Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Macht

Terror Macht Ohnmacht

with 2 comments


draht

Wer schon in den 70ern aufgewachsen ist, für den war schon damals der Terrorismus ein ständiger Begleiter.

Natürlich starben schon damals mehr Menschen an den Folgen von Über- und Unterernährung, Krebs, Arbeits- und Verkehrsunfällen als an den Anschlägen von IRA, Brigada rossa et al., jedoch gab es einen wesentlichen Unterschied zum Terror unserer Tage.

So politisch kontraproduktiv und unmenschlich, psychisch krank und sinnlos viele der damaligen Anschläge waren, richteten sie sich meist gegen Repräsentanten oder Beschützer der Macht. Wenn sich heute irgenwelche politisch oder religiös Indokrinierte in Fetzen sprengen, selbsternannte Heilskundige bis sie im Kugelhagel selbst sterben  ihre LKWs durch die Menschenmengen lenken oder aus noch unbekannten Beweggründen Adventmärkte plattwalzen, dann mordet der ohnmächtige Zorn die Ohnmächtigen.

Der islamistische Terror ermordet Muslime, die Unterschichtler teilen ihre Gräber mit ihresgleichen, die Mächtigen haben den öffentlichen Raum nicht notwendig, sie sind kaum gefährdet.

Seit der gesellschaftliche Diskurs durch religiösen und politischen Fanatismus ersetzt wurde, ist er zum stabilisierendsten Faktor für die Macht geworden.

In den USA wurde der Kampf gegen den Terror zur kapitalistischen Erfolgsformel und führte zu Großkonzernen (z.B. Blackwater).

Der heutige Terrorismus hinterfragt nicht einmal mehr die Machtstrukturen an sich, sondern möchte nur mehr die Mächtigen austauschen. Damit ist er nicht politisch sondern in seinem Kern Religion und antiaufklärerisch.

Am Ende aller Religionskämpfe steht wieder eine Kirche, halt mit anderen Idolen.

Vielleicht rächt es sich, dass wir seit Jahrzehnten politische Ideologien negieren bzw. medial unterdrücken, weil sie angeblich überholt wären, in Wirklichkeit weil man sich ihren Argumenten so einfach entziehen will. Wir bekamen die ungelösten Probleme als fundamentalistisch religiöses Zerrbild zurück.
Wenn sich die Macht durch diesen Terror gegen die Ohnmächtigen immunisieren wollten, wäre das die genialste Strategie seit der Gegenreformation.

Written by medicus58

20. Dezember 2016 at 17:48

Die andere Weihnachtsgeschichte

leave a comment »


Rom

Dass der Mensch um den astronomischen Höhepunkt der kalten, dunklen Jahreszeit herum das dringliche Bedürfnis nach Wärme und Freude empfindet, verwundert vermutlich ebenso wenig wie die Erkenntnis der Manipulierbarkeit der Bedürftigen.

Die Geschichte lehrt uns, dass sich stets die Mächtigen dieses Versprechens der Bedürfnisbefriedigung bedienten um ihre Macht zu sichern, wobei das Erfüllungsversprechen mindestens ebenso wichtig ist, wie das letztendliche Fehlen der Bedürfnisbefriedigung.

Der ausreichend bezahlte Krieger verlässt das Schlachtfeld,
der Glückliche verlangt nicht nach mehr,
der Erhörte verlangt nicht nach dem Wort.

Auf diesen Felsen lässt sich keine Kirche bauen,
damit lassen sich die Menschen nicht mehr einspannen,
da rollt kein Rubel mehr.

Seit Jahrtausenden war es für die an der Macht Befindlichen hilfreich, sich mit dem Ultimativen, dem Göttlichen zu verbinden, um allzu vorwitziges Hinterfragen der Berechtigung ihrer Rolle zu unterbinden. Religiöse Feste festigten dadurch ihren Machtanspruch so dass es letztendlich egal wurde, wem man zu einem bestimmten Datum eigentlich huldigte:

Ob es nun Aion war den zu dieser Zeit eine Jungfrau (Kore) geboren haben soll,
ob das Julfest zu feiern geboten wurde oder zu Chanukka der Version 2.0 des Tempels zu gedenken angesagt war, der Zeitpunkt schien für viele Religionen zwingend und alle Erwartungen, Anstrengungen und Vorbereitungen konnten darauf fokussiert werden;
natürlich unter der Regie der jeweils Mächtigen und alle „hatten sich in den Dienst der guten Sache zu stellen“.

Wenn wir uns heute fragen, weshalb zwar der scheinbar unhinterfragte Glaube an all die Sagen und Erzählungen geschwunden ist, nicht jedoch die Intensität der Erwartungen, Anstrengungen und Vorbereitungen, dann verrät uns dies erneut, dass es bei Weihnachten nicht so sehr um das Krippen- als um das Machtspiel geht.
Ich bezweifle,
dass uns die Angst vor dem drohenden „Fegefeuer“ oder vor „ew’ger Verdammnis“ die Regale abräumen lässt.
Wir beschäftigen nicht Heerscharen von Amazon-Verpackern aus Verehrung oder gar Liebe zu unserer Regierung, ganz sicher nicht!
Die Macht, die uns antreibt ist unser ungestilltes Bedürfnis nach etwas und das verhängnisvolle Versprechen der Märkte, die die individuellen politischen Machthaber inzwischen abgelöst haben, zu befriedigen. Und wie schon zu früheren Zeiten „stellen sich alle in den Dienst der Sache“:

Die Aufgabe eines öffentlichen Rundfunk wäre es nicht unsere Erwartung seit Wochen durch Gewinnspiele („Wir übernehmen Ihre Weihnachtsrechnung“) in Kauflaune zu putschen.

Die Aufgabe öffentlicher Schulen kann es nicht sein, zu vorweihnachtlichen „Engerl/Bengerl“ Geschenkspielen zu animieren, damit die ökonomischen Unterschiede der Schüler deutlich werden.
Das Reinvestbudget der öffentlichen Spitäler schrammt an der Null, aber der jährliche Weihnachtsbaum (wenn schon nicht das Gans’l) „wor jedes Joahr do, hob i zu dem Richter g’sagt“.

Das elektronische Postfach verstopft durch Weihnachts-Mails in GB-Größe von schon längst verschwundenen Geschäftspartner, deren EDV es offenkundig verabsäumt hat Outlook ein Update der aktuellen Geschäftsbeziehungen mitzuteilen, erhöht weniger die Besinnlichkeit als den Adrenalinspiegel.

All das gehorcht offensichtlich einem höheren Plan, der sich kaum aus schizoiden Erleuchtungen jüdischer Zeltmacher, zufällig aufgefundenen orientalischen Schriftrollen oder der Gewissheit eines jungfräulichen Überangebots nach persönlichem Absalutieren aus den Heiligen Kriegen dieser Welt erschließt.

Nach ein paar Weihchnachtsfesten sollte auch dem Verblendetsten klar geworden sein, dass die angeblich glücklich strahlenden Kinderaugen verlässlich erlöschen, wenn nicht die richtige Version des I-Phones unter der Nordmannstanne liegt.
Die Erkenntnis allgemeiner Entfremdung sollte spätestens beim Anblick der Themenverfehlung in den Weihnachtspakerl reifen, wenn entweder erneut geschenkt wird, was bereits voriges Jahr wenig Freude ausgelöst hat oder der Buch- oder Musiktitel aufdeckt, dass der Beschenker sich über die Bedürfnisse des Beschenkten offenkundigst falsche Vorstellungen macht.
Irgendwann hat sich die Leber durch die Unmengen an betrieblicher Weihnachtsfeiern gearbeitet und die verbliebenen Neuronen aus ihrem Alkoholbad geschaufelt, so dass die Erkenntnis unvermeidlich sein wird, dass es auch heuer, bei allem „aber schön war es doch“, nicht annähernd zu dem gereicht hat, was aus allen Kanälen versprochen wurde.
Es zeigt sich nur erneut, dass es für Massenphänomene ausreichend ist, wenn Bedürfnisse und Versprechen groß genug sind und irgendwer dabei gewinnt, „dann stellen wir uns alle in den Dienst der guten Sache.“.
Waren es früher die den Göttern gleichgestellten Herrscher, ist es heute der Zwischenhandel.

In diesem Sinne, Silvester kommt bestimmt.

 

Links:

Noch eine Weihnachtslegende:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33336

Vor einem Jahr ein Geburtstagsfest:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=49416

Was Besinnliches:
http://www.youtube.com/watch?v=b1qb-p05EBM

Der Aufklärung bricht das E weg …

leave a comment »


Heute wurde mitgeteilt, dass ab sofort, auch die Encyclopedia Britannica nicht mehr im Druck erscheinen wird.
Die Druckausgabe des „Brockhaus“ wurde schon 2008 offiziell eingestellt.
Das heißt, wer zukünftig den Strom abdreht, kappt damit auch den Zugang zu jeder Information.

ENERGIE=WISSEN=MACHT
http://money.cnn.com/2012/03/13/technology/encyclopedia-britannica-books/

Written by medicus58

14. März 2012 at 09:36

%d Bloggern gefällt das: