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Dazugehören: Oder vom Missbrauch des Selbstverständlichen

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Wir sind von Opfern umgeben. Ganz im Sinne W. Ambros: A jede is a Minderheit, an jeden geht wos oh ..

Egal ob es das sexuelle Selbstbild, die ethnische Herkunft, die ökonomische Situation (den Begriff der Klasse haben wir ja inzwischen erfolgreich ausreden lassen),
alles eignet sich zur argumentativen Selbstimmunisierung der eigenen Forderungen. meist ohne Berücksichtigung der Rechte derer, die diese Forderungen begleichen müssen.

Die Klageführer verlangen auf Grund eines einzelnen Merkmals für sich den Schutz durch (zumindest in viele in unserem Kulturkreis unstrittige) Prinzipien wie Menschen- und Asylrecht oder dem Recht auf Gleichbehandlung und Gleichberechtigung.
Ob sie selbst das auch anderen gegenüber gewähren würden, bleibt unhinterfragt.

Je nach sozialem Biotop reicht es aus, sich durch eine Kurzbio als sexuell bedrängt (#meetoo), rassistisch verfolgt (#meTwo), … zu bezeichnen, um verlässlich Freunde und Feinde zu generieren.
Bezeichnend ist dabei, dass es kaum mehr um die Schwere der vorgebrachten Übertretungen geht:
Wer über das Meer kommt, ist da prinzipiell mal Flüchtling, wer hinterfragt, ob diejenigen die sich die Schlepper leisten konnten, wirklich die Hilfsbedürftigsten sind, lernt die Denkweise der Offenheit fordernden Aktivisten auf das schmerzlichste kennen.
Wer abgelehnt wurde, erklärt sich das prinzipiell ob seiner Andersartigkeit und nicht weil er vielleicht prinzipiell ein fieser Typ ist, der halt zufällig von woanders her kam.
Wer aus einem Bürgerkrieg flieht ist natürlich dort immer auf der „richtigen Seite“ gestanden, zu hinterfragen, ob er nicht vielleicht vor seinen Opfern flieht, gilt als diskriminierend.

Respekt und Unterstützung für das eigene Weltbild wird gefordert ohne zu hinterfragen, ob denn auch das Weltbild der aufnehmenden Gesellschaft respektiert wird, bzw. wie man sich selbst in Konfliktfällen verhält.

Fragen Sie einmal einen Muslim (außerhalb der Tourismusindustrie), was er denn von Ihrer Freiheit hält, sich mit einem Gulasch und einem Krügel Bier zu entspannen,
recherchieren Sie mal ein wenig über die Diskussionen in Mumbai (Bombay) zwischen Muslimen, die nichts dabei finden sich ein T-Bone Steak von Shivas Reittier Nandi abzubraten und den Hindus der Region.

Mögen Sie Flüchtlinge?

Natürlich funktioniert der Prozess in beiden Richtungen, so dass wir in der Wikipedia nachlesen können, dass sich seit den 2000er Jahren im deutschen Sprachraum der Opferbegriff auch als Schimpfwort im Sinne einer abwertende und verächtlichen Haltung gegenüber anderen (= Andersartigen) oder Verlierern verwenden lässt.

Bei all dem geht es um die drinnen und jene die hinein wollen, was angesichts einer angeblich immer kleiner werdenden Welt eigentlich absurd wirkt.
Es geht aber auch immer mehr um die Forderungen derer, die hinein wollen und den berechtigten und unberechtigten Aversionen jener, die drinnen sind.

Wer glaubt, dass das alles ausschließlich mit dem Verweis auf die selbstverständliche Verpflichtung zur Hilfsbereitschaft gegenüber einem Individuum in Not ist, verwechselt Erste Hilfe mit dem Wohlfahrtsstaat.
Allein die an Absurdität nicht zu überbietende Diskussion um die Seerettung im Mittelmeer wenige km vor der afrikanischen Küste und dem Weitertransport über ein paar hundert Kilometer nach Europa, zeigt dies exemplarisch.

Wer gebetsmühlenartig wiederholt, dass wir uns das leisten können, sollte sich einmal die Frage stellen, welchen Beitrag er zu dem Kuchen geleistet hat, dessen Verteilung er nun allein bestimmen möchte.

Viele Konzepte des 20. Jahrhundert wurden unter dem Eindruck der politischen Katastrophen zweier Weltkriege formuliert, waren aber ohnehin stets Makulatur, wenn sie ökonomischen Interessen im Wege waren:
In den postkolonialen und antikommunistischen Kriegen in SO-Asien und Afrika, den politischen Umstürzen im Mittleren Osten, Afrika, Mittel- und Südamerika mit all den dort installierten Diktatoren wurden Menschen- und Asylrechte immer mit Füssen getreten, nur war die Mobilität der ökonomisch Bessergestellten noch nicht so groß wie heute, das Geschäftsmodel Flüchtling noch eher auf die Befüllung thailändischer Bordelle beschränkt und noch nicht globalisiert wie heute.

Wenn wir uns heute Gedanken machen sollten, wie wir diese Prinzipien anwenden können ohne den Grundprinzipien einer humanistischen Gesellschaft untreu zu werden, dann geht es eigentlich nicht so sehr um eine Änderung dieser Grundrechte, sondern um eine Formulierung, wie sie verbindlich umzusetzen sind, die aber für beide Teile, denen, die eine Gesellschaft mit aufgebaut (und finanziert) haben und jenen, die in diese Gesellschaft kommen wollen oder müssen, praktikabel werden.

Dazu gehören klare Regeln, wo und wie ein Asylantrag zu stellen ist.
Wenn ich als Tourist in immer mehr Ländern dieser Welt bei der Einreise meine Fingerabdrücke abgeben muss, dann ist dies einem Asylwerber m. E. ebenfalls zuzumuten.
Wenn ich als Tourist deklarieren muss, mit welchen Barmitteln ich einreisen möchte, und ob ich mir Aufenthalt und Abreise auch leisten kann, dann ist das auch für Asylwerber zumutbar, auch wenn NGOs das in der Vergangenheit stets bekämpft haben.
Wer das Schlepperwesen dadurch unterbinden will, dass er Asylanträge nur außerhalb Europas annehmen möchte, muss hingegen ein zugängliches Netz vor Ort ermöglichen und kann nicht von irgendwelchen Camps in der libyschen Wüste faseln.
Wer aber glaubt, dass sein Status und seine Finanzierung als NGO oder Flüchtlingshelfer als prinzipiell sakrosankt zu gelten haben und andere Meinungen (Auch die Guten müssen sich Fragen gefallen lassen) auf das aggressivste desavouiert, sollte einmal prüfen, wie weit er sich noch selbst innerhalb eines Grundkonsenses einer aufgeklärte Demokratie befindet.

Wer ausschließlich die Rechte der einen Gruppe durchsetzen möchte, verletzt sehr bald die Grundrechte der anderen Gruppe.

Wer wo dazugehören will, kann dies nicht erzwingen.
Wer auf seine Rechte pocht, sollte sich auch seiner Verpflichtungen bewusst sein.

Die Freiheit des Einzelnen endet an der Fluchtdistanz des anderen,
aber auch die Flucht großer Gruppen kann die Freiheit des Einzelnen gefährden.

Written by medicus58

30. Juli 2018 at 16:38

Keiner mag Juden oder Palästinenser, deshalb sollten sie lernen einander zu mögen

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Dass niemand die Juden mag, beweist die europäische Geschichte seit Jahrhunderten mit schrecklicher Deutlichkeit.
Vielleicht käme der Nahe Osten einer Lösung näher, wenn auch diePalästinenser, also jene überwiegend arabisch sprechenden Menschen, die in ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina wohnen, erkennen würden, dass auch sie von niemanden gemocht werden.
Sicher nicht von ihren „muslimischen Brüdern„, die sie stets nur in diesem Ausmaß bewaffnen, dass sie Israel zwar angreifen aber nicht wirklich gefährden können. Politisch ist es viel vorteilhafter die Palästinenser in Geiselhaft zu wissen, als sie zum Beispiel innerhalb den eigenen Landesgrenzen aufzunehmen (Jordanien ist hier noch eine relativ löbliche Ausnahme).
Sicher nicht von ihren „christlichen Brüdern“ (ca 20% sind Angehörige der orthodoxen Kirche), deren berechtigt schlechtes Gewissen den Juden gegenüber sie an einer eindeutigen Positionierung hindert. Die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge ist relativ gering.
Sicher nicht von denen, denen die Schatten des Konflikts gute Geschäfte machen.

Mich erinnert das an eine Nacht, die ich in einem Kibutz an der israelisch-libanesischen Grenze verbrachte. Die Bewohner, die sehr überrascht waren, als ich abends an ihrem stacheldrahtbewehrten Eingangstor stand und Einlass verlangte, erzählten mir von den Granaten, die immer wieder bis in ihren Gemüsegarten flogen. Sie vermieteten den frei stehenden Bungalow eigentlich nicht an Ausländer (ich habe mich auf der Suche nach einem Nachtquartier einfach verfahren), machten aber eine Ausnahme. Es handelte sich um jüdische Einwanderer aus Osteuropa, überwiegend Russland, die von der israelischen Regierung hier an der zu diesem Zeitpunkt sehr unruhigen Grenze angesiedelt wurde. Sie hatten trotz dieser „Siedlungspolitik“ nicht das Gefühl Kanonenfutter in diesem Konflikt zu sein, schließlich befand sich gleich nebenan eine Kaserne der israelischen Armee, die sie ja beschützte.

Die Fenster waren verklebt, um abends keine Zielscheibe abzugeben.

Daran muss ich denken, wenn sich jetzt viele Palästinenser offenbar von der Hamas eher beschüzt als als Kanonenfutter missbraucht fühlen.

Es fiel mir bei meiner Reise durch Israel oft schwer zu entscheiden, wer Jude und wer Palästinenser war. Abgesehen von der unterschiedlichen ökonomischer und militärischer Macht, die zu disproportionalen Opferzahlen führen,scheinen mir auch die Probleme beider Gruppen viel ähnlicher, als die „politischen Führer“  auf beiden Seiten zugeben.

@hirn #twitter #fukushima

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@Pro Sieben Stark. Das #Galileo-Spezial zu #Fukushima holt sehr gute 12,7 Prozent Marktanteil

twitterte (am 5. März 2012) der Sender, der die Sendung ausgestrahlt hat.

Am 4. März 2012 hat @ProSieben schon den Grundstein für seinen „Erfolg“ gelegt, indem es twitterte:
Empfehlenswert. Wir zeigen gerade eine Reportage über #Fukushima. #Galileo

Heute am Jahrestag schweigen wir für die Opfer, auch @ProSieben, … bis jetzt

Written by medicus58

11. März 2012 at 09:42

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