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Konzepte und andere Illusionen

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Ich weiß ja nicht, wie es in Ihrer Arbeitsumgebung vor Covid ausgesehen hat, aber in den letzten zwei Jahrzehnten beschlich mich das Gefühl, dass sich eine ganze Industrie etabliert hat, die ihre Existenzberechtigung daraus zieht, schriftliche Lösungen für mögliche aber noch nicht eingetretene Probleme auszuarbeiten.

Diese Pamphlete werden dann als Risikoanalysen, Sicherheitskonzepte, Krisenkonzepte, Hygienekonzepte, Strahlenschutzkonzepte,… ut sim an das P. T. Publikum verkauft. Ja, verkauft, nicht nur verbreitet, weil es parallel dazu immer gesetzliche Vorgaben gib, dass der weitere Betrieb der Welt ohne diese Papiere gar nicht mehr gestattet werden kann.

Spätestens seit in der Covid-19 Pandemie von jedem Beis’l ein (selbstverständlich) strenges Hygienekonzept von jedem Greißler eine Risikoanalyse verlangt wurde, darf ich davon ausgehen, dass der Konzeptwahn auch in der breiten Bevölkerung angekommen ist.

Entsprechend meiner beruflichen Qualifikation musste ich in der Vergangenheit an so manchem Konzept mitarbeiten und staunte über den Realitätsverlust mit dem hier unschuldiges Papier vernichtet wurde, in dem Szenarien mit Mitteln gelöst wurden, von denen alle am Tisch wußten, dass sie nicht zur Verfügung standen. Da aber ohnehin nur davon ausgegangen wurde, dass das alles nie eintreffen würde, verstummten kritische Stimmen, da die Deadline für die Abgabe des Werks unmittelbar vor der Türe stand, das Konzept spätestens in zwei Jahren ohnehin einer Revision unterzogen wird, oder einfach nicht erwähnt werden dürfte, dass allfällige Daten, personelle, finanzielle oder intellektuelle Ressourcen fehlten.

Ich war zwar daran nie beteiligt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es bei dem Pandemiekonzept vor Corona ähnlich war. Man hatte es zufrieden in der Schublade und das verströmte Sicherheit.

Nach neun Monaten Pandemie und unzähliche Revisionen von Gesetzen und Konzepten, Dutzenden widersprüchlichen Verordnungen später, warte ich auf den ersten, der hinterfragt, ob wir uns den Aufwand, den wir in all diese Schreibtischkonzepte steckten, die sich einerseits als unbrauchbar entpuppten und andererseits von der Politik ohnehin negiert wurden, nicht ganz sparen hätten sollen.

Ob wir einfach zu dumm oder nur zu oberflächlich sind uns auf Katastrophen vorzubereiten ist letztlich egal.

Woran es in der Praxis scheitert, darf ich Ihnen an einem Beispiel aus meinem Umfeld illustrieren:

Selbstverständlich haben wir auch in unserem Spital für alles und jedes Notfallpläne. Als vor 2 Jahren zu kühlende Reagenzien für einige Tausend Euronen dadurch kaputt wurden, dass sich ein Kühlschrank defektbedingt als Backrohr verhalten hat, wurde er durch ein Modell ersetzt, das über das Netzwerk Alarm abgeben kann. Nachdem erneut Reagenzien kaputt gingen, weil der Kühlschrank überhitzt, stellte sich heraus, dass nicht ein Temperaturfühler den Alarm auslöst sondern die Geräte Elektronik.

Mit anderen Worten, im Falle eines Gerätedefektes vertraute man auf das Gerät, dass es seinen eigenen Defekt erkennen und melden sollte. Also irgendwie ein Konzept, bei dem sich der Patient mit Kammerflimmern selbst defibrilliert.

Beruhigend vermerkt aber unsere Risikoanalyse, dass die Kühlschränke für wichtige Medikamente und Reagenzien über das Netzwerk monitiert werden.

Nun legen wir das auf nationale Risikoanalysen und Lösungskonzepte um und hoffen gesund zu bleiben.

Written by medicus58

22. November 2020 at 12:48

Hier ist er, der Corona-Plan für den Herbst

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Während sich unsere Regierungsmitglieder noch für den nächsten Pressekonferenz-Marathon in Form bringen (Kogler hatte offenbar vor dem Sommergespräch seinen Visagistentermin schon hinter sich), aber noch völlig unklar ist, wie wir im zweiten Halbjahr Ampeln, Kindergärten, Schulen, Schnupfen Saison, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise zusammen kriegen sollen, darf ich Ihnen hier schon mein eigenes Konzept präsentieren.

Das Naserl im Fetzerl (für den Insider der Wiener Verkehrsbetriebe) und die Zungenspitze im Wangerl (für den Angliophilen) finden Sie hier gereiht nach Ihrer Wichtigkeit meine Vorschläge :

Wenn die Ampel GRÜN blinkt :

Als Erstmaßnahme zieht sich der gesamte ORF in die Quarantäne zurück und Armin Wolf macht einen Denial of Service Angriff auf die Socialen Medien.

Öffentliche Toiletten sind nur mehr in Schutzkleidung zu betreten.

Kindergärten werden ausnahmslos geschlossen und frei werdende, akademisierte PädagogInnen heben auf 1450 ab.

Wenn die Ampel GELB zeigt:

ORF III wird in SARS CoV2 umbenannt und bringt in Dauerschleife einander widersprechende Expertinnen, Experten und solche unbestimmter sexueller Rolle, die darum würfeln ob superspreadende Kinder nur im Home schooling oder im Präsenzunterricht aktiv werden dürfen.

Eine Verordnung des Gesundheitsminister erhöht den Mindestabstand in Laufhäusern auf 6 Meter.

Schulen bekommen 365 schulautonom zu vergebene Tage an denen der Unterricht schon vor 8 Uhr beendet wird.

Wenn die Ampel ORANGE zeigt:

Die Spitäler werden nur mehr für nachweislich Gesunde geöffnet.

Maskenpflicht für Verfassungsjuristen, vorgeschrieben werden luftdicht Masken, über eine optionale Pause alle 2 Stunden entscheidet noch das Arbeitsgericht.

Gasthäuser dürfen nur mehr Flüssig-breiiges anbieten, das über wiederverwendbare Strohröhrchen aufgenommen werden kann. Bezahlt wird in Bitcoins.

Der Volksgesundheit zu liebe wahlfahrtet das Kleine Walsertal nun zu Kurz auf den Ballhausplatz und nicht umgekehrt.

Anschober wird sich das Problem nun einmal anschauen, Edstadler schaut sich an, ob sich das Anschober auch anschaut und Nehammer veranlasst Massenverhaftungen.

Der ORF verzichtet auf jede Neuproduktion aus Rücksicht auf Budget und wiederholt die schönsten Berichte über Massengräber in New York. Den Schülern werden die gerade verteilten Tablets wieder weggenommen, damit auch jeder ORF Redakteur auf Skype gut rüber kommt.

Wenn die Ampel ROT zeigt:

Wahlen werden verboten. Die Beamten des Gesundheitsministerium werden zu einem verpflichtende Deutschkurs geschickt.

Der Bundeskanzler wird ermächtigt mit Not Verordnungen zu regieren, egal ob er gewählt wird oder nicht. Die Reisewarnung für Weißrussland wird aufgehoben.

Ab 10:00 vormittags wirft Mahrer täglich Geldbündel an bedürftige internationale Berater aus dem Fenster.

Tourismusministerin Köstinger bläst die Massentestungen in der Hotellerie ab ehe sie so richtig begonnen haben, da die Wattestäbchen ausgegangen sind während Bundeskanzler Kurz täglich eine Million Testungen verspricht.

Die Bezirksgrenzen zwischen Meidling und dem Waldviertel werden strittig und die Anwendung des bezirksweisen Ampel Systems ist in Gefahr.

Der VGH sieht Farbenblinde durch das Ampelsystem nicht richtig erfasst und bei der Wien Wahl gelten deshalb alle abgegebenen Stimmen als Türkis.

Written by medicus58

12. August 2020 at 17:32

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