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DÖW

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DÖW

Der Relaunch der Homepage (http://www.doew.at/) ist ein guter Anlass das
Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes
hier ins Herrgottswinkerl aufzunehmen.

Dazu einige persönliche Bemerkungen: 
Wer sich Anfang der 70er Jahre als Jugendlicher für geschichtlichen Entwicklungen zwischen 1933 und 1945 interessiert hat, stieß häufig auf eine Mauer des Schweigens. Im Gegensatz zu heute war die Anzahl der einschlägigen Bücher auch noch relativ gering. Ich konnte für ein Geschichtsreferat damals gerade Dr.Kurt Zentners Illustrierte Geschichte des Dritten Reiches bekommen, um mich über die Grundlinien der Entwicklung zu informieren. Joachim Fests Wälzer „Hitler“ war zwar ebenfalls gerade erschienen, aber ziemlich trocken und mehr Biografie als Geschichtsunterricht.

Da stieß ich erstmals auf das DÖW im Alten Rathaus in der Wipplingerstrasse. Die Dauerausstellung wäre nach heutigen Gesichtspunkten als extrem altmodisch zu bezeichnen, jedoch vermittelte sie einen guten Eindruck von den Strömungen, die sich damals in Österreich der „Heimkehr ins Reich“ widersetzten.
Überdies konnte ein „Unterstufler“ ganz zwanglos ein Gespräch mit einem Mensch führen, den man heute als Zeitzeuge bezeichnen würde.
Ich wurde ernst genommen, jedoch in keinerster Weise indoktriniert.
Selbstverständlich hielt sich im DÖW die Anzahl der politisch rechts stehenden in sehr engen Grenzen, aber im Vordergrund stand der Zugang zu Informationen.

Ich las dort stundenlang in den Prozessakten der Nürnberger Prozesse, konnte später, als ich Interviews mit ehemaligen KZ-Insassen führte, Dokumente einsehen, die ihre Angaben ergänzten, …. alles natürlich mit den Möglichkeiten eines Minderjährigen, aber ernstgenommen und informiert von den dortigen Mitarbeitern.

Ein nachträgliches Danke dafür, dass ich Jahrzehnte später allen, die meinten, dass man sich damals nicht informieren konnte, qualizifiert widersprechen kann.

Written by medicus58

6. März 2013 at 07:19

hEUte hOErt dEr fAScHinG AuF

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In den SN erfährt man Bemerkenswertes:

Der in Deutschland gebräuchlichere Begriff Karneval leitet sich ab von Fleisch – lateinisch carne – und vale – lateinisch für ade. Das heißt also ’Lebe wohl Fleisch’

Die bei uns gebräuchlichere Bezeichnung Fasching, bezeichnet hingegen einfach den letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit. Na, Prost.

http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/chronik/artikel-welt-chronik/artikel/die-wurzeln-des-verkleidens-4545/

Vienna Online, weiß dafür ganz genau, was wir Wiener so im Fasching treiben: Knapp die Hälfte, nämlich 48% der Bewohner der Bundeshauptstadt, besucht heuer Faschingsfeste, Umzüge, Bälle oder veranstaltet private Partys.Vor allem jüngere Menschen und Personen mit Kindern im Haushalt unternehmen häufig etwas in der Faschingszeit – so eine aktuelle Telefon-Umfrage von Makam, bei der 500 Personen interviewt wurden. http://www.vienna.at/1090/umfrage-so-feiern-die-wiener-den-fasching/3174045

Die Süddeutsche titelt fröhlich „Fasching in Dachau Nüchtern betrachtet“ und schwadroniert weiter: „Es ist Fasching in Dachau und das Blut ist rote Farbe. Diese Schnittwundenoptik ist einer der Trends auf dem diesjährigen Fasching. So wie auch Sträflingskleidung und Bauarbeiteranzüge, …“

So ähnlich wie unlängst mit dem Ball der Oberösterreicher und seinem Plakat über Braunau (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51269) finde ich es bemerkenswert, dass offenbar die Konnotationen zu bestimmten Ortsnamen verloren gegangen sind. Wie auf (http://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/) nachzulesen, diente das KZ Dachau als Modell für alle späteren Konzentrationslager und als „Schule der Gewalt” für die Männer der SS, unter deren Herrschaft es stand. In den zwölf Jahren seines Bestehen waren hier und in zahlreichen Außenlagern über 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. 41.500 wurden ermordet.

Der Trend der „Schnittwundenoptik“ im Dachauer Fasching kommt mir etwas deplaziert vor, aber andererseits ist Dachau halt eine „Große Kreisstadt“ im gleichnamigen oberbayerischen Landkreis und für viele inzwischen kein Synonym mehr, für Konzentrationslager … http://de.wikipedia.org/wiki/Dachau

Man kann sich darüber freuen oder man kann sich darüber wundern … In jedem Fall: Im Gegensatz zum Leben, hört der Fasching nie auf, oder der Karneval.

Written by medicus58

21. Februar 2012 at 16:36

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