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Schwerpunktbildung: Öffis und das neue Mantra der Gesundheitspolitik: Schwerpunktbildung

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Zwischen KHs in Wien

In den letzten Wochen hat diesen Blog neben dem Dauerbrenner „Gesundheitssystem“ noch eine weiteres Thema dominiert:

Parkpickerl in Wien

Parkpickerl Reloaded oder konsequentes Grünes Denken http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=75443 
Das Rathhaus ist eine Fluglinie und mein Auto wird zum Beisl
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=65272 
Vermummungsverbot für Vassilakou 
http://wp.me/p1kfuX-tc   
Vom Mobilitätsversprechen zum Mobilitätsverbrechen 
http://wp.me/p1kfuX-vx  

Heute zeigt sich, dass beide Themen sehr eng miteinander verknüpft sind, wenn man eines aktuelen Mantras der Gesundheitsökonomie dazu denkt:

Schwerpunktbildung im Krankenhaus

Kaum einer der aus dem Gesundheitsbudget bezahlten Einflüsterer, pardon Experten, unserer Politiker versäumt darauf hinzuweisen, dass sich enorme Sparpotentiale durch eine Schwerpunktbildung in der medizinischen Versorgung ergeben:

Nicht jedes Spital muss immer alles anbieten!
Wo etwas häufiger gemacht wird, da ist die Qualität höher!

Und auf den ersten Blick ist ja da nix einzuwenden. 
Was in der Fertigungsindustrie funktionierte, muss ja auch im Krankenhaus funzen,
fragen Sie Onkel Strohsack, der hat sein Geld genau damit verdient hat, dass er Rückblickspiegel für einen Autozusammenschrauber in Tripstrü produzierte und sie um den halben Globus zu dessen Fließband schickte, während er wieder Spiegel und 1000+1 Teil einer anderen Firma in seinem Magnawerk zum Auto eines Markenherstellers zusammenschraubte.

Was hat das aber nun alles mit der Parkpickerlabzocke von Grün-Rot in Wien zu tun?

Einfach, auch im aktuellen Spitalskonzept sollen viele Spezialambulanzen nur mehr an wenigen Standorten angeboten werden und Stadträtin Wehsely verweist immer darauf, dass in Wien der öffentliche Verkehr so gut wäre, dass das für die Patienten kein Problem darstellen würde.

Und das führt uns zu einem Hauptdefizit der Öffis in Wien:

Während radiale, also von der Peripherie ins Zentrum und zurück laufende Wege sehr effizient mit den Öffis zurück zu legen sind, schaut es bei tangentialer Bewegung sehr trüb aus.

Gerade in der hektischen Diskussion mit grünen Kampfpostern (Parkpickerl wirkt) habe ich die Erfahrung gemacht, dass dieser Punkt völlig unbekannt scheint. Zynisch könnte man argumentieren, dass der BoBo ohnehin nur zwischen Loft und angesagter Innenstadt Location pendelt, aber zynisch wollen wir doch nicht sein.
Obwohl ich darauf hinweise, selbst Netzkartenbesitzer und -nutzer zu sein, aber eben nicht ganz auf ein Auto verzichten kann, wird mir irgendwann immer Taxfrei erklärt, dass man in Wien ohnehin ohne Auto auskommen könnte, weil eben die Öffis so supi wären.

Zurück zum Gesundheitssystem:

Für die Patientenströme ist dieser Punkt aber sehr relevant, denn die Verbindung zwischen den großen Wiener Spitälern bedeuten eine tangentiale Bewegung und da stinken die Öffis zeitmäßig grausig gegen den PKW ab.

Ich habe mich der Mühe unterzogen die durchschnittliche Dauer der Reise zwischen drei großen KAV Spitälern (Donauspital, Kaiser-Franz-Josef-Spital und Wilhelminenspital) mittelswww.maps.google.atund www.wienerlinien.at zu analysieren. Die Ergebnisse sind auch im Eigenversuch verifizierbar, wenn nicht die Tangente komplett steht oder eine U-Bahn einen Totalausfall hat.

Die Originalzahlen:

DSP-KFJ 14,4 km
Auto 19 min
Öffi 55 min
Rad 58 min

WSP-DSP 14,8 km
Auto 28 min
Öffi 55 min
Rad 70 min

KFJ-WSP 7,6 km
Auto 15 min
Öffi 39 min
Rad 32 min
Die Graphik ergab sich durch eine einfache Addition der drei einzelnen „Reisen“.

Was lernen wir daraus:

Für Bewegungen an den den „Rändern“ der Stadt, benötigen die Öffis 2,4x länger als der PKW!
Für Menschen, die einem Zeitdruck UND Mobilitätszwang unterliegen, sind diese Reisen NICHT adäquat durch die Öffis (oder <LOL> das Fahrrad) substituierbar.
Da Vassilakous Parkraumbewirtschaftung das PArken und nicht das Bewegen eines PKWs bestraft, begünstigt sie unökologisches Fahrverhalten.
Wehselys Aussage, dass die Öffis die Wiener rasch genug zu ihren jeweiligen Spezialambulanzen bringen ist so wie vieles andere aus Ihrem Mund Propaganda.

Natürlich ließe sich durch geeignete Software ein viel exakteres Bild der Zeiterfordernisse mit unterschiedlichen Mobilitätsformen berechnen, jedoch fehlt mir dazu der Zugang (hallo, TU?!?!). Ich war aber selbst in einem großen Wiener Spital treibende Kraft hinter einer Mobilitätsanalyse von Personal und Patienten, um die Möglichkeiten zu prüfen, ob es möglich wäre, durch geeignete Anreizsysteme mehr Personen in den öffentlichen Verkehr einzuschleusen. Die Ergebnisse waren ebenso ernüchternd wie unser kleines Beispiel. 
Ich persönlich kann Ihnen also nur raten, sich (wie ich) nahe einer U-Bahn Station anzusiedeln, dann haben Sie – mit durchaus einigen Einschränkungen- eine praktikable Möglichkeit täglich 2-5 Wege mit den Öffis zu erledigen, oder Sie werden Stadtrat mit Chauffeur und Dienstwagen.

Das Rathaus ist eine Fluglinie und mein Auto wird zum Beisl

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Am 30. April haben die MA65 und die MA 46 eine praktisch flächendeckende Ausweitung der Kurzparkzonen (Parkraumbewirtschaftung) in Wien vereinbart(http://derstandard.at/1334796617277/Einigung-Parkpickerl-in-Wien-Zonen-offiziell-fixiert). Wie bisher besteht für Anrainer die Möglichkeit ein sogenanntes „Parkpickerl“ (http://www.wien.gv.at/amtshelfer/wirtschaft/mba/genehmigungen/parkpickerl.html)  zu beantragen. Der rechtliche Rahmen ist bemerkenswert:

Ein Parkpickerl gemäß § 45 Abs. 4 Strassenverkehrsordnung 1960 (StVO 1960) kann nur an Personen ausgestellt werden, die u.a. • ein persönliches Interesse nachweisen, in der Nähe dieses Wohnsitzes zu parken. Die Wiener ÖVP verlangte postwendend eine Volksbefragung gegen das Wiener Parkpickerl: http://derstandard.at/1334796988669/Einfuehrung-im-Herbst-OeVP-will-Volksbefragung-gegen-Wiener-Parkpickerl , http://oevp-wien.at/volksbefragung-kurzparkzonen).
Der ansonsten nicht so plebiszitär veranlagte Wirtschaftsbund (http://www.keinparkpickerl.at/) sammeln Unterschriften gegen den Plan und die FPÖ sieht im Parkpickerl das ideale Vehikel für die Einführung der direkte Demokratie und verlangt ein Gratis-Parkpickerl (http://www.wien.gv.at/rk/msg/2012/05/11020.html).
Wollen Sie das totale Parkpickerl und sogar gratis? Die Wettquoten für den Ausgang der Befragung sind aber nicht allzu gut …
Ob aber eine Befragung rechtlich nach der Wiener Stadtverfassung überhaupt möglich ist, scheint unklar (http://wien.orf.at/news/stories/2535742/). Langsam positioniert sich auch die Kronenzeitung und rechnet vor, dass die zusätzlichen Verkehrszeichen und Bodenmarkierungen „mehrere Millionen Euro verschlingen“ werden und malt die nächste Wirtschaftskrise an die Wand: http://www.krone.at/Nachrichten/Das_Parkpickerl_kostet_die_Wiener_Millionen_Euro-Schilder_und_Co.-Story-323141. Hernals hat als erster Bezirk im Rathaus um Kredit angesucht. 640.000 Euro kosten alleine dort die Blauen Zonen – das sind etwa 13 Prozent des Jahresbudgets. Häupl steht laut Krone weiterhin hinter dem Projekt „seiner“ Grünen (http://m1.krone.at/krone/S25/object_id__323270/hxcms/rssmobile.html).
Jetzt wäre es sicher hoch interessant sich über die prinzipielle Legitimität der „Bewirtschaftung“ des öffentlichen Raumes, also das gebührenpflichtiges Parken im öffentlichen Straßenraum (http://de.wikipedia.org/wiki/Parkraumbewirtschaftung) auszulassen, jedoch gibt es hier von ihrer Ausbildung her sicher Berufenere als meinereins. Ich möchte mit meinem Bildbeispiel nur auf eine meines Erachtens besondere Widersprüchlichkeit hinweisen („BoBo-Central“: 1070 Wien: Schottenfeldgasse Ecke Mariahilferstraße).

Das Argument für eine kostenpflichtige Parkraumbewirtschaftung ist das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage an Parkfläche in Ballungsräumen. Ortsfremden knöpft man für die Berechtigung hier ihr Auto abzustellen (interessanterweise nicht dafür, dass sie die Straße verstopfen =City-Maut) Geld ab, um einen gewissen Leidensdruck zu erzeugen, der zum raschen Weiterfahren mahnt. Jedenfalls zahlt der „Zugereiste“ NUR, wenn er auch einen Parkplatz hat.

Die in diesem Bereich Wohnenden, die ihr „persönliches Interesse auch wohnungsnahe parken zu wollen, nachweisen konnten“, dürfen sich nach Bezahlung verschiedener Gebühren eines „Parkpickerls“ erfreuen, für das nun aber jährliche Gebühren abgeführt werden müssen, OHNE dass ein Parkplatz auch garantiert ist. Noch viel schlimmer, durch die an allen Ecken während des Sommers genehmigten Baustellen und Schanigärten (http://www.wien.gv.at/amtshelfer/wirtschaft/mba/genehmigungen/schanigarten.html) wird die Chance minimiert, trotz bezahltem Parkpickerl, einen Parkplatz zu ergattern. Mit anderen Worten kassiert die Kommune für dieselbe Fläche mehrfach, jedoch hat der Schanigartenbetreiber wenigstens die Garantie, für sein Geld auch einen Gegenwert zu bekommen, der Autofahrer darf jedoch weiter kreisen.
Doch da kommt mir eine Idee!
Die Gebühren für einen Schanigarten betragen 3,63 € pro Quadratmeter Fläche (Pferdefuß: mindestens jedoch 43,60 Euro Gebrauchsabgabe). Unter den Voraussetzungen, die im „Amtshelfer“ der oben angeführten URL genannt werden, steht nicht, dass man eine Konzession als Wirt haben muss. Und zur Not öffne ich die Privatbar im Handschuhfach meines Rolls Royce… und stelle ihn einfach in meinen eigenen Schanigarten …

Aber ernsthaft: Soll es der Kommune erlaubt sein, ein und dasselbe Gut (=Straßenfläche) mehrfach zu verkaufen, zu überbuchen sozusagen, wie die Fluglinien?

Ich denke nicht.

Was aber Sinn machen würde, wäre das Parkpickerl nur gemeinsam mit einer Jahreskarte für die Öffis zu verkaufen, denn dann wäre für die „Ortsansässigen“ die Entscheidung niederschwellig, doch die Öffis zu verwenden, wenn dies zeitökonomisch nur halbwegs sinnvoll machbar ist.

Written by medicus58

4. Juni 2012 at 13:56

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