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Wien entledigt sich der Unbequemen an der Front

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Kav

Kürzlich habe ich hier unter Weg mit den Primarii! (http://wp.me/p1kfuX-HX) darauf hingewiesen, dass seit Jahren der Trend dahin geht, die (in sehr bescheidenem Rahmen) eigenständigen ärztlichen Abteilungsleiter zu demontieren und mich keiner Illusion darüber hingegeben, dass die allgemeine Trauer darüber ihre Grenzen haben wird.
Auch in Wien hat dieser Trend – insbesondere bei den „kleinen Fächern“ schon vor über einem Jahrzehnt eingesetzt, als z.B. vakant gewordene Primariate nur supplierend durch ehemalige Oberärzte weitergeführt wurden. Intensive Versuche der Zusammenlegung mit anderen Abteilungen, schließlich findet sich immer ein Eitler, der sich so die Klassegelder mehrer Abteilungen zu sichern glaubt und weniger an der aktiven Mitarbeit im eigenen Team als am Antechambrieren bei den politischen Entscheidungsträgern interessiert ist. Wer sich erfolgreich von der Beschäftigung mit den lästigen Details der Ebene freimacht, genießt das „Master-of-the- Universe-Feeling“ des Machers, wie es Michael Douglas so eindrucksvoll in Wallstreet 1 vorgeführt hat; zwar mit letztendlich doch weniger Knete aber nicht minderem Größenwahn.

Die auf den niedergelassenen Bereich fokusierte Ärztekammer hat erst vor etwa 2 Jahren den Trend begriffen (Spitalsreform: Ärztekammer strikt gegen Mehrfachprimariate http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20110406_OTS0150/spitalsreform-aerztekammer-strikt-gegen-mehrfachprimariate). Wie nicht anders so erwarten, war auch von juirostoscher Seite nicht mehr als Gemeinplätze dazu zu hören: „Die Übernahme zweier oder mehrerer Primariate ist nur dann zulässig, wenn die mit der Abteilungsführung verbundenen Verpflichtungen von ein und derselben Person auch tatsächlich wahrgenommen werden können“, informiert Univ.-Prof. Dr. Helmut Ofner, LL.M., von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien.

(http://www.medmedia.at/starkere-mitsprache-fur-leitende-krankenhausarzte-osterreichs/ )

Während entsprechende Entwicklungen in anderen Bundesländern (NÖ, Steiermark!) schon weit fortgeschritten sind, geht nun auch Wien, im Zuge der Umstrukturierung des KAV deutlich diesen Weg.

Als Gesundheitsstadträtin Wehsely am 17.3.2011 ihr Wiener Spitalskonzept 2030 präsentierte (http://www.wien.gv.at/gesundheit-soziales/spitalskonzept.html), war das das alles noch unter den Nebelbänken von „Schwerpunktbildung“ versteckt, vermutlich politisch auch noch gar nicht explizit beabsichtigt, nun geht es aber plötzlich völlig eindeutig in die Richtung:

Jeweils zwei Spitäler (WIL+KHL, KFJ+RUD, DSP+KHN) werden organisatorisch zunehmend als eine Einheit gesehen und sollen zentral gesteuert werden.

Es ist absehbar, dass das das Ende der lokalen Kollegialen Führungen (Ärztliche, Verwaltungs-, Pflege- und technische Direktion) bedeutet. Unter dem Titel der Schwerpunktbildungen werden zum Teil rezent für nicht gerade wenig Geld Großgeräte nicht weiterbetrieben oder zwischen zwei Häusern „geteilt“. Gleichnamige Abteilungen werden vermutlich so lange in Mehrfachprimariate übergeführt, bis man zum Schluss nur noch einen „Primar“ rauswerfen muss, um endlich vor Ort nur mehr einem Heer von „medizinischen Arbeitern“ zu haben, die mit den zugeordneten Produktionsmitteln den Anschein einer Prozess- und Ergebnisqualität aufrecht erhalten müssen. Einsprüche von unten sind dann endgültig eliminiert, zumal das „gestrige Modell eines lokalen Chefs“ den hochfliegenden Managementplänen eloquenter Manager nicht mehr in die Suppe spucken mag. Die Entsolidarisierung des Ärztestandes ist auch schon so hoch, dass kaum zu befürchten ist, dass es zu einem akkordierten Widerstand kommen wird. Selbst die ungleich besser organisierte Pflege schaut derzeit mehr oder weniger untätig zu, wie auch an ihrer ehemals unangreifbaren Eigenständigkeit gesägt wird.
Im Prinzip kann man ja jede Organisation sowohl zentral als auch dezentral strukturieren. Mir scheint aber, dass nun die gesamte Entscheidungsgewalt zentralisiert und die Verantwortung an die Front dezentralisiert wird.

Written by medicus58

28. November 2013 at 18:37

Weg mit den Primarii!

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Primar

Der Versuch Solidarität für den Primarius einzufordern, ist zum Scheitern verurteilt, gerade deshalb soll dies hier versucht werden.
(sinngemäß gelten alle Aussagen für beide Geschlechter)

Übrigens: Der Begriff Primarius bezeichnet zwar bei uns den ärztlichen Leiter einer Spitalsabteilung, in Deutschland meint man damit den Primärtumor, also eine maligne Geschwuls, die den Ausganspunkt für Metastasen (Tochtergeschwülste) darstellt!

Seit Jahren werden die Leitungsfunktionen von vakant werdenden ärztlichen Abteilungsleitungen nicht mehr nachbesetzt und entweder auf Dauer mit einem supplierenden Leiter weitergeführt oder überhaupt einem anderen Primariat zugeschlagen. Schon seit Jahren gibt es diese Entwicklungen im Bereich der sogenannten technischen Fächer wie Labor, Radiologie, Pathologie und Nuklearmedizin, jedoch betrifft dies zunehmend auch die sogenannen klinischen Fächer wie Innere Medizin und Chirurgie. (http://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2013/oeaez-3-10022013/mehrfachprimariat-burgenland-oberwart-oberpullendorf-guessing.html)

In den Spitäler selbst, die über Jahre durch die sogenannte Kollegiale Führung geführt wurden, die sich aus ärztliche Direktion (besetzt mit einem Arzt), Verwaltungsdirektion (besetzt mit einem Nicht-Arzt, nicht notwendigerweise einem einschlägig ausgebildeten Wirtschaftssakademiker), Pflegedirektion (besetzt i.d.Regel durch eine ehemalige Oberschwester) und Technische Direktion (im KAV explizit nicht mit einem Akademiker aus dem Bereich der Technik besetzt) zusammensetzte, gehen zunehmend die ärztlichen Direktoren verloren. Am weitestens scheint hier der Steiermärkische Krankenanstaltenverbund KAGES zu sein, in dessen Strukturkonzepten die Spitäler nur mehr von Verwaltungsdirektoren geführt werden sollen.

Ehe hier sich nun die Pflege freut, dass sie endlich die Ärzte losbekommen darf ich auf den Wiener Krankenanstaltenverbund KAVverweisen wo derzeit an der Demontage der zentralen Pflegedirektion gearbeitet wird, weil sie sich den Einsparungspläne am Krankenbett zu widersetzen scheint.

Man hört auch immer lauter, dass sich die Ärzte eben auf die Behandlung der Kranken konzentrieren sollen und strategische und operative Planungen, die schon jetzt fast ausschließlich durch die engen finanziellen Ressourcen prejudiziert werden, ausschließlich denVerwaltungsdirektoren (Widerspruch beabsichtigt!) und Beratern zu überlassen haben.

Bisher ging das Projekt auf: es findet sich immer ein Kollege, eine Kollegin, deren Eitelkeit es schmeichelt zwei oder drei Abteilungen „zu führen“.
Mag sein, dass hier auch die Aussicht auf einen größeren Anteil an den Klassegeldern ein Motivans darstellt.
Widerstand der anderen Ärzte ist auch nicht zu erwarten, sehen diese nur allzu häufig im „Chef“ mehr Hindernis als Hilfe, schließlich galt dieser schon häufig als Überbringer schlechter Nachrichten, verweigerte Urlaube oder Kongressreisen und machte sich ganz allgemein durch Dienstanweisungen unbeliebt.

Also was spricht denn wirklich noch für einen ärztlichen Abteilungsleiter?

Je einfacher ein System, desto einfacher ist seine Steuerung per Distanz.
Ein Krankenhaus ist jedoch ein hochkomplexes, multidisziplinäres Unternehmen dessen medizinische Qualität überwiegend davon abhängt, dass – insbesondere bei der immer dünneren Personaldecke – eine Aufgabe dem zugeteilt wird, der dieser auch gewachsen ist.
Es ist kein Geheimnis, dass nicht alle Mitarbeiter einer Abteilung über alle Spezialqualifikationen verfügen, die in dem Sonderfach erforderlich sind.

Der Dr. med. univ., also der Gelehrte der gesamten Heilkunde ist eine Fiktion, die nur noch von denen hochgehalten wird, die dadurch die Personaldecken in der Medizin weiter reduzieren wollen.
Auch der erfahrendste Internist mit endokrinologischen Schwerpunkt, wird im Nachdienst nicht immer eine Magenblutung endoskopisch zum stehen bringen, auch sehr erfahrende Geburtshelfer können manche endoskopische Eingriffe mehr theoretisch als praktisch und manche Gefäßkomplikationen bringen auch den erfahrendsten Bauchchirurgenins Schwitzen.
Ähnliches gilt für sinngemäß für alle anderen Fächer.
Spezialisierung, wie sie immer notwendiger wurde in der modernen Medizin, bedingt eine Verschmälerung der Erfahrung.

Das wahre Management einer Spitalsabteilung besteht also in der Kenntnis der individuellen Fähigkeiten und Schwächen aller Mitarbeiter und eine entsprechende Arbeitsverteilung (Dienstlisten, Operationspläne, Spezialambulanzen, …).

Nur, wie viele Mitarbeiter kann man denn wirklich so gut kennen, dass man sie ihrer individuellen Kompetenzen entsprechend einteilen kann? Ob diese Kontrollspanne nun bei 10 oder 30 liegt, ist zu diskutieren, keinesfalls wird es der Prozessqualität einer Abteilung zuträglich sein, wenn der Abteilungsvorstand kaum mehr vor Ort präsent ist und sich mehr in Bestrechungen mit den Gesundheitspolitikern als in seiner eigenen Ambulanz herumtreibt.

Der Primarius ist ein playing captain, oder wenn sie es lieber klassisch haben wollen, ein primus inter pares. Natürlich gibt es wenige, die dem Begriff nicht entsprechen, aber dies gilt wohl auch für Gesundheitspolitiker, -ökonomen und -verwalter.
Spielt der Primarius aber diese Rolle,
dann widerspricht er mitunter der Verwaltung, wenn sie Unmögliches verlangt,
dann entlarvt er die neuesten Reformen als den bereits mißlungenen Versuch der vorletzten Direktion und
widerspricht auf Grund seiner klinischen Erfahrung so manchem Schreibtischtäter.
Letztendlich tut er dies auch, um seinem Personal die tägliche Arbeit zu ermöglichen.
Ein wirklich aktiver Primarius erhöht somit den Widerstand, wenn unsinnige Maßnahmen verlangt werden, das scheinen die Hauptgründe zu sein, weshalb er eliminiert werden soll, nicht die allfällig zu erzielenden Einsparungen.

Der Eier-legende-Woll-Milch-Primarius

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EDV
Weiterbildung
ist heute unumgänglich, darüber soll auch gar nicht gemosert werden, aber hier geht es um etwas anderes:
Was ich hier kritisiere ist die Selbstverständlichkeit mit der im Österreichischen Gesundheitssystem davon ausgegangen wird,
dass ein Leitender Arzt (Abteilung-, Institutsleiter) neben seiner Letztverantwortung für den medizinischen Erfolg seiner Truppe, also je nach Fach Ärzte, Pflege, medizinisch-technische Dienste, Sekretariat, …etc., auch die Arbeit der Verwaltung, der Technik und oft auch der Gesundheitsbehörden zu übernehmen hat.
Dass er so nebenher auch für die studentische und ärztliche Ausbildung verantwortlich ist, versteht sich ja von selbst.

In der Kursbeschreibung des KAV-Managementkurses liest sich das so:
„Uns geht es darum, unsere Führungskräfte in ihren wirtschaftlichen Skills zu  stärken und ihnen dafür möglichst viele Instrumente zur Verfügung zu stellen.
Das beginnt beim effizienten Mitteleinsatz, geht über Controlling bis hin zu Benchmarking und Personalmanagement“, skizziert Wilhelm Marhold, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes, die wichtigsten Ziele des neuen Lehrgangs. http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?ID=21242

Dass ihm selbst andauernd „Aufpasser“ vor die Nase gesetzt werden, die dzt. gerade wieder einmal ausgetauscht werden,
d.h. der ehemalige Gen.Dir.Stv. Koblmüller (https://medicus58.wordpress.com/2012/11/21/bombenstimmung-im-kav/) wird durch ZWEI Wunderwuzzis (wie man hört ist einer aus Deutschland und einer zufällig aus einem dem Rathaus nicht ganz fernen Weltkonzern …) ersetzt, ist nebensächlich.

Aus leidvoller, jahrzehntelanger Erfahrung möchte ich folgende zwei Fragen in den digitalen Raum stellen:

Weshalb bläht man den Verwaltungs- (Berater-, Zertifizierer-, Qualitätssicherungs-)Apparat in der Medizin immer mehr auf, wenn er nicht die in vorderster Front Arbeitenden unterstützt, sondern ohne uns eigentlich nur sagt, was wir zusätzlich tun müssen?

Glaubt denn irgendwer, dass die Ressourcen des einzelnen unendlich sind, oder nimmt man billigend in Kauf, dass der Arzt, der sich in immer größerem Ausmaß mit dem Ausfüllen von Anfragen der Gesundheitsbehörden, stundenlangen Diskussionen mit indolenten EDV Abteilungen, dem Auffinden von Fehlern in der Leistungsstatistik beschäftigt, dadurch in seinen Kernaufgaben, nämlich dem Diagnostizieren und Behandeln von Kranken besser wird?

Völlig zu Recht wird immer mehr über die Überlastung von Ärzten in Ausbildung durch berufsfremde Tätigkeiten diskutiert,
dass sich dieser Missbrauch der Kernfähigkeiten eines Arztes auch in der weiteren Berufslaufbahn fortsetzt, hat noch nicht den Weg in die allgemeine Diskussion gefunden.

PS: In Österreich meint man mit PRIMARIUS den CHEFARZT, in Deutschland versteht man unter dem PRIMARIUS den PPRIMÄRTUMOR.
Letztere Definition wird in Österreich nur von den Oberärzten und der Gesundheitspolitik – allerdings unausgesprochen – verwendet …

Written by medicus58

2. März 2013 at 18:50

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