Sprechstunde

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Eiffel mal in Chile statt in Paris

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Wer vom zweieffigen  Eiffel spricht, meint weder das eineffige Rheinische Schiefergebirge noch Südamerika sondern das Pariser Wahrzeichen, das untrennbar mit seinem Erbauer Gustave Eiffel(http://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Eiffel) verbunden ist, auch wenn der große Meister anfänglich wenig an sein Projekt glaubte und es den Ingineuren seines Büros überließ (http://de.wikipedia.org/wiki/Eiffelturm). Kaum bekannt ist, dass nach Entwürfen Eiffels Gebäude in der ganzen Welt entstanden, so auch diese Kirche in Arica, Chile, die Catedral de San Marcos. Eigentlich wurde die Kirche1875 für die Stadt Ilo in Peru geplant (andere Quellen sprechen vom Seebad Ancón), aber als eine Flutwelle das damals noch zu Peru gehörende Arica überschwemmte und alle Kirchen zerstörte, hat man die Konstruktion nach Arica verschifft.

Written by medicus58

24. Juni 2014 at 18:26

Was lernen wir aus dem Scheitern der Demokratie?

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Demo

Anfang dieser Woche sind zwei Volksbegehren gescheitert:

Das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien (http://www.kirchen-privilegien.at/) und das Volksbegehren MeinOE-Demokratie jetzt (http://www.demokratie-jetzt.at/das-volksbegehren)  wurden von einer absolutesten Mehrheit der Österreicher, also über 98% der Wahlberechtigten NICHT unterschrieben.

Natürlich gibt es dafür gute Gründe, die z.T. auch bei den Protagonisten hinter den Volksbegehren zu suchen sind, jedoch sehen wir uns das einmal ganz dialektisch an:

Wenn wir davon ausgehen, dass die verfassungsmäßig abgehaltenen Meinungsäußerungen den Willen der Wahlberechtigten reflektieren (ehe Sie nun widersprechen, bedenken Sie dass die Umkehrung dieser Prämisse uns in noch größere Probleme stürzen würde!), dann lässt sich daraus schliessen, dass Österreich 
FÜR Privilegien staatlich anerkannter Religionsgemeinschaften,
GEGEN Demokratie ist UND
sich DAGEGEN ausspricht, die RECHTE der MINDERHEIT, die dafür unterschrieben hat, zu schützen …

Wie immer wenn man zu formal denkt, erscheint einem das Ergebnis auf den ersten Blick absurd, ….

doch ist es das wirklich?

LINK: Im Rückblick-SPIEGEL: Sind es nicht die Demokraten, die die Demokratie gefährden? http://wp.me/p1kfuX-qg

Written by medicus58

25. April 2013 at 19:49

Piraten sind einäugig: Das Werkzeug ersetzt nicht das Ziel

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Die nun auch auf Österreich übergeschwappte Erfolgswelle auf der nun auch die hiesigen „Piratenparteien“ segeln, bringt mich zu einem Thema, das nicht prinzipiell etwas mit Captain Sparrows Nachfahren zu tun hat, aber auch.

Es ist ebenso müßig über ein allfälliges Programm „der Piraten“ zu diskutieren, solange die Heterogenität der einzelnen Proponenten und die Grabenkämpfe der lokalen und überregionalen Parteien noch im Gange sind. So wie die Diskussion bestenfalls belustigen kann, ob den die „Piraterei“ ein demokratischer Betrieb mit Sozialfürsorge war (http://derstandard.at/1334530848859/Tiroler-Piratenpartei-Piratenschiffe-waren-die-ersten-direkt-demokratisch-gefuehrten-Betriebe?).

Ein, offenbar alle „piratesken“ Strömungen kennzeichnendes Merkmal ist der Ruf nach Online-Mitbestimmung der Regierten, wogegen in erster Näherung ja nichts spricht, da ohnehin ein weiter Konsens darüber besteht, dass der Wille zur konstruktiven Mitbeteiligung ein konstituierendes Merkmahl demokratischer Systeme darstellt.

Was mir nur zu denken gibt, dass dzt. viele der gewählte „Piraten“ die Online-Mitbestimmung als wesentlichstes Ziel darstellen, um, … ja was eigentlich zu erreichen? … die Online-Mitbestimmung?

Hier stehen die Piraten eindeutig auf der Seite traditionell linker Strömungen (vielleicht hat Peter Pilz auch deshalb Sympathien für sie http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/749837/Gruene_Peter-Pilz-will-Piraten-ins-Boot-holen? ), wo bisweilen das Werkzeug zur Zielerreichung, „Die Revolution“, fetischhaften Charakter annahm und über das Endziel nach der „Diktatur des Proletariats“ nur mehr sehr vage Aussagen kamen. War hier die „Revolution das Opium der Intellektuellen“ (Lindsay Anderson: O Lucky Man: http://www.flickr.com/photos/stewf/3345506875/ ) scheint mir „Online“ das neue „Aphrodisiakum der Nerds“ zu sein.

Neoliberale und kapitalistische Revolutionen, z.B. der Siegeszug des globalisierten Kapitalismus der letzten 3 Jahrzehnte, haben natürlich auch ihre Fetische (z.B.: „der Markt“), die Unterschiede liegen aber darin, dass diese Revolutionen langsamer und deshalb für viele unbemerkt ablaufen. Zynisch kann man somit sagen, dass sie aus Sicht der Protagonisten intelligenter ablaufen. Ihre Ziele sind naturgemäß auch klarer, da sie quantifizierbare Ziele wie monetären Gewinn und Marktdominanz bevorzugen.

Kehren wir zurück zu unseren Piraten
dann lässt sich eine gewisse Einäugigkeit nicht verleugnen
Da die Augenklappe zur Standardausstattung vieler Piraten gehört, mag dahinter sogar volle Absicht stehen 😉
Im Bestreben bestimmte Werkzeuge des Web 2.0 in die breite Gesellschaft einzuführen, übersehen sie, dass sie hier nur über Werkzeuge sprechen, die für sich genommen einmal kein gesellschaftliches Ziel darstellen.
Neben dem schon angeführten Manko (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56104) dass sich Piraten auf das „Kommunikationsmittel“ Internet verlassen, das sie nicht selbst kontrollieren können und das bekanntlich sehr anfällig für Malversationen jeder Art ist (Spyware, Trojaner, Phishing, Spams, Hoaxe, …) scheint mir auch, dass sie auch dem klassischen „G’schupften Ferdl“ Problem anheim fallen:
„I hob ka Ahnung wo i hin wü, dafür bin i gschwinder durt“

Hier fällt einem Albert Einstein ein, der gesagt haben soll:
„Der Intellekt hat ein scharfes Auge für Methoden und Werkzeuge, aber er ist blind gegen Ziele und Werte.“

Das flächendeckende Roll out aller e-Möglichkeiten des 21.Jahrhunderts ist sicher ein wesentlicher Beitrag, um bestimmte Gruppen wieder in den politischen Diskurs zu holen, es ersetzt aber keine gesellschaftspolitische Vision.

Klingt heute wahrscheinlich unheimlich „Retro“, aber die letzten Jahrtausende liefen Änderungen der Gesellschaft ziemlich regelhaft so ab, dass man
ZUERST ein INHALTLICHE ZIEL formulierte und
DANACH NACH MITTELN SUCHTE, wie dieses zu erreichen ist.
Revolutionen, die dies nicht aus den Augen verloren haben, 
hatten nachhaltigeren Erfolg als solche,
die sich zuerst nur damit beschäftigten, das Bestehende kaputt zu machen und danach voll damit beschäftigt waren, andere zu bekämpfen, damit ihnen genau diese Aktion nicht gelingen möge. Mit der beständigen Furcht vor „Konterrevolutionären“ täuschte schon die Katholische Kirche, der Kreml und die Neokonservativen das p.t. Publikum mitunter Jahrzehnte über ihr fehlendes Ziel hinweg.

Und noch ein Problem ergibt sich durch die „Einäugigkeit“ aller „Ein-Thema-Parteien“, sie fallen rasch einer stark verfälschten Wahrnehmung

„Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“ Paul Watzlawick

Päpstlicher sein als der Papst?

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Ich kann nicht Päpstlicher als der Papst sein
ließ Tolstoi seine Fürstin Twerskaja in seinem Roman Anna Karenina sagen.

Bemerkenswert aus der Feder eines Dichters, der sich zwar als zutiefst gläubig empfand, jedoch über Gottes Sachwalter auf dieser Erde wenig Gutes kommen liess:

„Die Lehre der Kirche ist eine theoretisch widersprüchliche und schädliche Lüge, fast alles ist eine Sammlung von grobem Aberglauben und Magie.“

Jedenfalls läßt sich dieser Spruch vorschnell auf jede Unzulänglichkeit anwenden.

Warum ich an ihn denken musste?

Ganz einfach:

Da hören wir erstmals von Stützenhofen und seiner kleinen Pfarrgemeinde, als die sich anschickt einen bekennenden Schwulen in den Pfarrgemeinderat zu wählen und stauen ob der Liberalität.

Der Erzbischof spricht sich zuerst gegen die Annahme der Wahl aus. Später werden wir erfahren, dass er sich schon im Vorfeld der Kandidatur widersetzt hat.

Nach einem langen Gespräch mit dem gewählten, jedoch noch nicht approbierten Pfarrgemeinderat (und seinem Lebensgefährten), ist der Erzbischof von der christlichen Gesinnung des Mannes so angetan, dass er den herbeigerufenen Medien verkündet, dass er es auf seine Kappe (wohl seine Mitra, nicht?) nähme, die Wahl anzuerkennen.

Befremdlich vernimmt man, dass der Pfarrer danach um seine Versetzung ansucht. Ein schlechter Verlierer, oder jemand der das Kleingedruckte doch genau gelesen hat? Man schwankt, ob man ihm letztendlich nicht Anerkennung zollen möchte, weil er sich halt an die geltende Rechtsordnung seiner Kirche gebunden fühlt und nicht die üblichen Auswege benützt:

schwul mag man ja sein, aber halt nicht ausüben

die Heteros fragt man ja auch nicht, wie sie es so mit anderen Geboten in diesem Zusammenhang halten, wenn sie kanditieren
was ich nicht weiß, …

Dann macht der Kurier mit der Schlagzeile auf:
„Ich war die Geliebte des Pfarrers“
Pfarrer xxxxxx. will in seiner Gemeinde keine Sünde.
Jetzt wirft ihm eine Bekannte vor, selbst ein „Sünder“ zu sein
.
http://kurier.at/nachrichten/niederoesterreich/4491976-stuetzenhofen-ich-war-die-geliebte-des-pfarrers.php

und da fragt sich einer schon, ob wir nicht zuwenige Päpste um uns haben?

und zuviele Sonntagsredner der Moral und des Anstandes,
Rechtskundige des Richtigen und
zuviele Richter der Schuldigen?

und das nicht nur in der Kirche, denn deren moralische Autorität scheint mir schon sein Jahrhunderten perdü.

Ob nun in der Politik oder der Schule,
der Wissenschaft oder der Wirtschaft,
den Medien und am Stammtisch …

wir bräuchten mehr Menschen, die päpstlicher sind als der Papst.
Denn die bisherige moralische Richtschnur der Kirchen, der Politik, der Medien, …. hat unserer Gesellschaft an den moralischen Abgrund gebracht.

Wenn das Werk eines anderer Russen, Fjodor Dostojewski, heute als „Verbrechen und Strafe“ übersetzt wird, so mag es schon seine sprachliche Richtigkeit haben, aber eigentlich wünscht man sich heute doch eher „Schuld und Sühne“ für so vieles was uns aus den Gazetten entgegen glurrt …

aber letztendlich wird das auch nichts bringen, also warten wir auf einen anderen Roman.
Einen Titelvorschlag hätte ich schon:
„Schuldeinsicht und Geständnis“

wäre übrigens auch ein nettes Motto für den aktuellen parlamentarischen Untersuchungsausschuss … aber dort stehen die Zeichen ja eher für eine andere Entwicklung …

http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54388

Bildnachweis: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54388

Written by medicus58

11. April 2012 at 16:48

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