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ZDF.kultur.ist.nicht.mehr

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zdfkultur

Die Presse berichtete zwar schon Mitte August (http://diepresse.com/home/kultur/medien/5070080/TVSender-EinsPlus-und-ZDFkultur-werden-eingestellt), dass die beiden öffentlich rechtlichen Kultursender EinsPlus und ZDFkultur eingestellt werden. Die meisten deutschen oder österreichischen Medien schwiegen.

Die Einstellung von ZDFkultur (https://de.wikipedia.org/wiki/ZDFkultur) und das von mir weniger häufig konsumierte EinsPlus (https://de.wikipedia.org/wiki/EinsPlus) wurde von der deutschen Ministerpräsidentenkonferenz (!), dem Gremium der Selbstkoordination der 16 deutschen Bundesländer beschlossen. Möglicherweise kräht den „Zombie Sendern“ (http://www.rp-online.de/panorama/fernsehen/das-ende-eines-zombie-senders-aid-1.6291269) ohnehin niemand nach, denn sie werden ersetzt durch ein „Junges Angebot“ des lang geplanten Jugendkanals von ARD und ZDF, der ab 1. Oktober ausschließlich im Netz an den Start geht. Das neue Format wendet sich vornehmlich an ein Publikum im Alter von 14 bis 29 Jahren, und das scheint offenbar keinen Bedarf an Kultur zu haben ….

Wenn es nur am Geld gelegen wäre, hätte man ZDFkultur einfach nur mehr streamen können, oder sehe ich das zu eng? Hier geht’s offenbar um die verschobene  Zielgruppe.

Übrigens, falls Sie es in der ersten Zeile überlesen haben, bei beiden Einstellungen handelt es sich um Formate von öffentlich-rechtliche Sendeanstalten deren Bestand mit Zwangsgebühren gesichert wird.
Ein bisschen Zwang zur Kultur hätte da m.E. auch nicht geschadet, sonst könnte man ja gleich flächendeckend Adam nach seiner blanken Eva suchen lassen.
Nie hätte ich geglaubt, dass man dem Mateschiz einmal dankbar sein muss, dass er von den Unsummen, die sein Koffeingetränk aus gequetschten Bullen-Eiern abwirft, etwas in sein gar nicht so übles ServusTV steckt;
auch wenn er in Sachen Mitarbeiterrechte noch irgendwo hinter Walt Disney denkt. Bemerkenswerterweise scheint er aber mehr daran interessiert, dass sein Viagra-Ersatz neben Sport auch ein bisschen am Image kultureller Aktivitäten abbekommt, als ARD und ZDF.

Warum ich das hier überhaupt reintippe, ist meine Angst ob der mediale Teilnahmslosigkeit gegenüber der Einstellung der beiden öffentlich-rechtlichen Spartenkanäle und die Furcht,
dass das bei  ARTE (https://de.wikipedia.org/wiki/Arte) auch so sein wird.
Seinen Anteil an 3SAT versucht der ORF ja ohnehin laufend zu verringern.
Werden die Median auch so schweigen, wenn bei uns ORFIII (und OE1) dran sind?

Dann hätte sich endlich der Spruch bewahrheitet, dass man inhaltlich vom TV nix erwarten kann, denn es käme schließlich wie Scheiße in Kanälen daher …..

Oder wie es in „The Wall“ Roger Waters so schön formulierte:

I got elastic bands keepin my shoes on.
Got those swollen hand blues.
Got thirteen channels of shit on the T.V. to choose from.
I’ve got electric light.
And I’ve got second sight.
And amazing powers of observation.
And that is how I know
When I try to get through
On the telephone to you
There’ll be nobody home.

Nachruf: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2845386/Am-30.9.2016-wurde-ZDFkultur-eingestellt#/beitrag/video/2848976/Best-of-Sendersignets

Written by medicus58

2. Oktober 2016 at 14:16

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Zu spät – zu wenig – zu ruhig – Louise Martini

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Martini

Viel zu spät hier im Herrgottswinkerl angekommen,
zu Lebzeiten viel zu wenig beachtet,
zu ruhig inmitten der Lauten.

Am 17.1.2013 verstarb Louise Martini in Wien
(http://de.wikipedia.org/wiki/Louise_Martini), 
erst gestern hörte ich davon und war betroffen.

Louise Martini war eine der Stimmen, die man immer sofort wiedererkannte, obwohl sie so selten zu hören war. Egal ob diese Stimme Kabarettistin, Chansonette, Musicalstar, Schauspielerin war oder im Radio „Mittags Martini“ oder „Martini Cocktail“ servierte.
 
Martini war trotz perfekter Schauspielerei vor allem aber eine herausragende Persönlichkeit, die sich nicht aufdrängte, nicht „seitenblickte“, deren Präsenz als Künstlerin und Frau aber immer spürbar war, egal was sie machten, egal wo sie es machte.. 

Rabl-Stadler Laudatio: „Sex und Hirn schließen auch bei Frauen einander nicht aus“ traf diesen Punkt genau. 

Ich, der seiner Jugend lange Zeit ausschließlich Jazz hörte, verdanke neben Gehard Bronner (Schlager für Fortgeschrittene) auch Louise Martinis Radiosendungen die Erkenntnis, dass auch „Populärmusik“ einen hohen Qualitätslevel erreichen kann.

Louise Martini – Meinem Kind: http://youtu.be/lbYvospQLQU 
Cabaret Cabaret http://www.youtube.com/watch?v=SAVmehgH-xA

Nachrufe:
http://kurier.at/kultur/buehne/louise-martini-unvergessen-als-radiostimme-und-chesterfield-girl/2.627.360 
http://www.zeit.de/kultur/film/2013-01/louise-martini-schauspielerin
http://diepresse.com/home/kultur/news/1333769/Schauspielerin-Louise-Martini-ist-tot 
http://wien.orf.at/news/stories/2567432/
http://www.youtube.com/watch?v=Umi0lZFn9AA

Written by medicus58

24. Januar 2013 at 17:52

Veröffentlicht in Allgemein, Herrgottswinkerl

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Karl Valentin

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Heute ist Walentinstag

damit ist es Zeit, dass auch der Herr Karl ins Herrgottwinkerl kommt.

Dass diese Distel der höheren Sprachverwendung,
mit dem kollektiven Blumenzwang der Konsumindustrie 
und deren Namensgebern
(http://de.wikipedia.org/wiki/Valentinstag
absolut nichts zu tun hat
ist doch Begründung genug. 

Die andere Begründung ist die, dass man im Gegensatz zu meiner Jugend,
heute in den Medien kaum mehr etwas über dieses Münchner Genie findet, 

und sich dessen MUSÄUM http://www.valentin-musaeum.de
zwar wohlfeil für Nicht-Kinder um 2,99 € öffnet 
aber nur zu etwas komplexen Uhrzeiten:
Mo, Di, Do:
11.01 – 17.29 Uhr
Fr, Sa:
11.01 – 17.59 Uhr
So:
10.01 – 17.59 Uhr
Jeden ersten Freitag im Monat Programm und Abendöffnung bis 21.59. 

zugänglich,
aber Mittwochs erbarmungslos geschlossenist.

Das die „Besichtigung, auch bei Regenschein, Tag und Nacht, nur von
außen und kostenlos“ möglich ist, macht diese Umstände nurwenig erträglich.

KARL VALENTIN

Der, dessen Weitblick bereits vor seinem Tode 1948 
seine eigene Homepage im WWW autorisiert hat, 
ehe dessen Vorläufer, das ARPANET 1969 entstandenen ist.

Herzlich willkommen auf der einzig autorisierten Homepage von Karl
Valentin
http://www.karl-valentin.de/

Dem Vordenker der Integration:
Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.

Der der von sich und allem anderen schon das Wesentliche gesagt hat:
„Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“

Der Karl Valentin, der auf sein phonetisches W mit dem Verweis
beharrte, dass es ja auch Vogel und nicht Wogel heissen würde, bzw. man
zur Villa auch „Willa“ und nicht „Filla“ sagen würde, wobei diese ja eigentlich ein kleinen Haus wäre, 
nannte sich auch Wortsteller und nicht Schriftsteller.

Dieser Karl Valentin fasziniert mich, seit dem ich mich vor Jahrzehnten
durch ein Mängelexemplar des „Großen Karl Valentin Buches“ gelacht und
durch so manchen seiner Kurzfilme gestaunt habe.

Gerade letzteres wurde lange übersehen: 
Karl Valentin war in Deutschland einer der ersten, die nicht nur die Breitenwirkung des Mediums Films sondern auch dessen experimentellen Möglichkeiten erkannte.

„Ich weiß gar net, was die Kritiker da alles finden, in meine Sachen- i
will doch bloß, daß die Leut lachen.“ 
konnte da nur Koketterie sein,
denn Valentins penible Arbeit an seinen scheinbar im Augenblick
entstandenen sprachlichen und logischen Labyrinthen sind wohl dokumentiert. 

Hier nimmt er die auf das Clowneske reduzierten Dialoge eines
„Godot“ (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39226) oder quasi die
„Practical jokes“ eines Helmut Q (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44602) vorweg.

Letztere Assoziation zeigt auch, dass das dumpf gemütlich konservative
Umfeld (München, Wien) offenbar einen guten Nährboden für dessen
Gegenteil darstellt.

Also gibt es heute keinen zwingenden Grund, an Karl Valentin zu erinnern, der am 11. Februar 1948, einem Rosenmontag, an einer Lungenentzündung, der Folge einer Erkältung, die er sich zugezogen hatte, als man ihn nach einem Auftritt versehentlich in ungeheizten Räumen eingeschlossen hatte, starb. Seine Unterernährung war so groß, dass andere Quellen davon berichten, dass Valentin, in der Stadt, die ihm einst zugejubelt hat, buchstäblich verhungert ist

„Ich habe meine lieben Münchner und meine Bayern kennengelernt. 
Alle anderen mit Ausnahme der Eskimos und der Indianer haben mehr Interesse an mir gehabt als meine Landsleute.“ 

Also liebe Eskimos und Indianer, gedenken wir eines Mannes, der mit höchster sprachlicher und logischer Fertigkeit den Beweis geführt hat, 
dass man damit, also der Sprache und der Logik, nicht den Eskimos und den Indianern, nicht weiter kommt, wenn man sich ihrer auch noch so behende bedient, was naturgemäß auch für die Eskimos und Indianer gilt, wenn sie logisch sprechen, oder auch nicht. 

Zum Nachlesen:
http://www.karl-valentin.de
http://parapluie.de/archiv/worte/valentin/

Zum Nachschauen:
http://www.karl-valentin.de/werk/kostproben.htm
http://www.youtube.com/watch?v=FQY6C3ad7i0
http://www.youtube.com/watch?v=4gMItpMKV7g
http://www.youtube.com/watch?v=ymBuzNoDCN8

Zum Nachhören:
Wrtlprmft
http://www.youtube.com/watch?v=9-GdyY71oz4
Zeuge Winkler
http://www.youtube.com/watch?v=AMf5fxPDzYI
Transportschwierigkeiten
http://www.youtube.com/watch?v=LgLa1oNmCGg
Der Sprachforscher
http://www.youtube.com/watch?v=xpDDlSXcKHE
Schwieriger Kuhhandel
http://www.youtube.com/watch?v=x3k4v2N93k

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:37

Astor Piazzolla : Tango

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Ich war mir lange Zeit nicht sicher, wie ich diesen Eintrag nennen sollte.

Natürlich ging es mir um den  Tango Argentino  (http://de.wikipedia.org/wiki/Tango_Argentino), dieser musikalischen Melange aus deutschem Schifferklavier, andalusischem Flamenco, verrauchten Pariser Bistros, aus (angeblich) afrikanischer Rhythmik und argentinischen Puffs.
Aber es ging mir im engeren Sinn um das, was Astor Piazzolla 
(http://de.wikipedia.org/wiki/Astor_Piazzolla )  daraus -gegen den anfänglichen Willen seiner Landsleute-gemacht hat: 

Die Partitur so ziemlich jeder Emotion, zu der menschliches und unmenschliches Wesen fähig ist.

Das was andere über den Tango so ganz allgemein sagten, das gilt für die Neuerfindung des Tangos durch Piazzolla in vollem Umfange:

„Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.“
Enrique Santos Discépolo
„Der Tango ist der vertikale Ausdruck eines horizontalen Verlangens.“
George Bernhard Shaw

Piazzolla erinnert mich immer an Gershwin, so unterschiedlich beider musikalischer und künstlerischer Charakter wohl war. Beide pilgerten zu Nada Boulanger nach Paris, um erfahren zu müssen, dass ihre Stärke nicht in der Imitation der klassischen Musiik läge sondern in dem, was sie beide daraus in Verbindung mit ihrem Talent machen könnten. Und beide taten es dann auch.

Selbst kein Kind von Traurigkeit, konnte Piazzolla die ganze Lebensfreude und und den ganzen Lebensfrust in seine Musik packen und schien noch immer mit sich unzufrieden. Ausflüge in den Jazz (einer andere Musikform aus dem Freudenhaus) und Versuche sich doch der klassischen Musik anzunähern, sind dafür Beweis genug. Als er endlich Anerkennung fand, platzte eine Ader in seinem Schädel und an Stelle all seiner Lebenskraft traten 2 Jahre als Krüppel, Leben eben….   

Wer nur einmal hineinhören will, der sollte vielleicht hier beginnen: http://www.youtube.com/watch?v=MDpgHNoWASM 
In ein blutiges Steak beissen (nicht eines, das in wenigen Minuten gegrillt wurde, sondern eines, das seit Stunden, ganz langsam, neben dem Feuer hing), die zweite Flasche Rotwein köpfen und fasziniert das Loch im Netzstrumpf der Tänzerin bewundern … Leben halt .. 

Interviews:
http://www.youtube.com/watch?v=pG0hfPOTXeE (das Bandoneon)
http://www.youtube.com/watch?v=RgsF0DGfhWc (spanisch)

Musik:
http://www.youtube.com/watch?v=ccY5IcwWyV8 
http://www.youtube.com/watch?v=pPHflQeHCyg
http://www.youtube.com/watch?v=g_WyU6tWVfw
http://www.youtube.com/watch?v=1efDrmt7XzU
http://www.youtube.com/watch?v=bbdakZjHTys

Privatvideos, die ich auch nicht kannte:
 http://www.youtube.com/watch?v=Hg78mHHLPOA

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:31

SATCHMO

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Kennengelernt habe ich ihn über die musikalischen Vorlieben meines Vater.
Relevant ist er nicht nur wegen der Eigenständigkeit seines Trompetenspiels und seiner unnachahmliche Stimme …

Ich beginne hier mein Herrgottswinkerl mit ihm, weil er für mich zeigte,
dass man sich trotz aller scheinbaren Anbiederung an den Mainstream eine Persönlichkeit bewahren und echte Qualität bieten kann…

Für viele der Uncle SAM mit den rollenden Augen, war Satchmo auch der, 
der seinen Jazz in die Lokale brachte, in die er selbst nur durch den Hintereingang gelangen konnte …
der am Höhepunkt seiner Popularität Präsident Eisenhower herausforderte, um Afroamerikanischen Kindern den Zutritt zu einer  gemischten Schule in Little Rock zu ermöglichen ..
http://www.jazz.com/music/2009/2/23/louis-armstrong-what-did-i-do-to-be-so-black-and-blue-1955
und der seinen Qualitätsanspruch dadurch rechtfertigte, dass er in jedem seiner Konzerte sein erster Zuhörer wäre.

On the Sunny Side of the Street:
http://www.youtube.com/watch?v=ECYuEEzRWdE

http://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Armstrong
http://www.accessmylibrary.com/coms2/summary_0286-6734623_ITM

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 10:17

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