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EILMELDUNG: Die Regierung hat nie konzentriert über Lager nachgedacht

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Kickl hat es wieder geschafft, man rüstet zur Entrüstung!

Die FAZ titelt atemlos
Österreichs Innenminister will Flüchtlinge „konzentriert“ unterbringen,
Vom deutschen Spiegel über die Washington Post und die britische Daily Mail bis hin zur Times of Israel berichteten zahlreiche Medien über den Sager, der viele an die Konzentrationslager der Nazis erinnert, fasst der Kurier zusammen.

Dass Daham-Islam Reimer Kickl weiß was Sprache kann darf angenommen werden, dass er im konkreten Fall nur etwas unkonzentriert war, mag man ihm glauben oder nicht.
Was mich an der Sache ärgert ist die historische Unwissenheit und die reflektorische Instrumentalisierung des sogenannten Guten und die Falle in die wir dabei tappen.

Ad historische Unwissenheit:
Wer den deutschen Wikipedia-Eintrag zu Konzentrationslager liest, erschrickt über die sehr kurz gegriffene Einleitung, als ob diese Form der Internierung eine deutsche Erfindung gewesen wäre:
Der Begriff Konzentrationslager steht seit der Zeit des Nationalsozialismus für die Arbeits- und Vernichtungslager des NS-Regimes.
Die englische Wikipedia ist da unter dem Überbegriff Internment schon viel aufschlussreicher und erinnert an die Internierung von Amerikanischen Ureinwohnern durch die Vereinigten Staaten, die offenbar sogar von Hitler bewundert wurde (Referenz auf der Seite, habe das selbst nicht gewusst!).
Was ich aber schon als Jugendlicher wusste und was eigentlich zum bildungsbürgerlichen Kanon gehören sollte, ist, dass der Begriff erstmals im Zuge der spanischen, US-amerikanischen, britischen und dann deutschen Kolonialkriege aufgekommen ist.

The English term concentration camp was first used in order to refer to the reconcentrados (reconcentration camps) set up by the Spanish military in Cuba during the Ten Years‘ War (1868–78) and the Cuban War for Independence (1895–98), and similar camps set up by the United States during the Philippine–American War (1899–1902).

The term concentration camp saw wider use during the Second Boer War (1899–1902), when the British operated such camps in South Africa for interning Boers. They built 45 tented camps for Boer internees and 64 for black Africans. Of the 28,000 Boer men captured as prisoners of war, the British sent 25,630 overseas. The vast majority of Boers remaining in the local camps were women and children, over 26,000 of whom died there.

Selbstverständlich sollen diese Einrichtungen jetzt nicht eins zu eins mit dem industriellen Genozid der Nationalsozialisten gleichgesetzt werden, aber es handelte sich trotzdem um mehr als reine Ghettos, sie waren Teil eines geplanten Genozids.

Die Erkenntnis, dass auch die anderen keine Engel waren (List of concentration and internment camps), exkulpiert auch nicht von eigener Schuld. Sie könnte jedoch wie in jeder Debatte dazu beitragen, das Gemeine vom Besonderen zu trennen und dabei helfen, wenigstens letzteres zu verhindern. 

Ad reflektorische Instrumentalisierung des sogenannten Guten:
Wie erst kürzlich hier an Hand Einer kurzem Überlegung zum Wiener Neujahrsbaby  ausgeführt, beschleicht mich auch der Verdacht, dass es den Empörten weniger um die Sache als um deren Instrumentalisierung zur Definition ihrer eigenen Position geht.

Das mag ja als „same procedure as last year“ durchgehen, wenn es nicht:

erstens von Wichtigerem ablenkt,
zweitens dem Provokateur nützt und dadurch
drittens wie in einer Seifenoper zwingend in die Dauerschleife führt.

Vielleicht tat man dem Kickl unrecht und sollte seiner Verteidigung Glauben schenken,
er habe mit dieser Formulierung „keinerlei Provokation intendiert“. Er weise das zurück, schon diesen Vorwurf könne man als Provokation werten. Stattdessen könne man auch von Orten sprechen, „wo man Menschen zusammenfasst an einem Raum“.

Wir werden es spätestens dann glauben müssen, wenn er die nächste Regierungsklausur mit einem Konzentrationslager vergleicht.
Der gewiefte Taktiker hat aber sicher eines erreicht, die für die FPÖ unliebsamen Diskussion über den Zugriff auf Vermögen von Arbeitslosen ist vorerst einmal vom Tisch:

Standard 11.1.2018: Das Arbeitslosengeld wird zum Sprengstoff für die FPÖ

Written by medicus58

12. Januar 2018 at 07:13

Veröffentlicht in Allgemein

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hEUte hOErt dEr fAScHinG AuF

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In den SN erfährt man Bemerkenswertes:

Der in Deutschland gebräuchlichere Begriff Karneval leitet sich ab von Fleisch – lateinisch carne – und vale – lateinisch für ade. Das heißt also ’Lebe wohl Fleisch’

Die bei uns gebräuchlichere Bezeichnung Fasching, bezeichnet hingegen einfach den letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit. Na, Prost.

http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/chronik/artikel-welt-chronik/artikel/die-wurzeln-des-verkleidens-4545/

Vienna Online, weiß dafür ganz genau, was wir Wiener so im Fasching treiben: Knapp die Hälfte, nämlich 48% der Bewohner der Bundeshauptstadt, besucht heuer Faschingsfeste, Umzüge, Bälle oder veranstaltet private Partys.Vor allem jüngere Menschen und Personen mit Kindern im Haushalt unternehmen häufig etwas in der Faschingszeit – so eine aktuelle Telefon-Umfrage von Makam, bei der 500 Personen interviewt wurden. http://www.vienna.at/1090/umfrage-so-feiern-die-wiener-den-fasching/3174045

Die Süddeutsche titelt fröhlich „Fasching in Dachau Nüchtern betrachtet“ und schwadroniert weiter: „Es ist Fasching in Dachau und das Blut ist rote Farbe. Diese Schnittwundenoptik ist einer der Trends auf dem diesjährigen Fasching. So wie auch Sträflingskleidung und Bauarbeiteranzüge, …“

So ähnlich wie unlängst mit dem Ball der Oberösterreicher und seinem Plakat über Braunau (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51269) finde ich es bemerkenswert, dass offenbar die Konnotationen zu bestimmten Ortsnamen verloren gegangen sind. Wie auf (http://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/) nachzulesen, diente das KZ Dachau als Modell für alle späteren Konzentrationslager und als „Schule der Gewalt” für die Männer der SS, unter deren Herrschaft es stand. In den zwölf Jahren seines Bestehen waren hier und in zahlreichen Außenlagern über 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. 41.500 wurden ermordet.

Der Trend der „Schnittwundenoptik“ im Dachauer Fasching kommt mir etwas deplaziert vor, aber andererseits ist Dachau halt eine „Große Kreisstadt“ im gleichnamigen oberbayerischen Landkreis und für viele inzwischen kein Synonym mehr, für Konzentrationslager … http://de.wikipedia.org/wiki/Dachau

Man kann sich darüber freuen oder man kann sich darüber wundern … In jedem Fall: Im Gegensatz zum Leben, hört der Fasching nie auf, oder der Karneval.

Written by medicus58

21. Februar 2012 at 16:36

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