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Was in dem Gezwitscher um die Wirksamkeit von Impfungen untergeht: Der Herstellungsprozess

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Viel wurde und wird über die Wirksamkeit der Anti SarsCov2 Impfungen diskutiert. Wer sich jetzt wundert, weshalb der AstraZeneca Impfstoff trotz einer nur 60%-igen Wirksamkeit in der Gesamtstudie in UK jetzt zugelassen wird und vom  Herrn Auer bei uns fix im Impfplan bleibt, obwohl eine Zulassung bei der Europäischen Behörde noch gar nicht beantragt ist, der vergisst zwei in der aktuellen Diskussion kaum erwähnte Fakten:

Die FDA, die WHO, aber auch andere Gesundheitsbehörden haben sich festgelegt, dass in der Pandemie jeder Impfstoff mit >50% Wirksamkeit zugelassen werden soll. Natürlich wirkt es sich epidemiologisch für die Gesamtgesellschaft günstig aus, wenn randomisiert die Zahl der schwer erkrankten halbiert wird, für den Einzelnen mag sich dabei aber sein Nutzen/Risiko Verhältnis aber schon anders darstelken als bei einer 90%-igen Wirksamkeit.

Im Gegensatz zu den beiden jetzt verimpften mRNA Vaccinen, sind „konventionellere“ Impfstoffe um rund 89% billiger und leichter anzuwenden, nicht zuletzt wegen der geringeren Anforderung an die Kühlkette.

Wenn, was angesichts der enormen öffentlichen Geldmittel, die für Entwicklung bereits geflossen und Vorbestellung bereits gebunden sind, das Vaccine auch in der EU zugelassen wird, werden populistische Fragen (Setzt Österreich auf den falschen Impfstoff) lauter werden, wobei es meiner Meinung nach um ganz etwas anderes geht:

Die hektische Produktion der neuen Impfstoffe. Vielleicht bleiben manche renommierten Hersteller (Sanofi) deshalb so ruhig.

Ein Blick in die Erfolgsgeschichte der Impfungen zeigt, dass selbst gute Impfstoffe (Salk Polio) durch Probleme im Herstellungsprozess an einem einzigen Standort zu unnötigen Erkrankungen führen:

Cutter Incident

Wenige Wochen nach Beginn des Routineeinsatzes des inaktivierten Impfstoffes in den USA kam es zu einem schweren Zwischenfall. Durch Mängel in der Produktion gelangten nicht inaktivierte Polioviren in den Impfstoff. Dadurch wurden mehrere hunderttausend Kinder infiziert, es kam zu 51 Fällen von dauerhafter Paralyse und zu fünf Todesfällen. Dieser nach dem Hersteller Cutter Laboratories benannte Cutter-Incident gilt als einer der schwersten Arzneimittelzwischenfälle in den USA.

Wie jetzt in der Covid-19 Epidemie musste damals alles schnell gehen und d. h. lagern die Entwickler der Impfstoffe die Produktion an weitere Hersteller aus (Reuters)

Natürlich sind sich die Aufsichtsbehörden heute dieser Probleme bewusst. Hierzulande vermuich weitgehend unbekannt, hat die US-amerikanische Aufsichtsbehörde einen harten Kampf mit Pfizer Biontech geführt, dass die das Temperaturmonitoring ihrer „Pizzaschachteln“ nicht gleich nach der Lieferung an den Großhandel entfernen dürfen:

In the end, the U.S. government’s Operation Warp Speed scrambled to address the problem, signing a $25 million deal in mid-November with Controlant Global, an Icelandic company that created the proprietary temperature-monitoring platform for all Pfizer’s shipping containers. Under this agreement, Pfizer will discontinue its temperature monitoring once the boxes arrive at their destination, and the federal government will simultaneously turn the system back on.

Genau dieses Detail war wichtig, um fraglich wirksame Lieferungen in Deutschland nicht zu verimpfen.

Ja, und bei all der Euphorie über Millionen an vorbestellten, billigeren und leichter zu verteilenden AstraZeneca Impfstoffen scheint in Vergessenheit geraten zu sein, dass die bejubelte 90% Wirksamkeit dieser Impfung in einer Subgruppe, die initial nur die halbe Dosis erhalten hat, auf einen Produktionsfehler einer Firma in UK zurück zu führen ist.

Eine der aktuellen Erklärungen für das weniger ist mehr Phänomen ist eine mögliche Immunidierung gegen das modifizierte Affenvirus, das als Vektor verwendet wird. Stimmt das, dann wurd sich die Universität Oxford, die Besitzer des Virus ist auch noch mit der Frage herumschlagen müssen, ob das für allfällige Auffrischungsimpfungen eun Problem darstellt, wenn der Überbringer der Botschaft vom Immunsystem getötet wird.

Bei allen noch offenen Fragen ist die rasche Entwicklung einiger wirksamer Impfstoffe innerhalb des ersten Jahres nach auftreten eines neuen humanpathogenen Virus eine wissenschaftliche Meisterleistung. Trotzdem sollten wir nicht vergessen, das ein gutes Produkt immer nur so gut sein kann, wie sein Herstellungsprozess.

Labeling confusion led to wasted doses of Pfizer Covid-19 vaccine in first days of rollout.

The timeline for Covid-19 vaccine distribution keeps slipping. Experts say it will change again.

Some vaccine doses kept too cold, Pfizer having manufacturing issues, U.S. officials say.

Moderna’s coronavirus vaccine maker identifies ‚big challenges‘ to mass production.

Erste Impfstoff-Lieferung im Januar fällt auch für Brandenburg aus

Written by medicus58

30. Dezember 2020 at 10:59

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