Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Wenn I abstürz‘, nur mit der AUA

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Als Helmut Qualtinger, alias Herr Travnicek, diese Wuchtel drückte, waren die Austrian Airlines noch der ganze Stolz im Nachkriegs-Österreich.

Viel hat sich seither geändert.

Nicht nur dass Quais und Bronner das Zeitliche gesegnet haben, ist am Pleiteflieger AUA nix mehr österreichisch, als die Steuergelder mit dem er für den neuen Eigentümer Lufthansa gerettet wurde und die weitgehend unhinterfragte Chuzpe, mit der er in deutsche Hand blieb.

Das Service ist ja nicht so schlecht im Vergleich zur Konkurrenz, was jetzt auch nicht allzu viel sagt. Aber patriotische Gefühle stellen sich kaum mehr ein. Das alles erinnert mich an meines Vaters Sager, dass uns in den 30ern nicht einmal mehr die Affen in Schönbrunn gehörten, aber andererseits ist das eh blunz’n im globalisierten Kapitalismus heute.

Es weiß eh keiner mehr, wo die Kühe standen, von denen die Milch im AMA Packerl stammte, wir hoffen, dass zumindest die meisten Landsleute waren. Ja, und seit wir vernommen haben, dass ukrainische Fleisch ganz legal zum EU Produkt wird, wenn man dort die letzte Kruspel entfernt hat, ist das Gewissen wieder besser, wenn wir patagonisches Kalb auf den Griller werfen.

Eh alles schon irgendwie egal.

Um so mehr wundert es einen da, dass bei der kommenden EU Wahl gerade wieder Hurra-Patriotismus angesagt ist, wenn man verspricht dort in Brüssel was für unsere Leute hier erreichen zu wollen.

Bemerkenswert, dass diese Verarschung noch immer funktioniert…

#Ibizagate wird hier ebensowenig ändern wie sich niemand noch erinnert, dass ein Herr Strasser einmal dem damaligen und aktuellen ÖVP Kandidaten Karas vor die Nase gesetzt wurde.

Manche brauchen mehr Red Bull und Alk, manche weniger, wer unser Mandat bekommt, arbeitet für die, die ihm mehr geben können.

Written by medicus58

18. Mai 2019 at 16:35

Veröffentlicht in Allgemein

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Krankenversicherungen und der angenähte Blinddarm (Teil I)

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Zuletzt (Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen) haben wir hier das Problem angeschnitten, dass Ärzte den Versicherungen nachlaufen müssen, um an ihr Geld zu kommen. Natürlich ist es auch selbstverständlich, wenn Sie volltrunken ein fremdes Auto schrammen, dass ihre Autohaftpflichtversicherung die Spengler-Rechnung ihres Opfers einmal begleicht und sich gegebenenfalls von Ihnen das Geld zurück holt.
Die Medizin ist da anders. Medizinische Spengler (sry, couldn’t resist) erfahren manchmal erst nach getaner Arbeit, dass sie dafür je nach der Laune der Versicherung kein Entgelt sehen.
Liebhabern des Wiener Kabaretts fällt da sicher die Sauerbruchoperette (Merz, Qualtinger) ein, wo ab 5:20 schon ernstlich überlegt wird, den eben entfernten Blinddarm wieder anzunähen, weil die Krankenkasse sich weigert ein Honorar zu zahlen. Als Prof. Sauerbruch lieber auf sein Honorar verzichtet, als den „bereits in Spiritus eingelegten Blinddarm“ wieder anzunähen, bricht in der Kasse der Jubel aus …
Wir lernen daraus, dass das Problem nicht neu ist und auch schon unsere Ahnen im weißen Kittel und im Kabarett beschäftigte. Morgen geht es dann etwas konkreter um die privaten Zusatzversicherungen, oder wie das so schon heißt in unserer angeblich klassenlosen Gesellschaft: Die Sonderklasse

Written by medicus58

1. Februar 2018 at 17:47

Helmut Qualtinger

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Der Qualtinger und ich

Zu seinem 25. Todestag überstürzen sich plötzlich die Lobeshymnen auf einen der ehedem verhasstesten Kabaretisten Österreichs.
http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Qualtinger 
http://othes.univie.ac.at/36/1/Diplomarbeit.pdf

Für die wenigen, die seinen (und Carl Merz) „Herrn Karl“ nicht kennen: http://www.youtube.com/watch?v=G0p29_cfdQw http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herr_Karl

Aber da war so viel mehr, dass es mir schwer fällt, „meinen Lieblingstext“ zu nennen. Ich weiß nur: Als ich als Heranwachsender seine Bücher las, fand ich die „Sauerbruch Operette“ als nur mäßig originell. Als ich sie einmal vom Meister persönlich interpretiert sehen konnte (TV Übertragung aus Hamburg), war mir klar, welch ein genialer „Menschenimitator“ er wirklich war. Das scheint niemand hochgeladen haben, als Ersatz sein Tiroler Hüttenwirt:
http://www.youtube.com/watch?v=6oe46xScjjM

oder wie er HC Artmann interpretiert: http://www.youtube.com/watch?v=LbJQQAE-I50

Wenn da offenbar jeder entweder Qualtingers bester Freund oder „Schüler“ war (siehe Hellers TV Doku), kann auch ich nicht länger schweigen.

Auswendig konnte ich den Herrn Karl schon im Gymnasium, jedoch behauptet das auch jeder zweite, also folgende Anekdoten:

Begegnet bin ich Qualtinger persönlich im Cafe Engländer vor dem Pissoir. Wer das Lokal gegenüber des Simpl kennt, weiß, dass dessen Pissoir sehr schmal war, so dass ich ihm den Vortritt gelassen habe. Beide hätten wir keinen Platz gehabt. Er hat sich nicht bedankt, ich habe ihm nicht gesagt, wie sehr ich ihn verehre. Eine verpasste Chance.

Dass Qualtinger durch seinen Alkoholkonsum ein massives Leberproblem hatte, ist allgemein bekannt. In meiner Zeit als Internist erzählte mir einmal eine junge Diätassistentin (aus Kärnten, sei zu ihrer Entschuldigung erwähnt!), dass sie einen ihr unbekannten Herrn Qualtinger beraten musste. Auch die Notwendigkeit der Alkoholkarenz wurde sehr freundlich und einsichtig von ihm zur Kenntnis genommen. Ein angenehmer Patient eben. Später hat man ihr dann erklärt, wer der Herr eigentlich war. Wie wir wissen, hat Qualtinger die Diätratschläge nicht befolgt, noch eine verpasste Chance.

Wenn in der Wiki steht „Im Alter von 57 Jahren starb Qualtinger am 29. September 1986 in seiner Geburtsstadt Wien an seinem Leberleiden, welches sich vermutlich durch seinen Alkoholismus verstärkt hatte.“ ist das ziemlich nahe an der Wahrheit. Auslöser war, wie fast immer in diesen Fällen, eine massive Blutung seiner Speiseröhrenvarizen und ein Leberkoma.
Noch einmal kam ich Qualtinger sehr nahe, als er nämlich komatös auf der Intensivstation lag. Ein mächtiger Körper, ein wallender Bart, der sich auf seinem riesigen Bauch ausbreitete. Dann fiel das Leintuch rasch ab und unten ragten nur zwei dürre Beine hervor, die so gar nicht zu diesem mächtigen Beginn passten. Auch nun konnte ich ihm nicht mehr sagen, dass auch ich einer seiner Verehrer war. Die Kommunikationsmöglichkeiten im Koma sind gering. Wenige Tage später war er tot. Die vorletzte verpasste Chance.

Nun werde ich die letzte Chance wahrnehmen. Ich war nie Schüler oder Freund Qualtingers. Wir haben nie ein Wort gewechselt und ich bezweifle, dass er sich zu Lebzeiten an unsere wenigen persönlichen Begegnungen erinnert hätte, aber er ist für mich einer der bedeutendsten Gesamtkünstler unseres Landes.  

Der Qualtinger die Zweite

Als Dank an Frau Kainz für die „Wiederentdeckung“ der köstlichen Karikatur „Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein“
http://www.meinblog.at/dt/portal/content.php?regionId=0&topicId=4&language=dt&blogTyp=0&blogId=44688 
und alle, die den Bronner/Qualtinger Song „Der Arrivierziger“ nicht parat haben, riskiere ich den Ärger von PreiserRecords (falls es die noch gibt), den Bronner Erben oder was weiß ich, … und hab den Text abgetippt, den es offenbar im WWW wirklich nicht zum Nachlesen gibt.

Er passt nur so gut in die augenblickliche politische Diskussion in Österreich, dass das sein muss:

hoffentlich mit wenigen Tippfehlern 😉

Grüss Sie Gott, na sag’n’s wie geht es denn?
Lang schon hab’n wir uns nicht geseh’ n.
Sie frag’n wie’s mir geht, ich bitt’ Sie seh’ns des net,
es geht mir wunderbar, das ist ja klar.

Weil,
ein alter Schulfreund, der’s mir gut meint,
tut was für mich im Ministerium.
An olt’n Nazi hob ich einst beschützt,
der is jetzt groß geword’n und hat mir sehr genützt.

Auch in der Leitung, einer Zeitung,
hab ich an guten Freund, der hilft mir sehr.
Auch in einer Bank, kennt man mich jahrelang,
so mocht ma heutzutag Karrier’.

Natürlich bin ich gut, mit beiden Partei’n,
denn nur auf eine, ist heut’ kein Verlass.
Charakter ist ein Luxus,
darum bin ich einmal dies und einmal das.

Was soll ich mir Sorgen machen, was die Leute morgen machen,
ich leb heut’ und heut’ hab ich Konjunktur.
Manager wie ich sind heute, Gott sei Dank, gesuchte Leute
und ich g’hör zur ersten Garnitur.

Wichtig ist, dass man sich niemals exponiert,
nie a eig’ne Meinung hat.
Drum hab’ ich wenn manchmal ein Malleur passiert,
immer einen Schmonk, als Sündenbock parat
und der soll sich die Sorgen machen, aber ich geh’ niemals krachen,
denn mit mir kracht so mancher große Herr.

Wo sich heut’ Intrigen spinnen, hab’ ich meine Finger drinnen,
einmal kreuz und einmal quer, sicher ist sicher.
Immer nach dem Höchsten streben,
nur so bringt man’s weit im Leben,
nur so macht man heut Karrier’.

Wos,
Sie sag’n dass das gefährlich ist, wenn man so wie ich ganz ehrlich ist.
Ich hab’ zu offen g’red, na glaub’n S ich bin so blöd,
es kann mir nix geschehn, Sie wer’n gleich seh’n:

Weil
ein alter Schulfreund, der’s mir gut meint, den ruf ich an im Ministerium,
der kennt an Menschen bei der Polizei,
dem sogt er wos er tun soll und ich bin sorgenfrei.

Auch in der Leitung einer Zeitung hob ich an guten Freund der dementiert,
s’kost an Pappenstiel, doch wer mir Schaden will,
der sitzt da und ist blamiert.

Ich glaub’ an Österreich und sage es laut,
doch manchmal bin ich auch Kosmopolit.
Und wenn sich einer hie und da zu stänkern traut,
KURIERt man ihn rapid.

Was soll ich mir Sorgen machen,
ich kann gut geborgen machen, was ich will,
denn ich hab’ eben Konjunktur.

Leut’ wie ich wer’n Direktoren,  manchmal sogar Professoren,
und dann machen sie auch in Kultur.
Ob’s beim Film als sachlicher Berater ist,
unsereinem mocht das sehr viel Spass.
Oder ob es irgendein Theater ist,
wenn man’s gut bezahlt, dann mach ich halt auch das.

Die Sorgen soll’n sich and’re machen, ich werd’ immer freundlich lachen,
arbeiten wird bestenfalls mein Sekretär.
Ich sitz da und halt die Fäden, daran zappeln alle Blöden,
niemand setzt sich mir zur Wehr – weil’s kann Sinn hat.

Leut’ wie ich sind auserlesen, eine Maus in allen Käsen,
die mocht halt bei uns Karrier’.

Grüss sie Gott, lieber Freund.

 

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:28

Perfektion mit 84

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Seit Jahren geht mir das auf das Pürzel, nun muss es raus!

Alles muss heute PERFEKT sein: 
Das Promi-Dinner 
(http://www.vox.de/cms/sendungen/das-perfekte-promi-dinner.html ), 
der Sex
http://www.dorlingkindersley.de/titel-0-0/perfect_sex-254/ )
und was weiß ich noch alles.

Dabei ist doch nix perfekt, heute weniger denn je …

Da stolpert man plötzlich über ein Interview mit der „großen Erni Mangold“:

STANDARD: Gründgens sagte: „Haben Sie keine Angst vor Perfektionismus, Sie sind es nicht.“ Perfekt kann doch nur sein, was vorbei ist?
Mangold: Ich finde Perfektion sowieso schrecklich. Immer einer Perfektion nachjagen, dass alles genau stimmt, das ist eigentlich der Tod. Die Schauspieler haben das Gefühl, alles müsse stimmen, aber das ist schlecht. Es muss gar nichts immer stimmen. http://derstandard.at/1319183777487/Anders-gefragt-Ich-finde-Perfektion-schrecklich
 

Das tut gut! 
Wenn man mit 84 zu dieser Erkenntnis kommt, dann besteht noch Hoffnung.

Wikipedeln“ wir den Begriff PERFEKTION, dann kommen wir überhaupt zur ultimativen, fast perfekten Erkenntnis: http://de.wikipedia.org/wiki/Perfektion 

Perfektion (lateinisch perfectio) steht für 
die Vollkommenheit oder die Vollendung von etwas, also etwas, das sich nicht weiter verbessern lässt
eine freie Übungsgelegenheit in einer Tanzschule außerhalb der Kurszeiten

und wer denkt hier nicht sofort an Mangolds Gesinnungsgenossen und hiesigem Herrgottswinkerl-Bewohner 
Helmut Qualtinger http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44602 
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44708 ), der uns auch schon den Weg zur einzigen wirklichen Perfektion gewiesen hat:

Heute zieht der gschupfte Ferdl frische Socken an,
grün und gelb gestreift, das ist so elegant,
schmiert mit feinster Brillantine seine Locken an,
putzt sich de Schuach und nachher haut er sich ins Gwand,
denn beim Tumser drausd in Neu-Lerchenföd is
Perfektion.

Text Gerhard Bronner: http://www.free-lyrics.org/Gerhard-Bronner/110144-Der-Gschupfte-Ferdl.html

Der Rest ist Schweigen, 
aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 09:54

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