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Wenn man dieses Land mit einem Wort beschreiben sollte, wäre es Ludwig

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Liebhaber von  Douglas Adams Romanserie Per Anhalter durch die Galaxie wissen, dass man die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ am besten mit 42 beantwortet.
Wollte man die politischen Entscheidungen in Österreich mit einem Wort beschrieben wollen, dann wäre es LUDWIG.

Ein außerordentlicher Parteitag der Wiener SPÖ wählte den Wiener Wohnbaustadtrat Michael LUDWIG zum neuen Vorsitzenden und (Wahlen sind überbewertet einer Parteiendemokratie) Wiener Bürgermeister, vielleicht auch weil er keine bessere Wahl hatte.
Er folgte dem in Niederösterreich geborenen Michael Häupl, der Wien länger als alle anderen, außer einem gewissen Josef Georg Hörl einem Stadtdiener unter Maria Theresia, dominierte.
Michael LUDWIG ernannte sich schon vor Monaten zum logischen Nachfolger (was gemeinhin als schwerer politischer Fehler gilt) und wurde es trotz aller Anfeindungen und gegen den kaum verhohlenen Willen seines Vorgängers.
Schrecklich nett, wie ihn nicht nur die OÖN bezeichnen, keine groben Fehler, wie eben sein Vorbild und Vorgänger als Wohnbaustadtrat Werner Faymann.
Gut mit dem Boulevard, die Nase im politischen Wind, nie dagegen, um zum Schluss eigentlich logisch zu scheinen.

LUDWIG, hat auch in Niederösterreich einen politischen Klang. Siegfried LUDWIG (1926-2013) war dort zwischen 1981 und 1992 Landeshauptmann und trat dann urplötzlich zurück, eigentlich am Höhepunkt seiner Karriere,
nach dem Spatenstich für eine eigene Landeshauptstadt in St. Pölten. Eine eventuelle Mitschuld am WBO-Skandal konnte nie überprüft werden, da die ÖVP NÖ eine Untersuchung ablehnte. Manche geben als Grund den schwindenden Einfluss der ÖVP NÖ an, was sie Karriere seines Nachfolgers (und vormaligen Stellvertreter) Erwin Pröll (LH 1992-2017) eigentlich ad absurdum führte. Sogar als vor seiner letzten Wiederwahl der nächste Wohnbauskandal platzte, was die Presse so nett als niederösterreichischen Wohnbaugeld-Voodoo bezeichnete, erreichte Pröll bei der niederösterreichischen Landtagswahl 2013 die absolute Mehrheit mit 50,79 Prozent der abgegebenen Stimmen! Aber auch er trat, zwischenzeitlich als Bundespräsidentschaftskandidat ohne Vorankündigung zurück als über Weinköniginnen und Stiftungen diskutiert wurde, um seiner Nachfolgerin und Stv. Landeshauptfrau Mikl-Leitner einen von vielen unerwarteten Erhalt der absoluten Mehrheit zu ermöglichen.
Die Mehrheit der „Politexperten“ wissen nun auch, dass der kurz vor der Wahl vom Falter ausgelöste Skandal um antisemitische Lieder in der Burschenschaft des FPÖ Kandidaten Landbauer ohne wesentlichen Einfluss auf die Wahl blieb.

Kommen wir zu den Schlussfolgerungen:
1.) Politische und moralische Skandale beeinflussen den österreichischen Wähler wenig.
2.) Es gewinnen meisten Leute, die seit Jahrzehnten im System etabliert sind und an ihren Seilschaften weben.
3.) Der Ruf nach „Veränderung“ führt in diesem Land fast immer zu „Watzlawicks „More of the same„.
4.) Mitgliedschaften in „Verbindungen“ sind notwendig um Karriere zu machen:

 

LUDWIG S. war Mitglied in mehreren Verbindungen des MKV (KÖStV Aggstein St.Pölten, KÖMV Nibelungia St. Pölten u. a.) und des ÖCV (KÖStV Austria, KÖAV Floriana u. a.).
PRÖLL ist Ehrenmitglied der Ö.k.a.V. Rhaeto-Danubia Wien, der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria Wien, der K.Ö.A.V. Floriana St. Pölten im Österreichischen Cartellverband (ÖCV) und bei der K.Ö.Agr.St.V. Bergland zu Wieselburg im Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV). Außerdem ist er Mitglied der Rotarier.
MIKL-LEITNER ist Mitglied der Studentenverbindung KÖMMV Babenberg Klosterneuburg
HÄUPL M. war Mitglied und Sprecher der schlagenden Schülerverbindung Jungmannschaft Kremser Mittelschüler Rugia Krems, danach jedoch beim VSStÖ
LUDWIG
 M. bekam scheinbar ungefragt und überraschend schon vor dem Parteitag die Unterstützung der sozialistischen Gewerkschafter

5.) Wir bleiben ein Land der Sekretäre und Nachfolger
6.) Wien und Niederösterreich können als Kernland der Österreichischen Seele bezeichnet werden, unterscheidet sich weniger als die glauben und der Rest ist quantitativ zu vernachlässigen …
7.) Der Name LUDWIG leitet sich von althochdeutsch hlud = ‚berühmt‘ und wig = ‚Kampf, Krieg‘ ab, in Österreich steht er hingegen für das berühmte Beharrungsvermögen, das auch den Träger überdauert.

Oder mit anderen Worten: 42

 

Written by medicus58

28. Januar 2018 at 22:03

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