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Wurde das Ziel aus den Augen verloren, werden die Anstrengungen verdoppelt

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Vor über einem Jahr (Dez 2020) wurde hier unter Testen macht frei darüber geklagt, dass dem ungehorsamen Bürger, der bei den Massentests bei uns nicht wie im Corona Musterland Israel mitgespielt hat, die Alternativen Impfen oder Hausarrest angedroht wurden. Das geschah vor dem Hintergrund einer seit 11 Monaten von der WHO getrommelten Parole des Testen, Testen, Testen als Erlösungsmantra der Pandemie.

Unter Thinking, Thinking statt Testing, Testing?  aber ich angesichts der damaligen (Sept 2020) Pandemiesituation in Israel meine Bedenken gegen das Kreuz-und-Quer-Testen artikuliert.

Es gähnt das Murmeltier, wenn man vor diesem Hintergrund die aktuelle Diskussion des Raustesten aus der Pandemie verfolgt.

Für Israel stellt sich die Frage nach Massentests ohnehin nicht, weil die Ressourcen knapp sind, aber eine Reihe anderer Länder und Institutionen (WHO, CDC,..) hinterfrägt das ungerichtete Testen Asymptomatischer u. a. aus Gründen, die hier im September 21 unter Wien gurgelt, aber wozu?  angesprochen wurden, noch ehe wir bei Omikron angekommen waren.

Der Wiener Gesundheitsstadtrat verdoppelt aber die Anstrengungen (im Gesundheitsverbund müssen ab nächster Woche auch alle 3-fach geimpften Maskenträger 3x/Woche gurgeln) und im heutigen Radiodoktor auf Ö1 begründet die AKH Epidemiologin das Beibehalten der Testerei von Asymptomatischen mit dem Argument, das wir die Infektionen noch nicht unkontrolliert durchlaufen lassen dürfen, und uns dagegen stemmen müssen.

Welchen Hebel uns denn das Testergebnis nach 24h in die Hand gibt, wenn angesichts der kurzen Inkubationszeit von Omikron der Patient mit gewisser Wahrscheinlichkeit seit 12h schon symptomatisch ist, erklärt sie uns nicht.

Da beschleicht einem irgendwie das Gefühl, dass es weiterhin bei vielen Entscheidungen in der Pandemiebekämpfung mehr um den Erziehungseffekt als um eine evidenzbasierte Notwendigkeit geht.

Nur ein paar Wortmeldungen, die nach zwei Jahren Pandemie die Bandbreite der Zugänge zum selben Problem zeigen:

Biden kauft 500 Millionen Tests

Keine PCR-Tests mehr für Engländer ohne Covid-Symptome

„Die Frage ist aber, ob man selbst bei dreimaligem Testen noch eine einigermaßen sichere Umgebung herstellen kann„, sagt Komplexitätsforscher Peter Klimek

Gerald Gartlehner, Professor für Evidenzbasierte Medizin der Donau-Universität Krems: „Eine Teststrategie neu müsste sich auf die vulnerabelsten Gruppen, auf Personen mit Symptomen und stark betroffene Berufsfelder, wie Spitals- und Pflegepersonal sowie Altenheime, konzentrieren, und diese Personengruppen sollten PCR-Ergebnisse schneller als derzeit erhalten

Wien behält Teststrategie bei
Gesundheitsstadtrat Peter Hacker widerspricht Top-Virologin

Angesichts der gesteigerten Gurgelfrequenz bleibt einem langsam die Spucke weg. Am 14.1.21 hinterfrägt inzwischen sogar Laborbetreiber DDr Mustafa die Sinnhaftigkeit der Massen PCTs und thematisiert im Ö1 Mittagsjournal die Qualitätsunterschiede österreichweit.

Und dann kommt dann ja noch die Impfpflicht. Auch dazu habe ich mir schon vor über einem Monat (Dez 2021) ein paar Gedanken gemacht: Wie schaffen wir denn die Impfpflicht wieder ab?

Written by medicus58

13. Januar 2022 at 19:12

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Wie schaffen wir denn die Impfpflicht wieder ab?

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Als 3x Geimpfter stellt sich die Frage für mich augenblicklich nicht, aber die Politik sollte sie sich stellen.

Wie es derzeit aussieht ist weder mit einer Ausrottung des Coronavirus zu rechnen, noch dass mit der dritten Impfung ein längerer Schutz zu erwarten ist.

Da die Pandemie nicht dort besiegt werden wird, wo man sich vielleicht einen vierteljährlichen Schutz leisten kann, sondern dort wo die Evolution neuer Varianten stattfindet, ist wohl mit kontinuierlichem Nachschub von Fluchtmutationen zu rechnen.

Zu welcher Impfung verpflichten wir denn in Zukunft?

Wenn wir Glück haben und es kommt zu extrem ansteckenden, aber klinisch milden Mutationen (Omicron versucht das möglicherweise), dann haben wir in einigen Monaten einen zusätzlichen Schnupfen. D.h. das Virus bleibt, aber das Kosten/Nutzen Verhältnis rechtfertigt die Impfung mit all ihren Kollateralschäden nicht mehr.

Stellt sich Omicron als gefährlicher heraus und entzieht sich den jetzt registrierten Impfungen, können wir uns den gültigen Impfnachweis im Februar schießen. Aktuell geht man in UK davon aus, dass Omicron noch heuer mind. 50% aller Infektionen verursachen wird.

Der Gesellschaft drohen dann Proteste mit verkehrten Vorzeichen.

Eine Impfpflicht war vor einem halben Jahr sicher einfacher zu argumentieren, (wirksamer gegen Delta) als jetzt und wenig scheint dafür zu sprechen, dass sich dieser Trend nicht noch bis zum Februar verstärken wird.

Selbst 3x mRNA (über andere Impfen schweigen wir) wird gegen Omicron nicht sehr gut wirken aber es ist besser als nichts. Kaum wer verspricht noch ernsthaft bei einer Durchimpfung von 90% bei uns das Ende der Pandemie, wenn die Evolution im Rest der Welt herumprobieren kann. Mit Strafen Menschen zu einer Impfung zu zwingen, die ihnen den weder Masken noch Distancing erspart ist gesellschaftspolitisches Harakiri.

D. h. es schiene mir sinnvoller und vielleicht politisch auch verträglicher eine Impfpflicht auf Zeit zu beschließen.

Keiner weiß wirklich welche Varianten an Viren, Impfungen und Medikamente in den nächsten zwei, drei Jahren kommen. Uns werden die Reevaluierungen nicht erspart bleiben, also in jedem Fall auch nicht eine Reevaluierung der Impfpflicht.

Written by medicus58

9. Dezember 2021 at 19:24

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Impfpflicht für Gesundheitssystemerhalter und die Staatsverweigerer

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Freiheit ist ja wirklich ein hohes Gut. Jedoch scheute sich selbst der aufgeklärte Absolutismus nicht die Freiheit zur Dummheit staatlicherseits einzuschränken und zwang seine kleinen Untertanen unter die allgemeine Schulpflicht.

Klär mag man nun einwenden, dass das die gekrönten Häupter erst taten, als sie erkannten, dass es für den Staat vorteilhafter wurde, Beamte und Bürger zu haben, die gewisse Grundkompetenzen jenseits ihrer manuellen Arbeitsfähigkeit haben.

Auch als wir scheinbar den Souverän gewechselt haben, hat der Staat unsere Freiheit beschränkt, wann immer es zu seinem oder dem Nutzen der Allgemeinheit war. Erst kürzlich bestrafte er im Staatsverweigererprozess die Negation seiner Staatsgewalt drastischer als so manchen Mord und begründete das u. a. mit einer Generalprävention.

Nur bei der Impfpflicht getraut sich weder unsere (A-) Sozialministerin noch ihre Vorgängerin aber fast alle andere ExpertenInnen in der öffentlichen Diskussion die Forderung nach einer Impfpflicht all jener zu verlangen, die geimpft werden könnten, um all jene zu schützen, die nicht geimpft werden können und für die eine Epidemie lebensgefährlich wäre!

Neben Neugeborenen gefährdet das auch sehr alte Menschen und solche die Therapie bedingt (Krebstherapie) oder andere Ursachen (genetische Immunschwäche, genetische Immundefekte,…) nicht geimpft werden können.

Da ist „dem Staat“ eine Generalprävention egal.

Einig scheint man sich – aus guten Gründen – dass Bedienstete im Gesundheitssystems geimpft werden müssen, nein nicht zum Selbstschutz sondern um nicht als Brandbeschleuniger einer Epidemie zu fungieren.

Weshalb das aber nicht aus dem selben Grund auch für KindergärtnerInnen, LehrerInnen, HortbetreuerInnen gelten soll, wird nicht diskutiert.

Oder für Schaffner, die Billa-Kassiererin, den Kellner, die Prostituierte, U Bahn Benützer…. OK, ich denke sie haben den Ansatz verstanden, letztlich jeden, der mit einer größeren Gruppe anderer Menschen in Kontakt steht.

Minister kann man da ruhig ausnehmen.

Wäre es da nicht doch gescheiter mal an eine Generalprävention zu denken, wenn einem das bei Staatsverweigerern so wichtig war.

Written by medicus58

31. Januar 2019 at 16:05

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