Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Meduni

Drittmittel, der unbekannte Dritte in der Medizin

with 6 comments


Drittmittel, der unbekannte Dritte in der Medizin, oder warum wir uns das Gesundheitssystem nicht durch die Forschung finanzieren lassen sollten!

Als 2014 die Wiener Zeitung berichtete, dass das Pentagon universitäre Forschung in Österreich finanziert, begann man auch hierzulande darüber nachzudenken, ob jedes scheinbar auf der Straße liegende Geld von den die finanziell ausgehungerten Universitäten aufgeklaubt werden soll. Die Debatte verebbte jedoch rasch.

Daran, dass das Phänomen nicht nur Auswirkungen auf die technische und geisteswissenschaftliche Forschung hat, wollte man in Österreichs Medizinuniversitäten gar nicht erinnert werden, oder wie es Markus Müller, der Rektor der Medizinischen Universität Wien, formulierte: 
„Wir können uns diese Frage nicht leisten.“

Angesichts der finanziellen Ausstattung der Hochschulen seien Drittmittel schlicht notwendig: Rund 95 Prozent des Budgets der Med-Uni gingen allein in Personalkosten auf.

Folgerichtig wurde der Grad an eingeworbenen Drittmittel ein Performanzindikator der Wissenschaftlichen Forschung und eine wesentliche Voraussetzung jeder wissenschaftlichen Karriere. So spornte man den wissenschaftlichen Nachwuchs an, die Finanzierung der in die Selbstverwaltung entlassenen Universitäten zu sichern. Gleichzeitig wurde aber auch Druck aufgebaut, dass Patienten mit gerade passenden Erkrankungen die Teilnahme an laufenden wissenschaftlichen Studien angeboten wird. Klar, die Geldgeber brauchen rasch Resultate (z.B. für die behördliche Registrierung ihrer Produkte).
2007 fasste das eine Arbeit in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie so zusammen:
Ressourcen innerhalb und zwischen Universitäten und in der außeruniversitären Forschung werden angesichts der Finanzknappheit im Wissenschaftssystem zunehmend in Abhängigkeit von Forschungsleistungen verteilt. … Drittmitteleinkommen als relativ einfach zu erhebender Performanzindikator spielt in allen neuen leistungsbasierten Verteilungsverfahren eine große Rolle.

Wir wollen aber hier nicht den Verlust der unabhängigen freien Forschung beweinen, wie das Die Zeit getan hat
Werden die Hochschulen zu Sklaven der Wirtschaft?
denn das Interesse der Allgemeinheit an den heeren Zielen der Wissenschaft ist überschaubar.

Es ist den meisten auch einerlei, ob eine technische Universität oder Fachhochschule ihre Dienste an die Auto- oder Waffenindustrie verkauft.
Ein Artikel aus 2015 im Standard, „Gekaufte Wissenschaft“: Drittmittel für Hochschulen immer wichtiger, der die Größenordnung des Problems aufzeigte hatte im Forum 25 Kommentare, was dort als unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelten kann:
An den Universitäten stiegen die Drittmittelerlöse zwischen 2007 und 2013 um 47,1 Prozent auf 597,5 Mio. Euro, wie aus dem „Forschungs- und Technologiebericht 2015“ hervorgeht. Damit beträgt der Anteil der Drittmittel an den gesamten Umsatzerlösen der Unis 16,5 Prozent. Jeder fünfte Uni-Beschäftigte ist über Drittmittel angestellt. Für die Fachhochschulen (FH) gibt es keine damit vergleichbare Zahlen, sie messen den Anteil der Drittmittel an den Gesamtausgaben für F&E: Diese haben sich an den FH zwischen 2002 und 2013 mehr als vervierfacht und betragen nun 89,4 Mio. Euro. Der Anteil der Drittmittel an den F&E-Ausgaben lag bei 25 Prozent, wie die Fachhochschul-Konferenz (FHK) auf Anfrage der APA mitteilte.

Fremdfinanzierung in der Medizin, Stichwort Pharmagelder, löst jedoch auch bei Otto-Normalverbraucher eine heftige Reaktion aus, wobei sich die Kritik immer auf die (angeblich) gekauften Ärzte konzentriertCosì fan tutte: Pharma Fahmy.
Manchmal beschäftigt sich die Debatte auch mit anderen, auf den ersten Blick unbedachten Drittmittelflüssen: Pharma zahlt PatientInneninitiativen € 1.435.059
Letztendlich bleiben das aber boulevardeske Randthemen.

Ein gefährlicher Aspekt der aus Drittmitteln finanzierten Medizin fehlt in der öffentlichen Debatte völlig, obwohl er zu einer schleichenden und inzwischen ziemlich relevanten Änderung der Patientenversorgung führte und einen immer größeren Kreis an Patienten betrifft.
Inzwischen versuchen immer mehr Krankenanstaltenträger sich und die immer teureren Therapien über eine zunehmend lückenlose Rekrutierung von „passenden Patienten“ für laufende Firmen-finanzierte Studien zu finanzieren. Auf den ersten Blick ist das ja auch wirklich verführerisch. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie stellt der Auftraggeber nicht nur das teure Produkt gratis zur Verfügung, er muss auch meist auch eine Reihe anderer Kosten (Bluttest, Bildgebende Diagnostik, ….) abdecken, da er diese Befunde ja z.B. für die behördliche Registrierung seines Produkts benötigt. Ja und in manchen Fächern fallen auch Zusatzeinkommen für die Studienleiter ab.

Ganz extrem ist dies in der Onkologie, wo immer größere Einheiten geschaffen werden, um ….. ja warum wohl?

Natürlich macht es für die Patienten Sinn, dass sie, auch wenn ihre Diagnose in einem kleineren Spital gestellt wird, nach dem letzten Stand der Wissenschaft behandelt werden. Dazu benötigt es aber nicht notwendigerweise Big Brother, bestenfalls einen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur oder einen kurzen Telefonanruf. Ich stelle nun die These auf, dass es neben allen wissenschaftlichen Argumenten, letztendlich um den Versuch geht, Drittmittel für die Abdeckung des auch des nicht-universitären Routinebetriebes zu lukrieren und letztendlich die Patienten immer weniger Chance haben werden, nach dem gesicherten State-of-the-Art behandelt zu werden.
Ich weiß schon, da sich nach der letzten Studienreform inzwischen jedes kleine Kreisspital als universitäres Lehrspital begreift, sich ab der zweiten Abteilung als Klinikum bezeichnet und ohnehin jedes Bundesland seine Medunis erfindet, verwischen sich die Grenzen. Aber prüfen wir meine These einmal an Hand der Onkologie:

2011 wurde das Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien gegründet, das sich zu seinem 5-jährigen Bestehen darüber freute 21 Tumorboards mit über 7.600 PatientInnen pro Jahr zu koordinieren und zu administrieren.
Auf der höchst professionellen Homepage wird dem Besucher versichert, dass das CCC die kompetente, interdisziplinäre medizinische Versorgung von KrebspatientInnen mit klinischer und grundlagenwissenschaftlicher Forschung sowie Lehre auf höchstem akademischem Niveau verbindet. Um gleich nachzusetzen:
Darüber hinaus haben sie zudem die Möglichkeit, an den neuesten nationalen und internationalen Forschungsprogrammen teilzunehmen.
Klar, da braucht man nicht nach Afrika oder Indien ausweichen, um Medikamente zu testen, da sprechen wir von Fallzahlen, die auch bei uns rasche Ergebnisse versprechen.
Klar, der Patient hätte so eine Chance als erster von einer neuen Therapie zu profitieren, aber mitunter auch nicht.
Erwarten sich Patienten im öffentlichen Gesundheitssystem ein Roulettespiel? 

2017 freute sich die Wiener Gesundheitsstadträtin, dass mit dem CCC für die Tumor-Forschung und Behandlung von KrebspatientInnen eine einzigartige neue Kooperation zwischen Wiener KAV, AKH und MedUni entstanden ist, als ob das AKH mit seiner MedUni nicht ohnehin Teil des KAV wäre.
Wien wird damit zu einem der relevanten Krebs-Forschungszentren in Europa.
Ja und dann staunt man über soviel Ehrlichkeit:
Mit dieser Einrichtung werden künftig noch mehr und größere krebsspezifische Studien möglich sein.
Und weil man schon dabei war, kamen auch gleich die Vinzenz-Gruppe mit dem St. Josef-Spital in Wien-Hietzing als Kooperationspartner dazu, denn natürlich sieht man auch dort den ökonomischen, pardon, klinischen Benefit. 

2018, also vor wenigen Tagen freute sich der oben schon zitierte Rektor der Meduni Wien (übrigens Klinischer Pharmakologie, gebürtiger Klagenfurter mit Wohnsitz auch in Kärnten) über eine weitere Erweiterung:
Wir bündeln in der Onkologie, die hoch spezialisiert ist, die Kräfte. Wir verbinden das Klinikum Klagenfurt und das Cancer Comprehensive Center der Uni Wien, damit Kärnten in einem Cluster auf Expertise zugreifen kann.
… und die Studienkoordination auf noch mehr Patienten ….

Eine Diskussion über Risiken und Vorteile durch die Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie würde den Rahmen dieses Beitrag sprengen. Eine relativ objektive Darstellung findet sich hier: Krebsratgeber

Die Fülle an neuen Krebsmedikamenten und ihre exorbitanten Kosten sprengen wirklich die Budgets der Krankenhäuser, aber der Weg über Drittmittel schein mir extrem gefährlich.
Wenn bald jeder Patient in eine wissenschaftliche Studie eingeschleust wird, dann schrumpft die Chance auf eine Behandlung nach den letzten Stand der Wissenschaft auf die Hoffnung in die Kontrollgruppe gelost zu werden.
Ob unter dem ökonomischen Druck noch eine ergebnisoffene Patientenaufklärung möglich ist, mag ebenfalls bezweifelt werden.
Langfristig ist der Weg ohnehin zum Scheitern verurteilt, weil irgendwann die Geldgeber auch wieder welches verdienen wollen!

In den Jahrzehnten in denen sie die Drittmittel in die wenigen Universitäten gepumpt haben und ihre Gewinne in der Peripherie einstreifen konnten, war das System in Balance, die jetzige Entwicklung scheint mir diese jedoch zu gefährden.
Ja, und deshalb denke ich, dass es für uns alle besser wäre, würden wir die Medizin (wie übrigens auch die Schulen, Universitäten, Museen, ….) lieber solidarisch aus Steuermittel finanzieren – und dort wo das offenbar nicht mehr geht die Warum-Frage aufwerfen, als uns noch weiter in die Lebenslüge einer Drittmittelfinanzierung zu verlieren.

Heute mal wieder fremde Federn

with 5 comments


Nacht

Ich darf Sie einladen, sich diese Gustostückerln über die Medizin in Wien zu Gemüte zu führen:

Kein Platz für Moral

Warum der KAV eine politische Fehlgeburt ist

Written by medicus58

20. Februar 2015 at 07:30

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , , ,

Bitte setzten Sie sich durch Frau Pilz

with one comment


PatientenPilz

Wer hoffte, dass der Wahnwitz der neuen Medunis in jedem Schrebergarten unserer Landespolitiker (Med-Unis: Neue Spielwiese der Provinzpolitiker? http://wp.me/p1kfuX-l5) mit der Linzer Meduni ( In Linz beginnt’s: Lei Lei http://wp.me/p1kfuX-PO ) sein Ende gefunden hat, dem sei die Hoffnung hiermit verdorben.

Angeblich gegen den Willen des Wiener Bürgermeisters, bekommt nun auch noch die Bundeshauptstadt ein „ambitioniertes Universitätsprojekt“.

Die Sigmund Freud Privatuniversität (http://www.sfu.ac.at/), die sich in den letzten 10 Jahren mit allerlei Pscho-Studien zur größten österreichischen Privatuniversität Österreichs gemausert hat und sich ihrer Niederlassungen in Paris, Berlin, Ljubljana, Mailand und Linz rühmt, wird ab Herbst 2015 auch Studienlehrgänge in Human- und Zahnmedizin, sowie in Pharmazie anbieten.
Den Anfang soll ein Bachelor in Humanmedizin machen, der dann in ein Masterstudium in Zahnmedizin oder Pharmazie führen soll.

Die praktische Ausbildung soll an den Patienten der Barmherzigen Brüder, an Standorten der Vinzengruppe und dem „Musterspital“ der Wiener Gebietskrankenkasse, dem Hanusch-Spital erfolgen, womit auch gleich einmal klar ist, wer Interesse an dem Projekt haben dürfte.
59 (!) Lehrstühle wären schon mit 170 habilitierten Lehrenden um den Rektor Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Pritz  besetzt, die ihre Aufgabe aber überwiegend als Nebenbeschäftigung ausüben werden.

Da stellt sich doch gerade heute die Frage, dürfen’s denn das ??, wenn aktuell die Patientenanwältin Pilz alle Nebenbeschäftigungen von Ärzten verbieten will …
http://kurier.at/chronik/wien/pilz-nebenbeschaeftigung-von-aerzten-einschraenken/96.162.741

und zum ersten Mal wäre es gut für die medizinische Versorgung in diesem Land, wenn sich Frau Pilz durchsetzen würde …

Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen http://wp.me/p1kfuX-wh

< end of sarcasm>

Written by medicus58

10. November 2014 at 20:50

In Linz beginnt’s: Lei Lei

leave a comment »


Lei Lei Linz

Wenn das Konzept der Linzer Meduni nur annähernd so konkret ist, wie es aktuell den Medien gegenüber erklärt wird, dann löst Linz die Villacher als Landesfaschingsstadt ab:

Linzer Forschungsmodell „Keiner wird verpflichtet, in Forschung und Lehre tätig zu werden“, zerstreut Lukas Bedenken. Das „Linzer Modell“ soll allerdings Forschungskapazitäten aus ganz Oberösterreich nützen. Die Forschung wird in der Fakultät unterstehendenForschungsinstituten organisiert, die „allen offenstehen, die sich einbringen wollen„, auch aus anderen Spitälern. http://tinyurl.com/ndemuhj 

Professor Meinhard Lukas „Potenziale quer durch Oberösterreich abholen“: Neben 26 Abteilungen mit Primaren und 24 Uni-Kliniken sind „eine Handvoll“ Forschungsinstitute vorgesehen, in denen Ärzte aller Spitäler des Bundeslandes Mitglied werden können, hieß es in einem Hintergrundgespräch.
http://www.studium.at/332460-med-fakultaet-linz-will-potenziale-quer-durch-ooe-abholen

Die ersten Berufungsverfahren starten kommenden Herbst, zu diesem Zeitpunkt werden auch die ersten 60 Personen in Kooperation mit der Universität Graz zu studieren beginnen. Im Vollausbau im Jahr 2028 rechnet man mit 1.800 Studierenden. http://tinyurl.com/koo2t34

Wir fassen also zusammen, jeder kann mitmachen, es gibt auch einen Handvoll Forschungsinstitute und wir berufen Professoren, nachdem die ersten zu studieren begonnen haben ….

Linz, Linz statt Lei, Lei

Written by medicus58

4. August 2014 at 16:30

Veröffentlicht in Psychopathologie der Medizin

Tagged with , , ,

Niedermoser: Who’s side are you on

leave a comment »


niedermoser_peter kopie

Peter Niedermoser (http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Niedermoser) war schon mehrfach Gast dieses Blogs, so dass wir uns einmal etwas systematischer mit dem OÖ Ärztekammerpräsident und den verschiedenen Facetten seiner Aktivitäten in Sachen Ärzteausbildungbeschäftigen wollen. Nicht so sehr, weil er wundersamerweise bei seinen oö Kollegen so beliebt ist, dass sie ihn schon als Turnusärztevertreter und bereits mehrfach als Kammerpräsident wiedergewählt haben, sondern weil er sich – meiner persönlichen Meinung nach – zu einer höchst problematischen Schlüsselfigur der Ärzteausbildung entwickelt hat.

Natürlich wäre es einfach mit einem Scherzchen zu beginnen, dass sich sein Verhalten mit seinem klinischen Fach, der Pathologie, schlüssig erklären ließe, jedoch lohnt es sich, sich ernsthafter mit seiner Rolle zu beschäftigen.

Bis zu seiner Promotion 1989 konnte sich der 1962 Geborene offenbar soausgiebig mit der universitären Ausbildung beschäftigen, dass sich der jetzige Oberarzt an der Pathologie der Barmherzigen Schwestern in Linz als Experte für ärztliche Aus- und Weiterbildung wähnt und es ihn in den Bildungsausschuss der Österreichischen Ärztekammer(aktuell Stv. Vorsitzender) und seit 2013 als Präsident des wissenschaftlichen Beirats in die Akademie der Ärzte zog.

Für die Uneingeweihten: Bei der Akademie der Ärzte(http://www.arztakademie.at/home/wir-ueber-uns/mission-paper/) handelt es sich NICHT, wie weiland in der DDR (http://de.wikipedia.org/wiki/Akademie_f%C3%BCr_%C3%84rztliche_Fortbildung_der_DDR) um eine „dem Bundesministerium für Gesundheit unterstellte Einrichtung für die die Weiterbildung im Gesundheits- und Sozialwesen“ sondern um das „Bildungsforum der Österreichischen Ärztekammer und eine Expertenplattform für DFP, Arztprüfungen und ärztliche Fort- und Weiterbildung!„, die aber unter Kontrolle des Bundesministeriums steht. Standespolitisch wollte die ÖÄK gewissen Freiheiten „im übertragenen Wirkungsbereich“ nicht aufgeben und verhindern, dass das Bundesministerium direkt auf diese Agenden Zugriff hat.
Diese (aktuell) als „gemeinnützige GmbH“ geführte Ausgliederung der Österreichischen Ärztekammer vermag sich trotz saftiger Prüfungs- und Akkreditierungsgebühren trotz initial anderslautender Versicherungen nicht selbst finanzieren sondern erhält sich überwiegend durch Kammerbeiträge und sonstige Zahlungen der österr. Ärzteschaft.
Letztendlich hat das Bundesministerium als Behörde weiterhin das Recht Aus- und Weiterbildungsagenden vorzuschreiben, aber daneben erlaubt diese Struktur der ÖÄK Spezialdiplome für „KOMPLEMENTÄRE MEDIZIN DIAGNOSTIK UND THERAPIE NACH DR. F.X. MAYR“ oder für „HOMÖOPATHIE“ (für 44-88€ pro Diplom) unter die Kollegenschaft zu bringen.

Das jetzt kräftig medial bejubelte, interhalb der einzelnen Fachdisziplinen jedoch zum Teil sehr heftig abgelehntepostpromotionelle Ausbildungscurriculum hat Niedermoser in den letzten Jahren gemeinsam mit dem Bundesministerium ausgebrühtet und (auch wenn nach den letzten Wahlen er vom Vorsitz im Bildungsausschuss in die Arztakademie wechseln musste) inzwischen durch alle Gremien der ÖÄK gebracht.
Nur ein Schelm glaubt, dass die in dem Entwurf an allen Ecken und Enden ein- und angeführten „Spezialisierungen“ irgendwetwas mit seiner Zätigkeit in der Österr. Akademie der Ärzte zu tun hat, die langsam zur Gelddruckmaschine „Ärztefortbildung“ nach US-amerikanischem Vorbild(https://medicus58.wordpress.com/2013/04/26/gelddruckmaschine-arztliche-fortbildung/erweitert wird:
Ärzteprüfungen (405 € für den Allgemeinmediziner),
DFP-Fortbildungsprogramme,
ÖÄK Spezialdiplome,
ÖÄK Zertifikate,
ÖÄK-CPD für Gesundheitsökonomie oder Qualitätsmanagement,
e-Learning …

Einen Übeblick finden Sie auf der HP www.arztakademie.at, wo sie auch gleich über ein liebevoll Adventorial genannte Einschaltung der Erste Bank finden, die wiederum gerne ihre Versammlungsräume für verschiedene Sitzungen der Arztakademie zur Verfügung stellt …

Aber zurück zur Person Niedermosers, der neben seinen bisherigenTätigkeiten in der OÖ ÄK noch Zeit findet
Leiter folgender ÖÄK-Referate
Grundlagenarbeit und gesundheitspolitische Analysen
Lehrpraxis
Kurmedizin und Wellness
Qualitätssicherung und Management
zu sein und
„Mitglied in div. Gremien und Arbeitskreisen im Ministerium“ ist (http://www.aekooe.or.at/cms/fileadmin/AErztekammer/Lebenlaeufe_Funktionaere/Lebenslauf.pdf)

Für seine Medienkontakte ist seine Verbindung mit einer Journalistin des Volksblatts sicher auch nicht hinderlich, die wiederum 2009 von der Oberösterreichischen (!) Apothekerkammer für besondere journalistische Leistungen im Gesundheitsbereich ausgezeichnet wurde (http://derstandard.at/1246541277616/Valentin-Ladenbauer-Journalistenpreis-2009-fuer-derStandardat-Gesundheit).

Niedermosers Engagement für die ärztliche Fortbildung brachte ihn natürlich auch an die Linzer Meduni:

Selbstverständlich unterzeichnete er beim Verein „Förderer der Meduni Linz OÖ“ (http://www.meduni-linzooe.at/home/) verlinkte dessen HP auf der offiziellen HP Der OÖ Ärztekammer. Bereits im Vorfeld trommelte er in seiner Eigenschaft als Präsident in der Arztakademie in Interviews für die Notwendigkeit“ einer Linzer Meduni
(http://medmed-dev36-1.aura-software.com/2013/niedermoser-interview/) und ist Mitglied im

Praktisch, dass auch das Volksblatt (http://www.meduni-linzooe.at/_data/container/container_21/Pdf.52/Volksblatt_5.3.2014_001.jpg) darauf hinweisen kann, dass die GESPAG, der Spitalsträger des Landes OÖ (wie schon das Burgenland) 94 € der Teilnahmegebühr für die Paukerkurse vor den Medizin-Aufnahmetests fördert, natürlich nur für Oberösterreicher.

Niedermoser hat sicher kein Problem damit, dass man Maturanten ein bißchen zur Kasse bittet, wenn er schon Medizin studieren will, denn in dem oben verlinkten interview hat er ja auch zugegeben, dass er nicht mehr zu seiner früheren Meinung steht, dass man für die Arztprüfungen nicht extra lernen muss, wenn man gut ausgebildet ist, sondern ruhig was dazulernen soll: Bei Kammerveranstaltungen verteidigte er gerne sein modulares Ärzteausbildungssystem, weil „wir uns ja alle selbst belogen haben, wenn wir glaubten einen Facharzt in allem ausbilden zu können“ und schloss mehrfach mit den Worten, dass „sich der fertige Facharzt halt dann die Qualifikationen (Module) zukaufen (sic) muss“, die er im Rahmen der Fachausbildung jetzt nicht hat [weil er auf Wunsch der Landespolitiker halt in einem kleinen Spital ausgebildet wurde das das nicht anbieten kann!].

Niedermoser hat also ein lückenhaftes, pardon modulares Ausbildungssystem für Ärzte durchgeboxt, das in Zukunft den Bedarf nach den von „seiner“ Arztakademie angebotenen „Zertifikaten und Diplomen“ steigern wird und war eine wesentliche Triebfeder dafür, dass durch das regionale Prestigeprojekt Meduni Linz genügend „studierte Mediziner“ produziert werden, denen wenig „Prügel in den Weg gelegt werden sollen, damit sie nach dem Facharztabschluss rasch ins EU Ausland emigrieren können“.

Da drängt sich mir schon die alte Frage Matt Biancos auf:
Who’s side are you on?
Weitere Links zum Thema:

Niedermoser: „Wir passen die österr. Ausbildungsordnung an die deutsche an, damit für die migrationswilligen österreichischen Kollegen keine Schwierigkeiten entstehen.“
Bei uns im Gesundheitswesen ist täglich Fasching
http://wp.me/p1kfuX-Ls

Niedermoser lädt vor drei Jahren im Zuge der tschechischen Ärztestreiks die dortigen Kollegen ein in Österreich freie Arztstellen einzunehmen: So sparen im Gesundheitssystem
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516

Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=103603

Die Uni brennt und im Spital raucht’s auch http://wp.me/p1kfuX-fK

Written by medicus58

13. März 2014 at 16:00

Deshalb brennen noch wir und nicht die Paläste, pardon Unis.

leave a comment »


Krems 

Natürlich bestimmt, wie hier schon öfters festgestellt (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33160) die Position des Sprechenden seine Haltung zur Lage der medizinischen Universitäten.

Auch dass die Med-Unis eine beliebte Spielwiese von Provinzpolitikersind (http://wp.me/p1kfuX-l5) darf als sattsam bekannt vorausgesetzt zu werden.

Auch wie diese Inflationierung der Wissenschaft vom Plagiat über dieMeduni OÖ zu gesellschaftlichen Seilschaften führt, hat uns hier (http://wp.me/p1kfuX-A4) schon beschäftigt.

Auch wenn die Ärzteausbildung aktuell eine enorme Baustelle darstellt (Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ;Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15ahttp://wp.me/p1kfuX-IC) verwirklichen sich unsere Politiker auch so gerne mit neuen Medunis, weil wir dafür ohnehin nicht nur über die sehr hohe Steuerquote brennen (für nicht Wiener = bezahlen) sondern zusätzlich auch aus unserem Privatportemonnaie dazuzahlen.

An Erwin Prölls Prestigeobjekt, nein nicht die Eliteuni Guggingsondern die Landsteiner Privatuniversität in Krems werdenStudiengebühren von bis zu 14.000 Euro erwartet, wie der Standard berichtet (http://derstandard.at/1385169166321/Krems-Landsteiner-Privatuni-akkreditiert).

Wieso Lehrgänge in „Neurorehabilitationswissenschaften“, sowie „Psychotherapie- und Beratungswissenschaften“ laut Pröll die „Nahversorgung im Gesundheitswesen“ verbessern sollen, bleibt zwar unklar, klingt aber gut und hat in Linz ja auch funktioniert …

Klar winkt der Landesvater mit üppigen Stipendien für die Landeskinder, aber (siehe die zunehmende Finanzierungslücke der FastHochschulen =Fachhochschulen) wie das nach der „Anschubfinanzierung“ in einigen Jahren weitergeht, weiß man natürlich noch nicht.

Und wieder ein Schritt in Richtung eines medizinischen Jodeldiploms
(http://youtu.be/zNRSp9M3b0g), den wir uns zahlen müssen, damit die gesellschaftspolitische Schimäre einer zunehmenden akademischen Elite, die wir unserer Politik zu verdanken haben, aufrecht erhalten bleibt….
oder mit anderen Worten, keiner hinterfragt was man denn mit all den Qualifikationen, Doktorrollen und schönen Namenszusätzen denn anfangen werden.

Auf dem Klavier unserer Eitelkeiten lässt sich trefflich spielen.

Wir zahlen gerne zusätzlich für die hohlen Versprechungen der Politik, statt dass wir für die bereits zu leistenden Abgaben etwas fordern.

Deshalb brennen noch wir und nicht die Paläste, pardon Unis.

Written by medicus58

29. November 2013 at 07:28

Von der Ärzteschwemme zu Gratis-Paukerkurse für potentielle Medizinstudenten

leave a comment »


pic

 

Mag sein, dass sich auch in anderen Teilen unserer Gesellschaft Absurdes tut, sehr wahrscheinlich sogar, aber hier geht es um das Österreichische Gesundheitssystem und das treibt gar seltsame Blüten.

Wie sehr die Frage, ob wir nun eine Ärzteschwemme oder einen Ärztemangel haben, wurde hier schon 2011 unter Ärzteschwemme – Ärztemangel, aber geh … alles eine Tochter der Zeit (http://wp.me/p1kfuX-Q0) beschrieben und u.a. am Beispiel der Absurditäten um die die Linzer Med-Uni (Med-Unis: Neue Spielwiese der Provinzpolitiker? http://wp.me/p1kfuX-l5) vertieft.

@EPichlbauer wies heute in einem Tweet #rezeptblog auf die absurd niedrigen Ärztegehälter hin, die die Wiener Privatklinik zu zahlen gewillt ist und schliesst richtigerweise, dass es wohl keinen Ärztemangel geben kann, solange solche Positionen besetzt werden können (fb.me/2Dk31I9B6).

Trotzdem scheinen noch immer genügend Maturanten ein Medizinstudium anzustreben:
Auf ORF.at liest man die aktuellen Zahlen:
1.500 Studienplätze für Medizinstudenten gibt es in Österreich.
8.360 Maturanten haben sich heuer um einen Platz beworben,
6.860 wurden nicht genommen

Daraus ließe sich doch schliessen, dass wir ohnehin unter genügend Bewerbern wählen können, um so die Besten in den Beruf zu bekommen … Hätten wir in anderen Berufen eine solche Fokusierung auf die vermeintlich Besten, wären viele Posten unbesetzt und die vermutlich unsere Parlamente menschenleer …

Gleichzeitig vermeldet Orf.at (http://burgenland.orf.at/news/stories/2613240/), dass das Land Burgenland nun seinen Maturanten Gratis Paukerkurse anbietet, damit mehr den Aufnahmetest zum Medizinstudium bestehen und somit als Ärzte zur Verfügung stehen.

Dass diese dann, wie immer mehr fertige Dr. meds.,
vielleicht gar nicht im Burgenland bleiben sondern im deutschen Osten ordinieren,
vielleicht ganz andere Berufslaufbahnen einschlagen, als sich um Centbeträge mit den Krankenkassen zu prügeln oder
lieber als Fachärzte in die Spitäler gehen wollten, die in den aktuellen Koalitionsverhandlungen eingespart werden, das ficht den burgenländischen Gesundheitslandesrat nicht an.

Noch weniger, dass sich durch die Aktion die Anzahl der Studienplätze ohnehin nicht erhöht, d.h. für jeden potentiellen Medicus aus dem Burgenland, eben dann ein steirischer Maturant nicht Arzt sondern Gesundheitsberater werden muss …

Ärgen werden sich bestenfalls die Anbieter der kostenpflichtigen Paukerkurse, dass ihnen hier das Ganslschmalz vom Brot genommen wird …

und wie passt das in ein Gesamtkonzept?

Da fällt einem doch die alte Signation des „Watschenmanns“ wieder ein:

Solchene Sachen lassen sich nicht erfinden, nichteinmal von unserem Etablissement!

KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung

with one comment


KPJ
Warum sich alljährlich tausende in teuren Paukerkursen aufgecoachte Maturanten um die abgezählten Studienplätze balgen ist mir ja nicht ganz nachvollziehbar, aber auf die die es geschafft haben warten neue Hürden.

Nein, hier ist nicht von den strengen Prüfungen die Rede, die sicher stellen sollen, dass das Jungvolk eine ungefähre Ahnung davon hat, wo den die Organe sitzen, die es einmal „heilen“ soll.

Ich rede davon, dass sich die Verschulung ihres Bildungsweges 
(als Gymnasiasten wussten sie oft auch nicht, nach welchen Regeln ihre Matuzra ablaufen würde) nahtlos ins Studium fortsetzt.

Im aktuellen Curriculum der Medizinunis schließt das Studium nun mit einem KPJ ab:

Im klinisch-praktischen Jahr (KPJ) sollen die Studierenden die in den vorangegangenen 5 Stu-dienjahren erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und ärztlichen Haltungen (professionelles Handeln) vertiefen und unter Anleitung die Befähigung zur postgraduellen Aus- und Weiter-bildung erwerben
.

Entsprechend der heute doch so gern betriebenen Auslagerung der Arbeit unter Beibehaltung der Oberaufsicht (Stichwort: Einscannen statt einwerfen der Banküberweisungen) findet das KPJ nicht an den Universitätskliniken statt, die hätten auch kaum ausreichendes Anschauungsmaterial, sondern soll in den Routinespitälern ablaufen.

Also zu den – insbesondere in Wien – bereits revoltierenden Turnusärzten, die sich als nicht ausreichend ausgebildet fühlen, kommen nun „fast fertige“ Medizinstudenten und erwarten ein Echtzeiterlebnis ihres späteren Berufes.

Woher die personellen und fachlichen Ressourcen kommen sollen, Lehre benötigt mehr als nur fachliche Kompetenz, ist unklar. Klar ist nur, dass der „Zauber“ nächsten Sommer beginnen soll, nur existieren bis heute keine Verträge mit den Spitaklserhaltern.

Egal, irgendwo und irgendwie werden es die Studenten schon schaffen ihre Tertiale („Innere Medizin“, „chirurgische und perioperative Fächer“ „Wahlfächer“) zu absolvieren. 
Dass das vielleicht nicht ganz so glatt geht, scheinen auch die Planer zu befürchten, wenn sie schreibenBei durchgehender Absolvierung der KPJ-Tertiale ist das KPJ Ende Juni / Anfang Juli im 6.Studienjahr abgeschlossen.

Wer aber glaubt, dass der weitere Ausbildungsweg unseres Ärztenachwuchs klarer wird, den muss man enttäuschen. 

Alle (BuMin, Ärztekammer, Medunis, ..) haben sich geeinigt, dass das bisherige Modell:
die meisten beginnen mit der Turnusausbildung zum praktischen Arzt, immer mehr „bleiben dann in einem Fach hängen“ und absolvieren dort die Ausbildung zum Facharzt
geändert werden müsste, nur über das wie herrscht schon seit Jahren Uneinigkeit.

Die neue Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, also die Grundlage für ein Primary Care Management, will heissen der aufgewertete Hausarzt als Drehscheibe, hängt in der Luft , da die Ärztekammer damit eine Transferzahlung an den niedergelassenen Bereich verknüpft, 
d.h. das BuMin soll für ein Jahr „Lehrpraxis“ zahlen, dieses will nur 6 Monate und das fakultativ, weil große Bundesländer zu Recht befürchten, dass die in die Lehrpraxis abgewanderten Jungärzte als Systemerhalter in ihren Spitälern fehlen.
Aber auch die Ausbildung zum Facharzt für den Rest der Medizin (also all die Fächer, die man bisher kannte: Innere, Chirurgie, HNO, …) hängt in der Luft, da Bundesministerium und Ärztekammer die Vorgaben für die neuen Curricula (hier Rasterzeugnisse, also die Auflistungen, was und in welcher Tiefe der Arzt kennen (Kenntnisse), gesehen (Erfahrungen) und auch wirklich tun (Fertigkeiten) können soll) dauern ändert.

Zusammenfassend müssen Medizinstudenten ihr letztes Studienjahr in einem KPJ absolvieren, dessen Durchführung ein Jahr vor Start völlig unklar ist, um dann als Dr. med. nicht zu wissen, wie sie ihre Berufsberechtigung erlangen sollen.

Irgendwie scheint sich das bei den Maturanten noch nicht herumgesprochen zu haben, wenn sich heuer erneut 8.360 Kandidaten um  1.500 Studienplätze bemüht haben. Vielleicht aber doch, weil schließlich 2.300 angemeldete Kandidaten gar nicht erschienen sind.

Written by medicus58

20. September 2013 at 07:49

AKH-Wien: AGO-Mitarbeiter kämpfen um ihre Jobs

leave a comment »


cropped-headerneu3

Im Zuge einer Protestkundgebung wollen die Mitarbeiter der Firma AGO am 25. Juni (9:00) gemeinsam vor dem Wiener Rathaus um ihre Arbeitsplätze und gegen die umstrittenen Personalauslagerungen im Wiener AKH kämpfen.
Etwa 1.000 Leiharbeiter der Firma AGO (Akademischer Gästedienst in Österreich), die in den verschiedensten Bereichen des Wiener AKH eingesetzt sind, fürchten um ihren Arbeitsplatz und wollen mit der gemeinsamen Initiative „Übernahme statt Fremdvergabe“ um ihre Jobs kämpfen. Das Drama erinnert an jene Situation, in der sich auch die Mitarbeiter der Reinigungsfirma JANUS befunden haben, nachdem das Unternehmen im Zuge einer Neuvergabe des Auftrages über externes Reinigungspersonal mit schmutzigen Tricks aus dem Rennen geworfen wurde.
Auch damals richteten die betroffenen Mitarbeiter verzweifelte Appelle an die zuständigen Stellen im Wiener Rathaus, zumal sie ihren Job über Jahre hinweg korrekt erledigt hatten und nun vor der Arbeitslosigkeit standen. Das Schicksal der damals 319 Arbeitskräfte war der AKH-Direktion und der Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP) bzw. den Wiener Sozialdemokraten jedoch herzlich egal, was auch diesmal im Fall der AGO-Belegschaft so sein dürfte.
In einem Schreiben von AKH-Direktor Reinhard Krepler an die besorgten AGO-Mitarbeiter beruft man sich auf „gesetzliche Vorgaben“ und Vergaberichtlinien, die eine Neuvergabe nach Vertragsende erforderlich machen – andere im Raum stehende Vermutungen demetiert man mit der üblichen Arroganz. Dass Vize-Direktor Herwig Wetzlinger dieses von geheuchelten Mitgefühl zeugende Schreiben ebenfalls unterzeichnete, weist darauf hin, dass man aus der Vergangenheit nicht lernen konnte und weiter davon ausgeht, das kriminelle Treiben ungestört von korrumpierten und entsprechend untätigen Wiener Justizbehörden fortsetzen zu können.
Denn die Bestellung von Herwig Wetzlinger erfolgte ursprünglich als direkte Maßnahme und Reaktion auf den AGO-Korruptionsskandal und sollte für mehr Transparenz und Effizienz sorgen. Wie sich zeigt, ist dieses Vorhaben gescheitert, zumal sich der gut bezahlte neue „Kontrolldirektor“ längst in das von Misswirtschaft durchzogene „System Krepler“ eingefügt haben dürfte. Neue strategische Konzepte hinsichtlich der üppigen Personalauslagerungen, die etwa auch auf das Schicksal der betroffenen Mitarbeiter eingehen, liegen jedenfalls keine auf dem Tisch.
Der Grund dafür ist nicht die grundsätzliche Denkfaulheit des AKH-Managements oder der Verantwortlichen im Wiener Rathaus, sondern völlig andere „Interessen“, die sich hinter diesen Personalauslagerungen verbergen. So reicht die „Partnerschaft“ zwischen dem Wiener Rathaus bzw. den Wiener Sozialdemokraten und den Eigentümern der AGO bis in die Neunziger des letzten Jahrhunderts zurück und hatte von Beginn an einen recht üblen Beigeschmack – etwa was den Verdacht auf vorsätzliche Veruntreuung von Steuergeldern oder illegale Parteifinanzierung betrifft. Ob solche Netzwerke über Jahrzehnte hinweg ohne das Wissen des Bürgermeisters mit Millionenbeträgen operieren können, wissen wir nicht. Dass nun tausend Mitarbeiter der AGO aufgrund dieser Praktiken unschuldig zum Spielball werden sollen, geht aber eindeutig zu weit.
Denn auch andere Fakten deuten klar darauf hin, dass diese betriebswirtschaftlichen Widersinnigkeiten, speziell was das Leihpersonal angeht, vorsätzlich konstruiert worden sind. Laut Rechnungshof erfolgte die letzte Personalbedarfsplanung im AKH jedenfalls im Jahr 1994 – also vor knapp 20 Jahren.
Darauf zu setzen, dass bei der einstigen Wiener Arbeiterpartei nach einem jahrelangen Machtrausch mit absoluter Mehrheit noch Reste der sozialpolitischen Wurzeln übrig blieben, ist in Anbetracht der Lage eine riskante Spekulation. Gegenüber den Betroffenen und in Anbetracht der vielen düsteren Schattengeschäfte, die man bisher auf Kosten des Steuerzahlers in diversen Hinterzimmern abgewickelte, wäre es nun an der Zeit, möglichst rasch umzudenken und darauf zu verzichten, hinter bürokratischen Zierplanzen in Deckung zu gehen. Denn in erster Linie muss es darum gehen, den betroffenen Mitarbeitern eine dauerhafte und vernünftige Lösungen anzubieten.
FDMUW
Mehr Infos über die Kampagne der AGO-Mitarbeiter:
https://initiativeuebernahme.wordpress.com/
Oder auf Facebook: https://www.facebook.com/initiative.uebernahme
Kontakt: initiative.uebernahme@gmail.com

Text: von meduni

Written by medicus58

23. Juni 2013 at 09:16

%d Bloggern gefällt das: