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Es gibt heute Schlimmeres, aber es ist schlimm genug

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In der Innenstadt oder in BoBo-City werden den Lockdown genug Restaurants überleben, es gibt genug. Am Stadtrand gibt es zwar beruhigend viele  Kebab-Schnitzl-Pizza-Buden oder Eat-as-much-as-you-can All-Asia-Futtertröge, aber klassische Speiselokale sind da schon sehr selten geworden.

Der Lahodny im 22. ist so ein Lokal gewesen, auch wenn der Begriff gutbürgerlich angesichts wild tätowierter Bedienung und der trotz netter Weinkarte gern bestellten Krügerln als lokale Spielart des Bürgerlichen anzusprechen war.

So spottbillig war der Lahodny auch nicht, aber angesichts der gebotenen Qualität wurde er gerne besucht. So einen butterweichen Zwiebelrostbraten mit krispen Zwieberln servierten auch so manch bekannterer Speisetempel in der Innenstadt nicht täglich. Auch bei den wechselnden saisonalen Spezialitäten konnte man wenig falsch machen. Bis zuletzt versuchte man es noch mit take away Menüs, jetzt ist es wohl endgültig aus.

Als ich im Lockdown vor Weihnachten beim Lieblings-Griechen ums Eck wieder was zum Abholen bestellen wollte, war er nur mehr am Privathandy zu erreichen. Er entschuldigte sich hörbar betroffen dafür, dass er nun gänzlich zugesperrt hat, aber der Take away hat einfach zu wenig gebracht. Keine Ahnung ob er noch aufsperren wird.

Beim deutschen Nachbarn ist dieses Restaurant-Sterben längst schon in den Medien angekommen.

Der Viktualien-Markt, mit dem München in der ganzen Welt geworben hat, liegt im Sterben hieß es in einen Interview im letzten November.

Die Suppenfabrik zählte im April zu den ersten Corona-Opfern in Dortmund. hieß es im Dezember unter der Überschrift: Das große Corona-Aus: Diese Gastro-Betriebe und Läden sind schon dicht

Klar ist das Sterben von Menschen tragischer als das Sterben von gastronomischen Einrichtungen, aber durch die sinnlose Lockdownerei kleiner Familienrestaurants dürfen wir uns jetzt schon darauf freuen das Ende der Pandemie entweder in anonymen Fressketten feiern zu dürfen oder daheim in der frohen Erwartung lauwarmer Pizzen, die uns die Neuzeitlichen Radl-Kulis aus uns unbekannten Kellerlokalen vorbei bringen.

Die, die dann die Gewinne einstreifen kommen nicht mehr an unseren Tisch und fragen, ob eh alles passt. Bei jedem 10. Schnitzl mit Industriefritten ist zwar eine Gratis-Cola dabei, nur kommt niemand mehr mit verschmitztem Lächeln vorbei, um uns noch auf einen Ouzo aufs Haus einzuladen oder auf einen kleinen Nachtisch, weil er stolz ist, dass der grad heute so gut gelungen ist.

Vielleicht folgt das aber ohnehin einem höheten Plan. Das Sterben kleiner, personalintensiv arbeitender Betriebe steigert ja nur die ohnehin schon  generierten Arbeitslosenheere, die sich aber derartige Lokale längst nicht mehr leisten können. So stehen dann einfach noch mehr Rad-Kuriere bereitstehen, die für noch weniger Geld noch billigeres Futter ausfahren können. Die verbliebenen Kunden kennen weder ihre Kulis noch die Produzenten ihres Essens.

Natürlich ist die Ansteckungsgefahr in jeder rammelvollen U-Bahn, jedem Großraumbüro und jeder Rave-Party höher gewesen, als in kleinen Familienrestaurants, aber wen schert das, wenn Medien und ein Teil des Wählervolks auf Maßnahmen bestehen.

Written by medicus58

5. Januar 2021 at 19:12

Es gibt heute Schlimmeres, aber es ist schlimm genug

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In der Innenstadt oder in BoBo-City werden den Lockdown genug Restaurants überleben, es gibt genug. Am Stadtrand gibt es zwar beruhigend viele  Kebab-Schnitzl-Pizza-Buden oder Eat-as-much-as-you-can All-Asia-Futtertröge, aber klassische Speiselokale sind da schon sehr selten geworden.

Der Lahodny im 22. ist so ein Lokal gewesen, auch wenn der Begriff gutbürgerlich angesichts wild tätowierter Bedienung und der trotz netter Weinkarte gern bestellten Krügerln als lokale Spielart des Bürgerlichen anzusprechen war.

So spottbillig war der Lahodny auch nicht, aber angesichts der gebotenen Qualität wurde er gerne besucht. So einen butterweichen Zwiebelrostbraten mit krispen Zwieberln servierten auch so manch bekannterer Speisetempel in der Innenstadt nicht täglich. Auch bei den wechselnden saisonalen Spezialitäten konnte man wenig falsch machen. Bis zuletzt versuchte man es noch mit take away Menüs, jetzt ist es wohl endgültig aus.

Als ich im Lockdown vor Weihnachten beim Lieblings-Griechen ums Eck wieder was zum Abholen bestellen wollte, war er nur mehr am Privathandy zu erreichen. Er entschuldigte sich hörbar betroffen dafür, dass er nun gänzlich zugesperrt hat, aber der Take away hat einfach zu wenig gebracht. Keine Ahnung ob er noch aufsperren wird.

Beim deutschen Nachbarn ist dieses Restaurant-Sterben längst schon in den Medien angekommen.

Der Viktualien-Markt, mit dem München in der ganzen Welt geworben hat, liegt im Sterben hieß es in einen Interview im letzten November.

Die Suppenfabrik zählte im April zu den ersten Corona-Opfern in Dortmund. hieß es im Dezember unter der Überschrift: Das große Corona-Aus: Diese Gastro-Betriebe und Läden sind schon dicht

Klar ist das Sterben von Menschen tragischer als das Sterben von gastronomischen Einrichtungen, aber durch die sinnlose Lockdownerei kleiner Familienrestaurants dürfen wir uns jetzt schon darauf freuen das Ende der Pandemie entweder in anonymen Fressketten feiern zu dürfen oder daheim in der frohen Erwartung lauwarmer Pizzen, die uns die Neuzeitlichen Radl-Kulis aus uns unbekannten Kellerlokalen vorbei bringen.

Die, die dann die Gewinne einstreifen kommen nicht mehr an unseren Tisch und fragen, ob eh alles passt. Bei jedem 10. Schnitzl mit Industriefritten ist zwar eine Gratis-Cola dabei, nur kommt niemand mehr mit verschmitztem Lächeln vorbei, um uns noch auf einen Ouzo aufs Haus einzuladen oder auf einen kleinen Nachtisch, weil er stolz ist, dass der grad heute so gut gelungen ist.

Vielleicht folgt das aber ohnehin einem höheten Plan. Das Sterben kleiner, personalintensiv arbeitender Betriebe steigert ja nur die ohnehin schon  generierten Arbeitslosenheere, die sich aber derartige Lokale längst nicht mehr leisten können. So stehen dann einfach noch mehr Rad-Kuriere bereitstehen, die für noch weniger Geld noch billigeres Futter ausfahren können. Die verbliebenen Kunden kennen weder ihre Kulis noch die Produzenten ihres Essens.

Natürlich ist die Ansteckungsgefahr in jeder rammelvollen U-Bahn, jedem Großraumbüro und jeder Rave-Party höher gewesen, als in kleinen Familienrestaurants, aber wen schert das, wenn Medien und ein Teil des Wählervolks auf Maßnahmen bestehen.

Written by medicus58

5. Januar 2021 at 19:12

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