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Das Phantom der U Bahn

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Irgendwie spooky. Da hat mich doch grad wer in der U Bahn gegrüßt und ich habe keine Ahnung wer das war, denn er trug eine FFP2.

Stammt ja nicht von mir, aber Herr Kurz wird u. a. in die Österreichische Gesetzgebung eingehen, dass er es gleichzeitig geschafft hat uns ein Vermummungsverbot und eine Maskenberordnung zu verpassen.

A propos Phantom. In miesen Zeiten wie diesen sollte wieder was ins hiesige Herrgottswinkerl gestellt werden, also diesen Teil meines Blogs, wo das verträumt wird was wichtig und gut ist.

Als Fan guter Musicals, abseits des Tonleitergejaules aus dem Hause Disney ist Stephen Sondheim schon längst Bewohner des hiesigen Herrgottswinkerl, so wie Tim Rice der Librettist der ersten Erfolge Andrew Lloyd Webers. Letzterer hat es bislang nicht ins Winkel geschafft, was heute nachgeholt wird. Sondheim und Webber haben am selben Tag, dem 23.3.,Geburtstag, nur trennen sie 18 Jahre. Was sie aber vereint, beide gehören der Covid-Risikogruppe an und beide hocken, einer in UK, der andere auf der anderen Seite des Teiches in Selbstisolation.

Wie die beiden vor ein paar Tagen Alles Gute zum Geburtstag wünschten und Sondheim uns gleich mal das ausreichend lange Händewaschen-Ritual demonstrierte, ist einer der wenigen Lichtblicke in dieser ver-virten Zeit:

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Written by medicus58

1. April 2020 at 17:00

Veröffentlicht in Herrgottswinkerl

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Paul Frederic Simon

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Wenig lässt sich noch über den am 13. Oktober 1941 in Newark, New Jersey geborenen Sohn ungarischer Einwanderer schreiben, das nicht schon längst an anderer Stelle ausführlicher, fundierter und prominenter gesagt wurde.
Schon 1986 erhielt er vom Berklee College of Music einen Ehrendoktor. Insgesamt hortete er 16 Grammys davon 3 für ein Album des Jahres (Bridge Over Troubled Water, Still Crazy After All These Years, Graceland) und einen Lifetime Achievement Award.
2001 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, 2006 vom Time Magazin einer von 100 „People Who Shaped the World“ bezeichnet, 2011 vom Rolling Stone Magazine zu den „100 Greatest Guitarists“ gezählt und 2015 ebendort zu dem 100 Greatest Songwriters of All Time geadelt. 

Komponist, Musiker, Schriftsteller und Schauspieler, sein künstlerisches Werk ist so breit wie vielfältig. Nachdem seine Folk-, Pop- und Rocksongs zu Recht weltbekannt wurden, durchkämmte er seit seinem 1986 erschienen Album Graceland die Weltmusik und nutzte, Kritiker meinen auch benutzte, er deren Rhythmen und Harmonien für sein Werk. Natürlich könnte man darin auch ein Versiegen der eigenen Ideen vermuten, jedoch konnte man 1990 in ihrem Plattenladen wenige andere Gelegenheiten finden, die Drummer von Salvador Bahia (Brasilien) zu hören als in Simons Song Obvious Child auf  seinem Album Rhythm of the Saints. Ich weiß wovon ich rede, denn als ich zu dieser Zeit nach durchgetrommelten Tagen wieder nach Wien kam, hatten selbst Spezialgeschäfte keine Aufnahmen vorrätig. Daran sei nur mal so erinnert, auch wenn die meisten diese Rhythmen eher mit dem sechs Jahre später von Michael Jackson veröffentlichten They don’t care about us assoziieren werden.

Wenn wir schon bei den „persönlichen Verbindungen zu Paul Simon“ sind, möchte ich an einen der vermutlich größten finanziellen Flops erinnern, die Simon hingelegt hat, nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich in Wirklichkeit um ein wirklich gutes Werk gehandelt hat, das aus verschiedensten Gründen zu seiner Zeit floppte.

Schon 1988 begann Simon den Stoff eines minderjährigen Mörders (Salvador Agron) zu bearbeiten. Während eines Bandenkrieges erstoch der damals knapp 16-Jährige Puertoricaner und ein Komplize im August 1959 zwei „weiße“ Teenager und wurde zum Tode verurteilt. Da er zu diesem Zeitpunkt einen auffälligen Umhang trug, nannte ihn die Presse Capeman. Im Gefängnis wandte er sich dem christlichen Glauben zu, holte seinen Schulabschluss nach und erhielt später sogar einen Bachelor in Soziologie und Philosophie. 1979 wurde er begnadigt und arbeitet in der Konfliktprävention mit Jugendlichen.

Time is an Ocean

Er starb 1986 im Alter von 42 Jahren an einer Lungenentzündung und inneren Blutungen. Die Geschichte wurde in den USA höchst kontrovers gesehen, zumal insbesondere Agrons frühere Äußerungen gegenüber der Presse ihn als verstockt und unsympathisch erscheinen ließen.

Als Simon nach vielen Workshops, Umarbeitungen und Veränderungen sowohl im Cast als auch im Produktionsteam das Stück 1998 auf dem Broadway herausbrachte, hatte ich das Glück eine der Previews zu sehen (und mit großer Wahrscheinlichkeit auch Simon himself, der fallweise im Zuschauerraum auftauchte um die Produktion aus verschiedenen Blickwinkeln zu prüfen. Leider existieren m.W. nur technisch sehr schlechte Videomitschnitte der Produktion, die zu den besten zählte, die ich jemals am Broadway gesehen habe (und das waren einige …).

The Capeman wurde zwar für drei Tony Awards nominiert (Best Original Score, Best Orchestrations, Best Scenic Design) wurde aber von den New Yorker Kritikern gnadenlos verrissen und schloss nach nur 68 Aufführungen ehe die Tonys vergeben wurden und die 11 Millionen $ Produktionskosten, ein nicht unerheblicher Teil wurde von Simon selbst aufgebracht, waren dahin. Auch das Album hielt sich nur 11 Wochen in den Billboard Charts und kam nicht über Platz 43 hinauf. Seither gab es zwei Versuche einer Art Wiederbelebung. Von einem kurzen Revival 2008 existieren nur wenige Clips:

2010 kam es zu drei Aufführungen im Delacorte Theatre in New Yorks Central Park. In unzähligen Interviews zu seinem Flop erklärte sich Simon immer häufiger den Durchfall damit, dass es eben einen Unterschied mache einzelne Lieder zu schreiben, oder mit seinen Liedern eine zusammenhängende Handlung erzählen zu müssen. Ich kann nur sagen, dass sich die Aufführung musikalisch und visuell sehr gut gefunden habe und noch immer mit einer berühmten Simon Zeile antworten würde:
Still crazy after all those Years

Links:
The Capeman on Broadway Doku

Written by medicus58

5. Dezember 2017 at 16:06

Veröffentlicht in Herrgottswinkerl

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It’s Showtime, Folks

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Würde es genügen ein begnadeter Tänzer und Choreograph zu sein, dann hätte Frederick Austerlitz (http://de.wikipedia.org/wiki/Fred_Astaire)
schon längst sein Plätzchen hier im Herrgottswinkerl eingenommen.
Läge die Latte bei der Kombination Tänzer. Choreograph und Regisseur, dann gäb’s auch schon ein Winkel
für Eugene Curran Kelly (http://de.wikipedia.org/wiki/Gene_Kelly),
der auch noch die gehörige Portion Unglück und Zerrissenheit dafür mitgebracht hätte.

Heute soll jedoch hier einem anderen großen Tänzer, Choreographen und Regisseur gedacht werden, der neben den Kategorien Ruhm und Niederlage auch noch etwas anderes mitbrachte, dass ihn qualifizierte:
Absolute Perfektion und völlige Hingabe an seine Kunst, darin gleicht er den Vorgenannten, in
selbstzerfleischendem Zynismus und rabenschwarzem Pessimismus, da hat er die Nase vorn:

Robert Louise FOSSE (1927-1987)
http://de.wikipedia.org/wiki/Bob_Fosse
http://en.wikipedia.org/wiki/Bob_Fosse

Seine frühen Arbeiten als Tänzer und Choreograph habe ich erst viel später wahrgenommen:

Als Tänzer (1949-1962) , kommentiert von Gwen Verdon, mit der er trotz aller Affären bis zu seinem Lebensende am Papier verheiratet blieb und mit der er 1960 sein einziges Kind (Nicole Providence Fosse) hatte
http://www.youtube.com/watch?v=2SkYdsvgOpw

1953 Kiss me Kate
http://www.youtube.com/watch?v=qw0FSREoaLQ

1955 Alley Dance – My Sister Eileen
http://www.youtube.com/watch?v=3ItaESaGWMk

1958 mit Gwen Verdon in Damn Yankees
http://www.youtube.com/watch?v=BIiZuAVZH4w

Seine vielen anderen Broadway-Inszenierungen als Choreograph und Regisseur machten ihn zum einzigen Menschen, der die drei angesehensten Preise des Genres in einer Saison (1972/3) gewinnen konnte:
1 Oscar für die Regie von Cabaret (der Film gewann insgesamt 8 Oscars)
2 Tony Awards für Regie und Choreographie von Pippin und
3 Emmy Awards für Produktion, Regie und Choreographie von Liza with a Z

Ich stolperte zuerst über Fosse als Regisseur und Choreograph von Cabaret 1973 http://www.youtube.com/watch?v=rWpp3Jv2C18

Seine erste Filmregie aus 1969, die Hollywoodversion seiner Broadwayinszenierung aus 1966 von Sweet Charity sah ich erst später.

1974 lieferte er eine geniale Interpretation der
Schlange“ im Kleinen Prinzen ab
http://www.youtube.com/watch?v=mAbv7KlUQSQ
in dem man eine der Vorlagen zu Michael Jacksons „Moonwalk“ erkennen kann. Der Rest des Films (Regie Stanley Donen) ist weniger bemerkenswert.

Als ich 1979 sein selbstverliebtes und zynisches All That Jazz sah, war ich zuerst abgestoßen von der aalglatten Perfektion mit der er sein Leben im Showbiz inszenierte: http://www.youtube.com/watch?v=C74Pae3PpMo

ein menschliches Arschloch, das seine Ex-Freundin (Anne Reinking) castet und mit ihr genau das durchspielt, was er im wirklichen Leben getan hat und trotz Drogen, Krankheit, Verrat, Betrug und Absturz von allen geliebt wurde, dass war mir damals „a bit too much“.

Ich verbrachte Stunden, damit denen, die den Film gut fanden (gut und sonst nix, wohlgemerkt) zu erklären, weshalb er zwar perfekt, aber schlecht wäre ….

Mir kamen z.B. Sätze wie: „Wenn ich eine Rose in der Hand halte, dann möchte ich Gott fragen, wie hast Du das gemacht und wieso kann ich das nicht …“,
einfach nur selbstverliebt vor …

Nach ungezählten weiteren Viewings dieses Films, dem Vergleich mit den anderen „ge- aber nicht zerbrochenen“ Figuren, die in seinen besten Arbeiten charakterisiert hat:
Charity“ in „Sweet Charity“, http://www.youtube.com/watch?v=NANKaS_86xU
Sally“ in „Cabaret“, http://www.youtube.com/watch?v=moOamKxW844
Lenny Bruce“ in „Lenny“, http://www.youtube.com/watch?v=hcJRrbwGdWo

und das künstlerisch total verunglückte Portrait eines Playboy Bunnies in
Star 80 http://www.youtube.com/watch?v=wEXOAULm-Xk

zeigen, dass es Fosse mit seiner Kunst ernst war.
Vermutlich war es das einzige, was er ernst nahm und schließlich verzweifelt er an seinen eigenen Ansprüchen.

Interview with David Sheehan http://www.youtube.com/watch?v=Nw-GiqnI0I8

Erinnerungen von Ann Reinking & Ben Vereen (Ex-MC aus All That Jazz) www.youtube.com/watch?v=NKXDUgPAtr0&

Seine Choreografien waren perfekt und er umgab sich mit den besten Tänzern, die er kriegen konnte:

1997 im erfolgreichen All That Jazz:
Air-otica http://www.youtube.com/watch?v=vSHnK4dvi3w

ebenso, wie in seiner Tony gekrönten Choreographie, des Flop Musicals
Big Deal:
http://www.youtube.com/watch?v=s2UBsPQ5SsM

Insgeheim habe ich den Perfektionismus und die Radikaliät Fosses auch schon bewundert, als ich noch gegen All That Jazz gewettert habe. Inzwischen glaube ich auch sein Problem zu verstehen:
Wer nicht an die Inhalte glauben kann, der perfektioniert die Form und geht daran zugrunde …

So gesehen, war die
Inszenierung seines Herztodes 1979 in ALL THAT JAZZ,
der 1987 dann wirklich eintrat, schon schlüssig:

http://www.youtube.com/watch?v=TXXz6DW51m8

Link: http://www.fosse.com/

Written by medicus58

5. April 2012 at 18:04

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