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Mahü: Anrainer sind den Grünen nicht grün

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Parkkleber

Seit der erste Abschnitt der Mariahilferstraße (fast) ganz mit Granitplatten bedeckt ist, brandet der Jubel der Befürworter erneut hoch und allfällige anderslautende Meinungen werden nieder gedisst.
Besonders eloquent Stefan Steindl @ststeindl (auch Betriebsrat im Grünen Parlamentsklub) im Originalton: Wennst trollen willst, geh scheißen

Deshalb wieder ein Foto der, dem regelmäßigen Leser schon wohlbekannten, Ecke an der seit Monaten Ephraim Kishon nachgespielt wird (Blaumilchkanal oder Schildbürger auf der Mahühttp://wp.me/p1kfuX-NN).

Inzwischen ist dort zwar wieder die Fahrbahndecke geschlossen aber die Granitplatten – anders auf den offiziellen Fotos (http://derstandard.at/2000003962372/Mariahilfer-Strasse-Erster-Bauabschnitt-fertig) – vom querenden Verkehr schon ziemlich verschmutzt (Schmutziger Stein statt schönem Schein: Die Mahü nimmt Gestalt an http://wp.me/p1kfuX-Ob).

Ganz symptomatisch für die mißglückte Projektplanung ist aber, wie wenig man sich um die Bedürfnisse der Anrainer schert.
Mit der Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung auf die angrenzenden Bezirke außerhalb des Gürtels und den weggefallenen Parkplätzen auf der Mahü wurde die Parksituation für die Bewohner des 7. Bezirks unerträglich.

Freie Parkplätze gab es auch mit Parkpickerl keine. Viel zu spät wurden dann eigene Parkzonen für Anrainer mit Parkpickerl errichtet. Eine dieser Zonen an der Ecke Mahü/Schottenfeldgasse wird aber nun seit Mai völlig gedankenlos als Lagerplatz für Gerümpel und Bauschutt blockiert.
Man hätte natürlich auch andere Straßenabschnitte für das Baugerümpel verwenden können, z.B. einen der drei (!) Schanigärtenin diesem Straßenabschnitt oder eine der allgemeinen Kurzparkzonen, nein blockiert wird just der Abschnitt, der eigentlich Anrainern mit Parkpickerl zur Verfügung stehen sollte, die vielleicht ihre Einkäufe nicht 100erte Meter schleppen wollen.
Aber egal, deren Geld hat man ja ohnehin schon kassiert. Wenn es in Wien zu einer vergleichbaren Entvölkerung der inneren Bezirke kommt, wie in Rom, London, Paris oder anderen Großstädten dann werden eben noch mehr Wohnungen für die Touristenströme frei …

Written by medicus58

7. August 2014 at 18:55

Jahresrückblick 1

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2012
Es gibt ja nichts Abgedroscheneres als den Jahresrückblick zum Jahreswechsel, darum wollen wir den Dreschflegel in die Hand nehmen und ebenfalls drauflos dreschen:

Parkpickerl:

Es gab in den letzten Jahren selten eine Einzelentscheidung der Rathauspersonen, die für mich so negative Auswirkungen hatte. Dass ich ein überzeugter Verfechter und Nutzer des öffentlichen Verkehrs und fallweise des Fahrrads bin, sowie meine Argumente gegen die Abzocke für die Nicht-Benutzung des PKWs habe ich mehrfach hier kommentiert. Im Jahresrückblick möchte ich Sie an meinen persönlichen Erfahrungen teilhaben lassen:

Wer in einem Gründerzeithaus ohne Tiefgarage in einem Wiener Innengürtelbezirk wohnt, war sich immer klar, dass die Aufbewahrung seiner „Kiste“ ein Problem darstellt. Aus diesem Grund garagiert er das Auto, das ohnehin nur für berufliche Akutfahrten, größere Einkäufe und Reisen zu Zielen außerhalb Wiens genutzt wird, in einer zahlungspflichtigen Garage am Arbeitsplatz. Verbleibt das Auto doch einmal wochentags im Innengürtelbezirk, dann lief man früher alle 2 Stunden (bis 22.00) um ein paar Blocks und erneuerte den Parkschein bzw. freute sich über die Einführung des Handy-Parkens. War man freitags sehr früh dran, dann stellte man das Auto in einem der angrenzenden Außengürtelbezirke ab, ersparte sich zwar die Parkgebühr, hatte aber doch einen Spaziergang von 20 Minuten oder so vor sich. Auch alle Parkgelegenheiten an günstigen gelegenen U-Bahnstationen kannte man aus dem FF.

Zumindest nach Ende des Einkaufswahnsinns, also freitags ab 19:00 gab es in der näheren Umgebung durchaus einige Parkplätze, da die eingependelten Einkäufer (kein Arbeits-Pendler fährt in einen Innengürtelbezirk) bereits weg waren und einige der Bewohner ihre Autos, vermutlich wie ich weiter draußen geparkt hatten.

Dann kam der Geniestreich der fast flächendeckenden ParkRAUMbeSAUwirtschaftung und es machte für Einwohner wie mich keinen Sinn mehr das Auto draußen zu parken, die Einkäufer führen weiterhin in die Innengürtelbezirke (die 2-3 Stunden Parkgebühr machten ihnen wenig, schließlich hatten sie das Problem ja nicht regelmäßig, so wie die Ansässigen.

Nach stundenlangen Umkreisungen des Wohnortes auch in den Abendstunden des Wochenendes platzte mir der Kragen und ich entschied mich für die Miete einer Garage.
Ein Parkpickerl kam für mich aus mehreren Gründen nicht in Frage:

1. es gab ja keine Parkplätze mehr, wofür hätte ich zahlen sollen. Die Idee bestimmte Parkplätze für die im Bezirk gemeldeten frei zu halten, kam ja den Rathhauspersonen nicht.

2. Der Innengürtelbezirk ist eigentlich mein Nebenwohnsitz, da mein Hauptwohnsitz für die Unterbringung eines alten Familienmitgliedes benötigt wird. Deshalb erwartete ich auch Schwierigkeiten, wenn ich der Behörde erklären müsste, weshalb ich ein Parkpickerl am Neben- und nicht am Hauptwohnsitz (dort gibt übrigens auch keine Parkplätze mehr, weil die weitgehend unbenutzten Radwegen zum Opfer gefallen sind, um das P&R Haus zu füllen) benötige.

3. Als Garagenbesitzer (am Arbeitsplatz, auch wenn der am anderen Ende von Wien liegt) hätte ich eigentlich auch kein Anrecht auf ein Pickerl, das (siehe (1) aber ohnehin zu keinem Parkplatz verhilft.

Seit Dezember bin ich einschliesslich der Kaution, den 3 Mieten für den Makler und der notwendigen Vergebührung des Vertrags um ca. 600€ ärmer aber für 120€/Monat stolzer Besitzer einer Garage in einem der Neubauten ca 250 m neben meiner Wohnung. Die Garage ist eng, aber Reversieren lernt man ohnehin, wenn man in einem Innengürtelbezirk wohnt.
Aus beruflichen Gründen behalte ich vorerst die Garage am Arbeitsplatz, die ist etwas billiger …

Kurz vor Weihnachten, der Tag an dem es noch kalt war und regnete, musste ich nach all den Einkäufen und Vorbereitungen noch einen „Krankenbesuch“ eines Familienmitglieds am anderen Ende von Wien machen. Medikamente mussten angepasst und neu eingeschachtelt werden.

Eingeplant waren für Hin- und Rückfahrt insgesamt 20 Minuten (24 Minuten nach www.maps.google.com) .
Bald wäre ich wieder zurück. um den „Weihnachtsputz“ meines Schreibtisch beenden zu können.

Ich stand im Regen vor der Garagentüre, nur dieses weigerte sich aufzugehen.
Offenbar gab es ein Problem mit der Elektrik. Die Handkurbel befand sich aber innen, nur zum Inneren des Hauses hatte ich, ich war ja kein Mieter, keinen Zutritt.

Am Telefon sagte mir die Hausverwaltung, dass sie am Montag wieder für mich da sein würde – was mir augenblicklich wenig half.
Montag, den 24.12. war sie natürlich auch unerreichbar.
Ich machte mich also auf den  Weg mit den Öffis: 68 Minuten reine Fahrzeit 

Während so einer Fahrt hat man lange Zeit nachzudenken,
wenn man nicht den Beziehungsdramen der Mitreisenden lauschen,
über herumrollende Bierdosen stolpern oder
in den zurückgebliebenen Fetzen der Gratispresse blättern möchte …

Links 2012:
Was im Alltag nervt
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=65272
PARKpickerl Reloaded oder konsequentes grünes Denken
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=75443
Vermummungsverbot für Vassilakou
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=78799
Schwerpunktbildung: Öffis und das neue Mantra der Gesundheitspolitik: Schwerpunktbildung
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=83524

Written by medicus58

25. Dezember 2012 at 12:47

Schwerpunktbildung: Öffis und das neue Mantra der Gesundheitspolitik: Schwerpunktbildung

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Zwischen KHs in Wien

In den letzten Wochen hat diesen Blog neben dem Dauerbrenner „Gesundheitssystem“ noch eine weiteres Thema dominiert:

Parkpickerl in Wien

Parkpickerl Reloaded oder konsequentes Grünes Denken http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=75443 
Das Rathhaus ist eine Fluglinie und mein Auto wird zum Beisl
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=65272 
Vermummungsverbot für Vassilakou 
http://wp.me/p1kfuX-tc   
Vom Mobilitätsversprechen zum Mobilitätsverbrechen 
http://wp.me/p1kfuX-vx  

Heute zeigt sich, dass beide Themen sehr eng miteinander verknüpft sind, wenn man eines aktuelen Mantras der Gesundheitsökonomie dazu denkt:

Schwerpunktbildung im Krankenhaus

Kaum einer der aus dem Gesundheitsbudget bezahlten Einflüsterer, pardon Experten, unserer Politiker versäumt darauf hinzuweisen, dass sich enorme Sparpotentiale durch eine Schwerpunktbildung in der medizinischen Versorgung ergeben:

Nicht jedes Spital muss immer alles anbieten!
Wo etwas häufiger gemacht wird, da ist die Qualität höher!

Und auf den ersten Blick ist ja da nix einzuwenden. 
Was in der Fertigungsindustrie funktionierte, muss ja auch im Krankenhaus funzen,
fragen Sie Onkel Strohsack, der hat sein Geld genau damit verdient hat, dass er Rückblickspiegel für einen Autozusammenschrauber in Tripstrü produzierte und sie um den halben Globus zu dessen Fließband schickte, während er wieder Spiegel und 1000+1 Teil einer anderen Firma in seinem Magnawerk zum Auto eines Markenherstellers zusammenschraubte.

Was hat das aber nun alles mit der Parkpickerlabzocke von Grün-Rot in Wien zu tun?

Einfach, auch im aktuellen Spitalskonzept sollen viele Spezialambulanzen nur mehr an wenigen Standorten angeboten werden und Stadträtin Wehsely verweist immer darauf, dass in Wien der öffentliche Verkehr so gut wäre, dass das für die Patienten kein Problem darstellen würde.

Und das führt uns zu einem Hauptdefizit der Öffis in Wien:

Während radiale, also von der Peripherie ins Zentrum und zurück laufende Wege sehr effizient mit den Öffis zurück zu legen sind, schaut es bei tangentialer Bewegung sehr trüb aus.

Gerade in der hektischen Diskussion mit grünen Kampfpostern (Parkpickerl wirkt) habe ich die Erfahrung gemacht, dass dieser Punkt völlig unbekannt scheint. Zynisch könnte man argumentieren, dass der BoBo ohnehin nur zwischen Loft und angesagter Innenstadt Location pendelt, aber zynisch wollen wir doch nicht sein.
Obwohl ich darauf hinweise, selbst Netzkartenbesitzer und -nutzer zu sein, aber eben nicht ganz auf ein Auto verzichten kann, wird mir irgendwann immer Taxfrei erklärt, dass man in Wien ohnehin ohne Auto auskommen könnte, weil eben die Öffis so supi wären.

Zurück zum Gesundheitssystem:

Für die Patientenströme ist dieser Punkt aber sehr relevant, denn die Verbindung zwischen den großen Wiener Spitälern bedeuten eine tangentiale Bewegung und da stinken die Öffis zeitmäßig grausig gegen den PKW ab.

Ich habe mich der Mühe unterzogen die durchschnittliche Dauer der Reise zwischen drei großen KAV Spitälern (Donauspital, Kaiser-Franz-Josef-Spital und Wilhelminenspital) mittelswww.maps.google.atund www.wienerlinien.at zu analysieren. Die Ergebnisse sind auch im Eigenversuch verifizierbar, wenn nicht die Tangente komplett steht oder eine U-Bahn einen Totalausfall hat.

Die Originalzahlen:

DSP-KFJ 14,4 km
Auto 19 min
Öffi 55 min
Rad 58 min

WSP-DSP 14,8 km
Auto 28 min
Öffi 55 min
Rad 70 min

KFJ-WSP 7,6 km
Auto 15 min
Öffi 39 min
Rad 32 min
Die Graphik ergab sich durch eine einfache Addition der drei einzelnen „Reisen“.

Was lernen wir daraus:

Für Bewegungen an den den „Rändern“ der Stadt, benötigen die Öffis 2,4x länger als der PKW!
Für Menschen, die einem Zeitdruck UND Mobilitätszwang unterliegen, sind diese Reisen NICHT adäquat durch die Öffis (oder <LOL> das Fahrrad) substituierbar.
Da Vassilakous Parkraumbewirtschaftung das PArken und nicht das Bewegen eines PKWs bestraft, begünstigt sie unökologisches Fahrverhalten.
Wehselys Aussage, dass die Öffis die Wiener rasch genug zu ihren jeweiligen Spezialambulanzen bringen ist so wie vieles andere aus Ihrem Mund Propaganda.

Natürlich ließe sich durch geeignete Software ein viel exakteres Bild der Zeiterfordernisse mit unterschiedlichen Mobilitätsformen berechnen, jedoch fehlt mir dazu der Zugang (hallo, TU?!?!). Ich war aber selbst in einem großen Wiener Spital treibende Kraft hinter einer Mobilitätsanalyse von Personal und Patienten, um die Möglichkeiten zu prüfen, ob es möglich wäre, durch geeignete Anreizsysteme mehr Personen in den öffentlichen Verkehr einzuschleusen. Die Ergebnisse waren ebenso ernüchternd wie unser kleines Beispiel. 
Ich persönlich kann Ihnen also nur raten, sich (wie ich) nahe einer U-Bahn Station anzusiedeln, dann haben Sie – mit durchaus einigen Einschränkungen- eine praktikable Möglichkeit täglich 2-5 Wege mit den Öffis zu erledigen, oder Sie werden Stadtrat mit Chauffeur und Dienstwagen.

Vom Mobilitätsversprechen zum Mobilitätsverbrechen

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Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Mobilit%C3%A4t) weist darauf hin, dass man unter Mobilität mehr  als nur die individuelle Beweglichkeit von Ort zu Ort versteht.

Das Versprechen individueller Mobilität ist deshalb so verlockend, dass es Politstrategen auch in jeder Debatte über die Grundfreiheiten der Europäischen Union (http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Binnenmarkt#Die_vier_Grundfreiheiten) erwähnen, um die möglichen Gefahren der anderen  „Freiheiten“ (Freier Kapital- Waren- und Dienstleistungsverkehr) nicht ins Bewusstsein kommen zu lassen.

Die Einschränkung der Reisefreiheit in der DDR wurde von vielen Bürgern offenbar als schlimmer betrachtet als die anderen Maßnahmen des Regimes, so dass die Machthaber sogar kurfristig glaubten, dass eine Lockerung der Mobilitätseinschränkung den Zerfall des Staates aufhalten könnte (http://www.youtube.com/watch?v=oMUrzdVNTgc).

Der unheimliche Boom der Autoindustrie seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts, der zusammen mit seiner Zulieferindustrie einen wesentlichen Anteil an der industriellen Gesamtproduktion (in Deutschland z.B. ca 20%!) darstellt, wurde in der Vergangenheit -vermutlich nicht ganz zu Unrecht – durch unser aller Lust am individuellen Dahinbrausen erklärt.
Werbesujets, die bis vor kurzem das neue Auto entweder als Testosteronersatz oder Familientreffpunkt zwischen Arbeitsplatz, Schule, Einkauf und Freizeit beworben haben, schlagen in die gleiche Kerbe.
Somit kann sich auch jeder, der angesichts von Energieknappheit und Klimawandel das Auto verteufelt sicher sein, dass er bei vielen von uns ein bißchen schlechtes Gewissen voraussetzen kann.

Auch die Kampagne der Wiener Grünen im Zuge der „Parkraumbewirtschaftung„, die inhaltlich hier mehrfach hinterfragt wurde (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=81299) setzt auf dieses schlechte Gewissen.

Besteht der Bürger nun auf  die Erfüllung der politischen Mobilitätsversprechen, wird er nun als  Mobilitätsverbrechern desavouiert.

Jetzt kann naturlich kein halbwegs bei Sinnen Seiender FÜR ein sinnloses Herumbrausen im eigenen Auto sein, wenn der Weg nicht auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich wäre, jedoch stört mich das Klischee, dass die Mobilität heute ausschließlich um einen selbstüchtigen Wunsch der Bürger ist.
Weiters ärgert die unmoralische Haltung der Mobilitätsmoralisten , dass sie nicht für ein allgemeines Verbot eintreten sondern einfach die Preise hochschrauben. Fazit: Die „G’stopften“ können ungeachtet ökologischer Kollateralschäden weiterhin auto-mobil bleiben, wenn sie nur genug dafür blechen …

Was all die Mobilitätsmoralisten ausblenden, hat die SZ schon angesprochen:
Die Lebensstile der Deutschen ändern sich von Grund auf. Mobilität muss heutzutage sozial, zukunftsfähig, ökologisch und ökonomisch sein.
http://www.sueddeutsche.de/auto/mobilitaet-im-wandel-alles-in-bewegung-1.1339276

Wer heute von A nach B fährt, WILL das immer weniger, sonder MUSS das!

Wie lange hat uns die Industrie immer vorgeworfen,
wir wären alle zu wenig mobil und würden nur mehr Arbeitsplätze direkt vor der Haustüre akzeptieren!
Die Folge ist der Pendlerverkehr.

Die im Vergleich zu Inflation und Kapitalgewinnen unterpropertionalen Lohnzuwächsen zwingen immer mehr Bürger zu Zweit- und Drittjobs.
Die Folge ist eine Zunahme des Berufsverkehrs, der noch dazu unter Zeitdruck erfolgt. Die SZ formuliert das so:
Auch die Zahl der Personen die in Teilzeit- und geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, stieg in den letzten Jahren enorm an. Derzeit arbeiten etwa 7,4 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer so. Wer aber einen Minijob hat, geht vermutlich noch anderen Beschäftigungen nach.

Die Umstellung der Pensionssysteme auf ein Ansparsystem bedingt eine Berufstätigkeit beider Partner, da sich keine(r) mehr darauf verlassen kann, dass er nach Jahren der Kinderbetreuung von der Pension seines Lebenspartners leben wird können.
Die SZ zeigt noch weitere gesellschaftliche Änderungen auf, die zu einem Zwang zur Mobilität führen:
Die Zahl der Patchworkfamilien wächst. Das heißt aber, dass es neben dem innerfamiliären Leben eines gibt, das durch die Bezüge zu Vätern oder Müttern der Herkunftsfamilie entsteht. …
Eine andere Lebensform sind die LAT’s (Living apart together). Etwa jede siebte Partnerschaft ist so organisiert, sie stellt eine bedeutende Teilgruppe der zum Wochenende fahrenden Fernpendler.

Es ist somit extrem kurz gegriffen und langfristig sinnlos, wenn Autohasser und Kampfradfahrer über die Wiener Verdrängungspolitik jubeln (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=80702).

Die Zeiten sind vorbei, in denen die individuelle Mobilität eine Teil des Freizeitverhaltens war.
Die meisten Wege, die heute unter immer größerem Zeitdruck zurück gelegt werden, sind durch gesellschaftspolitische Änderungen bedingt, das zu negieren ist Vassilakous größter Fehler.

Ein gravierendes Problem durch Verdängung und Verteuerung der Folgen lösen zu wollen, ist entweder Zeichen sagenhafter Überheblichkeit oder bodenloser Dummheit …. und davon hatten wir in der Politik schon bisher genug.

Links:
http://tu-dresden.de/forschung/wissens-_und_technologietransfer/dresdner_transferbrief/archivordner/dtb03_01/Ausgabe_03_01_komplett.pdf

Written by medicus58

14. November 2012 at 16:17

Parken und Pudern in Wien – Beispiele einer erfolgreichen Stadtverdrängung

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Sorry, für den Ausrutscher in die Doppelbedeutungen französischen Lehnworte (http://de.wiktionary.org/wiki/pudern),
aber der Zwang zum Stabreim ist mitunter ununterdrückbar, ebenso wie manch anderes gesellschaftliche Grundbedürfnis.

Zwei dieser Bedürfnisse, hat die rot-grüne Stadtpolitik nun in der ihr eigenen Art gelöst: Verdrängung statt Lösung

Weil die wahren Absichten ohne politischen Suizid nicht auszusprechen sind, verdrängt man Probleme am besten aus dem Gesichtsfeld.
Würde man seine wahre Meinung aussprechen, dass man am liebsten allen den Ankauf von Autos verbieten würde, dann wäre es aus mit dem Platz am politischen Futtertrog,
also machen wir es „gut bürgerlich“, indirekt über die Bande mit einem verbindlichen Lächeln…

Keine Frage hat Wien wie alle Großstädte ein Parkproblem, das aber nicht ausschließlich durch die „bösen Pendler“ (OK, der Stabreim ist daneben gegangen) bedingt ist,
sondern auch durch den politisch beabsichtigten Bevölkerungszuwachs im Premiumsegment:
Hätten sich in den unzähligen, politisch genehmigten Dachbödenausbauten nur Langzeitarbeitslose oder radfahrende Studenten angesiedelt und
nicht zahlungskräftiges Publikum mit Hand zum Zweit-SUV (OK, das war polemisch), dann wäre der Parkplatzbedarf nicht so rasant gesteigen!
Statt intelligenteren Lösungen, wie z.B. den Anrainern Parkplätze zu garantieren, wenn Sie sich eine Netzkarte lösen besteht Vassilakous Politik im Verdängen des Problems:
Die lokalen Parkplätze werden durch zusätzliche Maßnahmen (Vermietung an Schanigärten, Langzeitbaustellen zum Dachbodenausbau, Ohrwascheln an Kreuzungen, Radständer auf der Fahrbahn, …) verknappt und die Kurzparkzonen auf ganz Wien ausgeweitet, so dass es in den bestehenden Kurzparkzonen noch weniger freie Parkplätze gibt, da es attraktiver wird gleich im Zentrum zu parken, wenn man schon nach Wien hereinstaut. Mögen doch Anrainer wie Pendler am besten gleich im Wiener Umland ihre Kisten parken:
Problem zum Nachbarn verdrängt!

Wenn wir zum zweiten Teil unser Überschrift kommen, das angeblich älteste Gewerbe der Menschheit, so war es ebenfalls weder für Anrainer noch Durchreisende allzu ersprießlich, schon vor Einbruch der Dunkelheit dem geschäftlichen Treiben zuschauen zu müssen. Auch hier kollidiert der Wunsch nach einem generellen Verbot mit der eigenen Wählbarkeit. Überdies muss ja am Klischee der eigenverantwortlichen, emanzipierten Sexarbeiterin festgehalten werden, nur möge diese halt, bitte, nicht vor der gerade günstig erworbenen und aufwendig restaurierten Bleibe in der Felberstrasse „alles ohne Gummi“ anbieten (http://felberstrich.wordpress.com/).
Verdrängen, egal wohin, jedenfalls weg aus Wien!
Wie der Standard (http://derstandard.at/1350260127521/Das-Mega-Laufhaus-vor-den-Toren-Wiens?) berichtet, sind die Pläne einschlägig Vorbekannter für ein Superlaufhaus (klingt jedenfalls besser als PuderPalast, was aber den wahren Zweck deutlicher umschrieben hätte) schon weit gediehen. Ob es nun in Klosterneuburg, Korneuburg oder im Süden an der A2 errichtet wird ist einerlei, wieder hat die Wiener Stadtregierung ein Problem aus der Stadt verdrängt, denn dafür wurde sie gewählt:

Vor den Vorhang Frau Vassilakou und Frau Frauenberger unsere stärksten Kräfte in der Wiener Stadtverdrängung, oder hätte es hier Stadtregierung heissen sollen?
Wuarscht, ich hab’s verdrängt.

Links:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=75443
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=78799

Written by medicus58

4. November 2012 at 12:29

PARKpickerl Reloaded oder konsequentes grünes Denken

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Man ist es in der letzten Zeit ja schon gewöhnt, dass man sich als Linker immer wieder über die Argumentationen der Grünen wundert.

Wie schon hier im November 2010 (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32221) angemerkt:
Wenn die Grünen, die überwiegend von denkenden und lesenden Menschen gewählt werden, das Gedächtnis ihrer Wähler unterschätzen, sind sie am besten Wege in die Fußstapfen der SPÖ zu treten. 

Ob das VanderBellens Ausritte in
Sachen Studiengebühren http://derstandard.at/1319181531072/Uni-Beauftragter-Van-der-Bellen-fuer-Studiengebuehren,
sein Vorzugswahlkampf in Wien mit der anschließenden Erfindung eines Unikoordinators war,
http://derstandard.at/1289608037649/Van-der-Bellen-Der-sakrosankte-Herr-Professor

die schmeichelweiche grüne Regierungsbeteiligung in Wien (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34517),
die unreflektierte Ablehnung eines universitären Instutures (http://wp.me/p1kfuX-iy)
oder der Spagat zwischen Ablehnung des Fiskalpakts und gleichzeitiger Mehrheitserbringung zum ESM http://wp.me/p1kfuX-mh.

Ich kann mich nur wiederholen:
https://medicus58.wordpress.com/2012/07/04/ich-sehe-rot-fur-die-grunen/

Über die eigenartige mehrfache Parkraumbewirtschaftung (http://wp.me/p1kfuX-jD) habe ich mich hier auch schon verbreitert und
über Vassilakous wortreiche Verweigerung einer Bürgerbefragung,
obwohl gerade die Grünen den Bürgerbewegungen und -initiativen ihre Entstehung verdanken,
die einträchtig mit SPÖ Häupl zum Geniestreich
„Parkpickerl gleich – Befragung später
führte
darüber jubelt auch der Boulevard:
http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/wien/Parkpickerl-im-Herbst-Volksbefragung-spaeter-Alle-Details/72534926.

Ganz Superkalifragilistigexpialigetisch (https://medicus58.wordpress.com/2012/07/02/superkalifragilistigexpialigetisch-marchen-mit-glawischnig/) wurde es nun,
als Petrovic (Grüne NÖ) ein Parkpickerl für Wiener forderte, die in NÖ ihr Auto abstellen (http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/3071116/petrovic-fordert-parkpickerl-fuer-niederoesterreich.story).
Vereinzelt wurden auch schon Meldungen laut, dass die grüne Parkraumbewirtschaftung überhaupt österreichweit eingeführt werden soll.

Es ist ja schon ganz neoliberal, wenn nun Grüne auf das Bezahlen setzten, um eine ökologisch erwünschte Lenkung zu erreichen, sozusagen CO2-Zertifikate, wer es sich leisten kann …
 
In der Beantwortung meiner Kritik,
dass die Parkgebühr eigentlich ja das Nicht-benutzen eines Autos, eben das am Straßenrand Stehenlassen,  bestraft 
hat der Grüne NR Abgeordnete Albert Steinhauser auf seiner HP wie folgt argumentiert:

Parkende Autos verbrauchen enormen Platz im öffentlichen Raum. Niemand kann in einem Park sein Zelt aufschlagen oder am Gehsteig frühstücken.
Mit welcher Selbstverständlichkeit aber dem Auto dieser enorme Flächenverbrauch zugestanden wird, ist nicht argumentierbar.
Es gibt keinen natürlichen Grundanspruch auf einen Parkplatz.
Wer diesen in Anspruch nehmen will, darf auch einen finanziellen Beitrag leisten. Das ist nur fair jenen gegenüber, die diesen Platz mangels Auto nicht beanspruchen
.

Ich lerne daraus zwei Dinge:

ERSTENS ist der Kapitalismus nunmehr politisches Credo der Grünen geworden;
will heißen, wer es sich finanziell leisten kann, der darf  ökologisch unerwünscht handeln, jedoch ohne, dass sein Obolus zweckgebunden für eine Beseitigung des Schadens verwendet wird.

ZWEITENS gibt es für die Grünen „keinen natürlichen Grundanspruch für einen Aufenthalt im öffentlichen Raum“.
Da der Ankauf eines KFZ ja besteuert wird
und kaum jemand annehmen wird, dass das Vehikel dann im Wohnzimmer abgestellt wird,
darf man doch davon ausgehen, dass damit auch die Raumverdrängung im öffentlichen Raum finanziell berücksichtigt wurde.
Über die Mineralölsteuer wird der Betrieb (selbstverständlich) zusätzlich besteuert, um einen gewissen Druck zu erzeugen, sein gutes Stück stehen zu lassen, wenn es eine alternative Art der Fortbewegung gibt und ein Teil ist schließlich zweckgebunden für Errichtung und Erhalt des Straßenbelags vorgesehen.
Wenn das aber – nach der Logik Steinhausers – nicht den Gebrauch des öffentlichen Raumes als Stellplatz finanziell abgedeckt,
dann zeigt seine Analogie zur Parkanlage sein grundsätzliches Mißverständnis, seinen Denkfehler!

Als Vater einer Tochter habe ich zwar mit meinen Steuern die Errichtung der Parkanlage, die Parkbank, die Sandkiste und die Parkleuchte mitfinanziert.
Will ich sie aber benützen, bzw. will meine Tochter in der Sandkiste spielen,
dann müssten wohl PARKGEBÜHREN anfallen, denn wenn die Mitfinanzierung der Straße, auf der mein Auto steht, mich ohne PARKGEBÜHR nicht berechtigt, dieses dort abzustellen, dann ist es doch
„nicht argumentierbar mit welcher Selbstverständlichkeit“ meine Tochter  ihre Küberl und Schauferln in der Sandkiste über etwa eine gleich große Fläche ausbreitet wie mein Auto benötigen würde.
Zu argumentieren, dass eine Sandkiste auch von mehreren Kindern benützt werden könnte, während auf einem Fleck nur ein Auto Platz fände, bewiese nur die völlige Ahnungslosigkeit kindlicher Ausbreitungstendenz gegenüber.

Ich frage mich aber nur, WO ich denn das PARKPICKERL AN meiner Tochter ANBRINGEN soll und ob ich zukünftig nicht mein Auto einfach in der Sandkiste abstellen sollte.

<Satireende>

Was mich als Jahreskartenbesitzer und fallweiser City-Bike-Nutzer ärgert,
sind nicht so sehr die nicht unbeträchtlichen Parkgebühren, die ich dafür zahlen muss,
dass ich zu bestimmten Zeiten aus familiären und beruflichen Gründen gezwungen bin,
mein Auto nicht an meinem Arbeitsplatz in der Garage lassen zu können sondern es ein- bis zweimal pro Woche innerhalb des Gürtels  abstellen zu müssen, wo es trotz seit Jahren bestehender „Parkraumbewirtschaftung“ KEINE Parkplätze für Anrainer gibt
SONDERN dass sich die Grünen in einen immer absurderen Politsprech verheddern,
um ihre immer realitätsfernere Politik und ihre eigene Kommunikationsdefizite schön zu reden und damit immer mehr all das mit Füssen zu treten, was sie früher von anderen Parteien unterschieden hat.

Written by medicus58

20. Juli 2012 at 20:35

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