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Primär werden alle anderen versorgt, kaum jedoch die Patienten

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Man mag fast staunen über die Schlagzahl unseres neuen Gesundheitsministers.
Kaum hat das Tükisch-Grüne Gesundheit: Programm oder Übereinkommen die Primärversorgungszentren, den Feuchttraum der heutigen Gesundheitsökonomie, erneut in sein Lösungskonzept aufgenommen, tut sich schon was:
Anschober schloss Kredite für Primärversorgungszentren ab

Treue Leser wissen, dass ich in den propagierten Primärversorgungszentren reine Augenauswischerei sehe (Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber) und die jetzige mediale Berichterstattung z.B. im Ö1 Journal ändert an meiner Sicht wenig:

Statt überfüllter Spitalsambulanzen Gruppenpraxen nahe am Wohnort mit großem medizinischen Angebot und langen Öffnungszeiten.

Zur Hausärztin oder Hausarzt und dann gleich zum Physiotherapeuten, zur Wundversorgung beim Krankenpfleger, zur Kinderärztin oder zur Ernährungsberaterin – und das von früh bis spät weil mehrere Ärzte zusammenarbeiten.

Um dieses Schlaraffenland medizinischer Rundumversorgung jetzt zu verwirklichen, hat Anschober mit der Europäischen Investitionsbank eine Kreditrahmen von 360 Millionen Euronen vereinbart um gleich mal 75 solcher Einheiten bis zu 2021 zu den aktuell 17 bestehenden aus dem Boden zu stampfen. Entweder hat Anschober diesen Coup gleich in seinen ersten zwei Wochen Amtszeit ausverhandelt (……) oder er setzt wie so viele andere grüne Minister nur seine Unterschrift unter ein von Türkis-Blau früher ausverhandeltes Projekt, aber davon soll jvorerst gar nicht die Rede sein. In Irland hat das ja eh supi funktioniert … weil Irland für sein Gesundheits- und Sozialsystem berühmt ist, oder?

Mal ausrechnen was 40h Vollzeitäquivalent von Ärzten gerechnet auf 12h Öffnungszeiten auch aum WE plus, Physiko, Schwester, Diätberaterin und was weiß ich wer noch so im Jahr kosten und diese Ansschubfinanzierung entpuppt sich als reiner Blödsinn. Wenn man das Geld in die bisherigen Tarife gesteckt hätte, hätte man auch längere Öffnungszeiten und weniger ärztliche Nebenbeschäftigungen …, nur das will man ja gar nicht.

Es überrascht nur auf den ersten Blick, weshalb da die EIB angezapft wird, deren Aufgabe seit 1958 eigentlich wäre „zu einer ausgewogenen und reibungslosen Entwicklung des Binnenmarktes im Interesse der Union beizutragen“ (Art. 309 Abs. 1 AEUV). Was das mit der chronischen Demontage der extramuralen Gesundheitsversorgung in Österreich zu tun hat, un ob denen dort plötzlich die Zusammenarbeit von österreichischen Jungärzten ein primäres Anliegen ist, mag doch hinterfragt werden.

Andererseits stemmt das die EIB ja nicht allein, die übrigens grad 5% Eigenmittel aus den Steuergeldern der EU hat, da freuen sich nun auch in Zeiten der 0%-Zinspolitik der EZB die Erste Bank und Ärzte- und Apothekerbank am geförderten Kreditgeschäft im österreichischen Gesundheitssystem. Gratisgeld von der EZB und Kreditzinsen von Jungärzten …
Zufälligerweise haben beide Konsortien sehr enge Beziehungen zur ÖVP, schließlich gehört die finanziell nicht gerade starke Ärzte- und Apothekerbank zur finanziell nicht gerade starken Volksbankgruppe, die jetzt auch ihre Wurzeln tief im schwarzen Wurzelwerk dieser Republik hat. Das alles berichten die Medien natürlich nicht, wird aber klar, wenn man die Jubel-OTS („Volksbank ist Teil der Finanzierungskooperation für die Primärversorgung„) der Volksbank liest.

Ja, und auf der Homepage der Ärzte- und Apothekerbank liest man dann, dass die bereits ab Dezember 2018 daran gearbeitet hat, mit der EIB ein Finanzierungsmodell für Primärversorgungseinheiten zu entwickeln. (Link) Da war Anschober noch in OÖ mit der Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ beschäftigt.

Was da als Leuchturmprojekt („ein guter Tag für die Gesundheitsversorgung in Österreich“ O-Ton Anschober) daherkommt ist Teil eines großen Kurz-sichtigen Projektes nach dem Pensionssystem auch das Gesundheitssystem für den Kapitalmarkt zu öffnen. So naiv kann Anschober nicht sein, aber was ist er dann?

Links:  
Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk
WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super

Volksbanken, die Banken des Volkes oder ANNA, DIE BANK HAMMA

Written by medicus58

26. Januar 2020 at 18:15

Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber

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Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten!

PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Die kürzlich veröffentlichte Sozialversicherungsstudie bestätigt unseren Weg, die Primärversorgung weiter zu stärken. Nur so können Spitäler entlastet und unser Gesundheitssystem nachhaltig abgesichert werden.“, sagt Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner.

ÄK Präsi Thomas Szekeres *) scheint plötzlich begeistert: „Die Eröffnung des neuen Primärversorgungszentrums in Wien-Donaustadt ist ein großer Schritt Richtung Zukunft und zeigt, wie wichtig die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Sozialversicherung und Stadt ist“.
Aus Wiener Sicht, mag sein Vorschlag schon was für sich haben:
PVE in Zukunft aus bestehenden Gruppenpraxen zu bilden
Die „hausärztliche Verdichtung“ außerhalb von Ballungsräumen führt aber zwingend zu prekärer Versorgung in Randlagen!

Na, und WGKK-Obfrau Reischl hat sogar etwas völlig Unvorhersehbares gelernt:
Die Erfahrungen zeigen, dass längere Ordinationszeiten sehr gut von den PatientInnen angenommen werden“,
so dass man sich doch frägt, weshalb die Krankenkassen in ihren bisherigen Verträgen die bestehenden Ordinationszeiten vereinbart haben!

Es bleibt jetzt auch abzuwarten, ob Frau Reischl die für sie neue Erkenntnis auch im eigenen Reich umsetzt,
weil das WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf glänzt weder in Sachen Patientenzufriedenheit noch mit seinen Öffnungszeiten:

(Screenshot Google)

Keine Rede mehr davon, dass „die schwierige Geburt des Projekts in der Donaustadt“ vielleicht auch mit den höchst eigenartigen Ausschreibungsbedingungen zusammenhing: Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk

Schweigen darüber, dass schon beim ersten PHC in Mariahilf politische Drähte glühten, als medienwirksam gerade eine Gruppenpraxis um Grüne Ärzte und den Kammerfunktionär Dr Mückstein  mit einer schönen Anschubfinanzierung zum Primärversorgungszentrum gewandelt wurde. Welche Spitalsambulanz durch diese Einrichtung, die sich nur wenige Schritte vom WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf befindet, entlasten werden soll, bleibt offen. OK, das Sophienspital in der Nähe wird nun geschlossen, aber wer das Spektrum dieses Hauses kennt, wird wohl kaum ernsthaft annehmen, dass die Schließung auf die Versorgungsleistung der Gruppenpraxis beruht!

Im Jubel um die Erfindung der Primärversorgung in Österreich, geht auch völlig unter, dass der Ansatz uralt ist (WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super), was ja prinzipiell einmal nicht schlecht sein muss, aber dort wo er schon vor Jahren gewählt wurde, die Kosten für den Steuerzahler erhöhte und den Zugang für die Patienten erschwerte (Vor der Wahl: Die feuchten Träume unserer Gesundheitspolitik).

Wie hier schon vor zwei Jahren (!) ausgeführt (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich?), wird aber bis heute nicht öffentlich diskutiert, wie die zusätzlichen Leistungen (Ärzteteam, lange Öffnungszeiten, zusätzlichen Gesundheitsberufe, …) mit den aktuellen Kassenhonoraren finanziert werden können. Initial gibt es ja eine flotte Anschubfinanzierung, aber danach?
Die Presse“ berichtete sogar, dass Reischl allen Gruppenpraxen mit zwei Vertragsärzten eine dritte Stelle sowie eine Umwandlung in eine PVE anbieten will. Das kostet!

Wie immer Holzschnitt-artig (um nicht zu sagen Holzhammer-artig) aber sachlich nicht ganz unrichtig verwies FP Belakowitsch via OTS  darauf, dass „Wenn man für ein Primärversorgungszentrum zwei Jahre Verzögerung einplant, so wie jetzt beim zweiten PHC in Wien, dann wird man in 150 Jahren mit diesem Projekt – 75 PHCs – fertig sein.
Sie irrt aber wenn sie ebenso wie die Ärztekammer das GRUG 2017 (Gesundheitsreformsumsetzungsgesetz 2017) nur als Gefahr für die Hausarztpraxis sieht.
Die „wahre Reform“ liegt nicht (nur) darin, die Hausarztpraxis durch eine Struktur zu ersetzen, in der Kassen kontrollieren, wie und wann der Patient überhaupt Zugang zu seinem Arzt hat …
und nicht nur bis zu einem Telefon-Helpdesk oder zu einer Pflegekraft vordringen kann!

Finanziert, und nun kommen wir zu einem weiteren Kernpunkt der Reform, soll das alles durch die
Elimination der niedergelassenen Fachärzte aus unserem Pflichtversicherungssystem!

Der ökonomische Hintergrund ist klar und wird auch im aktuellsten Jahresbericht der WGKK (aus 2015!) ausgeführt:
Die Durchschnittskosten je Fall liegt beim Allgemeinmediziner bei 45,16 Euro und beim Facharzt für 70,24.

Jetzt wollen wir gar nicht diskutieren,
dass ein Facharzt eine paar Jährchen längere Ausbildung absolviert hat, die vielleicht auch eingepreist werden sollte (Leistung muss sich lohnen!),
dass viele Kontakte beim Allgemeinmediziner ausschließlich zur Rezeptausstellung von Dauermedikamenten erfolgen,
dass Facharztordinationen natürlich i.d.R. einen geringeren Durchsatz als Allgemeinmediziner-Ordis haben,
dass (zumindest in der Theorie) dem Familienarzt die Krankengeschichte seines Patienten bekannt ist und Patientenkontakte in Facharztordinationen häufiger erst- und einmalig auftreten,
dass die apparative Ausstattung vieler Facharztordinationen aufwendiger und teurer ist,
dass die Facharztkontakte seit Einführung der e-card ohnehin schon reglementiert wurden,
dass man also letztlich Birnen mit Äpfeln vergleicht ...

Mir liegt es auch völlig fern, die erbrachte Leistung der beiden Gruppen gegeneinander auszuspielen, dazu kenne ich viel zu viele großartige und inferiore Vertreter in beiden Gruppen, ich möchte auf die banale Denke unserer Gesundheitspolitik hinweisen, wenn sie sich die Zukunft der Patientenversorgung zusammenreimen.

Für jeden Fall, den ich davon abhalte zum Facharzt zu gehen, kann ich mir zwei Allgemeinmediziner leisten.

Reischl verriet bei der Jubel-Pressekonferenz zur Eröffnung des Donaustädter PVs auch (mW erstmals), dass das genau ihr Ansatz ist:

Auch wenn die Zentren der WGKK teurer kämen als eine Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt, seien sie längerfristig dennoch der richtige Weg, weil man dann bei Fachärzten und Ambulanzaufenthalten sparen könne.

Jetzt ist der Kostenbeitrag der WGKK bei den Spitalsambulanzen bekanntlich ohnehin sehr gering, so dass nur das Fachärzte-Einsparen als Geld-bringende Maßnahme überbleibt.

Welcher Trugschluss dieser Milchmädchenrechnung aber zugrunde liegt, zeigt ein Blick in das Jubelarchiv des Hauptverbandes, wo das Ärzteteam des Mariahilfer Primärversorgungszentrums aus der Schule plaudert:

„Für Probleme die wir nicht vor Ort lösen können stehen wir in Kontakt mit einem guten und verlässlichen Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten in der unmittelbaren Umgebung. Dieses Netzwerk, das im Verlauf der vielen Jahren des Wachstums der Praxis entstanden ist, haben wir durch ein verbindliches Zuweisungsregime zu den Fachabteilungen des Gesundheitszentrum Mariahilf der Wiener Gebietskrankenkasse substanziell verstärkt. Mithilfe dieses Netzwerkes können wir in aller Regel rasch die erforderliche Diagnostik und die notwendige Therapie veranlassen.

Wenn die PV-Irgendwase heute funktionieren, dann nur, WEIL sie sich der anderen (noch) existierenden fachärztlichen Strukturen bedienen!

Bemerkenswert ist auch, dass die Homepage weiterhin von einer Gruppenpraxis OG spricht und für „weitere PatientInnen“ ohnehin nicht mehr zugänglich ist:

*) auf seinem Blog gibt sich ÄK Präsi Szekeres etwas weniger euphorisch, fokusiert aber wieder ausschließlich auf die Allgemeinmediziner (Hausärzte):
http://blog.szekeres.at/blog-post/2017/08/31/habemus-phc-2-und-sonst.html 

PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich?

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reformhaus

25.7.2015: OÖ Nachrichten
„Von 1000 Menschen, die ein gesundheitliches Problem haben, muss nur einer stationär im Krankenhaus behandelt werden.“

Mit diesen Worten bringt Andrea Wesenauer, Direktorin der OÖGKK, die Kernaussage der wissenschaftlichen Untersuchung des Sozialmediziners Harald Kamps auf den Punkt.
Demnach könnten 900 der Betroffenen ihr Problem (z. B. Fieber oder verstauchter Knöchel) selbst lösen,
„neun brauchen tatsächlich die Hilfe eines Facharztes oder einer Spitalsambulanz“.
Und die übrigen 90 Betroffenen wären in einem Primärversorgungszentrum (PHC) bestens aufgehoben“, sagt Wesenauer.

In diesem Versorgungszentrum werden 23 Gesundheitsexperten zusammen arbeiten, neben fünf Allgemein-Medizinern auch Diplomkrankenschwestern, Psychologen, Physiotherapeuten und Diätologen (wenn ich richtig rechne also 18 Personen!).
So könne der Physiotherapeut Kreuzschmerzen behandeln, der Diätologe Diabetes-Patienten beraten.

Gleichzeitig hat ein Arzt „mehr Zeit für die Patienten, weil ihm die Krankenschwester Arbeit abnimmt“, sagt der Ennser Stadtarzt Wolfgang Hockl, Projekt-Promotor.

20.8.2015: WGKK: Primärversorgung wird von der Bevölkerung angenommen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150820_OTS0024/wgkk-primaerversorgung-wird-von-der-bevoelkerung-angenommen

20.8.2015: Wehsely: Primärversorgung stärkt medizinische Versorgung durch bessere Rahmenbedingungen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150820_OTS0105/wehsely-primaerversorgung-staerkt-medizinische-versorgung-durch-bessere-rahmenbedingungen

21. 8. 2015: „Primärversorgung erfüllt Patientenwünsche“
Albert Maringer: Vorsitzenden des Ausschusses für Krankenversicherung und Prävention im Hauptverband und Chef der OÖGKK
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150821_OTS0094/obmann-albert-maringer-primaerversorgung-erfuellt-patientenwuensche

21.8.2015: Pensionistenverband begrüßt Schaffung von medizinischen Primärversorgungszentren
Edlinger: Einrichtung kommt auch den Interessen der PensionistInnen entgegen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150821_OTS0073/pensionistenverband-begruesst-schaffung-von-medizinischen-primaerversorgungszentren

Ich finde es super, dass mit den Primärversorgungszentren plötzlich der Stein der Weisen gefunden wurde und alle zufrieden sind, wobei ich nur noch einige Marginalien offen sind …

  1. Hat man den Sozialversicherten schon gesagt, dass 900 von 1000, die ein gesundheitliches Problem haben, es zukünftig gefälligst in Eigenregie zu lösen haben (siehe OÖN)?
  2. Auch interessant, wer die Kompetenz haben wird, den 1 von 1000 herauszufinden, der in ein Spital gehört …
  3. Es gibt dzt. nur ein einziges PHC in ganz Österreich (das in OÖ wird erst Ende (!) 2016 errichtet, für das zweite in Wien findet sich auch in der dritten Ausschreibung kein Interessent).
    Weshalb Frau Gesundheitsstadtätin Wehsely, Ex-Minister Edlinger und Herr Maringer schon wissen, dass das Konzept die Patienten freudig angenommen haben, grenzt scheinbar an Magie.
    In Wahrheit genügt ein Blick auf die persönliche Interessenlage, das Parteibuch oder die Aussicht auf Förderung des eigenen Projekts ….
  4. Aber wenn das alles funktionieren soll, was ich fachlich zwar bezweifle aber natürlich nicht ausschließen kann, solange nicht Erfahrungen mit einem flächendeckenden Netz an österr. PHCs  vorliegen (Vergleiche mit Ländern wie Belgien, das eine andere Versorgungsstruktur haben sind nicht aussagekräftig), bleibt aber eine Frage offen:

Woher kommt das Geld für all die zusätzlichen Gesundheitsdienstleistungsanbieter (Pflege, Psychologen, Physiotherapeuten, Diätologen, …) wenn schon die derzeitigen Kassentarife für Ärzte lächerlich niedrig sind (Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich  http://wp.me/p1kfuX-jY)?

Da fällt einem doch Erich Kästner ein, der einst sagte, man möge nie so tief sinken, um aus dem Kakao, durch den man gezogen wird, auch noch zu trinken!

 

Weiteres zu PHCs:
Entwarnung, alles wird gut http://wp.me/p1kfuX-XW
Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk http://wp.me/p1kfuX-Vz
Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un

 

Und noch ein PS: Wenn, was einer der wesentlichen Gründe für die Erfindung der PHCs ist, dadurch die Verhandlungshoheit der Ärztekammern mit den Krankenversicherungen aufgebrochen wird (laut Plan dürfen die Kassen direkt Verträge mit den Ärzten in PHCs schliessen), dann verlange ich ein Ende der Pflichtmitgliedschaft in der Ärztekammer. Es kann nicht sein, dass dann Ärzte weiterhin (übrigens verfassungsrechtlich abgesichert) gezwungen werden hohe Mitgliedbeiträge an eine Kammer abzuliefern, die ihre einzige Vertretungsberechtigung eingebüßt hat …  Wär sicher ein netter Musterprozess ….

Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk

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Dass die neuen Primärversorgungszentren die KAV Krankenhäuser nicht entlasten werden, darüber wurde hier schon geschrieben (Wie oft kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt? http://wp.me/p1kfuX-Tw ), nur soll es darüber heute gar nicht gehen.

Viel mehr schon, wie Wehselys KAV Steuergelder verwendet, um die fehlende Versorgungsleistung der Wiener Gebietskrankenkasse zu kaschieren und somit Freundschaften festigt (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un).

Link: http://www.springermedizin.at/artikel/45215-zwei-wiener-pilotprojekte-zu-primary-health-care

Mit großem medialen Tamtam spritzt man eine bereits bestehenden Gruppenpraxis unter Beteiligung der Barmherzigen Brüder zu einem PHC um (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150211_OTS0100/krankenhaus-barmherzige-schwestern-wien-erfreut-ueber-primaerversorgungs-projekt-in-mariahilf) und wundert sich beim zweiten Projekt vor den Toren des Donauspitals, dass sich keine Bewerber findet.
Warum das so ist, erklärt sich vielleicht dadurch, dass man beim Auschreibungstext besonders sicher sein wollte, dass alles nach Plan verläuft:

Originäre Gruppenpraxis-Neugründung für das Pilotprojekt „Primary Health Care SMZ-Ost“ auf Basis des Gruppenpraxengesamtvertrags vom 1.1.2011 mit untenstehenden besonderen verpflichtenden Anforderungen. (nur Teambewerbungen von drei Ärzten möglich)
http://www2.aekwien.at/py/ks/161.php 

Aus dem Nichts drei Ärzte zu finden, die sich schnell mal als Team in dieses Abenteuer stürzen, ist in Zeiten des Ärztemangels naturgemäß nicht leicht, so dass man glauben könnte, dass wenigstens die anderen Rahmenbedingungen einladend formuliert werden, jedoch wird der weitere Text besonders schrullig:

Ort: Wien 1220  im Umkreis von 170 Metern des Haupteingangs SMZ- Ost“

und damit das auch ganz klar ist, präzisierte man:

als genaue Lokalisation dient die äußere Schiebetür

Sieht man sich die Gegend (http://tinyurl.com/ndgy37n) an und malt sich einen Kreis 170 m um den Haupteingang, bemerkt man, dass über die Hälfte des in Frage kommenden Areals (wegen Verbauung) für eine Gruppenpraxis nicht in Frage kommt:

Dass für Wehselys Projekt die U2 Haltestelle verlegt wird, kann nicht einmal der Bescheuklappteste glauben. Weiters befindet sich in diesem Areal das aus allen Nähten platzende Donauspital, das nichteinmal genug Platz hat für die eigene Notfallaufnahme, die Langobardenstraße, eine Straßenbahnhaltestelle, …

 

SMZ Kreis

Eigentlich gibt es in diesem Bereich ohnehin nur ein einziges Objekt, das für die Errichtung des PHCs in Frage kommt: Das bereits eröffnete, aber noch Mieter suchende Danubemed Gesundheitszentrum:
http://danubemed.at/

DanubeMed

 

Diese Gebäude ist um die erst am 16. 6.2014 eröffnete Dentalklinik Danubemed errichtet worden, wobei sich dieses (man beachte die vorausschauende Formulierung) online wie folgt präsentiert:

Die DANUBEMED Dentallklinik versteht sich als vorgelagertes Zentrum zur Entlastung der Spitalsambulanzen und der gesamten Gesundheitsbetreuung – dem Landes- und Bundeszielsteuerungsvertrag für Gesundheit entsprechend.

Das Doppel-L (kann schon im Zuge der Euphorie passieren) steht so (23.3.2015) auf der HP: http://dental-danubemed.at/

Weshalb eine Zahnarztpraxis vor dem Donauspital dieses entlasten soll, obwohl dort zwar eine Abteilung für Kieferchirurgie nicht aber ein Zahnambulatorium existiert, soll auch nicht weiter hinterfragt werden.

Über die Mietmodalitäten des Objekts ist die Stadt Wien ja bestens im Bilde, weil sie sich dort schon am 7.11.2014 – eh kloar im Beisein von Stadträtin Wehsely und Gebietskrankenkasen-Obfrau Reischl – (https://www.wien.gv.at/rk/msg/2014/11/03004.html) mit dem Kompetenzzentrum für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie und Jugendzahnheilkunde eingemietet hat. Dessen alter Standort musste geschliffen werden, weil er selbst den nachsichtigsten Auflagen nicht mehr gerecht wurde.
http://www.wienkav.at/kav/dsp/medstellen_anzeigen.asp?ID=417

Fassen wir zusammen: Die Ausschreibung für das gewollte PHC scheint so formuliert, dass den zukünftigen Betreibern gar nichts anderes übrig bleibt, als sich in einem kürzlich errichteten und zum Teil leerstehenden Privathaus einzumieten, in dass sich die Stadt Wien bereits selbst eingemietet hat.

Ehe sich nun allfällige Bewerber in die U2 setzen und zum Standort fahren, mögen sie aber noch kurz und staunend das Kleingedruckte des Vertrages überfliegen.

Besondere über die Bestimmungen des Gruppenpraxengesamtvertrages hinausgehende verpflichtende Bedingungen für dieses Pilotprojekt bzw. Berechtigungen, die integrierender Bestandteil dieser Ausschreibung sind und von den Bewerberinnen und Bewerbern zu erfüllen sind: http://www.aekwien.at/media/PHC.pdf

Written by medicus58

24. März 2015 at 19:00

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