Sprechstunde

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Politik zwischen Onanie und Egomanie

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Pilot seines Lebens wäre er, sagte der Strolz der Spitzenkandidat der Neos und verkündete, dass er seine Parteiobmannschaft und sein Nationalratsmandat zurücklegen wird, ein schlappes halbes Jahr nachdem er sich in diese Funktion wählen ließ. Überraschend kriegt er dafür nicht nur vom Fellner Respekt.

Immerhin erst nach zehn Jahre als Clubchef der Wiener Roten, beschloss SP Oxonitsch, dass er sich wieder darauf konzentrieren will was, was ihm Spaß macht, und zog sich zwar nicht gänzlich zurück, aber immerhin in die Kommunalpolitik, was auf’s Gleiche rausläuft.
Ja, und auch SP Kulturstadrat Mailath-Pokorny  ließ sich wählen, so wie SP Gesundheitsstadträtin Frauenberger, scheinen aber irgendwie die Lust am Job verloren zu haben.
Ja,  und dann gabs zuletzt auch bei der Liste Pilz (Peter Kolba) eine Art Rücktritt.
Salzburg.at bringt es überhaupt auf den Punkt und erklärt den Mai zum Rücktrittsmonat für Parteichefs (Werner Faymann (SPÖ), Reinhold Mitterlehner (ÖVP) , Eva Glawischnig (Grüne) und 2000 Bienenzüchter Jörg Haiders).

Nun freut man sich bei manchen, wenn sie gehen, bei wenigen, wenn sie kommen, aber ein Problem bleibt:

Demokratie basiert auf dem Grundvertrauen der Wähler, dass Parteien bei ihrem Programm bleiben (hihi, als ob das irgendjemand noch lesen würde) und dass die Personen, die vor Wahlen in gefühlten Quadratkilometer Plakatwänden die Umwelt verschandeln, eigentlich einen Großteil der Wahlperiode „zur Verfügung stehen„.

Schön, dass Strolz seinem Herz gehorcht, aber eigentlich sollte er meiner Meinung nach auch eine Verantwortung all denen gegenüber fühlen, denen er doch medienwirksam die Flügel heben wollte.
Das gilt auch für all die anderen, insbesondere auch die Regierungen, die nicht über die volle Legislaturperiode gehen.

Vielleicht ist das des größte Defizit der Motivationstrainer, Beraterhorden, Ich-AGs, Polit-Einpeitscher und Phrasendrescher, dass sie ihren Job mehr zur Selbstbefriedigung als als Aufgabe an der Gemeinschaft sehen.
Ja, natürlich, ein Buchprojekt, sehe ich auch schon seit Jahrzehnten vor meinen Augen, nein, natürlich nicht sowas wie meine bisherigen Kapitel und Lehrbücher, nein, etwas was wirklich befriedigt.

Tut mir leid, Patienten, die Arztbriefe und Befunde bleiben einfach liegen. Zu den kommenden Terminen werde ich halt einfach verhindert sein.
Wollte zwar noch den aktuellen ÖSG Entwurf lesen und kommentieren, aber ich werde Pilot meines Herzens und ich verwirkliche mich mal …..

Nur so viel zu dem Respekt, den nun die Medien Herrn Strolz zollen.
Mich würde interessieren, ob sie das auch so respektwürdig fänden, wenn ihnen ihre Putzfrau, ihre Flugkapitän oder Zugsführer, ihr Arzt oder ihr Rechtsanwalt mitten im Verfahren mitteilen, dass sie nun lieber fischen gehen werden.

Vielleicht verstehen sie was ich meine, wenn Sie sich an den nachfolgenden Dialog aus „Lawrence of Arbia“ erinnern:
Feisal: With Major Lawrence, mercy is a passion. With me, it is merely good manners. You may judge which motive is the more reliable.

Quereinsteiger oder Egomanen mögen Abwechslung bringen und den dumpfen politischen Alltag erheitern, verlässlicher sind wohl Menschen, für die es einen Unterschied gibt zwischen Feuer und Strohfeuer.

 

Strolz: „Ich ziehe weiter“ – ins Ungewisse

Written by medicus58

7. Mai 2018 at 19:56

Kein Nachruf auf Stadträtin Frauenberger

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Vorausgeschickt sei, dass eine Stadträtin, die erst seit knapp einem Jahr das Ressort übernommen hat, nicht für alles verantwortlich gemacht werden kann, was ihrer Vorgängerinnen Brauner und Wehsely in penibler Kleinarbeit klein gekriegt haben:
Ciao, Sonja Ciao; Leider nicht (16.5.) aber JETZT !!! 
Chapeau, auch wurde unter Frauenberger der von Wehsely gegen schwere Bedenken durchgeboxte Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) Janßen gekündigt, was prinzipiell als richtiger Schritt gelten mag:
Janßen identifizierte sich nicht mit dem Gesamtinteresse der Stadt Wien und musste gehen 
Es stimmt auch, dass es unter Frauenberger weniger Schreiduelle, weniger politischen Terror und etwas ruhigere Arbeitsbedingungen im KAV gegeben hat, jedoch wurde es in zahllosen Begebenheiten klar, dass Frauenberger und ihr Büro keine Ahnung vom Gesundheitswesen hatte und ihre Lernfähigkeit bis zum Schluss nicht ausreichte sich Basiskenntnisse anzueignen.
Vielleicht nicht ganz untypisch für viele Kammer-, Gewerkschafts- und VereinskarrieristInnen hatte sie keine Scheu Einlassungsfahrlässigkeit zu begehen, wenn ihr ein nicht gerade gering dotiertes öffentliches Amt angeboten wird.
(Zugegeben, gerissen hat sie sich ohnehin nicht darum, aber Kadavergehorsam einer Partei gegenüber, ohne der wir nichts wären, ist auch keine Entschuldigung!)

Nicht zugestimmt werden kann ihrer Aussage , dass sie nun voll von Reformvorhaben nur zurückgetreten ist, nur weil vom Boulevard „Grenzen“ überschritten wurden.
Ihr letztes „Reformvorhaben“ das neue Statut für den KAV wurde schließlich von ihren eigenen Parteikollegen abgelehnt, sogar von ihren Gewerkschaftern!
Ehrlicher wäre es gewesen offen zu legen, dass der Boulevard seine Munition aus den eigenen Reihen erhalten hat.
Wenn sie die fallweise Anwesenheit des AKH Direktors in der KAV Generaldirektion als ihre Managementleistung anpreist, kann das wohl nicht ihr Ernst sein.
Weder hat der bislang fühlbare Spuren hinterlassen, noch hat er sich in der „Energetiker-Affäre“ als unantastbar erwiesen. Auch diese Nachrichten kommen nicht aus der Luft sondern scheinen lanciert. Das alles hätte Frauenberger ansprechen können, hätte aber damit wohl ihr Ausgedinge im Gemeinderat, der Gewerkschaft oder wo auch immer gefährdet. Dazu war sie dann doch zu sehr Parteisoldatin. Wenn nun in den (A)Sozialen Medien von der besonderen Häme gegen Frauen geschwätzt wird, dann kann man sich nur mit wundern, wie die Saat aufgeht, von Fakten abzulenken..

So erleben wir die innerparteilichen Grabenkämpfe Wiens staunend mit: Just Bad Weibs um das KH Nord oder das Ende des Roten Konsenses?
und vergessen eigentlich auf das Wesentliche:
Seit etwa Jahr hat der größte Gesundheitdienstleister Wiens weder eine politische noch eine innere Führung.
Die angekündigte „Auslagerung„, die schließlich zur „Anstalt“ wurde, hängt völlig in der Luft.
Von der angekündigten „Personalhoheit“ ist noch keine Spur zu finden (von der Personalvertretung auch kaum beabsichtigt).
Hinter den Kulissen werden Verträge mit externen Anbietern geschlossen, während eigene Abteilungen personell ausgehungert werden.
Das Spitalskonzept 2030, der Master-Plan für die Organisation, alles dümpelt in den Akten herum und keiner weiß, was davon gilt und was nicht …
ein bemerkenswertes Chaos, das einen 30.000 Arbeitnehmer zählender Betrieb bald endgültig sturmreif geschossen haben wird.
Die Retter stehen schon bereit, wenn das Frauenberger nicht wusste, dann hat sie in ihrem etwa einjährigen Praktikum wirklich nichts gelernt und „ihr KAV Konzept“ wurde von den Genossen zu Recht zerrissen.

 

Written by medicus58

4. April 2018 at 22:06

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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