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Begrenzte Epidemiologie, oder was ich mir gerne erklären lassen würde

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Zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus‘ wurden zu allen Nachbarländern Grenzkontrollen wieder eingeführt.
Personen, die aus diesen Ländern nach Österreich einreisen wollen, haben ein ärztliches Zeugnis über ihren Gesundheitszustand mit sich zu führen, das einen negativen molekularbiologischen Test auf SARS-CoV-2 bestätigt. Das Zeugnis darf bei der Einreise nicht älter als vier Tage sein. Personen, die ein solches Zeugnis nicht vorlegen können, wird die Einreise verwehrt. Österreichischen Staatsbürgern oder Personen, die ihren Haupt- oder Nebenwohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben, ist es erlaubt, sich zu einer unverzüglich anzutretenden 14-tägigen selbstüberwachten Heimquarantäne zu verpflichten (Bestätigung durch eigenhändige Unterschrift).
Link Innenministerium

Nehmen wir zum Beispiel die Slowakei ,die scheint dem Außenministerium besonders gefährlich:

Hohes Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 4) im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) und damit einhergehenden massiven Einschränkungen im Reiseverkehr.


Aber auch den slowakischen Behörden, scheint Österreich brandgefährlich:

Alle Personen, die in die Slowakei einreisen, müssen die 14-tägige Pflichtquarantäne in einem staatlichen Quarantänezentrum antreten. Dort werden sie auf Corona getestet und können bei negativem Testergebnis die verbleibende Zeit der 14-tägigen Quarantänedauer in Quarantäne zu Hause („Heimquarantäne“) verbringen.

Jetzt haben wir aktuell (Link) pro Million EW in Österreich 71 und in der Slowakei 5 Covid-19 Tote, also verstehe ich, vielleicht irgendwie, weshalb sich die Slowaken vor uns fürchten, aber warum wir uns vor ihnen fürchten ist mir unklar.

Den gleichen Tanz gibt es zwischen der Schweiz und Österreich, Rückkehrer nach Österreich müssen entweder einen sündteuren Test PCR Test machen, der relativ wenig bei Asymptomatischen in diesem Setting aussagt oder auch 14 Tage in Heimquarantäne.

Die Schweiz hat 220 Covid-19 Tote/Million EW, wir wie gesagt 71.

Der Punkt ist aber, praktisch alle mitteleuropäischen Staaten haben irgendwie ähnliche Verhaltensregel, wir mit unseren 1m Babyelefanten kommen uns näher als manche anderen, dafür sind die Geschäfte schon länger offen …

Woher nimmt sich der Staat das Recht Bürger, die sich an all diese Regeln halten, egal in welchem Land sie sich gerade aufhalten, wie Aussätzige zu behandeln?

Was hat das mit Virologie zu tun, was mit dem Topos, draußen ist’s gefährlich, there is no place like home, bleibt in Kansas.

Written by medicus58

23. Mai 2020 at 20:27

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Überleben Sie Covid-19: Was Ihnen die Virologen vergessen zu sagen

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Erwarten Sie nicht eine der unzähligen Anleitungen zum richtigen Händewaschen oder zur Herstellung von Gesichtsmasken. Ich werde auch nicht von irgendwelchen Wundermitteln schwafeln, die diese oder jene Klinik im Panzerschrank hat.

Auch die hier auf diesem Blog schon am 15.3. angesprochenen Probleme des Social Distancing können Sie inzwischen in allen Medien nachlesen. Worum es mir heute geht sind scheinbar kleine Dinge, die zwar nicht Ihr physisches aber sehr wohl Ihr praktisches Überleben in Zeiten von Home Office und Hausarrest gefährden können.

Röhrensehen, also der ausschließe Fokus auf ein vermeintliches Hauptproblem, koste es was es wolle, ist ja gerade im Gesundheitssystem grad in Mode, d. h. soll es hier um die nicht minder wichtigen Nebenaspekte gehen, um die nächsten Wochen, sagen wir mal bis Pfingsten, zu überstehen:

Brillen und Seh- und Hörbehelfe

Achten Sie auf Ihren Sehbehelf, wie auf Ihren Augäpfel. Legen Sie ihn so ab, dass er nicht runterfallen und zerbrechen kann, dass sich niemand draufsetzen kann und keine Katze an ihm die Schwerkraft austesten kann, am besten in einem festen Etui. Zwar haben Hartlauer, Fielmann, Pearl et al. einen Online Service, aber selbst wenn Sie die Spezifikationen Ihrer letzten Brille noch wo finden, mag bezweifelt werden, dass Ersatz rasch verfügbar sein wird.

Handy et al.

Achten Sie darauf, dass Ihre Smartgurke intakt bleibt. Immer mehr Menschen haben auf Ihren Festnetzanschluss verzichtet, so dass die sprachliche Kommunikation mit der Außenwelt ausschließlich von Mobiltelefonen abhängt. Sie erlauben überdies das Surfen im Internet und wenn Sie Ihr Transistorradio schon längst auf den Müllplatz geworfen haben, auch Radio (und TV). Klar, man kann einfache Handys schon an manchen Automaten erstehen und online sowieso. Blöd halt, wenn ihre aktuelle Sim-Karte die falschen Dimensionen hat.

Ausweise, Netzkarte, Bankomat- und Zugangskarten

Es ist immer blöd sowas zu verlieren, aber aktuell kann das zum Desaster werden. Der Ersatz verlorener Karten ging im Inland sehr rasch, es mag bezweifelt werden, dass das aktuell ebenso ist. Gerade für Zugangsberechtigungen (Garage, Arbeitsplatz) kann Sie ein Verlust rasch in eine nervtötende Schleife versetzen.

Unfälle

Schön wenn die Kisten funktionieren (viele Werkstätten haben auch einen Notbetrieb) aber vermeiden Sie durch besondere Vorsicht Unfälle. Klingt auf den ersten Blick dumm, aber auch im Haushalt sollten Sie sich so verhalten, dass Sie sich nichts tun, was eine Spitalsbehandlung erfordert. Auch so entlasten Sie das Gesundheitssystem und die Blaulichtorganisationen. Defensives und risikoarmes Verhalten ist angesagt.

Ich hab alles online

Vielleicht haben Sie wie ich auch alle wichtigen Passwörter, Zugangscodes, Kontonummern,… online gespeichert und längst hat sich nur mehr Ihr PC oder Handy das Zugriffspasswort gemerkt, praktisch. Unpraktisch aber, wenn Ihr aktuelles Gerät den Geist aufgibt und Sie auf ein anderes ausweichen müssen,auf dem Sie seit Monaten nicht mehr gearbeitet haben. Sicherheits-Paranoiker wie ich verweigerten Microsoft und Google das Synchronisieren aller meiner „Devices“. Wenn Sie sich hier wiederfinden, sollten Sie etwas Zeit investieren sich all die notwendigen Daten wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Wäre doch blöd, wenn Sie diesen Blog nicht mehr erreichen könnten…

Written by medicus58

22. März 2020 at 08:24

Covid Quarantäne: auch Nebenwirkungen lassen sich behandeln

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In den letzten Stunden hat die Bundesregierung massive Freiheitsbeschränkungen beschlossen, über deren Effekt (im Gs. zu aktuellen Aussagen) meiner Meinung nach nicht in ein zwei Wochen sondern aus einer Reihe von Gründen frühestens in einem Monat, eventuell erst später beurteilen zu können. Sie aktuell zu kritisieren wäre aber kontraproduktiv, jedoch sollte man, wie bei jeder schweren Therapie, über die Nebenwirkungen informieren. Nicht um Panik zu verbreiten, sondern um rechtzeitig den Betroffenen Mittel in die Hand zu geben, die Nebenwirkungen gering zu halten.

Aktuell ruft The Lancet, eine der renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften, in Erinnerung, dass Quarantäne zu einer Reihe von psychologischen Nebenwirkungen führt, wenn die Menschen nicht Sinn und Zweck teilen und nicht erfolgreich an ihren Altruismus appelliert wird („Schützen wir die Alten“).

Von jeder anderen großräumigen Katastrophe in der Neuzeit liegen genügend Berichte vor, dass neben den psychologischen Nebenwirkungen auch somatische Nebenwirkungen auftreten. Auch die großen AKW Unfälle in Chernobyl und Fukushima haben nachweislich neben psychiatrischen Erkrankungen und Suiziden zu Diabetes und Hypertonie geführt. Nach Chernobyl fand man auch eine signifikante Zunahme kardiovaskulärer Folgeerkrankungen, die nicht durch die Strahlendosis erklärt werden kann, ganz aktuelle Studien aus Japan bestätigten das nicht.

Aus China liegen zunehmend Daten vor, dass die Quarantäne (und wohl der damit verbundene Stress) zu einer Zunahme der häuslichen Gewalt geführt hat.

Es ist also höchste Zeit, den Menschen klare Hilfen zu geben, um all die genannten Nebenwirkungen nicht überhand nehmen zu lassen.

Mir (und ich will da nicht als Psychologe dilettieren, nur fand ich manche bisherige mediale Auftritte wenig hilfreich) scheinen ein paar Tipps sinnvoll:

Geben Sie ihrem Leben weiter eine Struktur (Zeitplan).

Denken Sie an den nächsten Augenblick und nicht „an das was wäre wenn“. Die jetzige Situation wird nehrer Wochen dauern, Sie brauchen ihre Energie nicht nur bis Ostern.

Gönnen Sie sich innerhalb des Zeitplans bewusst Dinge, die Sie positiv stimmen, auch das tun Sie für andere, die gerade in einer gestressteren Situation sind.

Gehen Sie mit den Menschen in Ihrer Umgebung bewusst viel vorsichtiger um, als sonst. Wirken Sie auf andere in Ihrem Umfeld mäßigend ein.

Informieren Sie sich regelmäßig in glaubhaften Medien aber limitieren Sie das auch zeitlich sonst geraten Sie in ein gefährliches Spiegelkabinett.

Gehen Sie nicht davon aus, dass alles überall so schlimm wird, wie Ihnen Medien zeigen (die zeigen immer das, was zu Einschaltquoten und Klicks führt) aber befolgen Sie die von einer breiten Mehrheit unterstützen Maßnahmen.

Und lassen Sie sich nicht dadurch verunsichern, dass auch diejenigen vor den Kameras nicht immer die Zukunft voraussagen können. In manchen Fällen kann das sogar positiv sein 😉

Written by medicus58

15. März 2020 at 22:59

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