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Sex sells Standard

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Der Kampf um Klicks nimmt sich auf http://www.derstandard.at manchmal schon ziemlich hilflos aus…. What’s next?

Written by medicus58

16. Februar 2019 at 11:52

Der Abstand zwischen Arzt und Patient wird größer

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Einer der Grundpfeiler der „Gesundheitsreformen“ besteht auch darin, dass nicht jeder Patient sofort einem Arzt gegenübersteht, sondern zuerst Health literacy geschult sich selbst oder durch „informierten Laien“ Heilung zu erlangen, vielleicht einem Helpdesk telefonieren oder schlimmstenfalls mit einer Pflegekraft in Kontakt treten soll; nicht weil in diesen Instanzen mehr medizinische Kompetenz anzutreffen ist, sondern weil diese Personen einfach weniger kosten als Ärzte.

Die Ökonomie blickt auch neidisch in diese Länder, wo außerhalb des Spitals kaum noch Fachärzte zu finden sind. Klar, die Sozialversicherungen kosten ein Facharzt, der auch eine längere Ausbildung durchlaufen musste als ein Allgemeinmediziner, einfach deutlich mehr.
Das alles muss bei banalem Schnupfen ja nicht schlimm enden, aber es ist definitiv die Antithese zur uns Ärzten oft vorgeworfenen Absicherungsmedizin, ohne dass noch so ganz klar wird, wer in diesem Spiel nun welche Verantwortung trägt.

In den diagnostischen Fächern fällt es den Patienten kaum mehr auf, aber dort ist die räumliche Trennung zwischen Arzt und Patient schon viel weiter gediehen. Klar, keiner wird erwarten, dass ihm der Labormediziner selbst Blut abnimmt, und das ist in machen Fällen auch gut so, nur wissen die wenigsten, dass die meisten Labors Teile der Blutproben in verschiedenste Labors schicken, weil das die Kosten der Einzelbestimmung deutlich drückt, auch wenn dem Patienten ein Befund mit einem einheitlichen Briefkopf ausgehändigt wird. ELGA wird das sicher bald offenbaren.

Auch in der Radiologie sitzt kaum noch der Facharzt nebenan in seinem dunklen Kämmerchen und befundet einsam vor sich hin.
Was bei uns des nachts zwar in immer mehr Spitälern aber noch relativ selten vorkommt, ist in anderen Ländern gelebter Standard: Teleradiologie

Digitale Bildgebung und rasche Datennetze machen es möglich, dass Großgeräte bis in die späten Abendstunden betrieben werden, weil dort, wo der Arzt befundet, vielleicht schon wieder die Sonne aufgeht.
Viele Patienten in den USA freuen sich, dass der schriftliche CT-Befund praktisch in Echtzeit vorliegt, da irgendeiner der indischen Radiologen grad unbeschäftigt ist.
In den USA hat Medicare hier einen gewissen Riegel vorgeschoben, dass solche Leistungen nur dann refundiert werden, wenn die Endvidierung wieder vor Ort statt findet, aber das lässt sich ja organisieren:
http://www.auntminnie.com/index.aspx?sec=sup&sub=imc&pag=dis&ItemID=117743

All das geht langsam aber offenbar unaufhaltsam voran, die Medizin wird unter ökonomischen Druck dort, effizienter, wo ausschließlich an abrechenbare Leistungen gedacht wird. Dass vielleicht der direkte Kontakt zwischen Arzt und Patienten in vielen Fällen die Erbringung dieser Leistung obsolet gemacht hätte, das wäre Old School.

2012: Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse?

Written by medicus58

19. Juli 2017 at 07:51

Health Literacy auf brutal oder alles war schon einmal da …

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Keine Gesundheitsreform der letzten Jahre kommt ohne die Forderung nach Health Literacy aus.

Eingedeutscht spricht man gerne von Gesundheitskompetenz, also der Fähigkeit des Einzelnen gesundheitsrelevante Anweisungen und gegebene Informationen zu bekommen, sinnverstehend zu lesen und danach Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Gemeinsam mit einer Vorsorgemedizin, also dem Versprechen durch geeignete Maßnahmen Krankheiten entweder nicht auftreten zu lassen oder so rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können, dass größere „Schäden“ vermieden wird, soll eine Steigerung der Health Literacy enorme Einsparungen im Gesundheitssystem bringen, wobei die Evidenz m.E. für beide Ansätze noch etwas dürftig ist, egal.

Noch vor seiner Wiederwahl hat das EU Parlament in diesem Sinne beschlossen, dass Rauchern, die trotz der schon länger verwendeten drohenden Aufschriften nicht von ihrem Laster abließen, nun mit abschreckenden pathologischen Bildern der Glimmstängel abgewöhnt werden soll.
http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/rauchen/eu-parlament-stimmt-ueber-schockbilder-auf-zigaretten-packungen-ab-34845154.bild.html

Jetzt soll hier gar nicht die alte Platte vom „Selbstbestimmungsrecht“ abgespielt werden, denn natürlich ist wäre ein Lebenstil wünschenswert, der das Auftreten vermeidbarer Erkrankungen verhindert, aber ich bezweifle, dass dies bei so multifaktoriellen Prozessen durch das Drehen an einer einzigen Schraube funktionieren wird.
Viele von uns verhalten sich trotz besseren Wissens wenig gesundheitsfördernd, weil eben andere Faktoren (Überlastung, Frustration, Fehlen anderer Belohnungsroutinen, …. ) überwiegen und ich bezweifle, dass dieses Dilemma durch noch „brutalere Aufklärung“ zu lösen ist.

Mich erinnert das an eine chinesische Wandzeitung, die ich vor über einem Vierteljahrhundert immerhin in Qufu, der Geburtsstadt des Großen Konfuzius (http://de.wikipedia.org/wiki/Konfuzius) bemerkte.
Sehr viel brutaler lässt sich nicht für die Einhaltung geltender Verkehrsregeln wohl kaum werben.

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