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Wie kam der Karl Farkas in die Regierung?

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Kennen Sie den (noch), den Karl Farkas, legendärer Blitzdichter und Conferencier des Kabarett Simpl? Sein Spruch, mit dem er sein Publikum in einen neuen Sketch geleitete, „Schau´n Sie sich das an“ wurde bald sein Markenzeichen.

Was das mit der gerade angelobten schwarz türkisen, sehr dunkel grünen Regierung zu tun hat?

Nun, nach 100 Tagen sondieren, verhandeln und 326 übereinkommenden Seiten (Tükisch-Grüne Gesundheit: Programm oder Übereinkommen) beantworten die frisch eingesetzten Regierungsmitglieder konkrete Fragen extrem vage und einem Appell doch darauf zu vertrauen, dass das alles gut werden wird, weil man ja zu den Guten zählt:

Ausweichend fiel die Antwort Kurz’ auf die Frage aus, warum im Regierungsprogramm nicht die Abschaffung des Dieselprivilegs festgeschrieben sei. Das Programm schaue so aus, wie es ausschaue. Er werde jetzt keine Frage beantworten, bei der man sich in der Koalition geeinigt habe, sie noch weiter zu diskutieren.
Aufs Ausweichen verstand sich freilich auch Kogler gut, als die Sprache auf die geplante Sicherungshaft kam. Auf die Frage, ob die Grünen bei einer womöglich nötigen Verfassungsänderung mitstimmen würden, verwies der Vizekanzler auf die entsprechende Stelle im Regierungsprogramm. „Wir gehen von der bestehenden Verfassung aus“, so Kogler. Ausschließen wollte er eine Änderung dann aber doch nicht, „weil die Formulierung grammatikalisch diese Möglichkeit zulässt“. Link

Offen ließ der Kanzler, ob die Abschaffung der Kalten Progression in dieser Legislaturperiode kommen werde. 
Ob der erhöhte Spitzensteuersatz von 55 Prozent tatsächlich auslaufen wird (weil im Regierungsprogramm nicht erwähnt), ist laut Kurz ebenso „noch nicht entschieden“.
Bei der Frage der (in der vergangenen Legislaturperiode von der Opposition heftig kritisierten) Generalsekretäre ließ Kogler die Möglichkeit offen, einen solchen etwa im großen Umwelt- und Verkehrsressort von Leonore Gewessler zu installieren. „Das kann da und dort schon Sinn machen“, so Kogler. Gewessler wollte sich hier im ORF-„Report“ noch nicht festlegen. Link

Erster Ministerrat – Kogler und Blümel verraten nicht viel

Wählte man Kogler bei der EU-Wahl für seinen Anspruch die Union zu verändern, sitzt dort neben Köchin Sarah Wiener, … ja wer eigentlich? 

Wählte man einst die Liste Pilz vulgo Liste Jetzt wegen deren eloquenten Justizsprecherin Zadic fand man jene ab Oktober 2019 bei den Grünen und ab sofort als Bundesministerin für Justiz.

Wählte man Altkanzler Kurz wegen seines Versprechens einer ordentlichen Mitte-Rechts-Politik erklärt er nun, dass Mitte und Rechts schon allen von seiner ÖVP repräsentiert wird und sein Koalitionspartner halt eine Ökobewegung wäre.

Nahm man das Angebot der ehemaligen EU-Abgeordneten Lunacek (Grüne) bei der vorletzten Wahl nicht an, bekam man sie nun in letzter Minute als Kulturstaatssekretärin wieder.

Das Spielchen könnte man noch lange weiterführen um zu beweisen, dass wir die Old School Demokratie (Parteien sagen was sie wollen und werden dafür proportional zum Wählerwillen gewählt) längst hinter uns gelassen haben und uns nach der Wahl halt anschauen dürfen, was da mit unseren Stimmen aus der Wahlurne gemacht wird.

Wählen dürfen wir ja noch, danach tritt dann irgendwer vor den Vorhang und sagt: Schau’n Sie sich das an.

Leider ist das aber nicht mehr der Farkas. Bei dem wusste man wenigstens noch, dass er auf der Bühne stehen wird, als man sich die Eintrittskarte gekauft hat. Heute sucht man ihn vergeblich.

Liegt aber voll im Trend, oder war ihnen vor der EU-Wahl klar, dass wir einen Green Deal mit der ehemaligen Bundesverteidigungsministerin Frau Kollegin Van der Leyen gewählt haben?

Written by medicus58

8. Januar 2020 at 16:53

Bitte, bitte ansehen

with one comment


Ihr Medicus spielte sich als 17-Jähriger und einige Jahre danach mit irgendwas wie einem literarischen Kabarett herum, also einer Tradition für die niemand geringerer als z.B. Arnold Schönberg komponiert hat.

In Zeiten der Wuchtldrucker scheinbar abhanden gekommen, war das eine Form der Satire, die auf hohem intellektuellem und künstlerischem Niveau Zusammenhänge klar macht, die über eine andere Schiene nur sehr mühsam zu vermitteln sind. Irgendwann gab Ihr Medicus diese Versuche auf und frustet sich nun mit zwei Facharzttitel und einer Lehrbefugnis im öffentlichen Gesundheitssystem in Richtung Ruhestand.

Max Uthof und Claus von Wagner beweisen aber nun seit 2014, dass das geht und beweisen grenzgenial, dass das Konzept nicht nur machbar, sondern möglicherweise die einzige Möglichkeit darstellt, eine komplexe Welt an den Pranger zu stellen.

Bitte, bitte schau’n Sie sich das an:

Die Anstalt vom 28. Mai 2019

Ihr Medicus hätt‘ es nicht besser hingekriegt, sorry to say

Written by medicus58

29. Mai 2019 at 17:36

Helmut Qualtinger

with 21 comments


Der Qualtinger und ich

Zu seinem 25. Todestag überstürzen sich plötzlich die Lobeshymnen auf einen der ehedem verhasstesten Kabaretisten Österreichs.
http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Qualtinger 
http://othes.univie.ac.at/36/1/Diplomarbeit.pdf

Für die wenigen, die seinen (und Carl Merz) „Herrn Karl“ nicht kennen: http://www.youtube.com/watch?v=G0p29_cfdQw http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herr_Karl

Aber da war so viel mehr, dass es mir schwer fällt, „meinen Lieblingstext“ zu nennen. Ich weiß nur: Als ich als Heranwachsender seine Bücher las, fand ich die „Sauerbruch Operette“ als nur mäßig originell. Als ich sie einmal vom Meister persönlich interpretiert sehen konnte (TV Übertragung aus Hamburg), war mir klar, welch ein genialer „Menschenimitator“ er wirklich war. Das scheint niemand hochgeladen haben, als Ersatz sein Tiroler Hüttenwirt:
http://www.youtube.com/watch?v=6oe46xScjjM

oder wie er HC Artmann interpretiert: http://www.youtube.com/watch?v=LbJQQAE-I50

Wenn da offenbar jeder entweder Qualtingers bester Freund oder „Schüler“ war (siehe Hellers TV Doku), kann auch ich nicht länger schweigen.

Auswendig konnte ich den Herrn Karl schon im Gymnasium, jedoch behauptet das auch jeder zweite, also folgende Anekdoten:

Begegnet bin ich Qualtinger persönlich im Cafe Engländer vor dem Pissoir. Wer das Lokal gegenüber des Simpl kennt, weiß, dass dessen Pissoir sehr schmal war, so dass ich ihm den Vortritt gelassen habe. Beide hätten wir keinen Platz gehabt. Er hat sich nicht bedankt, ich habe ihm nicht gesagt, wie sehr ich ihn verehre. Eine verpasste Chance.

Dass Qualtinger durch seinen Alkoholkonsum ein massives Leberproblem hatte, ist allgemein bekannt. In meiner Zeit als Internist erzählte mir einmal eine junge Diätassistentin (aus Kärnten, sei zu ihrer Entschuldigung erwähnt!), dass sie einen ihr unbekannten Herrn Qualtinger beraten musste. Auch die Notwendigkeit der Alkoholkarenz wurde sehr freundlich und einsichtig von ihm zur Kenntnis genommen. Ein angenehmer Patient eben. Später hat man ihr dann erklärt, wer der Herr eigentlich war. Wie wir wissen, hat Qualtinger die Diätratschläge nicht befolgt, noch eine verpasste Chance.

Wenn in der Wiki steht „Im Alter von 57 Jahren starb Qualtinger am 29. September 1986 in seiner Geburtsstadt Wien an seinem Leberleiden, welches sich vermutlich durch seinen Alkoholismus verstärkt hatte.“ ist das ziemlich nahe an der Wahrheit. Auslöser war, wie fast immer in diesen Fällen, eine massive Blutung seiner Speiseröhrenvarizen und ein Leberkoma.
Noch einmal kam ich Qualtinger sehr nahe, als er nämlich komatös auf der Intensivstation lag. Ein mächtiger Körper, ein wallender Bart, der sich auf seinem riesigen Bauch ausbreitete. Dann fiel das Leintuch rasch ab und unten ragten nur zwei dürre Beine hervor, die so gar nicht zu diesem mächtigen Beginn passten. Auch nun konnte ich ihm nicht mehr sagen, dass auch ich einer seiner Verehrer war. Die Kommunikationsmöglichkeiten im Koma sind gering. Wenige Tage später war er tot. Die vorletzte verpasste Chance.

Nun werde ich die letzte Chance wahrnehmen. Ich war nie Schüler oder Freund Qualtingers. Wir haben nie ein Wort gewechselt und ich bezweifle, dass er sich zu Lebzeiten an unsere wenigen persönlichen Begegnungen erinnert hätte, aber er ist für mich einer der bedeutendsten Gesamtkünstler unseres Landes.  

Der Qualtinger die Zweite

Als Dank an Frau Kainz für die „Wiederentdeckung“ der köstlichen Karikatur „Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein“
http://www.meinblog.at/dt/portal/content.php?regionId=0&topicId=4&language=dt&blogTyp=0&blogId=44688 
und alle, die den Bronner/Qualtinger Song „Der Arrivierziger“ nicht parat haben, riskiere ich den Ärger von PreiserRecords (falls es die noch gibt), den Bronner Erben oder was weiß ich, … und hab den Text abgetippt, den es offenbar im WWW wirklich nicht zum Nachlesen gibt.

Er passt nur so gut in die augenblickliche politische Diskussion in Österreich, dass das sein muss:

hoffentlich mit wenigen Tippfehlern 😉

Grüss Sie Gott, na sag’n’s wie geht es denn?
Lang schon hab’n wir uns nicht geseh’ n.
Sie frag’n wie’s mir geht, ich bitt’ Sie seh’ns des net,
es geht mir wunderbar, das ist ja klar.

Weil,
ein alter Schulfreund, der’s mir gut meint,
tut was für mich im Ministerium.
An olt’n Nazi hob ich einst beschützt,
der is jetzt groß geword’n und hat mir sehr genützt.

Auch in der Leitung, einer Zeitung,
hab ich an guten Freund, der hilft mir sehr.
Auch in einer Bank, kennt man mich jahrelang,
so mocht ma heutzutag Karrier’.

Natürlich bin ich gut, mit beiden Partei’n,
denn nur auf eine, ist heut’ kein Verlass.
Charakter ist ein Luxus,
darum bin ich einmal dies und einmal das.

Was soll ich mir Sorgen machen, was die Leute morgen machen,
ich leb heut’ und heut’ hab ich Konjunktur.
Manager wie ich sind heute, Gott sei Dank, gesuchte Leute
und ich g’hör zur ersten Garnitur.

Wichtig ist, dass man sich niemals exponiert,
nie a eig’ne Meinung hat.
Drum hab’ ich wenn manchmal ein Malleur passiert,
immer einen Schmonk, als Sündenbock parat
und der soll sich die Sorgen machen, aber ich geh’ niemals krachen,
denn mit mir kracht so mancher große Herr.

Wo sich heut’ Intrigen spinnen, hab’ ich meine Finger drinnen,
einmal kreuz und einmal quer, sicher ist sicher.
Immer nach dem Höchsten streben,
nur so bringt man’s weit im Leben,
nur so macht man heut Karrier’.

Wos,
Sie sag’n dass das gefährlich ist, wenn man so wie ich ganz ehrlich ist.
Ich hab’ zu offen g’red, na glaub’n S ich bin so blöd,
es kann mir nix geschehn, Sie wer’n gleich seh’n:

Weil
ein alter Schulfreund, der’s mir gut meint, den ruf ich an im Ministerium,
der kennt an Menschen bei der Polizei,
dem sogt er wos er tun soll und ich bin sorgenfrei.

Auch in der Leitung einer Zeitung hob ich an guten Freund der dementiert,
s’kost an Pappenstiel, doch wer mir Schaden will,
der sitzt da und ist blamiert.

Ich glaub’ an Österreich und sage es laut,
doch manchmal bin ich auch Kosmopolit.
Und wenn sich einer hie und da zu stänkern traut,
KURIERt man ihn rapid.

Was soll ich mir Sorgen machen,
ich kann gut geborgen machen, was ich will,
denn ich hab’ eben Konjunktur.

Leut’ wie ich wer’n Direktoren,  manchmal sogar Professoren,
und dann machen sie auch in Kultur.
Ob’s beim Film als sachlicher Berater ist,
unsereinem mocht das sehr viel Spass.
Oder ob es irgendein Theater ist,
wenn man’s gut bezahlt, dann mach ich halt auch das.

Die Sorgen soll’n sich and’re machen, ich werd’ immer freundlich lachen,
arbeiten wird bestenfalls mein Sekretär.
Ich sitz da und halt die Fäden, daran zappeln alle Blöden,
niemand setzt sich mir zur Wehr – weil’s kann Sinn hat.

Leut’ wie ich sind auserlesen, eine Maus in allen Käsen,
die mocht halt bei uns Karrier’.

Grüss sie Gott, lieber Freund.

 

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:28

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