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Bildung billig

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Im Online-Standard ist ein interessantes Interview mit Prof. emerit. Blum von der Boku zu lesen:
http://derstandard.at/1303291525159/derStandardat-Interview-Seit-dem-Wintersemester-halte-ich-Vorlesungen-kostenlos

Neben einigen Aussagen über die Folgen des Bolognia-Prozesses sticht vor allem seine Aussage ins Auge, dass er seit seiner Pensionierung weiterhin Vorlesungen hält, ohne dafür eine finanzielle Entschädigung zu bekommen.

Die Onlinekommentare zu diesem Artikel schwanken zwischen wissender Zustimmung und neidvollen Verweisen auf die guten Pensionsrechte „alter“ Univerträge.

Einmal fest zu halten, dass der Universitätsbetrieb stets ganz maßgeblich darauf setze, dass von ihrem Gegenstand begeisterte Akademiker gerne und für geringe oder gar keine Entschädigung ihr Wissen weitergeben, war wichtig.

Auch die stets prekären Vertragsverhältnisse am Beginn universitärer Karrieren gehören dazu. Ich selbst arbeitete die ersten 4 Jahre auf blind unterfertigten Karenzverträgen mit täglicher Kündbarkeit. Mir wurde der Zettel über meine Dienstzeiten schon mit der Versicherung überreicht dass man davon ausgeht, dass darüberhinaus selbstverständlich gratis zu arbeiten ist. Überstunden wurden weder monitiert noch bezahlt. Viel später bin ich dahinter gekommen, dass man jemanden anderen auf diese Ausbildungsstelle gemeldet hatte und sich so meine Ausbildungszeit verlängerte.

Und ich war kein Einzelfall!

In Wirklichkeit war das für uns auch kein Problem, denn Beruf war Hobby.

Erst als wir realisierten, dass wir von denen ausgenützt wurden, die sehr wohl mit unserer Arbeitsleistung Geld und (Publikations) Impact gemacht haben, fühlten wir uns mies.

Wenn nun die Erkenntnis Allgemeingut wurde, dass nur Wert hat was Geld bringt, darf man sich nicht wundern, dass es im System kracht.  Universitäre Verschulung benötigt noch mehr Lehrer als früher und die finden sich unter den augenblicklichen Rahmenbedingungen halt nicht.

Dozent heißt übrigens Lehrer! Professor heißt Bekenner!

In diesem Sinne ist Prof. Blum für seine Be- und Erkenntnisse zu danken.

Besser geht’s nicht

Im Standardforum schrieb ein „Gerhard Grabner“ am 16.12.2010 22:04

Den Markt als Allheilmittel für die Universitäten anzusehen, schließt darauf, dass der Verfasser nicht verstanden hat, was eine Universität im Kern ist: nämlich ein Diskurszusammenhang von Erkenntnissuchenden und keine Fabrik. Auch keine Berufsausbildung. Und ihre Gedeihen hängt ab: vom Willen der Gesellschaft, Wissenschaft zu finanzieren. Und von demokratischen Bedingungen statt Top-Down-Managment. Wer das nicht will soll die Unis abschaffen und Berufsausbildungsinstitutionen für die Industrie schaffen, von dieser bezahlen lassen und sie auch so nennen. Aber nicht Universität.

Ach tut das gut ….

http://derstandard.at/plink/1291455230164?sap=2&_pid=19227699#pid19227699

und immer wieda – PISA

Wozu die Aufregung, dass ein Großteil von uns nicht sinnverstehend lesen kann: Ist doch eine Alltagserfahrung!

Gebrauchsanweisungen
(auch die, die nicht direkt aus dem Südchinesischen übersetzt wurden)
Nachrichtensendungen
(wo eine Digiwand mit unnötigen Grafiken die Leute bei der Stange hält, die sonst nur Bahnhof verstehen würden)
Krone, Heute, Österreich et al.
(wo die Verkürzung auf den einfachen Hauptsatz manipulatives Programm ist)
Nintendeo, Wii, PS, X-Box, 3D Movie et al.
(wo der Schauwert den kargen Inhalt überdeckt)
Gesetzestexte
(OK, da das war unfair, ich weiß)

Die visuelle Reizüberflutung schärft vielleicht die Reaktionsfähigkeit, jedoch geht dies auf Kosten der wichtigsten Kulturtechnik des Menschens: 
Lesefähigkeit

Das Problem ist vor allem, dass der funktionelle Analphabetismus unserer Gesellschaft die Basis ihres Funktionierens entzieht:

Wozu verlangen Patientenanwälte Aufklärungsblätter, Beipacktexte und Reverse, wenn das der Patient sowieso nicht versteht.
Wieso machen wir Volksabstimmungen, Wahlen und Umfragen, wenn wir befürchten müssen, dass in Ermangelung des Verständnisses ohnehin nur randomisierte Antworten erhoben werden.

Nur machen wir es uns zu leicht, die Schuld hier nur in der Schule zu suchen. Die Diskussion sollte auf jene begrenzt werden, die selbst im letzten Monat mindestens ein Buch gelesen haben!

Ich darf mitreden ….

und noch was zur Schreibschwäche unserer Politik: http://www.youtube.com/watch?v=ZkscI8_2vqU

Wir zahlen bereits Studiengebühren!

Weshalb leiste ich Steuern und Abgaben an den Staat, wenn dieser glaubt das Recht zu haben mich erneut zur Kasse bitten zu dürfen, sollte ich von ihm eine Leistung benötigen.

Bronner zu den Krankenkassen: „Ja, aber in der Not wird auch etwas geleistet.“
Qualtinger: „Beiträge“

Unselbständig Erwerbstätige haben in Österreich eine der höchsten Abgabenquoten. Der Staat „schneidet“ durch seine Verbrauchsteuern, durch die Mineralölsteuern, bei der ORF-Gebühr, … mit, ohne dafür eine Leistung zu erbringen. Hier wird Verursacherprinzip und Zweckbindung negiert.

Ich finde das OK, wenn dafür Grundbedürfnisse abgedeckt werden. Auch die Frau Burgstaller hat – so wie ich – in einer Zeit studiert, wo sowohl Schulgelder in den „Mittelschulen“ als Vorlesungsgebühren an den Unis aus dem Topf bezahlt wurden, die wir mit unseren täglichen Abgaben und Steuern füllen.

Burgstallers Deal: Tausche die selbstverständliche Verpflichtung des Staates den Kindern seiner Steuerzahler eine Universität bereit zu stellen, gegen die selbstverständliche Verpflichtung ein optimales Schulwesen zur Verfügung zu stellen, ist möglicherweise politisch der einzige Weg da was weiter zu bringen, moralisch ist das nicht. Und klug auch nicht.

Bürger können doch nicht so blöd sein, dass sie es hinnehmen immer mehr für den Staat leisten zu müssen und immer weniger Leistungen von ihm zu bekommen, weil wir Banken retten mussten; denn der Staat sind wir. 
Leistet er nichts mehr für uns, dann sollten wir ihn uns auch nicht mehr leisten.

http://derstandard.at/1288659508935/derStandardat-Interview-Das-faellt-uns-allen-auf-den-Kopf

Studiengebühren:Fachhochschulen:Lehrwerkstätten:Klassenkampf

Die östterreichischen Universitäten haben ab 2013 einen Mehrbedarf von ca. 250 Mio Euro. http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3858&Alias=wzo&cob=524869

2009/10 studierten in Ö 332.624 Personen. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/formales_bildungswesen/universitaeten_studium/021630.html

Das heißt, die Studiengebühren müssen pro Person 751,60 € betragen, wenn man glaubt, dass Studiengebühren das Finanzloch schliessen sollen. Aber Achtung: damit gibt’s noch keinen Seminar- oder Laborplatz, keinen Universitätslehrer mehr und weiterhin Stau bei den Prüfungsterminen.

Wo das hin führt, sieht man am schon weiterentwickelten neoliberalen Modell in UK, wo zuerst von den Konservativen, dann von Labour und nun wieder von den Konservativen die Studiengebühren auf 10 600 Euro erhöht wurden! 
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2010/12/10.mondeText1.artikel,a0064.idx,23

Und übrigens, zahlen eigentlich all die Lehrlinge, die in staatlich unterstützten Lehrwerkstätten ausgebildet werden und somit der Wirtschaft das Geld für die Ausbildung ersparen, dafür auch Lehrgeld?

Wenn wir hier – völlig zu Recht argumentieren, dass das eine Investition in die Zukunft unserer Bürger ist, weshalb verlangen wir von jungen Menschen, die einen höheren Bildungsweg anstreben plötzlich, dass sie selbst dafür zahlen?

Beispiel gefällig? Während früher medizinisch technische Dienste in Schulen und dann Akademien ausgebildet wurden, die Spitälern angeschlossen waren und aus dem Gesundheitsbudget finanziert wurden, besuchen sie heute Fachhochschulen und müssen in zunehmendem Ausmaß für ihre Berufsausbildung selbst zahlen.

Fazit: Alles was über die (Aus)Bildung zum Hackler hinaus geht, soll sich der Bürger mehrfach bezahlen: mit Steuern der Eltern, Studiengebühren, Prüfungsgebühren und eigenen Steuern als Werkstudent.

Auch wenn das unglaublich retro klingt, das ist Klassenkampf von oben herab! Auch so unterbinde ich Wettbewerb!

 

Siehe auch: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32622

Written by medicus58

2. Mai 2011 at 11:50

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