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Wien gurgelt, aber wozu?

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Nicht alles was klug klingt ist gescheit, oder konkreter in medizinisch diagnostischen Termini:

Der sicherste Test bringt im Nachhinein nur dem Pathologen was.

Im verständlichen Versuch auf die Delta-Variante zu reagieren, stanzt die Politik die schnellen aber weniger sensitiven Antigentests und kauft sich in das logistisch beeindruckende PCR-Projekt eines privaten Anbieters ein. Es mag spekuliert werden, ob die verpflichtende Ausweitung auf Schulen und Krankenanstalten nicht auch auf die unausgenutzten Kontingente zurück zu führen ist, die die Stadt Wien dem Privatlabor zugesagt hat, aber auf den ersten Blick schien, außer finanzielle Überlegungen, nichts gegen die flächendeckende Nutzung eines hoch sensitiven und spezifischen Tests zu sprechen, außer die eigene Erfahrung.

Wie alle geimpften Mitarbeiter des Wiener Gesundheitsverbundes bin ich verpflichtet einmal pro Woche zu gurgeln. Einiges Getippe, Handy-Registrierung, Mail-Bestätigung und QR-Ausdrucken am Vorabend und ich bin registriert:

6:20 Tag 1: ich steh etwas früher auf, denn der Gurgeltest sollte daheim vor dem Zähneputzen erfolgen, und gurgle, spucke und verschließe mein Sackerl.

8:10 Tag 1: ich werfe im Krankenhaus mein Sackerl in einen der schon rammelvollen Sammelbehälter, die um 9:00 geleert werden

Tag 1: keine weiteren Vorkommnisse

12:10 Tag 2: eine SMS schickt mir einen PIN Code für mein Testergebnis und verweist auf eine weitere SMS für den Link, wo ich das Testergebnis abrufen könnte

13:35 Tag 2: der Link kommt über 30h nach meinem Gurgeln

Auf dem (negativen) Testergebnis steht aber Abnahmezeit (Sampling time) 12:48, was bestenfalls den Zeitpunkt des Eintreffens der Probe, nicht aber den wahren Abnahmezeitpunkt reflektiert. Klar, den weiß die Firma ja trotz viel Registrierung nicht.

Der Fehler von ca 6h wäre prinzipiell negierbar, aber da mit großem medialen Aufwand die „Gültigkeit des PCR“ um 24h gesenkt wurde, macht das doch einen Fehler von 25% aus!

Jedenfall habe ich nun noch für 18h einen gültigen Test, die ich überwiegend nicht an meinem Arbeitsplatz verbringen werde.

Wäre ich nun positiv getestet worden, hätte ich gewusst, welche Patienten ich in den letzten beiden Arbeitstagen möglicherweise angesteckt habe, aber hätte mich der erste Patient nach dem Gurgeln angesteckt, wäre auch die jetzige Sicherheit hinterfragbar. Überdies hat inzwischen schon der Rechnungshof begriffen, dass das Contactracing angesichts der hohen Fallzahlen auch wenig brachte.

Fassen wir also zusammen, in Zeiten des Deltavirus, dessen Inkubationszeit nur mehr 4 Tage dauert (Link) und es kaum asymptomatische Träger gibt dauert es 1,5 Tage bis ein Ergebnis vorliegt. Nächste Woche wiederholt sich das Procedere.

Dass irgendeine Reaktion von der Politik verlangt wird, wenn die Zahlen steigen, ist verständlich. Kann mir aber irgendwer erklären, dass der Aufwand von Wien gurgelt vielmehr als ein sehr teures Placebo darstellt?

Written by medicus58

23. September 2021 at 20:11

Thinking, Thinking statt Testing, Testing?

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Wir halten seit dem Sommer, mit wenigen Ausnahmen bei einer ca. 1 prozentigen Rate bei PCR positiv Getesteten.

Mit anderen Worten brauchen wir 100 Teste um einen PCR Positiven zu finden ohne weiterhin zu wissen, ob der dann symptomatisch ist, weil wir diese Daten nicht lückenlos erheben.

Für diese Erkenntnis zählen wir rund 8.00010.000 Euro pro positiv Getestetem.

Da die Tests meist nicht quantitativ ausgewertet werden, wissen wir weder, ob der für das Geld Identifizierte auf immer asymptomatisch, leicht symptomatisch, Hospitalisierungs- oder intensivpflichtig werden wird, noch ob er der Superspreader ist, dessen Quarantäne ein paar Dutzend andere Infizierte verhindert hat oder er nichtmal seine Mitbewohner angesteckt hätte.

Wenn Anschober (grad im Radiointerview) schon von drei Prognosen– gestern waren es noch 2, nämlich so wie bisher oder 1.500 positive Tests/Tag- spricht, dann kann er einem nur mehr leid tun.

Sehr plump hoch gerechnet heisst das für das Kontakt-Tracing bei täglich

800 (neuen Personen) x 14 (Tage Infektiosität)  x 10 (längeren und näheren Kontakten pro Tag) =

täglich zusätzlich 112.000 Kontaktpersonen ausfindig machen zu müssen .

Damit wären selbst Gestapo oder KGB überfordert gewesen.

Die seit Monaten aufgebaute Schimäre, dass ein more of the same die Lösung wäre, zeigt inzwischen seine Absurdität. Wenn der Schwedische Weg in Wahrheit weniger Agitprop, wenige aber konsequente Regeln und eine Gesundheitsversorgung so gut wie eben möglich heißt, dann sollten wir uns doch langsam daran orientieren.

Zugegeben, die noch immer vergleichsweise massiv höheren Todesfälle in Schweden sprechen dagegen, aber glauben wir wirklich, dass uns unser Weg davor auf lange Sicht bewahren wird? Solange wir nicht die unterschiedlichen Verläufe in verschiedenen Gesellschaften erklären können, sollten wir auch nicht glauben, dass unser Aktionismus etwas anderes bewirkt hat als ein Verschieben der Krankheiten auf später.

Written by medicus58

19. September 2020 at 12:36

Testing, testing, testing

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Man hüte sich von monokausalen Erklärungen in einer komplexen Situation, OK. Aber weil seit Monaten immer behauptet wird, dass mehr Testen die Explosion der SarsCov2 Infektionen verhindert.

In den letzten zwei Monaten testete Israel in Relation zu seiner Bevölkerung deutlich mehr als andere.

Erklärung?

Written by medicus58

18. September 2020 at 20:15

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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