Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Rene Benko

René der Retter meiner Matratze

with 5 comments


Vom HAK-Abbrecher zum Milliardär, der in „seinem“ Unternehmen nach einer Verurteilung keine Funktion mehr hat, aber von allen als Retter in der Not gesehen wird, weil „er“ Unternehmen wie Karstadt wieder flott bekommen hat und nun „KIKA/Leiner rettet„.  Auch Ihr Medicus zählt zur großen Zahl an Kunden, die nach seit Wochen nach eine Anzahlung auf ihr Produkt warten. Also eigentlich muss ich dem René nun auch dankbar sein und da beginnt man sich erstmals zu fragen, wer denn dieser Robin Hood aus Tirol denn eigentlich ist.

Für seine Projekte fand er regelhaft Partner die viel Geld anzulegen hatten. Wenn die Herkunft dieses Geldes (bisweilen rechtskräftig) hinterfragt wurde, zahlte er die Partner aus und trennte sich wieder von ihnen. Daneben umgibt er sich mit auch politisch gut vernetzten Leuten, die nicht nur Geld einbringen, sondern auch ihr Netzwerk und die er auch gleich indie Aufsichtsräte seines Firmengeflechts setzte. Kein rundweg neues Vorgehen, aber wohl sehr wirksam, um „unter cih zu bleiben“.
Wenn man es auf eine dürre Formel bringen möchte, dann beruht sein Erfolg auf der Erkenntnis,die schon McDonald’s groß und seine Franchise-Nehmer arm gemacht hat:
Geld macht man nicht nicht mit dem Backen von Brötchen, sondern mit den Immobilien, in denen sie gebacken werden.

Auch wenn die aktuellen Schlagzeilen Beno als Retter von tausenden Arbeitsplätzen bejubeln, hat er beim KIKA/Leiner Deal mit 80% seines Investments Immobilien erstanden und nur den Rest in das „Möbelgeschäft“ investiert. Obwohl er dieses Know-how gewinnbringend in der Möbelsparte seines Karstadt-Imperiums integrieren wird, ist es ihm weniger Wert als das Betongold. Die in Deutschland breit diskutierten Risiken der Karstadt hat SIGNA auch mit der erstaunlich offenherzigen Antowrt gekontert, auch wenn Karstadt scheitert, finden wir für die Verkaufslokale rasch Nachmieter, so dass unser Risiko gering ist.
Wenig überraschend handelt es sich bei Benkos Geschäftsmodell einmal sicher nicht um ein humanistisches Projekt zu Rettung von Arbeitsplätzen, auch wenn er seit 2011 zum Tiroler des Jahres und 2012 von Trend zum Mann des Jahres gekürt wurde. Ihm vorzuwerfen, dass er halt einfach Geld- und Macht-gierig ist, wäre aber gerade heutzutage kein wirkliches Alleinstellungsmerkmal. Darüber lächelt der der verstorbene Billa/Merkur Gründer Karl Wlaschek nur wissend aus seinem Mausoleum im Palais Kinsky auf der Freyung.

Liest man sich nun durch die im Netz liegenden Informationen, so ist man zwischen der huldigenden Euphorie derer, die hier ein Naturtalent mit dem richtigen Riecher sehen wollen, und den anderen, die in Benko nur den Strohmann gewaltiger Geldwäschereien sehen.

Was auffällt, ist aber seine seit Jugendtagen ausgeprägte Fähigkeit

Geldgeber an Bord zu holen, die offenbar sehr viel ungebundenes Geld haben, bzw. Geld, das schleunigst irgendwo angelegt werden muss.
Eine weitere bemerkenswerte Fähigkeit scheint aber zu sein, dass er
sich, wenn diese Geldgeber größere Schwierigkeiten mit den Behörden haben, rasch von den Geldgebern trennt.

Bislang gelang es Benko bis auf einmal (siehe Verurteilung (2012-2014), sich selbst aus all dem rauszuhalten. Auch wenn ihm das zukünftig vielleicht nicht mehr gelingen sollte, scheint er mir nicht das wesentliche Objekt allfälliger Fragen zu sein.

Die (gesellschafts-)politische relevanteren Fragen wären:

Wieso ist denn so viel volatiles (ungebundenes) Kapital verfügbar, dass innerhalb von weniger als zwei Jahrzehnten daraus ein persönliches Vermögen in Millionen (oder siehe unten Milliardenhöhe) abfällt.
Hat die Gesellschaft von diesen Werten annähernd ebenso viel abgeschöpft, wie von meinem Gehalt (also sicher irgendwas um die 50% in Form von Einkommenssteuer, Umsatzsteuer, Verbrauchssteuer)?
Und wenn, was ich vermute, das nicht so war, weshalb interessiert sich die Politik mehr für Mindestsicherung und Krankenstände, als für die hier entgangenen Gelder.

Eine Materialiensammlung für alle, die sich so wie ich wundern, aber vorab eine Warnung, vieles bleibt unklar:

Kein Erbe, seine Eltern waren ein Gemeindebediensteter und eine Erzieherin. Mit 17 sanierte gemeinsam mit einem Freund und Baumeister Hans Zittera managte er gewinnbringend Dachbödenausbauten in der (auch aus dem DKT bekannten) Innsbrucker Maria-Theresien Straße.

1999

gründet er das Zweipersonenunternehmen Immofina Holding GmbH
Zum Schilling-Millionär wird er, in dem er günstig das Gesundheitshotel Lanserhof nahe Innsbruck kauft und es an den Kitzbüheler Hotelier Christian Harisch weiter gibt.
Viele Kommentatoren berichten auch, dass die Signa Holding GmBh 1999 gegündet wurde, auf der Signa HP liest man jedoch, dass erst 2006 Immofina in die SIGNA Holding GmbH umbennant wurde. 

2000
ging er, geschieden und Vater eine vierjährigen Tochter, nach Wien. Sein erstes Projekt war ein Dachbodenausbau am Naschmarkt und ein Ärztezentrum bei Baden
Karl Kovarik
, der die geerbten Stroh Tankstellen an die ÖMV verkauft hat, überantwortet dem erfolgreichen Jungunternehmer Benko sein Erbe (ca. 25 Millionen Euro (damals 350 Mill Ösis))  und wird danach auch Gesellschafter bei Signa Holding GmbH. Im Zuge eines Scheidungsverfahren 2010 kommt es zu bemerkenswerten APA Aussendungen, Fortsetzung, 2012 starb Kovarik übrigens.
In Berlin werden damals noch günstige Zinshäuser eingesammelt. In Düsseldorf wird ein Fondhaus gegründet.

2004
kauft Benko ein Kaufhaus in Innsbruck und eröffnet 2010 ein Einkaufszentrum. Seither scheint im seine Heimatstadt sehr dankbar.
Nun entstehen neben nationalen Projekten auch internationale Projekte (Prag, Luxemburg, Gardasee, Mailand, Frankfurt) aus selbst errichteten oder zugekauften Objekten, die über Fonds finanziert werden, die viele Investoren anlocken..

2006
aus Immofina Holding GmbH wird Signa Holding GmbH
wobei die Projekte immer größer werden. Wie 2009 beim Kauf von zwölf Bank-Austria Immobilien (Meinl am Graben) und  2012 beim Kauf der BAWAG Immobilien (Otto-Wagner PostsparkasseGoldenes Quartier)

2010
Den immer größer werdenden Kapitalbedarf deckte zwischen 2012 und 2015 der griechische Reeder George Economou ab.  Die Forbes-Liste der reichsten Unternehmer weltweit führte ihn 2008 auf Platz 707. 2015 bekommt er

2012
Am 2. November wird Benko am LG WIen gemeinsam mit seinem Steuerberater wegen „versuchter verbotener Intervention“ zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, weil Michael Passer im Auftrag von Benko den früheren kroatischen Premierminister Ivo Sanader 150.000 Euro angeboten hat, um ein in Italien anhängiges Verfahren zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Das Urteil wurde am 11. August 2014 vom OGHbestätigt
Signa kauft KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München

2013
Am 18. Juni zieht sich Benko aus der operativen Führung der Signa Holding GmbH zurück und übernimmt Vorsitz des Beirates der Signa-Gruppe

2013
übernimmt Benko das deutsche Warenhaus-Imperium Karstadt. Jetzt kommt das Kapital vom israelische Minen- und Diamanten Milliardär Beny Steinmetz  der zuletzt 2017 gemeinsam mit dem auch hier wohlbekannten Tal Silberstein in unseren Medien genannt wurde, weil er wegen des Verdachts auf Geldwäsche, Urkundenfälschung und Bestechung in Israel verhaftet wurde. Benko hatte schon 2015 nach FBI Ermittlungen seinen neuen Geschäftspartner mit 15 Karstadt-Warenhausimmobilien in verschiedenen Städten ausgekauft.

In diesem Jahr stieg auch Roland Berger Strategy Consultants, einer der weltweit führenden Unternehmensberatungsgruppen, bei Signa ein, nachdem sie sich selbst (!) von den Gesellschaftsrechtsexperten von Dorda Brugger Jordis beraten haben lassen.

2016

erhielten laut TT die Signa-Eigner insgesamt 72 Millionen Euro an DividendenDer Großteil davon, insgesamt knapp 41 Millionen Euro, gingen an mehrere Signa-Gesellschaften, die mehrheitlich im Eigentum der Familie Benko stehen, sowie direkt an die Familie Benko Privatstiftung. Knapp 8,7 Millionen Euro erhielt die Falcon Private Bank des Scheichtums Abu Dhabi, die nach einer Geldwäsche-Affäre in der Schweiz inzwischen nicht mehr an Signa beteiligt ist. An die Privatstiftung von Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner flossen 3,6 Millionen Euro. Insgesamt 15 Aktionäre werden aufgelistet, darunter etwa die Privatstiftung von Airliner Niki Lauda, die Icarus Invest Anstalt von Harti Weirather, die Novo Invest von Novomatic-Gründer Johann Graf oder der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster aus dem deutschen Nordrhein-Westfalen.

2017
Laut Trend betrug Benkos Vermögen 2017 3,73 Milliarden, andere sprechen noch immer vom Millionär, vermutlich weil die wahren Besitzverhältnisse des Firmenimperiums nicht leicht zu durchschauen sind.

SignaHolding GmbH hat laut eigenen Angaben ein Immobilienvermögen von rund EUR 7,5 Mrd. und ein Umsatzvolumen in Retailbeteiligungen von rund EUR 3,8 Mrd., in 17 Jahren geschaffen und hat ein ziemlich unübersichtliches Beteiligungsnetz.

Mit Hilfe der genannten, inzwischen verstorbenen oder ausbezahlten  Geldgebern wurde ein Imperium geschaffen, dessen Spitze nun zum überwiegenden Teil der Benko Privatstiftung gehört. Dahinter kommt offenbar Ernst Tanner, Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli, der sich über einen 10% Anteil freut und seit 2017 „Fressnapf-Gründer“ Torsten Töller mit 5 % an der Signa Holding.
Wie schon in früheren Jahren, hat man sich von Investoren, denen die Justiz zu nahe gekommen ist, wie der Falcon Private Bank aus Abu Dhabi rechtzeitig getrennt. Angeblich ist sie noch in zwei Töchtern drinnen. Ob die  Investmentgesellschaft Aabar aus Abu Dhabi noch dabei ist, der besagte Bank gehört, könnte man Niki Lauda fragen, der seit 2011 Markenbotschafter von Aabar ist und das Unternehmenslogo auf seinem Kapperl trägt.

Ende des Jahres übernimmt Signa (u.a. auf Intervention von BK Kurz) die Immobilie des Stammhauses von Möbel Leiner in Mariahilf.

2018 kauft Signa Holding Kika/Leiner von der insolventen Steinhoff-Gruppe und ich hoffe meine Matratze noch doch bald zu bekommen.

Neben finanzkräftigen Freunden umgibt er sich Benko gern mit Fachleuten, die auch eigenes Geld mitbringen:

„Ich habe mir immer Topleute geholt, weil mir als junger Unternehmer die Berufserfahrung und die Netzwerke fehlten“
Benko nahm in den Jahren 2015, 2016 sowie 2017 an der Bilderberg-Konferenz teil.

Ex-Bundeskanzler Gusenbauer, dessen Verbindungen in den Osten ja medienbekannt sind, sitzt auch gleich in „befreundeten Aufsichtsräten“
Ex-Porsche Chef Wendelin Wiedeking, dessen Signa Engagement in der Wikipedia verschwiegen wird
Ex-Generaldirektor der Casinos Austria AG Karl Stoss, der 2017 mit dem Komturkreuz mit dem Stern des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens ausgezeichnet wurde (?!?)
Ex Chef der bundeseigenen österreichischen Immobiliengesellschaft, Christoph Stadlhuber wurde CEO der Signa Holding
Ex-Vizekanzlerin und Wüstenrot-Generaldirektorin Susanne Riess sitzt im Beirat
Ex-Rewe/Migros Manager Ernst Dieter Berninghaus ist Chairman der Signa Holding
Ex Rewe-Manager Stephan Fanderl wurde zum Chef von Karstadt, aber dann von
Immobilien- und Investitions-und Sanierungs Spezialisten Wolfram Keil abgelöst
Ex-Geschäftsführer der Bundesimmobilien Gesellschaft DI Christoph Stadlhuber sitzt in der Geschäftsführung von Signa Holding GmbH

Die Liste und Netzwerke ist erwartungsgemäß sehr lang, die drei Premiumwarenhäuser z.B. führen die italienisch-thailändische La-Rinascente-Gruppe und mit ihr Vittorio Radice („Mr. Selfridge“).
Signa interessiert eben weiterhin das Betongold und nicht so sehr das darin ablaufende Geschäft, wobei das auf der Homepage auch ganz offen gesagt wird:

SIGNA wurde in nur 17 Jahren von einem Zwei-Mann-Unternehmen zu einem internationalen Player im Immobilienbusiness. SIGNA Real Estate ist mittlerweile einer der größten privaten Immobiliendeveloper in Europa. Mit rund 20.000 Mitarbeitern an 125 Standorten zählt auch SIGNA Retail zu den Großen in Deutschland

Allen, die sich nun über den Retter René freuen, oder in ihm die Spitze eines gewaltigen Geldwäsche-Kartells vermuten, sei gesagt, dass es nicht so sehr um die Person geht, sondern um ein hoch vernetztes und sich dadurch selbst politisch und rechtlich absicherndes System, das (scheinbar?) enorme Werte ans Licht bringt.

Ganz sollten wir Honoré de Balzac nicht aus den Augen verlieren, der schon vor über zwei Jahrhunderten argwöhnte:  Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen.
So sehr ich im Prinzip Oskar Lafontaines Überlegungen aus 2015 folgen könnte (siehe unten) zeigt uns gerade das Beispiel SIGNA, dass „die Linke“ lernen muss neue Fragen, eben solche die ich oben gestellt habe, zu fragen, denn das „alte Modell, dass Kapital überwiegend aus gestohlener Arbeit gebildet“ wird, erklärt uns das Phänomen René Benko sicher nicht:

Die 55 reichsten Deutschen“ nennt und feiert heute die Bildzeitung. Mit kleineren Buchstaben erklärt das Blatt: „Milliarden mit Lebensmitteln, Autos, Kosmetik.“ Das ist beschönigend oder besser gelogen. Es müsste da stehen: „Milliarden durch die Arbeit von Millionen Beschäftigten“. Schon der große französische Schriftsteller Honoré de Balzac wusste: Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen. Durch welches Verbrechen sind diese Leute so reich geworden? Sie haben das, was Millionen andere erarbeitet haben, sich angeeignet oder gestohlen und sind dadurch reich. Wir leben in der „Privatwirtschaft“. Privare ist ein lateinisches Wort und heißt rauben. Zur Zeit der Aufklärung waren die Leute noch klüger. Sie sagten: Eigentum entsteht durch Arbeit. Diese „Reichen“ sagen: Milliardenvermögen entsteht dadurch, dass wir anderen das Ergebnis ihrer Arbeit wegnehmen. Bild schreibt: „Deutschlands Unternehmer sind erfolgreich wie nie“ und vergisst hinzuzufügen, erfolgreich wie nie darin, anderen den Ertrag ihrer Arbeit wegzunehmen. Das ist verständlich. Unter den 55 reichsten Familien befindet sich auf Platz 29 Friede Springer mit 4 Milliarden Euro. Wie sagte der Gründungsherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Paul Sethe?: „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten ihre Meinung zu verbreiten.“ Dazu gehört auch die Freiheit, die Lüge oder das Märchen zu drucken, die vielen Milliarden seien von ihnen selbst durch ihre „unternehmerische Leistung“ erarbeitet worden.

Damit sei aber nicht gesagt, dass hinter den neuen Vermögen nicht auch eine Art Raub steht!

Links: 
Der kaufwütige Tiroler
Immobilien-Shootingstar Benko: aus „Immofina“ wird „Signa“
René Benko und seine Freunde
Lektion gelernt
Rene Benko kauft Steinhoff-Tochter in Österreich
Vom Schulabbrecher zum Multimillionär
Signa Holding
Wikipedia

Written by medicus58

23. Juni 2018 at 15:09

%d Bloggern gefällt das: