Sprechstunde

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2 Anamnese – aber

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Im zweiten Teil geht es um das Hochamt, von dem jedes Lehrbuch sagt, dass es der wichtigste Schritt im Zusammentreffen zwischen Patient und Arzt ist:
DIE ANAMNESE

Das zuerst offen („Was fehlt Ihnen denn?„), dann immer strukturierter („Kinderkrankheiten“, „Frühere Operationen“, „Familienanamnese“, …) zu führende Gespräch:

  • fördert alle Be- und Hinweise für die spätere Diagnose
  • schränkt die Verdachtsdiagnose auf wenige Differentialdiagnosen ein, die dann durch geeignete Labor- und Röntgendiagnostik weiter eingeschränkt werden
  • entscheidet über das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt und
  • kostet angeblich weniger als teure CT-, MR- oder PET Untersuchungen.
  • So nebenher fallen einem allf. Kontraindikationen für bestimmte Diagnostik (Kontrastmittelallergie) und Therapien (Penicillin) in den Schoß.

Warum kommt aber in der Praxis so wenig dabei raus, dass kaum jemand nach seiner letzten Prüfung noch eine gescheite Anamnese erhebt?

A) Kosten

Einer der regelmäßig negierten Ursachen sind die Kosten. Würde man Ärzte fürs Zuhören ähnlich gut honorieren, wie Anwälte, dann würden viel weniger Überweisungen ausgestellt werden.
B) Unterschiedliche Erwartungen – unterschiedliche Sprache

In der Psychopathologie der Medizin habe ich mich schon darüber verbreitet, dassman irrt, wenn man glaubt, dass Patient und Arzt am gleichen Strang ziehen, d.h. die gleichen Erwartungen an den Prozess haben.

II) Patient und Arzt haben nicht a priori dieselben Interessen http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31495

III) Beide wollen verstanden werden, verwenden aber verschiedene Begriffsysteme  http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31496

common reasons

Unsere erste Folie zeigt das exemplarisch Ergebnis, das man erhält, wenn man Patienten und Ärzte befragt, was denn der Grund für die Konsultation war. Während von den Patienten am häufigsten die „allgemeine ärztliche Untersuchung“ genannt wurden, gaben Ärzte an, dass sie wegen „Bluthochdruck“ am häufigsten konsultiert wurden. Das Problem dabei ist, dass der Arzt also mit einem ganz anderen Ergebnis des Zusammentreffens „zufrieden“ ist, als der Patient.
Es ist ebenfalls ein Irrtum zu glauben, dass sich beie Partner in einer Begriffswelt befinden. Ich habe an der Uni in Kairo gelernt, dass der Patient, der mit „Magenschmerzen“ kommt sehr häufig einen Herzinfarkt hat, während bei uns so mancher Manager mit Herzinfarktverdacht, eher an einem Ulcus ventriculi leidet, was auf der zweiten Folie gezeigt werden sollte.

culture health

IV „Herz“ kann auch „Angst“ meinen und die Leber liegt vermutlich im Becken http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31564

C) ZEITDRUCK oder FEHLENDE PROFFESSIONALITÄT

folgt morgen

Written by medicus58

31. Januar 2013 at 20:52

Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich

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Der typische Arzt, ist Ihr Hausarzt mit Kassenpraxis: Weit daneben

Von den insgesamt rund
42.640 Ärztinnen/Ärzten und Zahnärztinnen/Zahnärzten im Jahr 2010 waren rund
19.140 (das sind nichteinmal 45%) in freier Praxis tätig.
Davon hatten rund 4.240 Allgemeinmedizinerinnen/-mediziner und rund 3.660 Fachärztinnen/Fachärzte einen Kassenvertrag.

Das heißt nur 18,5% aller Ärzte und nur 41% der in der Praxis tätigen Ärzte haben einen Kassenvertrag.
Rund 2690 oder 77 Prozent der freiberuflichen Zahnärztinnen/Zahnärzte standen in einem Vertragsverhältnis zu den Krankenkassen.

https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/DasGesundheitswesenimUeberblicktml_LN.html

Ärztliche Leistungen sind adäquat bezahlt, sonst könnte sich mein Arzt seinen Sportwagen nicht leisten.
Was ein niedergelassener Arzt für seine Leistungen verrechnen kann, ist bei den Gebietskrankenkassen von Bundesland zu Bundesland verschieden. Die hier angegebenen Tarife sind die aktuellen Tarife der Wiener Gebietskrankenkasse für Allgemeinmediziner. Wahlärzten wird nur 80% dieses Tarifes erstattet:

Digitale rectale Untersuchung (5 Punkte (1 Punkt = 0,55 € )):  2, 75 EUR
http://www.aekwien.at/media/tarif_AM.pdf

Ich möchte nun gar nicht hinterfragen, wie viel Geld Sie dafür verlangen würden, um ihren Finger einem prinzipiell fremden Menschen in den Anus einzuführen, aber doch daran erinnern, dass Sie vermutlich zu Recht erwarten,

dass der Arzt immer wieder einen neuen (!) Einweghandschuh und etwas Vaseline benutzt und der ganze Vorgang auf einer stabilen Liege in einem geschlossenen und geheizten Raum (Sachaufwand !!) stattfindet bzw.

dass er gelernt hat eine Hämorrhoide von einem Rektumkarzinom bzw. die Protstata von einem Kotballen zu unterscheiden (ca. 6 Jahre Studium + ca 3. Jahre Turnus).

Schmöckern Sie ein bißchen in diesem Tarifdschungel herum und machen Sie sich Gedanken über den monitären Wert der ärztlichen Tätigkeit, zumindest aus Sicht des Hauptverbandes.
Sie werden auch erkennen, dass es durch kreative Abrechnungskombinantionen zwar möglich ist Geld zu verdienen, aber wenn Sie an die Tarife Ihres letzten Handwerkerbesuches denken, dann wird schnell klar, dass in diesem System nicht durch Klasse Geld zu verdienen ist.

Nachtrag: am Tag nach der Veröffentlichung dieses Blogeintrages erschien im Standard ein Artikel, der u.a. das hier angerissene Problem bestens illustriert: http://derstandard.at/1338558842773/Aus-der-Arztpraxis-Masse-statt-Klasse-70-Patienten-in-sechs-Stunden

Written by medicus58

10. Juni 2012 at 19:02

Der durchsichtige Bewerber

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Ein bißchen off-topic im Bereich Gesundeheitssystem, doch nicht ganz:

Ich möchte auf eine Artikel im Online Magazin PAROLI verweisen, der die beängstigende Praxis beschreibt,
dass immer häufiger von Bewerbern die Vorlage ihrer „Biografie“ bei der Sozialversicherung verlangt wird,
wodurch auch längere Krankenstände und Invaliditätsperioden transparent werden …

http://www.paroli-magazin.at/dargestellt/reportage/der-durchsichtige-bewerber/  

Lesenswert!

Written by medicus58

18. April 2012 at 08:44

Online Praxen, dort hat Ihr Arzt noch Zeit für Sie

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Während DrEd bereits im November des Vorjahres sein Online-Angebot (Impotenz? Haarausfall? Akne? Blasenentzündung?) auf http://www.welt.de/gesundheit/article13747385/Internet-Doktor-behandelt-peinliche-Probleme.html bewerben konnte,
hat nun, da das Angebot erweitert und auch auf Österreich ausgedehnt wurde (https://www.dred.com/at/) der Kurier das Thema aufgegriffen (http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/4492452-umstrittener-internet-arzt-eroeffnet-praxis.php).

Auch wenn das Gesundheitsministerium verlautet: „Es gibt in Österreich keine Notwendigkeit für so ein Angebot„, entspricht es der eigenen Erfahrung, dass immer mehr Personen das Internet nicht nur zur Information sondern als niederschwelligen Ersatz des Arztbesuches heranziehen.

Um haftungsrechtlichen Konsequenzen auszuweichen, versprechen die meisten Adressen nur „Beratung“ oder „Fragenbeanwortung“.

Ein paar Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum gefällig?

Das Portal www.justanswer.de/Arzt stellt eine Frage („Was haben Sie bisher unternommen?“), dann müssen 35 € überwiesen werden.
Billiger geht das unter http://frag-einen.com/arzt/, hier verlangen die „registrierten Experten“ 15 €.
Schon einen ganzen Fragebogen müssen Sie bei http://www.online-praxis.com/
ausfüllen, dann werden 35 € „Schutzgebühr“ eingehoben, von denen angeblich 3 € gespendet werden.
Ziemlich teuer kann Sie eine Gesundheits- und Ernährungsberatung auf http://www.online-praxis.info/ kommen, nämlich zwischen 25 und 120 €.
Was sie zahlen müssen, wenn sie auf
http://onlinepraxis.com/ kommen, ließ sich nicht eruieren, denn hier handelt es sich offenbar nur um eine Vermittlungsbörse, die mich z.B. an https://www.onlinepraxis.ch/e4med/?cust=praxisbubenberg und https://www.onlinepraxis.ch/e4med/?cust=medixgruppenpraxis weiter vermitteln wollte.
Da ich keine Webcam betreibe, habe ich es dann unterlassen mich auf http://www.online-praxis-kaeseberg.de für 25 Min/50 € psychologisch beraten zulassen.

Bei dem im Kurier vorgestellten „DrEd“ handelt es sich definitiv um Version 2.0 des Online-Baders (http://de.wikipedia.org/wiki/Bader), da hier explizit damit Werbung macht wird auch Rezepte auszustellen. Da für Anamnese und Beratung nichts verrechnet wird, kann das Geschäftsmodell sich nur rechnen, wenn viele therapiert wird. Die Preise sind überraschend moderat (zwischen € 9 und € 29), so dass es nur die Masse ausmachen kann. Jasper Mordhorst und seine drei Kollegen sind in London tätig und waren zuvor Expert Health Ltd. beschäftigt, ebenfalls eine Online-Arztpraxis, die als Pionier der Telemedizin in England sowie Irland gilt und seit 2005 mehr als 200.000 Patienten telemedizinisch behandelt hat.
Für Deutschland listet http://www.iat.eu/ehealth/ 276 E-Health Diente in 118 Städten und Kommunen auf, so dass die oben angeführten Portale offenbar nur die Spitze des Eisbergs darstellen.

Niederschwellige Zugänglichkeit, Anonymität und günstige Preise im Vergleich zu den Privatpraxen sowie eine Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem vor Ort scheinen für diese Angebote zu sprechen.

Was ich nur zu bedenken gebe (und ich habe durchaus auch eine gewisse Erfahrung in der Beantwortung medizinischer Fragen):

Welche Leistung ist für die angeführten Preise zu erwarten, wenn man den erforderlichen Aufwand für das Durchlesen und individuelle Beantworten der Fragen und die Kosten der erforderlichen Haftpflichtversicherung bedenkt?

Ich spekuliere einmal, dass sich derartige Foren langfristig nur rechnen, wenn mehr oder weniger vorgefertigte Antworten auf bestimmte Symptomenkomplexe gegeben werden. Dafür spricht auch ein 2008 veröffentlichter Test (http://www.menshealth.de/health/arzt-auskunft/online-aerzte-im-test.105499.htm), der die Güte von Internetforen mit ganz bestimmten Krankheitsbildern überprüfte.
Ein rezenter Test von DrEd auf n-tv (http://www.n-tv.de/mediathek/videos/ratgeber/Was-Online-Aerzte-wirklich-taugen-article5258681.html) stellte dem Portal kein gutes Zeugnis aus …

Die Idee eine entsprechende Online-Praxis zu versuchen, hatte ich persönlich schon vor mehr als zehn Jahren. Neben einer Reihe haftungsrechtlicher Gründe war für mich ausschlaggebend das Projekt nicht weiter zu verfolgen, dass ich zutiefst davon überzeugt bin, dass es für wirkliche medizinische Probleme nichts taugt.
Und wer nur sein Viagra braucht, kann es ohnehin auch ohne DrEd im Netz bestellen.
Das Risiko, dass die Pillen gefakt sind, wird etwa so groß sein, wie das Risiko, dass ihr Vertrauensarzt im Netz auch bloß ein Fake ist.

Aber vielleicht ändere ich noch meine Meinung, dann kann ich nur hoffen, dass der KURIER dann auch für mich Werbung macht.

TRUST ME I AM YOUR DOCTOR ….

Written by medicus58

15. April 2012 at 16:20

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