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Das Rundum-Sorglos Paket der Gesundheitsversorgung

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Wer vergeblich nach einem Arzt in freier Praxis sucht, das gut versteckte PVZ nicht findet und deshalb stundenlang in einer Notambulanz vergammelt, übersieht in seinem Ärger oft, dass es sich hier nicht nur um ein hausgemachtes Problem handelt.

Auch werden die meisten unserer Pflichtversicherten noch wenig Gedanken darauf verschwendet haben, was man unter managed care in der Krankenversicherung versteht.

Ein Blick in die New York Times (5 Artikel/Monat sind gratis) hilft jedoch weiter und erlaubt auch einen beängstigenden Blick in die Zukunft des Gesundheitssystems.

Erstens findet sich selbst im US Gesundheitssystems mit traditionell sehr hohen Arzthonoraren niemand mehr, der dem Klischee des Hausärzte (kennt sich mit allem gut genug aus, um eine Ersttriage zu ermöglichen) entsprechen will oder kann.

Zweitens konkurrenzieren immer mehr private Anbieter die traditionellen Med-Unis in der Ärzte-Produktion.

Zugegeben, bei uns sind es neben den privaten SFU und Red Bull Unis eher die Landeshauptleute die sich im Glanz von Med-Unis sonnen wollen, und in den USA spielen auch die horrenden Studiengebühren und Haftpflichtversicherungen eine wesentliche Rolle, die viele Ärzte bis an ihr Berufsende zur Gewinnmaximierung zwingen, um wieder aus den Schulden ihres Studiums raus zu kommen.

Was uns aber zu denken geben sollte sind zwei vergleichbare Punkte:

Während wir über immer mehr und höhere Studiengebühren diskutieren und das Umschiffen der Aufnahmetests der staatlichen Med-Unis nun schon bei uns fast so viel kostet wie das Studium an renommierten US-Unis, beginnt man im Mutterland des egozentrischen Kapitalismus neben dem gut ausgebauten Stipendiensystem über die kommunale Übernahme von Studiengebühren zu diskutierten.

Daneben scheint aber eine andere Entwicklung die Position des Arztes als Mittler zwischen Patient und Gesundheitssystems zu verändern (Stichwort Freier Beruf):

In den USA, aber auch in anderen Ländern wie z.B. der Schweiz und den Niederlanden entwickeln sich sogenannte Managed Care Modelle der Gesundheitsversorgung, bei denen die Behandlung vom Versicherer nur innerhalb seiner eigenen Versorgungsstrukturen garantiert wird. Ein der größten derartigen Versicherer ist die kalifornische Kaiser Permanente, eine non-profit Organisation die noch immer über mehr als eine halbe Milliarde $ Spielgeld für Investitionen am Kapitalmarkt verfügt.

Das erfolgreiche Geschäftsmodell besteht auch darin, dass Patienten einerseits möglichst lange auf einer kostengünstigen ambulanten Versorgung gehalten werden (was prinzipiell eh OK wäre) aber andererseits auch einen Verzicht auf gerichtliche Klärung von Behandlungsfehlern unterschreiben müssen (was in der Vergangenheit auch schon dazu geführt hat, dass Verfahren bis zum Tode des Versicherten verzögert wurden, weil das der Versicherung billiger kam).

Eben diese Kaiser Permanente hat nun laut NYT angekündigt, die Kosten der Ärzte-Ausbildung zu übernehmen, wenn die frisch gebackenen Doc dann innerhalb ihres Versorgungssystems bleiben.

Ja, auch unsere Landeskaiser wollen für das Studium zahlen, wenn die Absolventen dann im (Bundes-) Land bleiben, aber bei dem US-amerikanischen Weg bildet ein Konzern mit ökonomischen Interessen seine Ärzte selbst aus.

Also irgendwieso, wenn Bayer-Monsanto die Bauern unter Vertrag nimmt, wenn sie ihren gentechnologisch veränderten Samen sähen, aber hoppla, das gibt es eh schon längst.

Link: https://www.nytimes.com/2019/02/19/health/kaiser-medical-school-free-.html#click=https://t.co/T2Ve1DBAF2

PS: hatte mal das Vergnügen einen der Verantwortungsträger von Kaiser persönlich kennen zu lernen, und manches dort ist durchaus überlegenswert: die zahlen zB ihren Fachärzten auch Geld, wenn die den Allgemeinmedizinern telefonischen Rat geben, weil das billiger kommt, als den Patienten herum zu schicken.

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Written by medicus58

24. Februar 2019 at 15:14

Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen

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Können Sie sich vorstellen, zwar im Rahmen Ihrer Rechtsschutzversicherung einen Rechtsanwalts konsultiert zu haben, dieser aber dann von Ihrer Rechtsschutzversicherung kein Honorar überwiesen bekommt und die Sache damit erledigt ist?
OK, nachdem Sie fertig gelacht haben glauben Sie vielleicht zu wissen was Versicherungen und einen freien Beruf ausmacht.
Vermutlich gehen Sie davon aus, dass die Abgeltung der Leistungen, die Sie von Ihrem Arzt erhielten, durch Ihre Pflichtversicherung oder sogar Privatversicherung ebenso eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Das irren Sie aber gewaltig.

Erinnern Sie sich noch an die Debatte um die Wartezeiten auf CT- und MR-Untersuchungen, auch hier gingen die Krankenpflichtversicherungen davon aus, dass sie jedem Institut eine maximale Anzahl von Untersuchungen („Deckel“) abgelten zu können und zusätzliche Untersuchungen im Quartal halt unentgeltlich durchgeführt werden müssen, weil man Patienten ja nicht warten lassen kann.
Die Privaten Krankenversicherungen verweigern seit Jahrzehnten rund 20% (exakte Zahlen sind schwer zu bekommen) der eingereichten Rechnungen und warten darauf, dass in den Schlichtungsstellen, die gemeinsam mit der Ärztekammer betrieben werden der Beweis geführt wird, dass die erbrachte Leistung unumgänglich im Zusammenhang mit dem stationären Aufenthalt erbracht werden musste. (Im Klartext wird darüber gestritten, ob sich der Herzinfarktpatient seinen zufällig jetzt entdeckten Fußpilz nicht auch nach der Entlassung vom Hausarzt behandeln lassen könnte.)

Wer bis jetzt glaubte, dass sowas nur hier bei uns in Bagdad passieren kann, wird augenblicklich auf einem deutschen Ärzteportal eines Besseren belehrt. Ärzte für erbrachte Leistungen nicht zu bezahlen, hat System:

Ich bekam gestern einen Brief der KV- Abrechnungsstelle, in dem mir mitgeteilt wurde, daß sie alle meine DMP-Ziffern „im Wege der sachlich-rechnerischen Richtigstellung“ gestrichen haben. Grund: Angeblich läge keine Dokumentation von der DAVASO Datenstelle vor. Meine Abrechnungsauswertung für 3/2017 kam in einem anderen Umschlag mit gleicher Post, und tatsächlich war keine DMP-Ziffer enthalten. Wer hat so etwas schon erlebt? Was tun?

Ich bin total sauer, weil ich der Meinung bin, daß die KV-Mitarbeiter, welche die Abrechnung bearbeiten, verpflichtet sein sollten, bei der DAVASO und bei mir nachzuhaken, sobald sie merken, daß ein Nachweis fehlt – und nicht einfach kommentarlos streichen und 1/4 Jahr später vor vollendete Tatsachen stellen! Denn jetzt wäre die Frist für eine Nachmeldung an die DAVASO verstrichen (zum Glück habe ich den E-Mail-Versand-Nachweis, daß ich die Dateien ich fristgerecht versendet hatte).

Den Spass hatte ich in leicht modifizierter Form auch schon mal … die Dokumentationen im betreffenden Quartal angelegt, abgerechnet am Anfang des Folgequartals mit aktuellem Tagesdatum.
Die Datenverarbeitungsstelle hat dann sowohl diese als auch die Dokumentationen des Folgequartals automatisiert dem Folgequartal zugeordnet trotz des widersprechenden Erstelldatums.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich damals die schriftlichen Rückmeldungen der Datenverarbeitungsstelle auch nicht lückenlos „Studiert“ habe 🙂
Da ist das fehlende Honorar ja nicht die einzige Misslichkeit, u.U. würden in ungünstigen Konstellationen Patientenauch ausgeschrieben werden etc.
Da offensichtlich ein softwaretechnischer Fehler seitens der Datenverarbeitungsstelle grundlegend war, habe ich trotz anfänglicher „Hartleibigkeit“ der dortigen Angestellten mit zwei oder drei „burschikosen“ Telefonaten das Problem aus der Welt gebracht … das geht aber nur durch konsequenten Einsatz der drei folgenden Strategien:
1. ärztliche Arroganz
2. ärztliche Arroganz und letztlich
3. ärztliche Arroganz!
Eventuell muss man da vorher ein wenig üben … 🙂

Written by medicus58

30. Januar 2018 at 23:33

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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