Moderna offenlegen möchte, bis heute (9.11.)  noch keine der eingereichten Unterlagen zugänglich gemacht.

Gleichzeitig machen Politik und Medien Stimmung, als ob wir mitten im Winter vor einer g’mahten Wiesen stünden.
Um da wieder auf den Hippokrates zurück zu kommen, wirkt die politische und mediale Beschäftigung mit dem Thema jedenfalls schon sehr „desperate“ (= verzweifelt, zum Äußersten entschlossen, extrem lt. Collins Dictionary).

Als Beispiel möge hier die Österr. Impfstrategie  (Download 9.12.) genügen, um die entstehende Kognitive Dissonanz zwischen Medizinischer Evidenz und politischer Erwartungshaltung augenscheinlich zu machen:

Der Zeitpunkt des Starts der Covid-19-Impfung rückt näher. Die ersten Marktzulassungen könnten um den Jahreswechsel, möglicherweise noch in der zweiten Dezemberhälfte erfolgen

Auch wenn der Covid-Beauftragter Auer heute im Mittagsjournal eine Lanze für die transparente Information – nicht zuletzt der Ärzte – bricht, wird hier eine Erwartungshaltung aufgebaut, der möglicherweise nicht entsprochen werden kann: Neben den medial beworbenen Vaccinen (insbesondere von Pfizer-BioNTech und Moderna) wurden von der EU auch ganz andere Impfungen vorbestellt, ehe es abgeschlossene Studien in großen und repräsentativen Kollektiven gab:

AstraZeneca: 6 Mio. Dosen
SANOFI, Protein-Subunit 1,5 Mio. Dosen
Johnson&Johnson 2,5 Mio. Dosen
BioNTech/Pfizer 3,5 Mio. Dosen
CureVac 3 Mio. Dosen

Die meisten (6 Mill) wurden bei AstraZeneca vorbestellt, die den Impfstoff auf Basis eines Virusvectors gemeinsam mit der Uni Oxford entwickelt haben, aber offenbar große Probleme mit dem Herstellungsprozess erlebten (siehe Link). Nur in der Subgruppe, die fälschlich (!?!) eine zu niedrigen Dosierung in der ersten Impfung erhalten hat, konnte eine eine den mRNA Impfstoffen (Pfizer, Moderna) vergleichbare Erfolgsrate gefunden werden, in der geplanten Dosierung, war der Impfstoff deutlich schlechter.
Völlig still wurde es über die von vielen Fachleuten erhobene Forderung, dass das Impfkonzept mit zwei unterschiedlichen Dosierungen, eigentlich in einer nachfolgenden Studie verifiziert werden sollte. Auch handelte es sich um diesen Impfstoff, bei dem die Studie kurzfristig pausiert wurde, weil ein Fälle von Myelitis aufgetreten sind:
Ein Fall trat 14 Tage nach der 2. Impfung auf, wurde aber von neurologischen Experten als wahrscheinlich spontan aufgetreten klassifiziert. Ein weiterer Fall trat 10 Tage nach der ersten Impfung auf, wurde aber von neurologischen Experten als vorbestehende, aber unerkannte Multiple Sklerose klassifiziert. Ein dritter Fall trat in der Kontrollgruppe, 69 Tage nach einem Meningitisimpfstoff auf. Dieser Patient hat aber den Covid-Impfstoff nie erhalten.
Bei allen Impfstoffen sind in unterschiedlicher Intensität Lokalreaktionen und kurze Fieberperioden beschrieben. Wie auch bei anderen Impfungen sind vorübergehende Blutbildveränderungen (Neutropenie) beobachtet worden. Allein diese Unterschiede könnten zu durchaus berechtigten Diskussionen führen, dass sich prinzipiell Impfwillige für einen bestimmten Impfstoff entscheiden, der aber dann nicht unbedingt der sein wird, der gerade (gratis) verfügbar ist.

Mir fehlt die Phantasie, wie das die Gesundheitspolitik bis zum Jahreswechsel, möglicherweise noch in der zweiten Dezemberhälfte hinbekommen will, ohne indirekt Druck aus zu üben.

Nachfolgend habe ich einige Links zu vorliegenden wissenschaftlich haltbaren Informationen zu einzelnen Impfstoffen eingestellt und werde das in den nächsten Wochen noch ergänzen (Dank an @docmarton für den Tweet zur FDA Seite).

Stand heute sind m.E. noch sehr viele Frage offen, auf die wir mit Sicherheit bis zum Jahreswechsel keine Antwort haben werden:

Es kann zwar davon ausgegangen werden, dass keine Behörde einen Impfstoff zulässt, der wirkungslos (< 50%) ist aber wie lange der Impfschutz im Mittel anhält kann nur durch eine längere Beobachtungszeit ermittelt werden, als aktuell zur Verfügung stand.

Die akuten und lokalen Nebenwirkungen sind für die ersten Impfstoffe schon ziemlich klar (Schwellung an der Einstichstelle, Fieber, Muskelschmerzen, Müdigkeit) und durchaus heftiger als für viele andere heute übliche Impfungen. Für den Ausschluss von seltenen Nebenwirkungen benötigt man Jahre.

Man kann aktuell davon ausgehen, dass einzelne Impfungen unterschiedlich wirken (nur humoral, also über Antikörperbildung oder auch zellulär (T-Lymphozyten) ob das eine Differentialindikation darstellt, ist augenblicklich offen.

Ich freu mich schon auf Antworten aus dem Gesundheitsministerium. Die augenblicklichen FAQ (unten verlinkt) geben darauf und auch auf weitere offenen Punkte noch keine Antwort.

Publikationen:

AstraZeneca (Nicht replizierender Adenocirus Vector)
Safety and efficacy of the ChAdOx1 nCoV-19 vaccine (AZD1222) against SARS-CoV-2: an interim analysis of four randomised controlled trials in Brazil, South Africa, and the UK
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)32661-1/fulltext

Janssen (Nicht replizierender Adenocirus Vector)
Safety and immunogenicity of the Ad26.COV2.S COVID-19 vaccine candidate: interim results 2 of a phase 1/2a, double-blind, randomized, placebo-controlled trial
https://www.medrxiv.org/content/medrxiv/early/2020/09/25/2020.09.23.20199604.full.pdf

Pfizer-BioNTech (mRNA)
Phase I/II study of COVID-19 RNA vaccine BNT162b1 in adults
https://www.nature.com/articles/s41586-020-2639-4

Moderna (mRNA)
Safety and Immunogenicity of SARS-CoV-2 mRNA-1273 Vaccine in Older Adults
https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2028436? 

SANOFI (Protein-Subunit)
Sanofi hat mehrere Impfstoffe in verschiedene Phasen (u.a. auch einen mRNA Impfstoff)
Bei dem von der EU vorbestellte Impfstoff wurde gemeinsam mit GlaxoSmithKline entwickelt und steht in Phase 2. Das Prinzip beruht auf einem schon zugelassenen Influenza-Impfstoff (Flublok Quadrivalent). Erste Ergebnisse der Phase 1/2 wurden für Anfang Dezember versprochen.

Johnson&Johnson (Viral-Vector)
Musste seine im September begonnene klinische Studie 3 kurzfristig unterbrechen
Drugmaker Halts Vaccine Trial Because of Sick Volunteer
und hat bislang erste Interimresultate bekannt gegeben:
Safety and immunogenicity of the Ad26.COV2.S COVID-19 vaccine candidate: interim results
2 of a phase 1/2a, double-blind, randomized, placebo-controlled trial

Die Phase 3 begann in den USA mit 15.11.2020

CureVac (mRNA)
Beginn der Phase 3 im Dezember 2020
Phase 1 Assessment of the Safety and Immunogenicity of an mRNA- Lipid Nanoparticle
Vaccine Candidate Against SARS-CoV-2 in Human Volunteers

CureVac climbs on vaccine data despite tolerability questions


Allgemeiner Überblick:
A Review of the Progress and Challenges of Developing a Vaccine for COVID-19
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7591699/

NYT Corona Vaccine Tracker

CDC

Interim Considerations for Use of mRNA Covid-19 vaccines

FDA Aktivitäten

10.12.2020 Meeting
Pfizer-BioNTech
Vaccines and Related Biological Products Advisory Committee Meeting December 10, 2020 FDA Briefing Document Pfizer-BioNTech COVID-19 Vaccine https://www.fda.gov/media/144245/download

Inhaltsstoffe des Pfizer-BioNTech Impfstoffs

Englisch

Standardartikel (Deutsch)
 
PFIZER-BIONTECH COVID-19 VACCINE (BNT162, PF-07302048) VACCINES AND RELATED BIOLOGICAL PRODUCTS ADVISORY COMMITTEE BRIEFING DOCUMENT MEETING DATE: 10 December 2020 https://www.fda.gov/media/144246/download

17.12.2020 Meeting
Moderna, Inc.
Event Material (seit 15.12.2020 online) hier: https://www.fda.gov/media/144452/download

Addendum

EMA Aktivitäten

Begründung der Registrierung von Comirnaty

1.12.2020
Janssen
EMA starts rolling review of Janssen’s COVID-19 vaccine Ad26.COV2.S https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-starts-rolling-review-janssens-covid-19-vaccine-ad26cov2s

BioNTech-Pfizer
EMA receives application for conditional marketing authorisation of COVID-19 mRNA vaccine BNT162b2
https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-receives-application-conditional-marketing-authorisation-covid-19-mrna-vaccine-bnt162b2

Moderna
EMA receives application for conditional marketing authorisation of Moderna COVID-19 vaccine
https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-receives-application-conditional-marketing-authorisation-moderna-covid-19-vaccine

Public stakeholder meeting 11.12.2020:
https://www.ema.europa.eu/en/events/public-stakeholder-meeting-development-authorisation-safe-effective-covid-19-vaccines-eu#documents-section

16.11.2020
Moderna
EMA starts rolling review of mRNA COVID-19 vaccine by Moderna Biotech Spain, S.L.
https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-starts-rolling-review-mrna-covid-19-vaccine-moderna-biotech-spain-sl

6.10.2020
BioNTech-Pfizer
EMA starts second rolling review of a COVID-19 vaccine
https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-starts-second-rolling-review-covid-19-vaccine

6.1.2021
AstraZeneca 

NEU: Unterlagen zur UK Zulassung

https://t.co/mlno8ik4kv?


EMA starts first rolling review of a COVID-19 vaccine in the EU
https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-starts-first-rolling-review-covid-19-vaccine-eu

Österreich: Sozialministerium:

FAQ:  https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus/Coronavirus—Haeufig-gestellte-Fragen/FAQ–COVID-19-Impfung.html

Written by medicus58

9. Dezember 2020 at 17:05

Warum setzt man meinem Gewinnstreben Grenzen und lässt die Pharma machen was sie will?

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Dass das primäre Ziel von Pharmafirmen der finanzielle Gewinn und nicht unser aller Gesundheit ist,
hat so wenig Neuigkeitswert wie die Erkenntnis, dass sich Fastfood Ketten nicht dem Kampf gegen den Hunger in der Welt verschrieben haben.
Auch dass Wissen, dass es sich bei Entwicklung und Vermarktung von Pharmaka um ein Milliardengeschäft mit großen Chancen aber auch – sollten nach Jahren schwere Nebenwirkungen nachgewiesen werden – nicht unbedenklichen finanziellen Risken handelt, darf vorausgesetzt werden.

Neue Einsichten in diesem Spiel verdanken wir nun der 1982 in Boston (USA) gegründeten Firma Genzyme (http://www.genzyme.com/),
die 2011 von Sanofi (http://en.sanofi.com/) aufgekauft wurde.

Genzyme ist eine typische Biotech-Firma,
die ihren Schwerpunkt auf die Entwicklung von biologisch produzierten Proteinen (u.a. Immunglobuline) setzt. Im Gegensatz zu den klassischen Medikamenten (z.B.: Azetylsalezylsäure wie in Aspirin®), bei denen es sich um chemisch einfachere „Chemikalien“ handelt, hat das Risiko von biologisch wirksamen Verunreinigungen während des Herstellungsprozesses von proteinbasierten Wirkstoffen (Viren) früher die „großen“ Pharmakonzerne eher abgeschreckt und sie haben die Entwicklung den kleinen start-ups überlassen. Schließlich ist es im Falle von drohenden Haftungen billiger ein kleines Unternehmen in Konkurs gehen zu lassen, als einen „Pharmariesen“ von der Bildfläche verschwinden zu lassen.
Diese kleinen Firmen agieren naturgemäß immer sehr aggressiv am Markt, da ihre Geldgeber eine entsprechende Rendite erwarten, wenn ein Produkt einmal die Marktreife erreicht hat, da ihnen der „lange Atem“ eines Großkonzerns fehlt.
Genzyme, als es noch eigenständig war und nur Nischenprodukte für seltene Stoffwechselerkrankungen bzw. ein Produkt für die Diagnostik des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms auf dem Markt hatte, agierte ebenfalls in diesem Sinne. Da vor dem Verkauf an Sanofi nichts mehr in die Produktion investiert wurde, mussten unzählige Patientengespräche geführt werden, um zu erklären, weshalb Thyrogen® wegen technischer Probleme monatelang nicht mehr lieferbar war, für das noch massiv die Werbetrommel gerührt und die „Selbsthilfegruppen“ für Schilddrüsenkarzinompatienten instrumentalisiert wurden.
Doch auch unter dem Schutzmantel des großen Sanofi-Konzerns agiert man weiterhin ausschließlich nach kommerziellen Überlegungen.
Da man sich für seinen Antikörper Alemtuzumab (Mabcampath®), den man übrigens 2009 von Bayer gekauft hat und der ursprünglich für die Therapie einer auf die Standardtherapie nicht mehr ansprechenden chronisch lymphatischen Leukämie (B-CLL) zugelassen war, einen höheren Gewinn verspricht, wenn er sich bei an Multipler Sklerose (MS) erkrankten Patienten bewährt, hat die Firma bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA auf die erste Indikation verzichtet und will die beschränkten Ressourcen des Wirkstoffes ausschließlich auf die neue Indikation (unter der neuen Produktbezeichnung Lemtrada) konzentrieren.
Für die Uneingeweihten:
Medikamente haben einen Stoffnamen, der die Wirksubstanz charakterisiert und oft verschiedene Produktnamen unter denen der Stoff dann verkauft wird
Bei biologischen Wirkstoffen ist es im Gegensatz zu den klassischen Pharmaka nicht so einfach die Produktionsmengen der Substanzen zu erhöhen.
Neben der nicht beliebig steigerbaren Produktion des Wirkstoffes gibt es auch noch ein anderer viel banaleren Grund für Genzyme, die bisherige Indikation aufzugeben: Für eine Therapie der Multiplen Sklerose genügen im Vergleich zur Leukämietherapie so geringe Substanzmengen, dass man bei proportionaler Preisgestaltung in der neuen Indikation viel billiger als die Konkurrenz (Biogen Idec: Tysabri (natalizumab), Novartis: Gilenya (fingolimod)) wäre, d.h. sich eines möglichen Gewinns begeben würde, was die Aktionäre kaum freuen würde!
Zwar hätte man zwei verschiedene Produktnamen (Campath für die Leukämietherapie und Lemtrada für die Therapie der Multiplen Sklerose), jedoch handelt es sich um die gleiche Wirksubstanz und bei unterschiedlichen Preisen pro Substanzmenge wäre zu erwarten, dass die MS Patienten einfach mit Campath statt mit Lemtrada behandelt würden, so dass man dem einen Riegel vorschieben will.
Ähnliches hat es auch schon bei Medikamenten für eine andere „Volkserkrankung“, der Makuladegeneration, gegeben, so dass wir uns langsam gewöhnen müssen, dass „der Markt“ nicht nur über unsere Arbeitsplätze, Bankkonten, Pensionskassen, …etc. entscheidet, sondern eben auch über unsere Lebenserwartung bestimmt.

Wehleidigkeit ist da vielleicht weniger angebracht, wenn man sich einmal vor Augen führt, dass man mit dem Geld das reiche Gesellschaften wie die unsere für eine paar Monate Lebensverlängerung investieren, am anderen Ende dieser Welt ganze Landstriche vor dem Tod durch Unterernährung, Malaria, Lepra oder Tuberkulose (um nur einige billig behandelbare Todesursachen zu nennen) zu bewahren könnte.

Natürlich ist diese Gegenrechnung ebenso krank, wie das aufgezeigte Verhalten der Pharmaindustrie, nur kommt noch ein wesentlicher Aspekt dazu:
Während unsere Gesellschaften maßgeblich an der globalen Verbreitung eines ausschließlich auf Gewinnmaximierung basierenden Wirtschaftssystems beteiligt waren und dadurch auch einige persönliche Vorteile ziehen konnten, hattn andere Gesellschaften in diesem Spiel nichts mitzureden und auch bis heute keine Vorteile gehabt.

Wir könnten derartige Exzesse, wie das rücksichtslose Jonglieren mit der Zugänglichkeit zur medizinischen Versorgung, einmal zur Überlegung benützen, ob es wirklich unserer Weisheit letzter Schluß ist, alle unsere Lebensbereiche dem systemimmanenten Zwang zur Gewinnmaximierung auszuliefern, oder ob es nicht Sinn machen würde Regeln aufzustellen, die zwar Anreize belassen in das Gesundheitssystem zu investieren, den entnehmbaren Gewinne aber Grenzen setzen.
Bei ärztlichem Einkommen
(Deckelungen, Progression, Dienstrecht, …)
hat sich das „die Gesellschaft“ ja auch getraut, weshalb traut sie sich das nicht gegenüber Multinationalen Konzernen (oder Banken)?

Links:
http://relevant.at/wirtschaft/pr/701593/wirksames-leukaemie-medikament-kommerziellen-gruenden-vom-markt-genommen.story
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/lymphome/article/819675/strategischen-gruenden-leukaemie-arznei-markt-genommen.html
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/preistreiberei-der-pharmabranche-wie-man-ein-medikament-drastisch-verteuert-1.1444186
http://www.pmlive.com/pharma_news/sanofi_campath_alemtuzumab_eu_us_cancer_ms_419320
http://www.pharmatimes.com/Article/12-08-21/Sanofi_withdraws_Campath_in_US_and_EU.aspx

Written by medicus58

27. August 2012 at 17:23

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