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Mit 70 soll Schluss sein? Das Nachspiel zum Schlusspfiff

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Jeder kennt den Emeritus, der noch mit 80 durch die Gänge der Universität streifte und noch 2010 forderte  Der Standard 
Lasst die Uni- Professoren länger arbeiten!

Wir wollen nun nicht die Anekdoten der Chirurgen und Schauspieler bemühen, die praktisch im OP oder auf der Bühne das Leben aushauchten. Weshalb trotz sichtbarer Altersdefizite das Publikum beider zufrieden (und lebendig) den Ort des Geschehens verlassen konnte, erklärt sich durch die tägliche Erfahrung mit dementen Patienten, die ihre Alltagsroutine weitgehend problemlos bewältigen, während ihr Mini-Mental-Status bereits besorgniserregend ist. 

Obwohl wir seit mindestens einem Jahrzehnt wissen, dass wir zwischen 2017 und 2024 eine Pensionswelle unter Ärzten zu erwarten haben (siehe Beitrag vom 15.2.2010) haben Regierung und Ärztekammer durch Studien- und Ausbildungsreform den Nachwuchs kontigentiert.  
Ehe nun der berechtigte Einwand kommt, dass wir in Österreich eh im OECD Vergleich zu viele Ärzte haben: Das stimmt zum Teil, das wird aber zum Großteil durch das insuffizienten System bedingt und das hat zwischenzeitlich niemand verbessert.

In typischer Manier löst man kein Problem sondern verschafft sich durch Übergangsregelungen die Zeit, in der man auf ein Wunder hofft, dass sich das alles dann schon irgendwie ausgehen wird. Das war bei der Ärztearbeitszeit so und auch 2009 im Sozialrechtsänderungsgesetz so, wo sich Regierung und Ärztekammer einigten:

Dass es heute noch zehn Ärztinnen und Ärzte mit GKK-Vertrag gibt, die älter als 70 Jahre sind, ist einer Einschleifregelung zu verdanken, die 2009 auf Drängen der Ärztekammer Steiermark aufgenommen wurde: Für Ärztinnen und Ärzte, die vor dem 1. Jänner 2010 das 60. Lebensjahr vollendet haben, gilt als Altersgrenze das vollendete 70. Lebensjahr, frühestens jedoch ab dem 1. Jänner 2019. Link

Pünktlich „warnen aber nun Kammerfunktionäre erneut vor Zwangspensionierung„:

Derzeit würden knapp fünf Prozent der Kassenvertragsärzte und -ärztinnen 70 Jahre oder älter sein, sagte Helga Azem, Standesvertreterin bei der Österreichischen Ärztekammer, im Ö1-Morgenjournal. Im kommenden Jahr kommen nochmals sieben Prozent dazu, die die Altersgrenze erreichen werden. Wegen der „Zwangspensionierung“ komme ein „großes Versorgungsproblem auf die Patienten zu“, so Azem weiter.

Fluglinien dürfen ihre Piloten mit 65 Jahren zwangspensionieren, das hat der Europäische Gerichtshof entschieden und ich kenne keinen Fluggast, der das schlecht findet, geklagt hat damals ein Lufthansa-Pilot.
Aber so ein Flieger ist natürlich auch viel teurer als ein Kassenpatient

Dabei ist das ohnehin alles Spiegelfechterei: 
Junge Ärzte wollen zu den bestehenden Konditionen weder Kassenverträge noch Stellen in den Krankenhäusern und angestellte Ärzte verlassen lange vor ihrem gesetzlichen Pensionsalter die Spitäler.

Written by medicus58

29. Oktober 2018 at 16:19

Was sagt uns Diskrepanz zwischen erzielbarem Einkommen und Therapiekosten?

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Malignom

Gegenrechnungen im Pensionssystem haben bislang noch niemanden wirklich aufgeschreckt, dass wir weniger Jahre erwerbstätig und abgabenpflichtig sind, als wir uns Zuwendungen aus dem Sozial- und Pensionssystem wird von den politischen Entscheidungsträgern noch kaum, mit jedoch einem gewissen Links-zu-Rechts-Gradienten, den Wahlberechtigten offen mitgeteilt. Ehe sich nun die rechtskonservativen Recken auf die Brust schlagen, die haben in den letzten Jahrzehnten das zwar dem p.t. Publikum wirklich deutlicher kommuniziert, jedoch eher um an noch brach liegendes Geld zu kommen, um das Spekulationskasino der Finanzindustrie (Stichwort: steuerbegünstigte Pensionsversicherungen) zu beleben.
Hier soll es aber um eine andere Gegenrechnung gehen: die Diskrepanz zwischen versprochener „Gesundheitsvorsorge“ und dem „Mindestlohn“.
Mindestlöhne wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts erkämpft, um in Zeiten großer Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt eine gegenseitige Kanibalisierung der unselbstständig Erwerbstätigen zu verhindern. Heute existieren entsprechende Regelungen in 21 der 28 Länder der EU, wobei die Tücke im Detail liegt. In Österreich gelten Mindestlöhne nur für jene Branchen, für die Kollektivverträge verhandelt werden, Organisationen, die kein Mitglied der Wirtschaftskammer sind (NGOs, Ich-AGs,  atypische Dienstverhältnisse, …) unterliegen keinen Kollektivverträgen und die dort Beschäftigten haben somit kein Anrecht auf einen Mindestlohn. Bisherige Vorschläge oszillieren um 1.000€ Monatsbruttolohn für Vollbeschäftigte. In den deutschen Koalitionsverhandlungen sprach man zuletzt von einem Mindeststundenlohn von 8,50 €. Das entspricht bei einer durchschnittlichen monatlichen Arbeitsleistung von 174 h einem Monatsbruttolohn von etwa 1400€. Für die weitere Diskussion sind hier Cents unerheblich.

Wenn wir uns die neuen Therapeutika in der Onkologie ansehen, die monatliche Therapiekosten von 4000€ für neue targeted therapies umfassen und additiv noch die Kosten für die Begleitmedikation und Diagnostik dazu kommen, zeigt sich die enorme Diskrepanz sehr deutlich.
Im Gesundheitssystem versprechen wir den Menschen moderne Therapien, die das Mehrfache von dem kosten, was sie mit ihrer beruflichen Tätigkeit verdienen können. Da die Beiträge für das Gesundheitssystem an das monatliche Erwerbseinkommen gebunden sind (für ASVG Versicherte nur bis zu einer Höchstbemessungsgrundlage, für die viel gescholtenen Beamten jedoch ohne Höchstbeitragsgrenze!) kann sich das nicht ausgehen.
Bei all den aktuellen politischen Mietmäulern wird diese Diskrepanz stets dahingehend aufgelöst, dass sie trommeln, dass unser Gesundheitssystem (für die geleisteten Beiträge) zu teuer ist.

Mich wundert, dass noch niemand gesagt hat, dass man uns einfach zu geringe Löhne zahlt, um mit zumutbaren Beiträgen unsere Sozialsysteme finanzieren zu können.

Fragen Sie einmal die Politiker, die Sie gewählt haben, wieso Sie Ihnen versprechen, dass für Ihre Behandlung mehr Geld vorhanden sein soll, als Sie vor Ihrer Erkrankung mit Vollbeschäftigung verdienen können!

Written by medicus58

27. November 2013 at 20:29

Generationenvertrag

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Unsere Regierung schwitzte im Oktober 2010 im Wellnesshotel, um von uns das Geld hereinzubringen, dass sie in die schwarzen Löcher des Zocker-Kapitalismus versenkt hat.

Den Seniorenvertreter wird selbstverständlich Audienz gewährt:

Einer von Ihnen (Kohl = ein übel riechendes Wintergemüse) hat vor gar nicht so langer Zeit mitgeholfen, dass auch in Österreich dem Turbokapital die Regierungsbank geöffnet und Volksvermögen zum Schnäppchenkauf angeboten wird.
Dem anderen (Blecha = einer der wenigen Österreicher, der gleichzeitig Pension und Kinderbeihilfe beziehen darf) hat man vor etwas längerer Zeit bei Gericht bescheinigt, doch nicht ganz saubere Finger zu haben.
Wir dürfen uns sicher sein, dass was für die Pensionen getan wird.

Schüler und Studenten dürfen unter strenger Polizeiaufsicht ein bißchen demonstrieren. Für Ihre Anliegen hat man in der Wellnessoase offenbar keinen Termin.

SANDWICH

Selbstverständlich sollen es unsere Kinder einmal besser haben als wir selbst.

Das hat sich ja schon unsere Elterngeneration geschworen und sich bald mit nachgezahlten Pensionsbeiträgen in den wohlverdienten Ruhestand begeben. Dafür fordert sie nun unsere Dankbarkeit ein.

Unsere Kinder wollen unterhalten werden.

Deshalb  ist Kinderbetreuung am Urlaubsort, besser gleich ein Kinderhotel und Tanz-, Töpfer-, Schauspiel-, Gymnastik- und Rhetorikkurs zur Unterbrechung des Fernseh- und Nintendo-Dauerprogramms als obligat anzusehen. Dankbarkeit ist nicht zu erwarten.

Zwischen Kinderförderung und Altenbetreuung wird es für die zu spät Geborenen und noch nicht Pensionierten eng. 
Blöd gelaufen!

Herr Leitl schlug im November 2010 vor, man möge doch den Älteren zusätzlich zum Gehalt schon was von ihrer Pension auszahlen, damit sie noch etwas länger arbeiten.
http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Leitl-will-Praemie-fuer-Spaet-Pensionisten/6763479

Als Zeugen ruft er den Medien-omni-präsenten Pensions-Experte Bernd Marin auf, der den Vorschlag auch gleich in Interviews  ganz supi findet. Wenn er da aber so nebenbei sagt, dass wir uns das ausgerechnet haben fragt man sich, ob er da nicht Ping Pong mit seinem eigenen Auftraggeber gespielt. http://www.puls4.com/talkoftown/videoDetail/video_id/1225473

NUR:  Haben wir nicht immer gehört, dass „die Alten“ keinen Job mehr bekommen, WEIL sie so teuer geworden sind.

WÄRE: es da nicht sinnvoller die Einkommen „der Jungen“  zu erhöhen, um dieses Argument zu Fall zu bringen?

Im nächsten Leben werde ich ein Gemüse oder ein Metall

Bei der letzten Studiendemo trug einer der Teilnehmer das Plakat: Im nächsten Leben werde ich ein Tunnel, um auf die unterschiedliche Wertschätzung zu verweisen, die Studenten und Koralmtunnel in Österreich entgegen gebracht wird.

Die verbliebenen Begünstigungen der Pensionisten im Gegensatz zur Diskussion um Studiengebühren und Kinderbeihilfen kann man auch so sehen:

Die Generation, die sich während der Hochkonjunktur bei ihren Kindern die Studienbeihilfen erspart hat, wird nun nochmals mit Hacklerregelung und Pensionserhöhungen über der Inflationsrate verwöhnt.

Gerecht ist das nicht?

Aber wer von Kohl, und Blecha vertreten wird, der hat es gut ….

Evolution v.s. Revolution

Häupl und Burgstaller können sich Studiengebühren vorstellen, schön und weniger gut: http://kurier.at/nachrichten/wien/2057385.php
http://derstandard.at/1291454940464/Studiengebuehren-fuer-Haeupl-vorstellbar
Auch der Einschub: … solange gewährleistet bleibt, dass ein Studium nicht zum Privileg einiger Weniger verkommt (Häupl) beruhigt mich wenig.
Überdies ist die Diskussion unnotwendig, weil die benötigten Mittel nicht über Studiengebühren, egal in welcher der jetzt diskutierten Höhen, hereingebracht werden können.

Es benötigt keine besondere Vorstellungskraft, nur einen Klick auf die HP der Zeit: (http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2010-12/proteste-london-studium )
um zu sehen, wie dankbar Studenten sein werden, wenn sich der Staat wieder einmal aus einer seiner Verpflichtungen stiehlt.

Ich zahle Steuern, nicht weil ich ein neues Stadion für die Wiener Austria inkl. U-Bahnanschluss finanzieren möchte (Hallo, Michl!), sondern damit der Staat die Chancengleichheit herstellt, die eine in Klassen zerfallene Gesellschaft von sich aus nicht garantieren kann.

Es waren einmal Sozialdemokraten, die diesen Ansatz wählten, um über die Evolution zu erreichen, was die extreme Linke über die Revolution erreichen wollte.

Wenn Häupl sich von diesem evolutionären Weg verabschiedet, wird er sich möglicherweise auch bald in einer revolutionären Lösung wiederfinden.

Nicht, dass das eine gute Lösung ist, aber :

Man kann einige Leute die ganze Zeit, alle Leute einige Zeit, aber nicht alle Leute die ganze Zeit zum Narren halten.
Abraham Lincoln

Bild: © Carl Court/AFP/Getty Images von Zeit online

Studiengebühren:Fachhochschulen:Lehrwerkstätten:Klassenkampf

Die östterreichischen Universitäten haben ab 2013 einen Mehrbedarf von ca. 250 Mio Euro. http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3858&Alias=wzo&cob=524869

2009/10 studierten in Ö 332.624 Personen. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/formales_bildungswesen/universitaeten_studium/021630.html

Das heißt, die Studiengebühren müssen pro Person 751,60 € betragen, wenn man glaubt, dass Studiengebühren das Finanzloch schliessen sollen. Aber Achtung: damit gibt’s noch keinen Seminar- oder Laborplatz, keinen Universitätslehrer mehr und weiterhin Stau bei den Prüfungsterminen.

Wo das hin führt, sieht man am schon weiterentwickelten neoliberalen Modell in UK, wo zuerst von den Konservativen, dann von Labour und nun wieder von den Konservativen die Studiengebühren auf 10 600 Euro erhöht wurden! 
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2010/12/10.mondeText1.artikel,a0064.idx,23

Und übrigens, zahlen eigentlich all die Lehrlinge, die in staatlich unterstützten Lehrwerkstätten ausgebildet werden und somit der Wirtschaft das Geld für die Ausbildung ersparen, dafür auch Lehrgeld?

Wenn wir hier – völlig zu Recht argumentieren, dass das eine Investition in die Zukunft unserer Bürger ist, weshalb verlangen wir von jungen Menschen, die einen höheren Bildungsweg anstreben plötzlich, dass sie selbst dafür zahlen?

Beispiel gefällig? Während früher medizinisch technische Dienste in Schulen und dann Akademien ausgebildet wurden, die Spitälern angeschlossen waren und aus dem Gesundheitsbudget finanziert wurden, besuchen sie heute Fachhochschulen und müssen in zunehmendem Ausmaß für ihre Berufsausbildung selbst zahlen.

Fazit: Alles was über die (Aus)Bildung zum Hackler hinaus geht, soll sich der Bürger mehrfach bezahlen: mit Steuern der Eltern, Studiengebühren, Prüfungsgebühren und eigenen Steuern als Werkstudent.

Auch wenn das unglaublich retro klingt, das ist Klassenkampf von oben herab! Auch so unterbinde ich Wettbewerb!

ADHS und DAT

In meiner Volksschule gab es eine Lehrerin für 36 Schüler.
Heute ist ohne Zweit- bzw. Stützlehrer ein Unterricht kaum mehr möglich.
Ursache: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

http://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivit%C3%A4tsst%C3%B6rung

Großeltern betreuten entweder die Enkerln oder starben. 
Der numerisch geringe Rest war pflegebedürftig und kam „nach Lainz“ um im 36 Bettensaal aufs Sterben zu warten. Heute wird er von slowakischen oder ukrainischen Pflegerinnen betreut.
Ursache: Demenz vom Alzheimertyp (DAT)http://de.wikipedia.org/wiki/Morbus_Alzheimer

Was noch fehlt ist eine Krankheitsbezeichnung für die Generationen dazwischen und die ökonomische Grundlage das alles zu bezahlen.

Nachtrag:
OK, echt arg, sowas kann man nicht so sagen!
…was können denn die betroffenen Patienten dafür …

Schon, aber was können die betroffenen Angehörigen dafür?

unsere Eltern hatten klare Vorstellungen:
Als Babys sollen wir sprechen und gehen lernen,
als Kind still sitzen und Mund halten lernen.

Sind wir erwachsen hatten wir weiter ihren Vorstellungen zu genügen:
Zu Weihnachten kommt’s ihr mit den Kindern vorbei und tut’s nicht das Fest der Familie stören mit euren Wünschen. 
Die Großeltern wollen das Leuchten in den Augen der Enkel sehen, dafür haben wir zu sorgen.

Und wenn die Großeltern meschugge werden, dann tanzen wir weiter nach ihrer Pfeife. Nur nicht widersprechen. Fein, ihr wollt uns an jedem Feiertag sehen, natürlich. Mit den Kindern streiten wir vor der Türe, wenn die andere Pläne haben, denn schau, die Großeltern freuen sich ja so … dafür darfst du auch länger aufbleiben…

Die Krankheitsbezeichnung für unsere Generationen habe ich inzwischen gefunden: Arschkarte

 

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