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Wie sich die Medunis auf Kosten der öffentlichen Spitäler abbürsten

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KPJ

Unter KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ habe ich bereits im September 2013 darauf hingewiesen, dass für das letzte Jahr der studentischen Ausbildung, eben das KlinischPraktischeJahr nicht im Hörsaal sondern einem wirklichen Spital, keinerlei organisatorische Grundlagen geschaffen wurden. Interne Berechnungen haben ergeben, dass das pro Jahr und Student den Spitalsträgern Kosten von 10.000-12.000 € anfallen.

In den Onlineforen wird augenblicklich polemisiert, dass man eigentlich den jungen Studenten noch was zahlen sollte, weil sie doch im Betrieb „mitarbeiten“. Das hat durchaus etwas für sich, wenn man den Vergleich mit „Schwesternschülerinnen“ oder „Lehrbuben“ heranzieht.
Andererseits benötigt dieser Strom an Studenten eine Organisation, also ein Sekretarit, zusätzliche Spinde und Garderoben und zusätzliche Dienstwäsche. Letztlich haben die Medunis ein ausführliches Lehrzielheft erstellt, von dem sie verlangen, dass nach diesem die Studenten ausgebildet werden sollen.
Mit anderen Worten hat man die Lehre, die eigentlich Aufgabe der Universitäten wäre, für ein ganzes Jahr einfach an das ärztliche Personal der Krankenhäuser ausgelagert.
Abgesehen davon, dass man in einer Zeit der überbordenden Qualitätssicherung, wo wir SOPs für Alles und Jedes verlangen, sich nicht darum kümmert, ob denn die Spitalsärzte auch dieerforderlichen didaktischen Fähigkeiten zur Lehre haben, scheint man auch keinen Gedanken daran zu verschwenden, dass die meisten schon jetzt in der Routine ersticken, d.h. selbst bei Wollen und Fähigkeiten zur Lehre, oft nicht die Zeit haben werden, neben Turnusärzten und Assistenzärzten, nun auch die KPJ Studenten anzuleiten.
Die Med-Uni Graz zahlt den steirischen Spitälern übrigens 4500 Euro pro Studierenden im KPJ, die größte Meduni des Landes, die Meduni Wien, will das gratis.
Nachdem der GD-Stv des KAV zuerst auf hart gespielt hat, berichten jetzt die Medien von einem typisch österreichischen Deal, nämlich, dass man heuer ab 1.August einmal loslegt und danach die Finanzverhandlungen führt.

Man glaubt in diesem Land, dass man dem Gesundheitssystem einfach alles aufbürden kann, weil wir uns dort ohnehin nur hochbezahlt langweilen.

Links:

http://derstandard.at/2000001469073/Spitaeler-wollen-Medizin-Praktika-vorfinanzieren
http://derstandard.at/2000001430449/Ausweg-fuer-Medizinpraktika

Written by medicus58

22. Mai 2014 at 19:25

8:1 im Match Wunsch : Realität

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Arzt

Am 4. Juli werden sich 12.600 Bewerber um die 1.560 Studienplätze an den Medizinischen Universitäten Wien, Graz, Innsbruck und (LOL) Linz bewerben.

Das heisst also, dass der Berufswunsch Mediziner zu werden achtmal stärker ist, als der Realitätscheck, der zeigt, dass

den erfolgreichen Bewerbern ein eher chaotisches Studiumbevorsteht (siehe die noch immer fehlenden Vereinbarungen zwischen medizinischer Fakultät über das letzte Studienjahr (http://oe1.orf.at/artikel/375188)

Seit Jahren wird zwischen Kammer und Bundesministerium erfolglos über die Finanzierung der postpromotienelle Berufsausbildung (Stichwort: Lehrpraxis) diskutiert.

Auch dass das Berufsbild des Arztes als  freier Beruf nur mehr auf dem Papier existiert, bzw. zwar die Nachteile weiterbestehen, wir z.B. die Zwangsmitgliedschaft in einer teuren Standesvertretung (Ärztekammer) und einem ebenso teuren wie wenig suffizienten Versicherungssystem (Wohlfahrtsfond), lässt die Bewerber nicht zurückschrecken.

Vielleicht spekulieren sie ohnehin alle damit, sich nach der Ausbildung in das EU Ausland abzusetzen. Jedoch existieren da für viele Fachrichtungen eine Reihe praktischer Hürden. Innerhalb der EU exitieren z.B. 54 verschiedene Fachrichtungen, jedoch nur 18 davon sind in allen Ländern vertreten. Ein habilitierter und wissenschaftlich angesehener Endokrinologe musste z.B. bei seiner Berufung nach Deutschland die Facharztprüfung nachholen.

Letztendlich vollzieht sich – auch für viele Ärzte – weitgehend unbemerkt eine Entwicklung, die eine Reihe von dzt. Ärzten vorbehaltene Tätigkeiten an Pflege oder sogar an Lehrberufe delegiert.

Über die „operierenden Krankenschwestern“ haben wir schon berichtet (Was sich der Stöger hier wieder erlaubt hat … http://wp.me/p1kfuX-GM). Fragen Sie einmal ihren Augen- oder Ohrenarzt, was er davon denkt, dass allabendlich Herr Hartlauer im TV dafür wirbt sich seine Brillen oder Hörgeräte unter Umgehung dieser Fachrichtungen „von seinen Experten“ anpassen zu lassen. Natürlich geht es dau auch ums Geld, aber letztendlich gehen wir alle unseren Berufen nach, weil wir die Miete bezahlen müssen.

Verstehen Sie mich nicht falsch.
Als ich mit dem Medizinstudium begonnen habe, drohten mir mindestens vier Jahre „Taxifahren“, ehe in Wien eine Turnusstelle in Aussicht kam.
Ich bin auch weiterhin der festen Meinung, dass jeder, der sich für einen bestimmten Beruf wirklich interessiert, diesen entgegen aller Unkenrufe anstreben soll.
Über die falschen Unkenrufe zum Thema Ärztemangel, habe ich mich auch hier schon oft aufgeregt (Ärzteschwemme – Ärztemangel, aber geh … alles eine Tochter der Zeit http://wp.me/p1kfuX-Q).

Mich wundert nur, das sich all die – inzwischen auch in den Medien diskutierten – Entwicklungen des Arztberufes so wenige abzuhalten scheinen, sich um die Ausbildungsplätze zu balgen.

Aber vielleicht ist die Antwort viel einfacher.
Erstens ist der Beruf des Arztes einfach bekannt und
zweitens fehlt vielleicht vielen einen anderer Perspektive.

Weitere Links:
Die Diskussion über Ärztemangel nervt http://wp.me/p1kfuX-Bv
Ärztemangel und Dr. Frankenstein http://wp.me/p1kfuX-yt

KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung

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KPJ
Warum sich alljährlich tausende in teuren Paukerkursen aufgecoachte Maturanten um die abgezählten Studienplätze balgen ist mir ja nicht ganz nachvollziehbar, aber auf die die es geschafft haben warten neue Hürden.

Nein, hier ist nicht von den strengen Prüfungen die Rede, die sicher stellen sollen, dass das Jungvolk eine ungefähre Ahnung davon hat, wo den die Organe sitzen, die es einmal „heilen“ soll.

Ich rede davon, dass sich die Verschulung ihres Bildungsweges 
(als Gymnasiasten wussten sie oft auch nicht, nach welchen Regeln ihre Matuzra ablaufen würde) nahtlos ins Studium fortsetzt.

Im aktuellen Curriculum der Medizinunis schließt das Studium nun mit einem KPJ ab:

Im klinisch-praktischen Jahr (KPJ) sollen die Studierenden die in den vorangegangenen 5 Stu-dienjahren erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und ärztlichen Haltungen (professionelles Handeln) vertiefen und unter Anleitung die Befähigung zur postgraduellen Aus- und Weiter-bildung erwerben
.

Entsprechend der heute doch so gern betriebenen Auslagerung der Arbeit unter Beibehaltung der Oberaufsicht (Stichwort: Einscannen statt einwerfen der Banküberweisungen) findet das KPJ nicht an den Universitätskliniken statt, die hätten auch kaum ausreichendes Anschauungsmaterial, sondern soll in den Routinespitälern ablaufen.

Also zu den – insbesondere in Wien – bereits revoltierenden Turnusärzten, die sich als nicht ausreichend ausgebildet fühlen, kommen nun „fast fertige“ Medizinstudenten und erwarten ein Echtzeiterlebnis ihres späteren Berufes.

Woher die personellen und fachlichen Ressourcen kommen sollen, Lehre benötigt mehr als nur fachliche Kompetenz, ist unklar. Klar ist nur, dass der „Zauber“ nächsten Sommer beginnen soll, nur existieren bis heute keine Verträge mit den Spitaklserhaltern.

Egal, irgendwo und irgendwie werden es die Studenten schon schaffen ihre Tertiale („Innere Medizin“, „chirurgische und perioperative Fächer“ „Wahlfächer“) zu absolvieren. 
Dass das vielleicht nicht ganz so glatt geht, scheinen auch die Planer zu befürchten, wenn sie schreibenBei durchgehender Absolvierung der KPJ-Tertiale ist das KPJ Ende Juni / Anfang Juli im 6.Studienjahr abgeschlossen.

Wer aber glaubt, dass der weitere Ausbildungsweg unseres Ärztenachwuchs klarer wird, den muss man enttäuschen. 

Alle (BuMin, Ärztekammer, Medunis, ..) haben sich geeinigt, dass das bisherige Modell:
die meisten beginnen mit der Turnusausbildung zum praktischen Arzt, immer mehr „bleiben dann in einem Fach hängen“ und absolvieren dort die Ausbildung zum Facharzt
geändert werden müsste, nur über das wie herrscht schon seit Jahren Uneinigkeit.

Die neue Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, also die Grundlage für ein Primary Care Management, will heissen der aufgewertete Hausarzt als Drehscheibe, hängt in der Luft , da die Ärztekammer damit eine Transferzahlung an den niedergelassenen Bereich verknüpft, 
d.h. das BuMin soll für ein Jahr „Lehrpraxis“ zahlen, dieses will nur 6 Monate und das fakultativ, weil große Bundesländer zu Recht befürchten, dass die in die Lehrpraxis abgewanderten Jungärzte als Systemerhalter in ihren Spitälern fehlen.
Aber auch die Ausbildung zum Facharzt für den Rest der Medizin (also all die Fächer, die man bisher kannte: Innere, Chirurgie, HNO, …) hängt in der Luft, da Bundesministerium und Ärztekammer die Vorgaben für die neuen Curricula (hier Rasterzeugnisse, also die Auflistungen, was und in welcher Tiefe der Arzt kennen (Kenntnisse), gesehen (Erfahrungen) und auch wirklich tun (Fertigkeiten) können soll) dauern ändert.

Zusammenfassend müssen Medizinstudenten ihr letztes Studienjahr in einem KPJ absolvieren, dessen Durchführung ein Jahr vor Start völlig unklar ist, um dann als Dr. med. nicht zu wissen, wie sie ihre Berufsberechtigung erlangen sollen.

Irgendwie scheint sich das bei den Maturanten noch nicht herumgesprochen zu haben, wenn sich heuer erneut 8.360 Kandidaten um  1.500 Studienplätze bemüht haben. Vielleicht aber doch, weil schließlich 2.300 angemeldete Kandidaten gar nicht erschienen sind.

Written by medicus58

20. September 2013 at 07:49

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