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Rashomon oder das Lustwäldchen in Linz

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Auch viele, die Kurosawas Meisterwerk nie gesehen haben, kennen vielleicht die Geschichte von Rashomon, dem Lustwäldchen.

Das ganze hat wenig mit Lust zu tun (lost in translation) sondern mit einem undurchdringlichen Dickicht, in dem irgendwo die Wahrheit sein müsste, obwohl sich die Zeugenaussagen massiv widersprechen. Ich kenne den nachfolgenden Vorfall auch nur aus den Medien, aber darum geht es vielleicht gar nicht.

Version eins:

Arzt verließ während OP Linzer Spital und ging in Privatordination, Patient tot

Diese Version lief im Mai durch die Medien und erhärtete den Verdacht, dass Ärzte gewissenlose Gesellen wären, die von mehreren Kirtagen immer ihre Privatpatienten bevorzugen. Darüber finden Sie zahlreiche Links und atemlose Berichte.

Version zwei:

Nach anfänglicher Kündigung lösen Krankenhaus und Arzt das Dienstverhältnis doch einvernehmlich

Da sieht man’s wieder, wir gewissenlose Ärzte könne machen was wir wollen, wir kommen damit fast ungeschoren davon. Dazu finden Sie wenig in den News.

Version drei:

Der Operateur war gar nicht im Dienst sondern ist nur ins Spital gekommen, da keiner der Dienstmannschaft diesen Eingriff durchführen hätte können. Der Tod des Patienten hat laut Obduktion nichts mit dem frühen Abgang des eingesprungenen Operateurs zu tun.

Diese Informationen waren kürzlich den Nachrichten zu entnehmen. Aktuell finde ich aber nur einen Link.

Der Ärztliche Direktor begründete die Entlassung seines Oberarzt es wegen grober Fahrlässigkeit. Dass an den meisten (auch großen) Kliniken dieses Landes die ärztliche Mannschaft so ausgedünnt ist, dass nicht immer garantiert werden kann, dass das geliefert wird, was außen drauf steht, dafür wurde noch niemand entlassen.

Einen Zusammenhang mit dem bewusst hervor gerufenen Mangel an klinisch tätigen Ärzten, Doppelprimariaten, Abteilungszusammenlegungen zwischen weit auseinanderliegenden Krankenhäusern, der Delegation von Entscheidungen an wenig qualifizierte Mitarbeiter, Berufsgruppen oder überhaupt an Verwaltungen, Politik oder Drittfirmen, all das wäre eine vierte Version, über die sie noch weniger Infos bekommen als über die dritte Version, in diesem Unlustwäldchen, zu dem unser Gesundheitssystem wurde.

PS: Die HEUTE Ausgabe stammt aus 2017 und bejubelt die ärztlichen Bereitschaftsdiensten.

Written by medicus58

20. Juni 2020 at 14:47

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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