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I will leben und Freiheit möchte ich spüren: 1. Mai 2013

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Kaiserwiese

Da sage noch einer, dass sich nichts bessert.

Längst vergessen, dass am „Tag der Arbeit“ US-amerikanischen Demonstranten gedacht wird, die 1886 gegen einen 12-Stunden-Tag streikten und zum Teil (wie auch einige Polizisten) in den nachfolgenden Unruhen (Haymarket Riots) ebenso wie die anarcho-syndikalistischen Anführer danach am Strang ihr Leben ließen (http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Mai).

Heldenplatz

Längst vergessen, dass wir 1945 unsere Befreiung vom III. Reich den Söhnen und Töchtern jener verdanken, die 1889 auf der Zweiten Internationalen zum Gedenken an diese Opfer den 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen haben. 
Wir haben uns zwar im Staatsvertrag verpflichtet, ihrer mit der Erhaltung des stalinistischen Monstrums am Heldenplatz (http://de.wikipedia.org/wiki/Heldendenkmal_der_Roten_Armee) zu gedenken, aber ansonsten sehen wir das alles schon von jeher etwas entspannter:

So wie Alfred Adler den Kampftag in der Arbeiterzeitung umschrieben hat:
Er ist sehr schön, der 1. Mai, und die Tausende von Bourgeois und Kleinbürgern werden es den Hunderttausenden von Proletariern gewiss gerne vergönnen, sich auch einmal das berühmte Erwachen der Natur, das alle Dichter preisen und wovon der Fabrikszwängling so wenig bemerkt, in der Nähe zu besehen.“

Durch die Blume eben, so wie es unsere Art ist;
so wie sich die seit Jahrzehnten in Wien Regierenden am Riesenrad ins Stammbuch schreiben
„Sozial Denken – Gerecht Handeln – Der Wiener Weg SPÖ“ 

Sozial und Gerecht

Da sage noch einer, dass sich nichts bessert, 
jetzt bleibt zu hoffen, dass es die Genossen jetzt wieder einmal angehen …

2 Klassen

Gegen eine Zwei-Klassen-Medizin sind sie schon mal,
auch wenn das im Gegensatz zum kürzlich geäußerten Wunsch der Gesundheitsstadträtin und ihrer Patientenanwältin steht, die den Anteil der Privatpatientinnen in den öffentlichen Spitälern anheben wollen(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=77432).

Gegen Mietzinswucher sind sie natürlich auch, obwohl unser Bundeskanzler als zuständiger Stadtrat mitverantwortlich war, dass der Mietzins, den die ausgelagerte „Wiener Wohnen“ 
(http://www.glb.at/article.php/20080917002957481) verlangt von den Linken als „Zinswucher“ bezeichnet wird (http://www.labournetaustria.at/gilbert-karasek-die-verwandlung-der-gemeindebauten-in-zinshauser/). 
Dass Bürgermeister Häupl sich im Vorfeld der Maiaufmärsche gegen Mietobergrenzen ausgesprochen hat, hat sich bei einigen Maiaufmärschlern auch noch nicht durchgesprochen, die genau das auf ihren handgeschriebenen Plakaten forderten.

Als die Nacht über diesen 1.Mai herein brach, 
schunkelte die in die Jahre gekommene SPÖ Wählerschaft 
mit Gerhard Friedle alias DJ Ötzi vor dem
grausigen Praterportal, das Stadträtin Laska das politische Kreuz gebrochen hat (http://wiev1.orf.at/stories/283073
zu  Ich will leben: 

DJOe
„I will leben und Freiheit möchte ich spüren, die Welt kann uns gehör´n, dafür leb ich gern.
Leb jeden Tag als ob´s der letzte wäre, lass uns heut ganz einfach glücklich sein …“

Irgendwie doch stimmig, wie die Wiener SPÖ ihren 1. Mai ausklingen ließ, gesponsert (u.a.) von Admiral-Novomatic Wetten (http://de.wikipedia.org/wiki/Admiral_Sportwetten): 

Desillusionierte Hoffnung auf das kleine Glück:
Schließlich war der Streik 1886 gegen den 12-Stunden-Tag doch nicht ganz unerfolgreich. 

LINK: 1.Mai 2012 http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=57263

Nein zum Atom oder Atome sind mir nicht grün

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Spät aber doch. möchte ich auch „meinen Senf“ zu einer Angelegenheit geben, die Anfang des Monats zu ein paar bemerkenswerten Reaktionen geführt hat.

Vorgeschichte:
1958 wurde in Österreich das Atominstitut als interuniversitäres Institut gegründet und 1962 im Wiener Prater ein TRIGA Mark II Forschungsreaktors eröffnet. Heute ist das Atominstitut ein Institut der TU Wien und bildet zusammen mit den Instituten für Theoretische, Angewandte sowie Festkörperphysik die Fakultät für Physik an der TU Wien. Forschungsschwerpunkte sind Atom-, Kern- und Reaktorphysik,  Umweltanalytik, Radiochemie, nuklearen Messtechnik und Festkörperphysik, Quantenphysik, Quantenoptik sowie Tieftemperaturphysik und Supraleitung.  http://www.ati.ac.at Den ORF Sehern war im Zusammenhang der Fukushima-Katastrophe einer der „Jungstars“ des Instituts Georg Steinhauser (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53642) ein guter Bekannter geworden.
WAS? MITTEN IM WURSTELPRATER EIN FUKUSHIMA?
Na ja, nicht beim Watschenmann, aber (siehe Bild) inmitten eines Kleingartenvereins.
Die schien nun den Grünen (nach immerhin 50 Jahren) erstmals aufgefallen zu sein und Glawischnig diagnostiziert messerscharf, dass den Reaktor „niemand mehr wirklich braucht.“ http://derstandard.at/1336435289341/Atominstitut-Gruene-wollen-Forschungsreaktor-abdrehen?

Nicht ganz, ein ehemaliger Leiter des Instituts, der den TV Zuschauern als Sciencebuster Prof. Oberhumer bekannt ist, wies darauf hin, dass an diesem Standort Forschung betrieben wird und wundert sich ebenso, wie das Wissenschaftsministerium, weshalb die Grünen sich gegen Grundlagenforschung aussprechen. http://www.sciencebusters.at/sections/science-fu/posts/327
Natürlich kann man Oberhumer hier der berufsbedingten Parteilichkeit beschuldigen, aber zur Erklärung sei noch hinzugefügt, dass die Neutronenquelle des Reaktors u.a. für Materialprüfungen, die prinzipiel gar nichts mit der Kerntechnik, also der Entwicklung neuer Kernreaktoren zu tun hat.
ABER IST DAS NICHT GEFÄHRLICH IM KLEINGARTENVEREIN?

Die Leistung eines Forschungsreaktors ist im Vergleich zu Reaktoren, die zur Energiegewinnung verwendet werden gering (max 250 kW) und die Brennstoff-Zentraltemperatur liegt bei etwa 200 °C, so dass eine Kernschmelze, wie in Fukushima, bei der Temperaturen weit jenseits der 1000°C auftreten können, bautechnisch ausgeschlossen werden kann. Der Abbrand der Brennelemente ist entsprechend gering, so dass noch Brennelemente aus dem Jahre 1962 verwendet wurden. http://www.ati.ac.at/fileadmin/files/general/Reaktor/D_text__Bilder.PDF

Die Aufregung der Grünen entstand aber offenbar deshalb, weil nun einige Brennstäbe ausgetauscht werden mussten. Das Bundesministerium und die TU wies die Anschuldigungen wie folgt zurück:
http://www.bmwf.gv.at/startseite/mini_menue/presse_und_news/news_details/cHash/22985967eb14b25c849c0ec21feee19a/article/tu-forschungsreaktor-ministerium-und-tu-wien-weisen-unserioese-darstellung-seitens-der-gruenen-ents/

Aktuell scheint niemand mehr darüber zu reden, aber es stellt sich schon wieder die Frage, weshalb es so schwer ist, über die Anwendung ionisierender Strahlen in Forschung, Diagnostik und Therapie zu sprechen; bzw. weshalb selbst akademisch gebildete Personen einer rationalen Diskussion unzugänglich sind.

Wenn wir die Energiegewinnung in Kernreaktoren, die ich persönlich ablehne völlig unkritisch mit allen anderen Anwendungen in einen Topf werfe, dann handle ich als ob ich im Winter lieber erfrieren würde, nur weil ich mich im Sommer am Grill verbrannt habe.
Ionisierende Strahlung ist aus vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Will heute noch jemand eine antibiotische oder onkologische Therapie erhalten, weil der Arzt mit seinem Stethoskop „was gehört hat“, oder weil man die Lungenentzündung oder den Lungenkrebs im Röntgen gesehen hat.
Will sich jemand seine Schilddrüse einfach operieren lassen, ohne, dass ein Schilddrüsenszintigramm die Funktion seines Knotens näher charakterisiert hat?

Will irgend jemand sterben, nur weil er die Strahlentherapie als zu wenig homöopathisch empfindet.

Lassen wir lieber unser Haus in Vollbrand geraten, weil wir das bißchen Americium in unseren Brandmeldern ablehnen?

Offenbar manche unsere Politiker!
Deshalb besteht in Österreich eine dramatische Unterversorgung mit Strahlentherapie und Nuklearmedizin, Patienten erleiden endlose Wartezeiten und pilgern über Bundesländergrenzen, wenn irgendwo ein Gerät kaputt geht …

Es fällt immer schwerer, einige der Spitzenpolitiker der Grünen ernst zu nehmen, auf Landesebene (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35384) und auf Bundesebene (siehe oben).

Es wird immer schwieriger bestimmte Expertisen im Lande zu halten, wenn diese „Augen zu“ und „weg mit Schaden“ Mentalität um sich greift.
Wenn ich es als (hoffentlich ist dieser Blog beweisend) kritischer Mensch sehr wohl logisch auf die Reihe bringe, GEGEN AKWs und FÜR EINE KONTROLLIERTE ANWENDUNG IONISERENDER STARHLUNG IN MEDIZIN UND FORSCHUNG zu sein, stellt sich mir doch die Frage, weshalb das andere nicht schaffen:
Wissensmangel? dem könnte man abhelfen
Blanke Ignoranz oder purer Populismus?
dann ist eine der letzten politischen Hoffnungen in diesem Lande dahin und wir segeln freudestrahlend unter der Piraternflagge in die nächste politische Wende und freuen uns auf die nächsten Untersuchungsausschüsse…

 

Screenshot: Google Maps

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