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Spitalsranking: Freut Euch nicht zu früh

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Wer sich der Mühe unterzieht unsere Medien quer zu lesen erkennt sehr bald, wie viele der Berichte nicht journalistischem Interesse sondern der Message-Control der Politik entspringt.

Die aktuelle Jubelkampagne (Kurier, Österreich, Heute) über das gute Ranking Niederösterreichischer Kleinspitäler (Lilienfeld hat gewonnen, gefolgt von Hochegg) folgt wie bestellt auf die Medienberichte über das Trockentraining im KH Nord nur wenige Tage davor.

Patientenanwalt, eigentlich eher PatientenSTAATSanwalt, weil den kein Patient je gewählt hat, Landespolitiker und – Manager wird die hier im flotten Dreier zur Schau gestellte Freude ebenso vergehen, wie ihren Wiener Doppelgängern:

Man kann sich zwar so positive Berichte bestellen, aber sie bereiten nur die Bühne für die nächste Skandalgeschichte vor, denn

Die Qualität der Gesundheitsversorgung lässt sich nicht wie Hotelbewertungen primär an der Befragungen der Betroffenen messen, oder glauben Sie, dass die Qualität einer Entzugsklinik durch die Zufriedenheit der Patienten an der angeschlossenen Bar zu messen wäre?

Kleine Einrichtungen, die sich komplexer Fälle leicht in Richtung Zentralklinikum entledigen können, haben es leichter zu guten Noten zu kommen, und sind vermutlich auch weniger mit Aggression konfrontiert: Lokal gilt der Grundsatz, man trifft sich immer wieder, wohl eher als im fernen Schwerpunktspital.

Das wichtigste Gegenargument gegen den Jubel des Boulevard bleibt aber dessen Geschäftsmodells: Ich kenne keinen Skandalbericht über Vorfälle im Gesundheitssystem, bei dem dann derartige Jubelberichte als mildernde Umstände erwähnt wurde.

Dann wird dem Trio das Lachen rasch vergehen und sie werden wie immer die Schuld für Missstände nicht bei Politik und Management suchen, sondern auf die Gesundheitsberufe abschieben.

Written by medicus58

12. Mai 2019 at 11:34

Wessen Anwalt ist denn ein Patientenanwalt?

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Shutdown

Der sogenannte Patientenanwalt Bachinger verlangt in der Wiener Zeitung die freie Artztwahl abzuschaffen und will chronisch Kranke für drei Jahre an ein PHC binden.
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/chronik/827955_Das-Dogma-der-freien-Arztwahl-muss-weg.html

 

PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? https://medicus58.wordpress.com/2015/08/31/phc-fuer-wie-bloed-halten-uns-die-eigentlich

Dann schwärmen wir auch noch im Chor mit Wirtschafts- und Arbeiterkammer, den sicher die ausgewiesensten Patientenvertreter,  von einem Telefondienst nach Schweizer Vorbild:

Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind
https://medicus58.wordpress.com/2014/07/02/drucken-sie-die-1-wenn-sie-krank-sind-oder-die-0-wenn-sie-tot-sind/

Da braucht man nicht lange zu überlegen auf welcher Seite diese politisch eingesetzten Patientenanwälten denn stehen, auf der Seite derer, denen sie ihren Posten verdanken.
Man kann nicht einmal sagen, auf seite derer, die sie bezahlen, denn bezahlt werden sie von den Steuer- und Abgabenzahlern.

In diesem Zusammenhang ist auch eine Bestandsaufnahme der PHCs
des sogenannten Bürgerlandtages lesenswert:

Die Primärversorgung in Österreich wird endgültig aussterben – es sei denn, wir drehen die Reformpläne um 180 Grad!
Wenn die Allgemeinmedizin ausstirbt, ist das System unfinanzierbar
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160627_OTS0113/die-primaerversorgung-in-oesterreich-wird-endgueltig-aussterben-es-sei-denn-wir-drehen-die-reformplaene-um-180-grad

Auch wenn man der Partei FRANK nicht ohne Grund reserviert gegenüber steht, vieler der vorgebrachten Aussagen treffen den Kern des Problems:

„Wir brauchen einen neuen, einheitlichen und kostendeckenden Katalog für alle Leistungen, die unter Primärversorgung fallen. Auch für nicht-medizinische Leistungen. Wir brauchen im Idealfall auch ein Hausarztmodell, also eine verpflichtende Langzeitbindung an einen Hausarzt bei freier Arztwahl.“

„Wir brauchen keine neuen bürokratischen Strukturen, die nur behindern und sich ohne Subventionen nicht finanzieren lassen, weil sie zumindest teilweise am Bedarf vorbeigehen.“

„Dann wird alles noch teurer und es muss noch mehr rationiert werden. Wollen wir das wirklich?“

Während wir alle über den BREXIT plappern übersehen wir, dass unser Gesundheitssystem inzwischen den freien Fall nachholt, den das britische Gesundheitssystem bereits in den 80ern hingelegt hat. Die Kräfte, die das betreiben sind dieselben, die Wähler haben aber nicht mehr die Ausrede nicht gewusst zu haben, wohin dies führen wird ….

Written by medicus58

29. Juni 2016 at 20:52

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

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Vom scheinbar Unzusammenhängenden: Das Kalifat der Medizin oder Wer Priester ist, bestimmen wir

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Kalif

Selbst in deutscher Sprache haben die Isis-Dschihadisten 
http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-isis-extremisten-rufen-islamisches-kalifat-aus-a-978202.html ein Kalifat ausgefrufen und von allen Muslimen die sofortige Anerkennung des neuen Führersverlangt.

Im Zuge der heute beschlossenen Primärversorgung im Gesundheitssystem beklagt Patientenanwälte-Sprecher Gerald Bachinger  im Ö1-„Mittagsjournal“ einen „Schwenk von der Patientenzentrierung hin zur Ärztezentrierung„. Nicht vom Team rund um den Hausarzt, sondern von jenem rund um den Patienten müsse die Rede sein.
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/3673000/primaerversorgung-gesundheitswesen-beschlossen.story

Assistiert wurde er von Ursula Frohner, der Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, die seit Wochen lautstark Kassenvertäge für freipraktizierenden Krankenschwestern verlangt und maßgeblich dafür verantwortlich war, dass imAuftrag des Gesundheitsministerium im ÖBIG ein Papier entstanden ist, das davon schwadronierte, dass „operierende Krankenschwestern“ Ärzte entlasten sollen.
http://derstandard.at/1379291686733/Krankenschwestern-die-operieren/ 

Und ebenfalls heute wurde von der ELGA Ges.m.b.H. zugegeben, dass sich der Start, vom Vollbetrieb ist nichtmal mehr die Rede, von ELGA von Beginn auf Ende 2015 verschieben wird.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140630_OTS0175/elga-der-aktuelle-fahrplan-zur-umsetzung-der-elektronischen-gesundheitsakte

Und wie, wenn Sie bisher gelesen haben, werden Sie fragen, soll das alles zusammenpassen?

Ganz einfach. Mit Gewalt lassen sich Reiche ausrufen, Gesetze verordnen und Fakten hinausschreien.  Am Ende des Tages, kann auch der Kalif auf diejenigen angewiesen, die die tägliche Arbeit verstehen und machen.

Auch wenn es den Juristen Bachinger noch so gegen den Strich und gegen den Auftrag seiner politischen Einsetzer geht:
Es sind Ärzte, die in einem jahrelangen Studium und einer jahrelangen postpromotienellen Ausbildung für eine umfassende Ausübung der Medizin ausgebildet wurden, nicht die Pflegeberufe, nicht die Medizinisch Technischen Dienste, nicht die Masseure oder wer heute noch aller als Gesundheitsdienstleistungsanbieter angesprochen wird.

§2 AerzteG
(1) Der Arzt ist zur Ausübung der Medizin berufen.
(2) Die Ausübung des ärztlichen Berufes umfaßt jede auf medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen begründete Tätigkeit, die unmittelbar am Menschen oder mittelbar für den Menschen ausgeführt wird, insbesondere
die Untersuchung auf das Vorliegen oder Nichtvorliegen von körperlichen und psychischen Krankheiten oder Störungen, von Behinderungen oder Mißbildungen und Anomalien, die krankhafter Natur sind;
die Beurteilung von in Z 1 angeführten Zuständen bei Verwendung medizinisch-diagnostischer Hilfsmittel;
die Behandlung solcher Zustände (Z 1);
die Vornahme operativer Eingriffe einschließlich der Entnahme oder Infusion von Blut;
die Vorbeugung von Erkrankungen;
die Geburtshilfe sowie die Anwendung von Maßnahmen der medizinischen Fortpflanzungshilfe;
die Verordnung von Heilmitteln, Heilbehelfen und medizinisch diagnostischen Hilfsmitteln;
die Vornahme von Leichenöffnungen
.

Auch wenn ärztliche Kritik an ELGA als elektronisches Milliardengrab von Politik und IT-Industrie stets abgewimmelt wurde …

Der infantilen Fortschrittsglauben, den unser Minister hier mit seinem Glauben an die Heilkraft der IT an den Tag legt, blendet ganz offenkundig die fachliche Diskussionen der letzten Jahrzehnte aus und wird dem Gesundheitssystem viel Geld kosten und ein paar IT- und Hardwarefirmen aus dem Gesundheitsbudget reich machen.
http://wp.me/p1kfuX-N2

stellt sich eben heraus, dass diese Rufe aus der Praxis sehr fundiert waren.

Also kann darf man wieder einmal daran erinnern, dass nicht jeder, der sich zum Kalifen ausruft, auch die Wahrheit, keinesfalls aber die Weisheit, auf seiner Seite hat.

Bildnachweis: Wikipedia Portrait Caliph Abdulmecid II – Der letzte Kalif

Salzamt: Patientenombundsperson

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Salzamt

Der Anwalt ist ein „nicht primär der Wahrheitsfindung dienender Fürsprecher“ von Privatpersonen, dem Staat oder Behörden oder Gerichten gegenüber, sondern seinem Mandanten gegenüber verpflichtet, ihm zu einem bestmöglichen Ausgang vor Gericht zu verhelfen. Er ist somit im Rahmen der geltenden Gesetze, im Gegensatz zum Richter „parteiisch“. Die Profession kennen wir seit dem Altertum. Im modernen Rechtsstaat wird dem Angeklagten unter bestimmten Bedingungen dieser Fürsprecher sogar vom anklagenden Staat kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Der Patientenanwalt ist dem gegenüber jüngere, politische „Erfindung“. Die Wiener Patientenanwaltschaft ist eine unabhängige und weisungsfreie Anlaufstelle im Gesundheits- und Spitalsbereich und sollte „der Stärkung und Position der Patienten im Gesundheitsbereich“ dienen.  (http://www.wien.gv.at/gesundheit/einrichtungen/patientenanwaltschaft/aufgaben/index.html)

Es wäre nicht Österreich, wenn diese Einrichtung nicht „länderspezifisch“ unterschiedlich definiert wird. In allen Bundesländern ist man für Konfliktfälle im Spitalsbereich zuständig. Mit Ausnahme von Kärnten und Tirol, sehen sich alle anderen Einrichtungen auch für die Pflegeheime zuständig, während sich wiederum alle, mit Ausnahme von Tirol und Oberösterreich auch mit Konflikten im niedergelassenen Bereich befassen dürfen/müssen/wollen. (https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/Patientenanwaltschaften_LN.html) Eine sachliche Begründung für diese Unterschiede sucht man wohl vergeblich.

Die jeweiligen Patientenanwälte werden politisch bestellt und dass hier systemkompatible Persönlichkeiten ausgesucht werden, liegt in der Natur der Sache. Für die Wiener Patientenanwältin Dr. Sigrid Pilz wurde dies auch hier schon mehrfach kritisiert (http://wp.me/p1kfuX-1a, http://wp.me/p1kfuX-wh).
Auch die wahre Begründung für die Einrichtung der Patientenanwaltschaften war, wie einem jeder hinter vorgehaltener Hand versichert, nicht ein so sehr einen „Fürsprecher“ für Patientenanliegen zu schaffen, sondern öffentlichkeitswirksame Prozesse durch Zahlungen aus den „Patienten-Entschädigungsfonds“ zu verhindern. Obwohl dies in manchen Fällen natürlich auch im Sinne einses wirklich geschädigten Patienten ist, der durch eine öffentliche Schlammschlacht nochmals „verletzt“ würde, hat es den nicht zu unterschätzenden politischen Nebeneffekt, dass allfällige Systemschwächen nicht publik werden. Dass diese vor zehn Jahren eingerichteten Patienten-Entschädigungsfonds von den Patienten selbst bezahlt werden, ist weithin unbekannt:

So werden die Fonds durch einen Anteil der Kostenbeiträge der stationär aufgenommenen Patientinnen und Patienten mit 0,73 Euro pro Tag finanziert. Über die Auszahlung bestimmt die Entschädigungskommission im jeweiligen Bundesland unter Einbindung der Patientenanwältinnen. Der Höchstbetrag der Entschädigung im Einzelfall ist grundsätzlich auf 22.000 Euro festgelegt, wenn besondere soziale Umstände vorliegen ist ein Höchstbetrag von bis zu 50.000 Euro möglich. „In den letzten zehn Jahren wurden über 56 Millionen Euro an Entschädigungen ausgezahlt, mit denen Menschen in schwierigen Situationen geholfen werden konnte“, so Patientenanwalt Bachinger. (http://www.springermedizin.at/artikel/33040-stoeger-patienten-entschaedigungsfonds-sind-erfolgsgeschichte)

Wir sehen, was von außen als gesundheitspolitische Errungenschaft scheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen eher als Appeasement-(Beschwichtigungs-)Politik. Die Funktion der PatientenANWÄLTE ist seit jeher eher die von OMBUDSMÄNNERinnen.

Wenn aber nun die Führung der Wiener Ärztekammer, an eine Einbindung der Mitglieder kann ich mich nicht erinnern, mit dem formal richtigen Argument der – zumindest bei der Bestellung – potentiellen politischen Hörigkeit der PatientenanwältInnen, einen gewählten PatientenOMBUDSMANN erfindet und per SMS (!) unter handverlesenen drei Kandidaten wählen lässt, wird der österreichischen Realverfassung nur ein weiteres absurdes Kapitel hinzugefügt.
Mit der Groteske um die kammereigene Qualitätskontrolle ÖQMed Ges.m.b.H. und den Disput, ob ein Patientenanwalt für eine von ihm beauftragte Untersuchung etwas zahlen muss, beschäftige ich mich vielleicht in einem anderen Beitrag (http://kurier.at/chronik/oesterreich/patientenanwalt-muss-fuer-ordi-kontrolle-zahlen/14.054.015).

Dabei wäre es eigentlich ganz einfach:

Schulmedizin, im Gegensatz zu allen den so populären paramedizinischen Aktivitäten, ist ein gefahrengeneigtes Gewerbe. Ich selbst denke an meinen – Gott-sei-Dank – einzigen Pneumothorax, den ich unabsichtlich im Zuge einer notfallmäßigen zentralvenösen Punktion verursacht habe, mit Schaudern zurück. Auch wenn mir mehrere erfahrenen Intensivmediziner damals Trost zusprachen, dass dies in dieser klinischen Situation vermutlich den meisten passiert wäre, kann man nachträglich natürlich Faktoren finden, in denen diese Komplikation zu vermeiden gewesen wäre. Aber auch scheinbar ungefährliche ärztliche Tätigkeiten, wie das Verschreiben von Routinemedikamenten in der Allgemeinpraxis kann in gesonderten Fällen zum Tode führen.

Nur wer nix tut, oder nur berät, wird keine Komplikationen haben.

Dass alle Beteiligten, Ärzte, Patienten und Politik naturgemäß die Schuld beim anderen suchen ist klar und dass bei allen unliebsamen Vorkommnissen, versucht wird, eine finanzielle Entschädigung „heraus zu schlagen“ entspricht dem Zeitgeist.
Hier eine gerechte Lösung zu finden, wird weder durch politisch installierte Ärztehasser noch durch von der Ärztekammer erfundene, ehemalige Verhandlungspartner der „Gegenseite“, wie Franz Bittner (Ex-Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse und nunmehr rühriger kostenpflichtiger Berater), Josef Kandlhofer (Ex SVB-General oder Hauptverbandschef) oder Andrea Schwarz-Hausmann (Juristin und Gesundheitsökonomin bei der PVA) möglich sein. http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130516_OTS0141/neue-patientenombudsstelle-in-wien-der-wahlkampf-beginnt   http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130404_OTS0030/jury-hat-vorauswahl-zum-wiener-patientenombudsmann-frau-getroffen
Hätten alle Beteiligten ein wirkliches Interesse ALLEN Beteiligten im Gesundheitssystem ein objektives System zur außergerichtlichen Einigung zur Verfügung zu stellen und wären nicht nur bemüht „die Wellen niedrig zu halten„, würden wir mit einer, konsensual errichtete Einrichtung das auslangen finden. Die Vertreter würden dann nicht unter Ausschluss der Betroffenen im Husch-Pfusch-Verfahren gewählt werden und hätten dann vielleicht auch das Vertrauen aller.

Warum läßt mich das nun an den ORF Publikumsrat denken?

Links:
Ärztekammer will Patientenanwalt abschaffen
http://noe.orf.at/news/stories/2586512/
Josef Kandlhofer bewirbt sich als Patientenombudsmann; per einfachem SMS kann er österreichweit zwischen 14. und 23. Juni gewählt werden http://www.bauernzeitung.at/?+Patienten,+die+Hilfe+suchen,+zu+ihrem+Recht+verhelfen+&id=2500%2C1025676%2C%2C%2Cc1F1PSUyMCZjdD0xJmJhY2s9MQ%3D%3D

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