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Weh dem der Symbole sieht: Wien hisst Regenbogen #wirsindbunt

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Im Gleichklang mit der Stadt Wien beflaggt sich auch der Wiener Gesundheitsverbund, vormals KAV, mit der Regenbogenfahne, um antidiskriminierend, inklusiv, permissiv und LGBTIQ-freundlich zu scheinen.

Ich frage mich manchmal, was mehr nervt, der offen zur Schau gestellte ehrliche Rassismus und Konservativismus oder die oberflächliche und zum Eigennutz zur Schau gestellte Liberalität, die nichts kostet, zu nichts verpflichtet und sich selbst immunisierend (da können Sie doch echt nichts dagegen haben) zu einer Art gesellschaftspolitischem Wohlfühlpaket degeneriert. Dass das Konzept funktioniert, führen uns Amtskirchen seit Jahrhunderten vor, die lieber vor fremden Türen kehren als die eigenen Ställe auszumisten, aber das macht das Verhalten nur ablehnenswerter.

Erstens, ist das Aufziehen von Flaggen prinzipiell nichts Inklusives, sondern nimmt, in dem Fall die Deutungshoheit, in Besitz. Es werden Grenzen gesetzt und nicht geöffnet und von anderen verlangt diese anzuerkennen.

Die unterschiedlichen, zT auch widersprüchlichen Bedeutungen verschiedener Regenbogenflaggen werden auf Wikipedia aufgelistet und in Decolonising the Rainbow Flag können Sie erhellende Beispiele nachlesen, zu welchen Widersprüchen das Flaggenhissen in verschiedenen Teilen der Welt geführt hat.

Einmal fühlten sich die Roma ausgegrenzt, einmal die Juden, einmal die argentinischen Lesben (lesen Sie den oben verlinkten Artikel) .

Als in Bolivien der indigene Präsident Morales abgesetzt wurde, war die erste Aktion der Opposition, die Wiphala, die Regenbogenflagge indigener Andenbewohner zu verbrennen, um „die christlichen Werte wieder herzustellen“. So absurd das war, hatte es eine innere Logik, weil die Flagge ein Symbol der Aymara gegen die spanische Kolonialisierung war und schon deshalb deren Nachfahren aus dem bunten Völkergemisch ausschloss, dessen Präsident Morales war. Aus diesem Grunde empfanden die nicht-indigenen Bewohner des Andenstaates das Hissen der bunten Flagge als gesellschaftlichen Ausschluß.

Positive Diskriminierung ist letztendlich auch eine Diskriminierung.

Mit den LGBITQ haben die südamerikanischen Indigenas übriges wenig am Hut, überwiegend sind sie extrem homophob, obwohl die Regierung Motales irgendwie schon andersrum war. Am Kongressgebäude in Quito läuft zumindest die Turmuhr andersrum (Erklärung).

Drum sei wieder an Samuel Beckett und sein Weh dem der Symbole sieht erinnert, wenn sich die Stadt und der Gesundheitsverbund mit einem bunten Fähnchen schmücken.

Es wäre schon gut, wenn wir täglich das erleben würden, was auf http://www.gesundheitsverbund.at/wirsindbunt exemplarisch dargestellt wird und vielleicht sieht es sogar die Mehrheit im Konzern so, nur zeigt eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit all den demonstrativen Insignien der Aufklärung die Tücken, die im Detail stecken. Im Schatten dieser widersprüchlichen Symbole brechen dann Konflikte nur noch brutaler auf.

Das ist den PR-Abteilungen der Politik aber eh egal.

Written by medicus58

8. Juni 2021 at 16:49

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