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Das Schöne an der Naturwissenschaft: Conchitas PSA Wert

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GENDER

 

Nach immer bunter und größer werdenden Regenbogenparadenund Lebensbällen, ertrinken wir nach Conchita Wursts Sieg beimeuropäischen Wettträllern (Oral Sex mit Conchita am Life Ballhttp://wp.me/p1kfuX-Nz) in einem Meer an verbaler Toleranzgegenüber allerlei Geschlechtsdefinitionen außerhalb des traditionellen Dualismus.

Mich beschleicht zwar immer mehr die Scham ob meiner eigenenHeteronormativität, jedoch wird dies durch das gute Gefühl aufgewogen, dass die beiden von mir hochgeschätzten Zugänge zur Welt, die der Kunst und die der Naturwissenschaft, dieses Thema schon längst und weitgehend unaufgeregt aufgearbeitet haben:

In der medizinischen Informatik besiegte die Notwendigkeit nach einer klaren Kodifizierung möglicher Zustände allfällige gesellschaftliche Ressentiments.
Der internationale Standard ISO 5218 kodiert

0 für unbekannt
 (z.B. das Ungeborene voreiner eindeutigen sonografischen oder genetischen Diagnose)
1 für männlich (was die Femen wohl zum Schäumen brigen wird)
2 für weiblich (was die Femen wohl bestärken wird in ihrer nicht unberechtigten Kritik unserer Männergesellschaft)

und vorausschauend 9 für nicht anwendbar (um Platz für das zu lasen, was sich die „Schulweisheit“ noch nicht erträumen konnte.

Der Common Data Element Implementation Guide (CDC) des Center for Disease Control and Prevention subsummiert neben M und F unter O noch all das andere“ während der ASTM 1633 (Standard Specification for Coded Values used in the Electronic Health Record) schon zwischen

M männlich
W weiblich
U unbekannt
MP männlicher Pseudohermaphrodit
WP weiblicher Pseudohermaphrodit
H Hermaphrodit
MC transsexuel von m auf w geändert
FC transsexuell von f auf m geändert und
A nicht zuordenbar

differenziert.

Der DICOM Standard, mit dem die Kodierung und der Austausch digitaler Bildber in der Medizin geregelt wird benötigt schon 11 Klassifikationen, der UBIF der Taxanomic Databases Working Group, die eine über den Menschen hinausgehende Kodierung anstrebt, kommt auf 14 Einteilungen.

All diejenigen, die sich nicht von ELGA abmelden, müssen natürlich ebenfalls in ein Kodierungsschema gepresst werden. Grandlage ist hier die Clinical Document Architecture (CDA), ein von einer internationalen Gruppe (HL7) erarbeiteter, auf XML basierender Standard für den Austausch und die Speicherung klinischer Inhalte, wie Arztbriefe oder Befundberichte.

Un wer sich nun frägt,weshalb denn dieser ganze Aufwand betrieben wird, der möge einmal auf seinen letzten Blutbefund schauen, wo neben seinen eigenen Werten i.d.R. Normalbefunde angeführt werden. Damit das Laborsystem automatisch zu jedem Lebensalter, aber natürlich auch zu jedem Geschlecht die passenden Normalwerte hinzufügen kann, ist eine möglichst eindeutige Kodifizierung unerlässlich.

Auch Tom Neuwirth würde sich bedanken, wenn man ihr den PSA-Normalwert Normalwert von Conchita zuordnen würde.

Und das ist das Schöne an der Naturwissenschaft, man muss von ihr nicht Toleranz verlangen, in ihrem Inneren benötigt sie dieses Konzept gar nicht!

Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV

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EDV2 

Über die EDV Probleme im medizinischen Alltag und ihre möglichen Folgen wurde in der Vergangenheit schon öfters berichtet:

EDV in der Medizin
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58077
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht
http://wp.me/p1kfuX-B4
Nervt die EDV nur oder will sie uns was sagen
http://wp.me/p1kfuX-x7
EDV: Supergau im KAV
http://wp.me/p1kfuX-vj
Risikofaktor medizinische Informatik
http://wp.me/p1kfuX-uw
ELGA kommt endlich
http://wp.me/p1kfuX-tj
Pressestunde: Salon ELGA
http://wp.me/p1kfuX-9g

Nicht dass es sich zuletzt zum Besseren gewandt hätte, ganz im Gegenteil, aber ich denke es ist wieder einmal an der Zeit einen neuen Erlebnisaufsatz zu schreiben.

Es liegt in der Natur der Sache, warum eigentlich, dass nichts so alt ist, wie eine Software von gestern. Die endlose Kette an Patches, Updates und richtig großen Versionswechseln sichert die Umsätze der Hard- und Softwarebranche.

Während früher in gefahrengeneigten Branchen proprietärer Software dominierte, setzten immer mehr auf die vom PC bekannten Windows- und Office-Versionen und geraten in den Strudel des Versionswirbelwinds.

Wer heute noch mit einem, sagen wir 8er Internet Explorer ins Netz geht (beachten Sie ich sagte nicht dem IE ins Netz geht, obwohl das durchaus auch seine Richtigkeit hätte) wird von jeder zweiten Seite darauf aufmerksam gemacht, dass er gefälligst updaten soll. Wenn für Ihren fallweise verfassten Brief an die Maly-Tant’ das alte Word 2003 durchaus ausreichend wäre, sie kriegen sicher früher oder später von irgendjemand ein Dokument, das in einer neueren Version geschrieben wurde und machen sich auf die Suche nach einem Konverter oder daten up.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund versucht ebenfalls so lange wie möglich die alten Windows- und Officeversionen beizubehalten (die meisten PCs laufen noch auf Win NT und Office 2003) jedoch sieht man sich auch hier gezwungen im beschriebenen Reigen mitzumachen, da immer mehr der anderen, ebenfalls zugekauften, Softwaremodule eben keine Schnittstellen mehr für die alten Versionen anbieten. Ein bißchen SAP für die Verwaltung, ein bißchen des schon vor dem abgeschlossenen Roll out totgesagte Impuls für die täglichen Abläufe; hierein neues Laborsystem, dort ein neues Röntgeninformationssystem und PACse verschiedener Hersteller … Ja und dann hat die Generaldirektion noch so einigeSoftwaretools die irgendwo aufsitzen, wobei die Doppeldeutigkeit des Begriffs hier mehr als gewollt ist.

Vielen Anwendern ist auch nicht bewußt wie viele verschieden Module von verschiedenen Laborgeräten, Großgeräten (CT, MR, PET) aber auch kleineren Geräten (vom EKG zum Blutzuckermessgerät) und Verwaltungssoftware (Wareenwirtschaft, Leistungsstatistik, …) zu irgendeinem Zeitpunkt Daten in eine Officeanwendung (Word, Excel, Access) schicken oder abrufen. Allein auf Word greifen auf meinem Rechner mehrere Drittsysteme zu, die Erscheinungsbild und Funktionalität der Software immer wieder gravierend ändern.
Ein Spaß, glauben Sie mir!

Ehe ein Befund als elektronische Krankenakte abgelegt wird, durchläuft er mehrfache, zum Teil sogar inhaltlich entstellende Modifikationen. Dass das sogar nach der elektronischen Vidierung möglich ist, negiert man am besten ….

In dieses Minenfeld fiel nun die Entscheidung eines Updates auf Win 7 und Office 2010 und legte Prozesse für Tage nahezu lahm.
Berechtigungen waren plötzlich spurlos und verweigerte einigen gänzlich den EDV Zugang. Makros griffen auf nicht mehr definierte Befehle zu und brachten das Gerät zum Absturz.
Datenbankanwendungen stellten nahezu flächendeckend ihre Funktion ein.
Auf die erbosten Patientenfragen, weshalb denn das alles heute so lange dauert, musste so mancher „dem Mann von der Straße“ plötzlich erklären, was denn so ein „Laufzeitfehler“ denn eigentlich ist.
Die Anzahl der erforderlichem Mausklicks (Zeigefingerarthrosen werden bald als Berufserkrankungen im Gesundheitsbereich anerkannt werden) schnellte in die Höhe und so manche Mails blieben im neuen Outlook unauffindbar.

Für unseren habilitationswilligen Nachwuchs hätte ich einen Vorschlag: Man monitiere einmal die Fehlerquote einer Abteilung vor und nach EDV Umstellung und freue sich über eine fast sichere New England Publikation.

Written by medicus58

13. November 2013 at 07:09

Seid’s krank? Jahresrückblick 3

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2012

Im dritten Teil unseres Jahresrückblicks, wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, was sich dieses Jahr in unserem Gesundheitssystem getan hat.

1. Wir haben wieder eine Gesundheitsreform

Bereits zu Jahresbeginn schwärmte man von einer Finanzierung aus einer Hand (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51579) und setzte Die planlose Planwirtschaft im Gesundheitswesen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=64132) fort, indem sich der Bund Gremium um Gremium erfindet, in denen letztendlich wieder die Länder entscheiden, wofür der Bund zu zahlen hat.
Obwohl es dann kurz vor den Sommerferien angeblich so weit war Hurra, wir haben eine Gesundheitsreform! http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=68260, war zwar noch garnichts beschlossen, das erfolgte in den 15a Vereinbarungen erst knapp vor Jahresende, aber die Ärztekammer realisierte ers im Advent, dass sie nicht mit von der Partie war: Ärzteprotest, why now? http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=82356
Ich bin nicht der Meinung Ihrer Meinungsumfrage http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=83170
Krampus Ärztekammer http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=83257

2. Stell Dir vor, das öffentliche Gesundheitssystem wird privatisiert und keiner merkt’s:

Der Wiener Krankenanstaltenverbund wurde mit einem Art Aufsichtsrat beschenkt, in dem alle Privatisierer, von Ernst&Young bis Köck und Ebener sich genüßlich damit beschäftigen können, welche Teile des Kuchens gewinnbringend sein könnten, damit man sie sich selbst oder für seine Klienten herausschneidet:
Wer macht da den Köck zum Gärtner? http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53877
Gesundheit wird privatisiert: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53958
Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54026
Dr. Ebner, der „objektive Krake“ im Gesundheitssystem http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=84352
Auch in den anderen Bundesländern läuft es ähnlich, nur interessiert es keinen.
Warum wir die Medizin nicht Ökonomen überlassen dürfen, auch wenn es schon zu spät ist http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=72332
Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse? http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=57144

Für alle, die es noch immer nicht begriffen haben: Schwarze Zahlen im Gesundheitssystem http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=75845

Da bleibt dann nur mehr der Schritt zu Privaten oder den Online-Angeboten:

Klassenkampf in den Ordinationen
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=57513
DocCheck:Einmal buchen – zweimal absahnen http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=74915
Online Praxen, dort hat Ihr Arzt noch Zeit für Sie http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56206
Frag den Professor – er wartet nur auf Dich – Großes Kino oder medizinische Peepshow? http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=79095

3. Wenn sich jemand im Gesundheitssystem auskennt, dann hilft es, wenn er von der Medizin keine Ahnung hat.

In der ersten Reihe stehen Gesundheitsökonomen und –Berater, gleich danach kommen die Bundes– und Landespolitiker, wenn entschieden werden soll, wie man Medizin richtig und effizient zu veranstalten hat. Jahrzehntelange Erfahrung am Krankenbett, in der Ordination oder in der Ambulanz verstellen den klaren Blick. Was dem Arzt noch bleibt, ist die Freude darüber, dass sein Tun und Handeln immer mehr von der Begriffswelt der Ökonomen und vor allem der EDV geprägt wird.
VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient. http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58077
Männchen oder Weibchen? An alle ELGA Fans http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58118
Med 2.0 http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=62041
Risikofaktor Medizinische Informatik http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=80056
über alles was uns krank macht http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=81093

Also freuen wir uns auf weitere Reformen im Gesundheitssystem,
erfrischende EDV-Bugs, die nicht nur – wie auf diesem Blog vorausgesehen-einem KAV-Gen.Direktor Stv. das berufliche sondern auch so manchem Akutpatienten sein Ableben bringen werden und
eine Medizinuniversität in jedem Landeskaff (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=70488).

Warum wir uns darauf FREUEN sollen?
Lachen ist doch angeblich GESUND?!?!

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