Sprechstunde

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Stadt Wien/KAV übernahm schon längst die Aufgaben der Krankenkasse, nun zahlen sich auch noch dafür

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Die Ambulanzen der Krankenhäuser sind seit Jahren überfüllt, weil die für die extramurale Versorgung zuständigen Krankenkassen ihren Job nicht machen, die Kassenverträge limitieren, die Tarife lächerlich gering halten und Arbeitsbedingungen so mies machten, dass sich niemand mehr findet unter diesen Bedingungen arbeiten zu wollen, was sich aus Sicht der Krankenversicherungen kostendämpfend auswirkt.

Die permissive Haltung den Wahlärzten gegenüber hat den Kassen noch mehr Geld gespart, das sie maximal 80% der normalen Tarife für eine i.d.R. zeitaufwendigere Leistungserbringung zahlen. Den Rest und mehr zahlen die Versicherten.

Wir sehen, dass in diesem Spiel immer die Pflichtversicherten die Geschädigten sind, entweder als Versicherte, als Selbstzahler oder als Steuerzahler.

Die 22 Millionen Euros, die Anfang Dezember von der Landeszielsteuerungskommission für Investitionen im niedergelassenen Bereich beschlossen worden und laut Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker u.a. in 16 neue medizinische Zentren in der Nähe und zur Entlasstung von Krankenhäusern fließen sollen, ist eigentlich ein alter Hut. So ein Gebäude hat man schon vor das KH Nord gestellt.

Laut Medienberichten werden dies gerade die beiden „Player“ umsetzen, Ärztekammer und Gebietskrankenkasse, die seit Jahren für die unzulängliche extramurale Versorgung verantwortlich sind, umsetzen. Well, done.

Jetzt kräht eh kein Hahn mehr danach, insbesondere wie man die fehlenden Mitarbeiter (Ärzte und Pflege) auftreiben kann, wie sich das mit den bestehenden Tarifen finanzieren lassen soll, wenn die 22 Mille alle sind und vor allem, weshalb das die Krankenhäuser entlasten soll.

Die in diesen Modellen immer angesprochene „enge Zusammenarbeit mit den Spitälern“ lässt Böses ahnen. Und wenn man in Ermangelung rekrutierbaren Personals sich dieses aus den Spitälern besorgen will, so wie im Wiener Rettungswesen, dann kann man den „Wiener Gesundheitsverbund“ 2020 gleich in einem Aufwaschen in Schilda m.b.H. umbenennen.

Vielleicht ist es doch ein größeres Problem, dass die politische Farbe einer Landesregierung meist auch jene der Krankenkasse ist.

Written by medicus58

27. Dezember 2019 at 20:39

Aus 9 mach 10, das musst verstehn .. tückisch-blaues Hexeneinmaleins

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  Man kann zur gestern vorgestellten Jahrhundertreform noch nicht viel sagen, denn weder in der Pressekonferenz noch im ZIB2 Interview hat die Frau Bundesminister wirklich klar gesagt, was nun im Detail kommen wird, außer:

Die einzigen Verlierer wären die Funktionäre:- was wohl nur für die roten (AK, ÖGB, SPÖ) gilt, denn der relative Einfluß der FPÖVP Funktionäre (WK, IV) hat zugenommen. Wer sich (wie ich) freut, dass die Tage der Frau Reischl angezählt sind, muss sich aber (wie ich angstvoll) fragen, ob es unter Mahrer oder Kapsch denn besser wird, so von wegen Transparenz und Solidarität.

Die einzigen Verlierer sind das aber sicher nicht, denn -wie schon früher hier erwähnt – eliminiert die zentrale Verhandlungsposition der neuen Österreichkasse und der Österreichischen Ärztekammer die Macht der Landesärztekammern massiv (wenn das alles so kommt wie angedeutet). Das kehrt das Machtgefüge innerhalb der Ärztekammern total um, wo das Geld bisher eher in den Ländern und nicht in der ÖÄK lag. Da aber letztere gerade „rot (Szekeres) geführt“ wird, könnte es ungewollt wieder zu einem gewissen -vielleicht ungewollten- Machtausgleich zwischen Rot und Schwarz kommen. Spannend wäre auch zu hinterfragen, was die F-en von all dem haben, außer die Entmachtung von Funktionären in Gremien, in denen sie ohnehin wenug Macht haben.

Die Zahl der Gebietskrankenkassen wird de facto von 9 auf 10 erhöht, jedoch bleibt unklar, welche Macht bei den Landeskassen und Landesärztekammern bleibt. So lange aber wesentliche Teile der Gesundheitsversorgung Sache der Länder bleibt und wenn es nicht gelingt erstmals die Zentralplanung des ÖSG als verbindliche Norm (Verordnung) zu etablieren, dann enden wir – wie bei allen bisherigen Reformen im Gesundheitswesen nur bei einer ZUSÄTZLICHEN EBENE.

Das kampfgrinsende Versprechen von Hartinger-Klein, dass eh alles für alle Versicherte besser wird, weil alle einen Zuschuss auf Kontaktlinsen kriegen, die Höhr desselben aber eben Sache der Selbstverwaltung bleibt, lässt Böses vermuten. 

Das Versprechen einer eingesparten Milliarde, die den Versicherten zu Gute kommt erinnert aber ein bisschen an Gitti Ederes 1000 für jeden beim Eu-Beitritt.

Das waren aber damals nur rund 7,5 Milliarden Osis und somit deutlich unter einer Milliarde Euros für Otto Normalverbraucher … andererseits wenn man die Inflation berücksichtigt, schmelzen die Unterschiede wie das Vertrauen in die politische Ehrlichkeit …

Written by medicus58

23. Mai 2018 at 06:37

Griff in die Kasse

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Überlegungen zur tükisch-blauen Kassenreform, die man so nicht im Radio hört.

https://wp.me/p3YvOX-Ui

Written by medicus58

21. Mai 2018 at 10:03

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Krankenversicherungen und der angenähte Blinddarm (Teil I)

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Zuletzt (Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen) haben wir hier das Problem angeschnitten, dass Ärzte den Versicherungen nachlaufen müssen, um an ihr Geld zu kommen. Natürlich ist es auch selbstverständlich, wenn Sie volltrunken ein fremdes Auto schrammen, dass ihre Autohaftpflichtversicherung die Spengler-Rechnung ihres Opfers einmal begleicht und sich gegebenenfalls von Ihnen das Geld zurück holt.
Die Medizin ist da anders. Medizinische Spengler (sry, couldn’t resist) erfahren manchmal erst nach getaner Arbeit, dass sie dafür je nach der Laune der Versicherung kein Entgelt sehen.
Liebhabern des Wiener Kabaretts fällt da sicher die Sauerbruchoperette (Merz, Qualtinger) ein, wo ab 5:20 schon ernstlich überlegt wird, den eben entfernten Blinddarm wieder anzunähen, weil die Krankenkasse sich weigert ein Honorar zu zahlen. Als Prof. Sauerbruch lieber auf sein Honorar verzichtet, als den „bereits in Spiritus eingelegten Blinddarm“ wieder anzunähen, bricht in der Kasse der Jubel aus …
Wir lernen daraus, dass das Problem nicht neu ist und auch schon unsere Ahnen im weißen Kittel und im Kabarett beschäftigte. Morgen geht es dann etwas konkreter um die privaten Zusatzversicherungen, oder wie das so schon heißt in unserer angeblich klassenlosen Gesellschaft: Die Sonderklasse

Written by medicus58

1. Februar 2018 at 17:47

Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber

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Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten!

PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Die kürzlich veröffentlichte Sozialversicherungsstudie bestätigt unseren Weg, die Primärversorgung weiter zu stärken. Nur so können Spitäler entlastet und unser Gesundheitssystem nachhaltig abgesichert werden.“, sagt Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner.

ÄK Präsi Thomas Szekeres *) scheint plötzlich begeistert: „Die Eröffnung des neuen Primärversorgungszentrums in Wien-Donaustadt ist ein großer Schritt Richtung Zukunft und zeigt, wie wichtig die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Sozialversicherung und Stadt ist“.
Aus Wiener Sicht, mag sein Vorschlag schon was für sich haben:
PVE in Zukunft aus bestehenden Gruppenpraxen zu bilden
Die „hausärztliche Verdichtung“ außerhalb von Ballungsräumen führt aber zwingend zu prekärer Versorgung in Randlagen!

Na, und WGKK-Obfrau Reischl hat sogar etwas völlig Unvorhersehbares gelernt:
Die Erfahrungen zeigen, dass längere Ordinationszeiten sehr gut von den PatientInnen angenommen werden“,
so dass man sich doch frägt, weshalb die Krankenkassen in ihren bisherigen Verträgen die bestehenden Ordinationszeiten vereinbart haben!

Es bleibt jetzt auch abzuwarten, ob Frau Reischl die für sie neue Erkenntnis auch im eigenen Reich umsetzt,
weil das WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf glänzt weder in Sachen Patientenzufriedenheit noch mit seinen Öffnungszeiten:

(Screenshot Google)

Keine Rede mehr davon, dass „die schwierige Geburt des Projekts in der Donaustadt“ vielleicht auch mit den höchst eigenartigen Ausschreibungsbedingungen zusammenhing: Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk

Schweigen darüber, dass schon beim ersten PHC in Mariahilf politische Drähte glühten, als medienwirksam gerade eine Gruppenpraxis um Grüne Ärzte und den Kammerfunktionär Dr Mückstein  mit einer schönen Anschubfinanzierung zum Primärversorgungszentrum gewandelt wurde. Welche Spitalsambulanz durch diese Einrichtung, die sich nur wenige Schritte vom WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf befindet, entlasten werden soll, bleibt offen. OK, das Sophienspital in der Nähe wird nun geschlossen, aber wer das Spektrum dieses Hauses kennt, wird wohl kaum ernsthaft annehmen, dass die Schließung auf die Versorgungsleistung der Gruppenpraxis beruht!

Im Jubel um die Erfindung der Primärversorgung in Österreich, geht auch völlig unter, dass der Ansatz uralt ist (WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super), was ja prinzipiell einmal nicht schlecht sein muss, aber dort wo er schon vor Jahren gewählt wurde, die Kosten für den Steuerzahler erhöhte und den Zugang für die Patienten erschwerte (Vor der Wahl: Die feuchten Träume unserer Gesundheitspolitik).

Wie hier schon vor zwei Jahren (!) ausgeführt (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich?), wird aber bis heute nicht öffentlich diskutiert, wie die zusätzlichen Leistungen (Ärzteteam, lange Öffnungszeiten, zusätzlichen Gesundheitsberufe, …) mit den aktuellen Kassenhonoraren finanziert werden können. Initial gibt es ja eine flotte Anschubfinanzierung, aber danach?
Die Presse“ berichtete sogar, dass Reischl allen Gruppenpraxen mit zwei Vertragsärzten eine dritte Stelle sowie eine Umwandlung in eine PVE anbieten will. Das kostet!

Wie immer Holzschnitt-artig (um nicht zu sagen Holzhammer-artig) aber sachlich nicht ganz unrichtig verwies FP Belakowitsch via OTS  darauf, dass „Wenn man für ein Primärversorgungszentrum zwei Jahre Verzögerung einplant, so wie jetzt beim zweiten PHC in Wien, dann wird man in 150 Jahren mit diesem Projekt – 75 PHCs – fertig sein.
Sie irrt aber wenn sie ebenso wie die Ärztekammer das GRUG 2017 (Gesundheitsreformsumsetzungsgesetz 2017) nur als Gefahr für die Hausarztpraxis sieht.
Die „wahre Reform“ liegt nicht (nur) darin, die Hausarztpraxis durch eine Struktur zu ersetzen, in der Kassen kontrollieren, wie und wann der Patient überhaupt Zugang zu seinem Arzt hat …
und nicht nur bis zu einem Telefon-Helpdesk oder zu einer Pflegekraft vordringen kann!

Finanziert, und nun kommen wir zu einem weiteren Kernpunkt der Reform, soll das alles durch die
Elimination der niedergelassenen Fachärzte aus unserem Pflichtversicherungssystem!

Der ökonomische Hintergrund ist klar und wird auch im aktuellsten Jahresbericht der WGKK (aus 2015!) ausgeführt:
Die Durchschnittskosten je Fall liegt beim Allgemeinmediziner bei 45,16 Euro und beim Facharzt für 70,24.

Jetzt wollen wir gar nicht diskutieren,
dass ein Facharzt eine paar Jährchen längere Ausbildung absolviert hat, die vielleicht auch eingepreist werden sollte (Leistung muss sich lohnen!),
dass viele Kontakte beim Allgemeinmediziner ausschließlich zur Rezeptausstellung von Dauermedikamenten erfolgen,
dass Facharztordinationen natürlich i.d.R. einen geringeren Durchsatz als Allgemeinmediziner-Ordis haben,
dass (zumindest in der Theorie) dem Familienarzt die Krankengeschichte seines Patienten bekannt ist und Patientenkontakte in Facharztordinationen häufiger erst- und einmalig auftreten,
dass die apparative Ausstattung vieler Facharztordinationen aufwendiger und teurer ist,
dass die Facharztkontakte seit Einführung der e-card ohnehin schon reglementiert wurden,
dass man also letztlich Birnen mit Äpfeln vergleicht ...

Mir liegt es auch völlig fern, die erbrachte Leistung der beiden Gruppen gegeneinander auszuspielen, dazu kenne ich viel zu viele großartige und inferiore Vertreter in beiden Gruppen, ich möchte auf die banale Denke unserer Gesundheitspolitik hinweisen, wenn sie sich die Zukunft der Patientenversorgung zusammenreimen.

Für jeden Fall, den ich davon abhalte zum Facharzt zu gehen, kann ich mir zwei Allgemeinmediziner leisten.

Reischl verriet bei der Jubel-Pressekonferenz zur Eröffnung des Donaustädter PVs auch (mW erstmals), dass das genau ihr Ansatz ist:

Auch wenn die Zentren der WGKK teurer kämen als eine Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt, seien sie längerfristig dennoch der richtige Weg, weil man dann bei Fachärzten und Ambulanzaufenthalten sparen könne.

Jetzt ist der Kostenbeitrag der WGKK bei den Spitalsambulanzen bekanntlich ohnehin sehr gering, so dass nur das Fachärzte-Einsparen als Geld-bringende Maßnahme überbleibt.

Welcher Trugschluss dieser Milchmädchenrechnung aber zugrunde liegt, zeigt ein Blick in das Jubelarchiv des Hauptverbandes, wo das Ärzteteam des Mariahilfer Primärversorgungszentrums aus der Schule plaudert:

„Für Probleme die wir nicht vor Ort lösen können stehen wir in Kontakt mit einem guten und verlässlichen Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten in der unmittelbaren Umgebung. Dieses Netzwerk, das im Verlauf der vielen Jahren des Wachstums der Praxis entstanden ist, haben wir durch ein verbindliches Zuweisungsregime zu den Fachabteilungen des Gesundheitszentrum Mariahilf der Wiener Gebietskrankenkasse substanziell verstärkt. Mithilfe dieses Netzwerkes können wir in aller Regel rasch die erforderliche Diagnostik und die notwendige Therapie veranlassen.

Wenn die PV-Irgendwase heute funktionieren, dann nur, WEIL sie sich der anderen (noch) existierenden fachärztlichen Strukturen bedienen!

Bemerkenswert ist auch, dass die Homepage weiterhin von einer Gruppenpraxis OG spricht und für „weitere PatientInnen“ ohnehin nicht mehr zugänglich ist:

*) auf seinem Blog gibt sich ÄK Präsi Szekeres etwas weniger euphorisch, fokusiert aber wieder ausschließlich auf die Allgemeinmediziner (Hausärzte):
http://blog.szekeres.at/blog-post/2017/08/31/habemus-phc-2-und-sonst.html 

Pflichtversicherte seid ihr wirklich so dumm?

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Ein Hausmeister für die Steiermark

Im Juli 2012 (!) wurde hier schon über die Aktivitäten von Ebner-Hohenauer Consult (Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw) in der Steiermark im „Downsizing der stationären Gesundheitsversorgung“ berichtet (Es tut sich was, nur was? Spitäler im Um- und Abbau http://wp.me/p1kfuX-lV). Das Bild sollte das angestrebte Konzepts des einen Hausmeisters für die ganze Steiermark illustrieren.

Durch die Brachialaktionen der Wiener Gesundheitsstadträtin Wehsely (Wien 2015: Wählen wir eigentlich Wehsely? http://wp.me/p1kfuX-121) sind die Entwicklungen in den anderen Bundesländern fast aus den Medien.

Nun erinnert uns die Kleine Zeitung wieder daran, dass auch in der Steiermark die
Anzahl der Spitäler drastisch, von 15 auf 7 (10) reduziert wird (mag zum Teil schon berechtigt sein),
den Leuten vorgegaukelt wird, dass eine gleichwertige Erstversorgung in bis zu 90 (!) Versorgungszentren erfolgen kann, obwohl österreichweit seit Jahren sich kaum jemand findet, der dort arbeiten will,
und das alles bis 2035!
http://www.kleinezeitung.at/s/steiermark/4938901/Gesundheitsreform-bis-2035_Warum-maximal-zehn-Spitaeler-ubrig-bleiben?from=suche.intern.portal

Es ist bei den Beteiligten absehbar, dass es sich bei den 7 angepeilten Schwerpunkt-Krankenhäusern letztendlich auch nicht mehr um eine Vollversorgung handeln wird sondern diese weiter nach den aus Wien bekannten Konzepten der einschlägigen Berater zu Potemkinschen Spitälern ausgehöhlt werden (http://wp.me/p1kfuX-n8).
Auffällig nur das Schweigen der Betroffenen, der Pflichtversicherten und Steuerzahler, deren medizinische Versorgung, unter Steigerung der Pflichtbeiträge, schrittweise auf eine „Grundversorgung“ kannibalisiert wird. Irgendwie erinnert das alles an den hochverehrten Kurt Tucholsky und seine Frage an das Publikum:

O hochverehrtes Publikum,
sag mal: Bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?

Ja, dann…
Ja, dann verdienst dus nicht besser

http://www.yolanthe.de/lyrik/tucho02.htm

Written by medicus58

4. März 2016 at 17:16

Wartezeiten, stilles Regulativ im Gesundheitssystem

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Letztes Wochenende hat ein Polizeieinsatz in der Kinderambulanz des Donauspitals wieder vor Augen geführt, worüber sich Patienten wirklich im Gesundheitssystem aufregen, die Wartezeiten.
(Lange Wartezeiten – So lief das Ambulanz-Chaos im Donauspital ab http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/So-lief-das-Ambulanz-Chaos-im-Donauspital-ab;art23652,1255307 

Klar, die Qualität der Diagnose, die Angemessenheit einer Behandlung, die Unterscheidung zwischen Spontanheilung und richtiger Intervention ist für den Patienten nur sehr mittelbar nachvollziehbar. Wenn er aber erlebt mit seinem Problem stundenlang allein gelassen zu werden, dann liegen die Nerven naturgemäß blank.

Seither wird in Presseaussendungen von KAV und Ärztekammer die Schuld Peter hin und her geschoben.
Einerseits unvorhersehbare Grippewelle, andererseits intrauraler Ärztemangel.

Eigentlich verwunderlich, hat sich die Wiener Gebiteskrankenkasse noch 2006 mit der Anzahl „ihrer“ Kassen-Kinderärzten gebrüstet:

WGKK sorgt für österreichweit höchste Dichte an Kinderärzten 
http://www.wgkk.at/portal27/portal/wgkkportal/content/contentWindow?action=2&viewmode=content&contentid=10007.725391

Egal, Wehsely greift 2016 ein und „Wien erhält deutlich mehr Kinderärzte“
http://www.xn--sterreich-z7a.at/wien/Wien-erhaelt-deutlich-mehr-Kinder-Aerzte/222615161

Auch die Ärztekammer setzt ein Zeigen und am Wochenende öffnen plötzlich ein paar Kinderordinationen:

Ärztekammer: Erfolgreiche Wochenendinitiative der Wiener Kinderärzte
Freiwillige Öffnung von Ordinationen an Wochenenden für die Dauer der Grippewelle angelaufen – Knapp 200 kleine Patienten durch den Ärztefunkdienst versorgt

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160207_OTS0005/aerztekammer-erfolgreiche-wochenendinitiative-der-wiener-kinderaerzte

Und die Generaldirektion wusste schon während des Sonntags, dass: Der Andrang in KAV Ambulanzen gesunken ist.
In der Eile hat man sich bei der ersten Version um 14:02 noch mit der Überschrift vertan:
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160207_OTS0028/andrang-in-kav-ambulanzen
aber das wurde gleich korrigiert: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160207_OTS0029/korektur-zu-ots28 

Also alles paletti!

Da gibt es kein prinzipielles Problem, sondern wie immer nur Organisationsfehler bis die politische Führung eingreift, Missverständnisse und außergewöhnliche Umstände, wie eine Grippewelle im Frühjahr.

Der Kurier glaubt sogar noch außergewöhnlichere Umstände in der Flüchtlingskrise zu finden (Überfüllte Spitals-Ambulanzen: Asylwerber werden vorgereiht, damit begleitende Dolmetscher nicht so lange warten müssen. Patienten protestieren http://kurier.at/chronik/ueberfuellte-spitals-ambulanzen-keine-wartezeit-fuer-fluechtlinge/179.443.940) und schrammt knapp am Bodensatz des Boulevards vorbei ….

Aktuell scheint es 70 Kassenvertragsärzte in Wien zu geben (http://wien.orf.at/news/stories/2755950/).
Als 2006 die Wiener Gebietskrankenkasse ihre oben zitierte Jubelmeldung losließ, waren es nach eigenen Angaben um 20 Vertragsärzte mehr! 

Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) hat 90 Kinderärzte unter Vertrag.
Die Kinderarztdichte (Vertragskinderärzte pro Kind unter 15 Jahren) in Wien ist um 76 Prozent höher als der österreichische Durchschnitt.

Neben dem Verschieben der Leistungserbingung zwischen extramural (Ordinationen, Kassenambuklanzen) und intramural (Spitalsambulanzen) mit ihren trotz mehrerer Reformversuche noch immer weitgehend getrennten Finanzierungsströmen und Deckelungen sind Weniger Vertragsärzte und kürzere Ordinationsöffnungszeiten sind die beliebtesten Stellschrauben in der Gesundheitsversorgung, um die Kosten aus dem eigenen Budget zu bekommen.

Nun alle PR Hebel in Gang zu setzen, um den Versicherten einzureden, dass eh wieder alles Leiwand wäre,
ist angesichts von monatelangen Wartezeiten in anderen Bereichen (z.B. Gynäkologen, Neurologen
http://kurier.at/chronik/wien/klamme-krankenkassen-bis-zu-drei-monate-wartezeit-auf-arzt-termin/4.521.965Thyreologen (http://kurier.at/lebensart/gesundheit/schilddruese-sechs-monate-wartezeit-auf-untersuchung/26.982.141), …etc.)

Die Zahl der Kassenordinationen hält mit dem enormen Bevölkerungswachstum Wiens nicht Schritt. Im Gegenteil: Laut Johannes Steinhart von der Ärztekammer gebe es heute rund 100 Kassenstellen weniger als im Jahr 2000. Manche der offenen Stellen lassen sich kaum noch besetzen. http://kurier.at/chronik/wien/gesundheitssystem-vor-haertetest/179.272.220

Aber Wien soll weiter wachsen (Zur Quadratur des Kreißsaals http://wp.me/p1kfuX-147). In der Gesundeheitsversorgung werden ohne Wartezeiten als stillschweigende Kostenbremse eingesetzt.
Auf der Strecke bleiben dabei aber zwei:
Patienten und Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitswesens.

Written by medicus58

8. Februar 2016 at 06:35

Happig, diese Hapos, net?

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Apotheke

Jeder Teen, was sage ich, jedes Kindergartenkind weiß, dass man erst dazu gehört, wenn man die Codes des Milieus versteht.
Nicht anders ist es im Gesundheitswesen. ÖSG, PHC, ELGA haben wir hier schon so oft im Text erwähnt, dass es gleichsam „Kredite nach Athen tragen“ bedeuten würde, sich mit ihrer Verwendung noch als Insider outen zu wollen.

Wer aber weiß, was eine Hapo ist, der möge sich gleich zum Ärztekammerpräsident wählen lassen.

ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger fordere eine Regelung, die den Bestand der Hapos sichert.

Bei der Existenzgrundlage vieler ärztlichen Praxen in Randlagen, die unser Präsident hier sichern möchte, handelt es sich um die Hausapotheke,
also das Recht der praktischen Ärzte verordnete Medikamente auch gleich selbst ausgeben zu dürfen, wenn sich in der näheren Umgebung keine Apotheke befindet.
(Das Gute kommt aus der Apotheke ….  http://wp.me/p1kfuX-MA )

So problematisch dieses Prinzip natürlich ist, wer wird bei einer banalen Erkältung neben Tee und Wärmeflasche nicht auch noch etwas Schleimlösendes rezeptieren, wenn das das Einkommen positiv beeinflusst, so komplex wird es z.B. in Schwadorf (NÖ), wo sich die neue Apothekerin weigert, einen Antrag auf Schließung der Hapo der dort ansässigen Allgemeinmedizinerin zu stellen, weil ohne Arzt in ihrer Umgebung auch ein Teil ihrer Einnahmen wegfallen würde.

Der Kurier berichtet (http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/pharmazeutin-will-dass-die-hausapotheke-erhalten-bleibt/172.023.192) in diesem Artikel aber über eine vergleichbare Situation in Altlengbach, wo durch die baldige Eröffnung einer Apotheke und den konsekutiven Wegfall der Hapo befürchtet wird, dass sich niemand mehr für den einzige Hausarztposten bewerben wird.

Eine Frage möchte ich aber noch an das Milieu stellen:

Wieso kann eine Apotheke in einem Einzugsgebiet eines einzigen Hausarztes offenbar ökonomisch überleben, wenn es für den Arzt nicht reicht?

Da es hier keine Preise zu gewinnen gibt, darf ich meine Antwort gleich dazu geben:
Ganz offenkundig verdient die Apotheke mit den nicht rezeptierten Waren, die sie trotz Gebietsschutz selbstverständlich zusätzlich anbieten und verkaufen darf, genug, um von früh bis spät offen zu haben. Der Kassenvertragsarzt ist viel stärker (und m.E. zu Recht) in seinem Angebot eingeschränkt und die refundierten Tarife sind einfach zu niedrig.
Nur leider darüber berichtet auch die Presse nicht!

Written by medicus58

29. Dezember 2015 at 16:51

Schelling hat sie nicht vergessen: Krankenkassen die stillen Profiteure der Steuerreform

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Schelling

Über die nach Abgang von Hauptverbandschef Schelling (Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind http://wp.me/p1kfuX-OR) scheinbar plötzlich auftretenden Finanzlöcher der Krankenkassen und wie die Wiener Landespolitik darauf reagiert, haben wir erst kürzlich berichtet (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un).
Im aktuellen Getöse über die heute verkündete Steuerreform
Fünf Milliarden sind kein lächerlicher PR-Gag
(https://derstandard.at/Jetzt/Livebericht/2000012879781/Von-Betonklotz-bis-Durchbruch-Reaktionen-auf-die-Steuerreform),
die als „größte Entlastung der 2. Republik lt. LH Niessl“ verkauft wird, kommt eine, inhaltlich zwar für einen Linken zwar begrüssenswerte, aber letztendlich kaum als Entlastung der unselbstständig Erwerbstätigen zu verkaufende Maßnahme:

Sozialversicherung: Kraft einer „Sonderanpassung der Höchstbeitragsgrundlage“ werden Arbeitnehmer ab 4.650 Euro brutto im Monat künftig 100 Euro mehr zahlen.
http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Kurz-nach-Mitternacht-war-die-Steuer-Reform-fertig/180274786

Laut einer früheren Analyse Der Presse bedeutet das immerhin für 300.000 Bürger in Summe eines dreistelligen Millionenbetrages!
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4668052/Steuerreform_SPOSchwenk-ebnet-Weg

Da auch private Kranken- und Pensionsversicherungen (sowie Schaffung von Wohnraum) nicht mehr als Sonderausgaben gelten (in Summe 200 Millionen lt Standard http://derstandard.at/2000012877962/Steuerreform-SPOe-beruft-fuer-Freitag-Bundesparteivorstand-ein) was letztendlich dieselbe Gruppe betrifft, verbirgt sich in der Steuerreform eine ziemliche Querfinanzierung des Gesundheitssystems.

Schelling hat als Finanzminister „seine Kassen“ nicht vergessen.

Verstehen Sie mich richtig, das Gesundheitssystem kann das Geld gut brauchen und schließlich arbeite ich in dem Bereich, aber
wir wissen nun, wo die Reichensteuer beginnt: Ab einem Bruttoeinkommen von 4.650 €.
Just saying. 

 

Ich zahlen nicht mehr für Ihre Sucht

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torte

Im April 2013 habe ich mich schon über die immer lauter werdenden Aufrufe zur gesundheitlichen Eigenverantwortung unter dem Titel Gesundheit ist Pflicht (http://wp.me/p1kfuX-Cj ) kritisch geäußert.

Aktuell stößt Möbelhändler, Unternehmensberater, ÖVAG Aufsichtsrat und Hauptverbandschef HJ Schelling wieder in dieses Horn.
Nachdem er erst kürztlich im telefonischen Helpdesk (Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind http://wp.me/p1kfuX-OR ) den Stein der Weisen der extramuralen Krankenversorgung gefunden zu haben glaubte, verkündet er im aktuellen Standard (http://derstandard.at/2000004192638/Schelling-Es-wird-von-der-Aerztekammer-viel-Propaganda-betrieben)

„Den Menschen muss ihr Körper genauso wichtig werden wie ihr Auto.

Wenn Sie mit Sommerreifen im Winter fahren, zahlt die Versicherung nichts, bei uns dürfen Sie alles tun.

Inhaltlich ist der ersten Aussage kaum zu widersprechen, jedoch wenn das vom Vize-Chef der Österreichischen Wirtschaftskammer (ja, den Job hat er auch noch) kommt, beschleicht mich bei der zweiten Aussage der Verdacht, dass es ihm letztendlich um Strafzahlungen (pardon  Prämienerhöhungen) bei Zuwiderhandeln geht.

Klar kann man argumentieren, weshalb die Allgemeinheit, eh nicht die Wirtschaftskammer, dafür zahlen soll, wenn ich mir die Leber hart saufe oder das Lungenkarzinom anrauche, nur sind derarige Überlegungen nur auf den ersten Blick schlüssig.

Für eine neue, sehr effektive aber auch sehr teure Therapie der Hepatitis C verweigern die Krankenkassen bei uns und in Deutschland ( http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-08/hepatitis-medikament-krankenkassen-teuer
http://www.tt.com/lebensart/gesundheit/8645324-91/hepatitis-c-gro%C3%9Fe-hoffnung-auf-heilung.csp) die Kostenübernahme. Steht da neben den hohen Kosten vielleicht im Hintergrund auch die moralische Keule, dass man sich vielleicht nicht angesteckt hätte, hätte man geschützten Verkehr ausgeübt?

Noch mehr sollte unserem Wirtschaftskämmerer zu denken geben, was eine eben publizierte Studie dargestellt hat:

Eine hohe Belastung im Job kann das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlich erhöhen. Das ergab die Auswertung bevölkerungsbasierter Studiendaten durch Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift‚ Psychosomatic Medicine‘ veröffentlicht.

http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/article/24827/index.html

http://journals.lww.com/psychosomaticmedicine/Abstract/publishahead/Job_Strain_as_a_Risk_Factor_for_the_Onset_of_Type.99170.aspx

Was ist mit dem „Burn out“ des vom Arbeitgeber zumindest vorübergehend sehr geschätzten Workaholic?

Sollen die ausgelagerten Programmierer, die scheinselbstständigen Ich-AGs oder die Multipraktikanten die Therapie ihrer Magengeschwüre selbst berappen, weil sie als Ich-AG in die Selbstausbeutung getrieben werden?

Sollen in diesen Fällen die Patienten ein zweites Mal bestraft werden oder übernehmen dann die Arbeitgeber oder besser gleich die Wirtschaftskammer diese Kollateralschäden?

end of irony

Written by medicus58

11. August 2014 at 17:46

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