Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Bitte, bitte, macht eine vernünftige Corona Demo

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Unter dem gütigen Auge der Wiener Polizei zog bei uns zuletzt am Sonntag, aber auch in vielen anderen Ländern ein bunter Tross aus Besorgten und Beknackten Abstands- und Masken-los durch die Innenstädte.
Die FPÖ jubelt über den Schulterschluss mit der Protestbewegung gegen die Corona-Maßnahmen und
FPÖ Kickl bringt einen Misstrauensantrag gegen seinen Nachfolger ein. Die Grüne verlangen postwendend eine Antwort von der „eigenen“ Regierung und der Innenminister geilt sich an den angehobenen Strafen für die Masken-Verweigerung auf. Der Wiener Bürgermeister übt den medialen Schulterschluss mit dem Bundesmaturanten Kurz in der Ankündigung minimale Lockerungen, seine Parteichefin Rendi-Wagner warnt eindringlich davor.

Es gäbe so viel, wogegen ich gerne demonstrieren würde:

Gegen die Planlosigkeit, die stets ihre Ziele wechselte, um die Misserfolge zu kaschieren: Zuerst haben wir es für die Alten getan, die von Anfang bis heute präferentiell mit und an SarsCov2 verstorben sind, dann haben wir allerlei Masken getragen, um die anderen zu schützen, nur um zum Weltmeister in Sterbefällen zu werden, jetzt tragen wir die FFP2-Masken um uns selbst zu schützen.

Gegen die verlogene Manipulation , die seit einem Jahr glaubt mit dem versprochenen Licht am Ende des Tunnels Zustimmung und Disziplin erreichen zu können, ob wohl sich dieses Licht (Erleichterung nach den Semesterferien, nach Ostern, nach Pfingsten, im Sommer, Weihnachten retten, Impfung, …) seit letztem Frühjahr immer wieder als der Rückfahrscheinwerfer des Vordermanns entpuppt hat.
Sie haben ja nicht ernsthaft geglaubt, dass ich nochmals den Gegenzug in Ihr Kopfkino projiziere?

Gegen die Leugnung des Bildungsraub einer Generation von der Volksschule über die Lehre bis an die FHs und Unis bei gleichzeitiger Leugnung der Infektionsketten auf Baustellen, Werkshallen, Großraumbüros und Logistikzentren.


Gegen die Verlogenheit, die Infektionscluster nur dort (Haushalt, Auslandsurlauber, …) finden will, wo sie den Parteispendern nicht weh tun.

Gegen die Vordrängler und Schlauerln, die es sich wie immer in diesem Lande richten und in Südafrika Golfen, Party feiern oder hohe Summen einstreifen während andere im Lockdown zu wenig mehr als Arbeit kommen.

Gegen die, die jeden Blödsinn, jede Transferleistung, jede Unzulänglichkeit, mit der besonderen Lage in der Pandemie verteidigen.

Gegen die Milliarden die verschleudert werden und überproportional bei politischen Freunden, Multis und in sinnlosen Ankäufen (Millionen Nasenbohrern und danach Gefälligkeitsgutachten der AGES) landen aber viel zu wenig den wirklich Betroffenen zu Gute kommen, die am Ende den Zirkus bezahlen müssen.

Gegen die Missachtung des Rechtsstaates und das Reagieren statt Regieren durch Notverordnungen.

Gegen eine seit Monaten anhaltendes Datenchaos, das mit positiven Testergebnissen und Intensivbetten schockieren und disziplinieren möchte, aber tunlichst jede tiefere Analyse (Verhältnis zwischen positiv Getesteten und klinischen Verläufen, sozioökonomischer Hintergrund, Infektionswege am Arbeitsplatz ehrlich identifizieren, …) verhindert.

Gegen die unsanktionierten Lockdown-Ausreisser im türkisen Umfeld (illegal geöffnete Beherbergungsbetriebe (z.B. Tirol seit April 20!), Britische Schilehrerkurse, …).

Gegen die Aufhebung jeglicher naturwissenschaftlicher Standards in Berichterstattung und Zulassungsbehörden (Nein, die Ergebnisse mit AstraZeneca sind nicht gleich gut wie mit den mRNA Impfstoffen; Nein, die Behauptung AstraZeneca schützt auch vor Übertragung ist falsch; Nein, die Entscheidung für AstraZeneca fiel lokal und nicht in Brüssel; Nein, ein Impfstoff dessen optimales Impfschema unklar ist, dessen Produktion schon fehlerhaft war kann so nicht zugelassen werden).

Gegen das unseelige Tandem aus PR-getriebener Politik und alarmistischer Jouraille die maßgeblicher als jede andere Gruppe unseren Weg durch die Pandemie bestimmt.

Gegen all das würde ich gerne seit Monaten auf die Straße gehen, natürlich mit Nadke und Abstand.

Also wenn sie sowas auf die Beine stellen kontaktieren Sie mich, ich wäre Ihr Fahnenträger.

Written by medicus58

4. Februar 2021 at 20:13

Das Beste aus beiden Welten: Gummigeschosse an der Grenze, echte Munition in den Herkunftsländern

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Diese Regierung hat uns das Beste aus zwei Welten versprochen. Nehme an, gemeint war rechtskonservatives Law n Order und links konservatives Gutmenschentum. Blöd war halt, dass man glaubte, dass sich das nur auf die Klimakrise bezog, wo der Wähler wähnte, dass so die Wirtschaft und das Windrad brummen würde.

Nur haben wir, dank der neuerlichen türkischen Offensive in Syrien und rechtzeitig vor dem Ablauf der EU Bestechungsgelder an den lauten Mann am Bosporus plötzlich wieder eine Flüchtlingskrise, wo Kanzler Kurz von den notwendigen aber schlimmen Bildern, Vizekanzler Kogler von Kinder zuerst und de facto Oppositionschef Kickl überhaupt von Warnschüssen mit schärfer Munition schwadroniert.

Es scheint also schwierig politische Haltung, Rechtschaffenheit und Menschlichkeit auf einen Nenner zu bringen. Dabei wäre es eigentlich ganz einfach, wenn die Protagonisten es ernst nehmen würden, zu einer Haltung zu finden, die das Problem einer Lösung näher bringt:

Schützen wir unsere Grenzen vor jenen, die sich einem Asylverfahren durch einen Chicken run widersetzen wollen, durch wirksame Maßnahmen.

Wer sich an schon an der Grenze der Rechtsstaatlichkeit widersetzt, wird das im Landesinneren wohl auch tun. Dass viele von Erdogan instrumentalisiert wurden hat hier wenig zu bedeuten.

ABER gehen wir endlich mit scharfer (wirtschaftlich und politischer) Munition in den Herkunftsländern vor, dass dort nicht Menschen vertrieben werden, das dort kein Krieg geführt wird und ganz wesentlich, dass „unsere Wirtschaft“ dort nicht Gewinne lukriert, egal ob Waffen-, Fischfang-, Bergbau- oder Produktionswirtschaft. Das alte, leider in Vergessenheit geratene Lied:

Für die Gewinne der einen zahlen immer die anderen. Für die billigen Fischstäbchen oder das importierte T-Shirt zahlen wir nun an unseren Grenzen.

So bekäme Kogler seine Kinder von der Grenze und Kurz hätte auch mal eine Botschaft an sein Klientel.

Written by medicus58

3. März 2020 at 09:01

Demonstrare – zwischen Selbstbefriedigung und Revolution

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Der lateinische Wortstamm dessen, was in Österreich zwar behördlich angemeldet werden muss, dann aber als höchstes Gut demokratischer Freiheit gilt, das Recht auf Demonstration, wird im PONS Online Wörterbuch mit den Begriffen:
genau zeigen, bezeichnen, auf etw od. jmd. hinweisen, darlegen, vorstellen, zu erkennen geben, deutlich angeben, nachweisen, beweisen, genau bestimmen, der Bedeutung nach bezeichnen, bedeuten
in Verbindung gebracht.

Am Samstag haben in Wien laut Veranstalter 70.000, laut. Veranstalter 20.000 an einer Großdemonstration gegen die tükisch-blaue Regierung teilgenommen.

Ich habe keine der beiden Regierungsparteien gewählt aber auch nicht an der Demo teilgenommen, obwohl sie vor meinem Fenster vorbeigezogen ist. Laut Orf.at wurde in Reden wurde vor Sozialabbau gewarnt, auf Transparenten gegen Studiengebühren protestiert und vor dem Ende von Gewaltschutzeinrichtungen gewarnt.

Das Recht auf Demonstration kann natürlich nicht in Diskussion stehen und das, worauf die Demonstrierenden „genau zeigten“ war auch der Grund, weshalb ich keine der beiden Parteien gewählt habe.
Was ich aber nun als politisch problematisch erachte ist Folgendes:

Erstens:

31,47 + 25,97 Prozent, also
64,4 % der Wahlberechtigten haben vor wenigen Monaten diese Regierung gewählt, die inhaltlich das umsetzt, was sie im Voraus angekündigt hat.
Kommen Sie mir nicht mit Details, nur ein politisch völlig unterbelichteter Wähler hätte vor der Wahl daran zweifeln können, dass hier ein neoliberalistisch-rechtspopulistisches, kapital- und wirtschaftsfreundliches Regierungsprogramm umgesetzt werden wird, dass sich aus dem Abbau von Staat und Transferleistungen zu finanzieren gedenkt.
Und wenn Sie nun sagen, dass das „SO vor der Wahl niemand gesagt hat„, dann fragen Sie sich einmal, warum das „SO vor der Wahl niemand die Spitzenkandidaten gefragt hat„.
Also worauf wollten die Demonstranten denn „genau zeigen“, was man nicht ohnehin wusste?

Zweitens:
Dass in der Regel immer zwischen einem Drittel und fast der Hälfte aller Wähler, eine Regierung nicht gewählt hat, ist ein Kennzeichen westlicher Demokratien!
Aufzuzeigen, dass man das gemacht hat, ist (noch?) ein verbrieftes Recht, aber welchen Informationsgehalt, welchen Neuigkeitswert hat das?

In diesem Sinne erscheint mir auch die Wortmeldung des geschätzten Christoph Zielinski
@cczielinski inhaltlich zwar richtig, letztendlich aber selbstreferenzierend nur die eigene Person in den Mittelpunkt gerückt als politisch zu Ende gedacht:
Considering the right to far right statements of Austrian politicians I want the outside world and particularly colleagues from other countries to know that these do not reflect the entirety of opinions in Austria
All denen, die Parallelen zu Schüssel I aufzeigen sei auch in Erinnerung gerufen, dass der damalige Skandal nicht zuletzt in dem Bruch eines politischen Versprechens (Schüssel würde als Dritter zurück treten) und dem Bruch einer langjährigen Gepflogenheit (stimmenstärkste Partei stellt Kanzler) bestand.
2017 war der Weg in eine tükisch-blaue Regierung (leider) völlig logisch, da die Groko von Kurz und Rot-Blau zumindest von Kern, irgendwie auch von Strache, abgelehnt wurden.
Alle Regenbogenkoalitionen waren, wie übrigens auch im Nachbarland, eher Nebelgranaten.

Drittens:
Niemand tut der repräsentativen Demokratie einen Dienst, wenn er nur zur Konsolidierung der eigenen Seite und zur Machtdemonstration auf die Straße geht. Ein Blick in die Geschichte demonstriert dies überdeutlich. Man kann das zwar schon so machen, von Rosa Luxemburg bis Adolf Hitler hat man das so gemacht, nur nennt man dieses Verhalten dann Revolution und davon will in diesem Land wohl kaum einer was wissen.
Wer Demokratie für sich beansprucht, muss auch akzeptieren, dass er für seine Meinung keine Mehrheit findet, ich lebe damit übrigens seit Jahrzehnten.

Erst wenn auch die, die (indirekt) diese Regierung gewählt haben, demonstrieren wollen, dass sie bereits vor der nächsten Wahl ihre Stimme wieder zurück haben wollen, dann macht eine Demonstration Sinn, davor hat sie etwas Autoerotisches an sich. 

Written by medicus58

14. Januar 2018 at 12:18

EILMELDUNG: Die Regierung hat nie konzentriert über Lager nachgedacht

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Kickl hat es wieder geschafft, man rüstet zur Entrüstung!

Die FAZ titelt atemlos
Österreichs Innenminister will Flüchtlinge „konzentriert“ unterbringen,
Vom deutschen Spiegel über die Washington Post und die britische Daily Mail bis hin zur Times of Israel berichteten zahlreiche Medien über den Sager, der viele an die Konzentrationslager der Nazis erinnert, fasst der Kurier zusammen.

Dass Daham-Islam Reimer Kickl weiß was Sprache kann darf angenommen werden, dass er im konkreten Fall nur etwas unkonzentriert war, mag man ihm glauben oder nicht.
Was mich an der Sache ärgert ist die historische Unwissenheit und die reflektorische Instrumentalisierung des sogenannten Guten und die Falle in die wir dabei tappen.

Ad historische Unwissenheit:
Wer den deutschen Wikipedia-Eintrag zu Konzentrationslager liest, erschrickt über die sehr kurz gegriffene Einleitung, als ob diese Form der Internierung eine deutsche Erfindung gewesen wäre:
Der Begriff Konzentrationslager steht seit der Zeit des Nationalsozialismus für die Arbeits- und Vernichtungslager des NS-Regimes.
Die englische Wikipedia ist da unter dem Überbegriff Internment schon viel aufschlussreicher und erinnert an die Internierung von Amerikanischen Ureinwohnern durch die Vereinigten Staaten, die offenbar sogar von Hitler bewundert wurde (Referenz auf der Seite, habe das selbst nicht gewusst!).
Was ich aber schon als Jugendlicher wusste und was eigentlich zum bildungsbürgerlichen Kanon gehören sollte, ist, dass der Begriff erstmals im Zuge der spanischen, US-amerikanischen, britischen und dann deutschen Kolonialkriege aufgekommen ist.

The English term concentration camp was first used in order to refer to the reconcentrados (reconcentration camps) set up by the Spanish military in Cuba during the Ten Years‘ War (1868–78) and the Cuban War for Independence (1895–98), and similar camps set up by the United States during the Philippine–American War (1899–1902).

The term concentration camp saw wider use during the Second Boer War (1899–1902), when the British operated such camps in South Africa for interning Boers. They built 45 tented camps for Boer internees and 64 for black Africans. Of the 28,000 Boer men captured as prisoners of war, the British sent 25,630 overseas. The vast majority of Boers remaining in the local camps were women and children, over 26,000 of whom died there.

Selbstverständlich sollen diese Einrichtungen jetzt nicht eins zu eins mit dem industriellen Genozid der Nationalsozialisten gleichgesetzt werden, aber es handelte sich trotzdem um mehr als reine Ghettos, sie waren Teil eines geplanten Genozids.

Die Erkenntnis, dass auch die anderen keine Engel waren (List of concentration and internment camps), exkulpiert auch nicht von eigener Schuld. Sie könnte jedoch wie in jeder Debatte dazu beitragen, das Gemeine vom Besonderen zu trennen und dabei helfen, wenigstens letzteres zu verhindern. 

Ad reflektorische Instrumentalisierung des sogenannten Guten:
Wie erst kürzlich hier an Hand Einer kurzem Überlegung zum Wiener Neujahrsbaby  ausgeführt, beschleicht mich auch der Verdacht, dass es den Empörten weniger um die Sache als um deren Instrumentalisierung zur Definition ihrer eigenen Position geht.

Das mag ja als „same procedure as last year“ durchgehen, wenn es nicht:

erstens von Wichtigerem ablenkt,
zweitens dem Provokateur nützt und dadurch
drittens wie in einer Seifenoper zwingend in die Dauerschleife führt.

Vielleicht tat man dem Kickl unrecht und sollte seiner Verteidigung Glauben schenken,
er habe mit dieser Formulierung „keinerlei Provokation intendiert“. Er weise das zurück, schon diesen Vorwurf könne man als Provokation werten. Stattdessen könne man auch von Orten sprechen, „wo man Menschen zusammenfasst an einem Raum“.

Wir werden es spätestens dann glauben müssen, wenn er die nächste Regierungsklausur mit einem Konzentrationslager vergleicht.
Der gewiefte Taktiker hat aber sicher eines erreicht, die für die FPÖ unliebsamen Diskussion über den Zugriff auf Vermögen von Arbeitslosen ist vorerst einmal vom Tisch:

Standard 11.1.2018: Das Arbeitslosengeld wird zum Sprengstoff für die FPÖ

Written by medicus58

12. Januar 2018 at 07:13

Veröffentlicht in Allgemein

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