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Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber

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Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten!

PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Die kürzlich veröffentlichte Sozialversicherungsstudie bestätigt unseren Weg, die Primärversorgung weiter zu stärken. Nur so können Spitäler entlastet und unser Gesundheitssystem nachhaltig abgesichert werden.“, sagt Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner.

ÄK Präsi Thomas Szekeres *) scheint plötzlich begeistert: „Die Eröffnung des neuen Primärversorgungszentrums in Wien-Donaustadt ist ein großer Schritt Richtung Zukunft und zeigt, wie wichtig die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Sozialversicherung und Stadt ist“.
Aus Wiener Sicht, mag sein Vorschlag schon was für sich haben:
PVE in Zukunft aus bestehenden Gruppenpraxen zu bilden
Die „hausärztliche Verdichtung“ außerhalb von Ballungsräumen führt aber zwingend zu prekärer Versorgung in Randlagen!

Na, und WGKK-Obfrau Reischl hat sogar etwas völlig Unvorhersehbares gelernt:
Die Erfahrungen zeigen, dass längere Ordinationszeiten sehr gut von den PatientInnen angenommen werden“,
so dass man sich doch frägt, weshalb die Krankenkassen in ihren bisherigen Verträgen die bestehenden Ordinationszeiten vereinbart haben!

Es bleibt jetzt auch abzuwarten, ob Frau Reischl die für sie neue Erkenntnis auch im eigenen Reich umsetzt,
weil das WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf glänzt weder in Sachen Patientenzufriedenheit noch mit seinen Öffnungszeiten:

(Screenshot Google)

Keine Rede mehr davon, dass „die schwierige Geburt des Projekts in der Donaustadt“ vielleicht auch mit den höchst eigenartigen Ausschreibungsbedingungen zusammenhing: Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk

Schweigen darüber, dass schon beim ersten PHC in Mariahilf politische Drähte glühten, als medienwirksam gerade eine Gruppenpraxis um Grüne Ärzte und den Kammerfunktionär Dr Mückstein  mit einer schönen Anschubfinanzierung zum Primärversorgungszentrum gewandelt wurde. Welche Spitalsambulanz durch diese Einrichtung, die sich nur wenige Schritte vom WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf befindet, entlasten werden soll, bleibt offen. OK, das Sophienspital in der Nähe wird nun geschlossen, aber wer das Spektrum dieses Hauses kennt, wird wohl kaum ernsthaft annehmen, dass die Schließung auf die Versorgungsleistung der Gruppenpraxis beruht!

Im Jubel um die Erfindung der Primärversorgung in Österreich, geht auch völlig unter, dass der Ansatz uralt ist (WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super), was ja prinzipiell einmal nicht schlecht sein muss, aber dort wo er schon vor Jahren gewählt wurde, die Kosten für den Steuerzahler erhöhte und den Zugang für die Patienten erschwerte (Vor der Wahl: Die feuchten Träume unserer Gesundheitspolitik).

Wie hier schon vor zwei Jahren (!) ausgeführt (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich?), wird aber bis heute nicht öffentlich diskutiert, wie die zusätzlichen Leistungen (Ärzteteam, lange Öffnungszeiten, zusätzlichen Gesundheitsberufe, …) mit den aktuellen Kassenhonoraren finanziert werden können. Initial gibt es ja eine flotte Anschubfinanzierung, aber danach?
Die Presse“ berichtete sogar, dass Reischl allen Gruppenpraxen mit zwei Vertragsärzten eine dritte Stelle sowie eine Umwandlung in eine PVE anbieten will. Das kostet!

Wie immer Holzschnitt-artig (um nicht zu sagen Holzhammer-artig) aber sachlich nicht ganz unrichtig verwies FP Belakowitsch via OTS  darauf, dass „Wenn man für ein Primärversorgungszentrum zwei Jahre Verzögerung einplant, so wie jetzt beim zweiten PHC in Wien, dann wird man in 150 Jahren mit diesem Projekt – 75 PHCs – fertig sein.
Sie irrt aber wenn sie ebenso wie die Ärztekammer das GRUG 2017 (Gesundheitsreformsumsetzungsgesetz 2017) nur als Gefahr für die Hausarztpraxis sieht.
Die „wahre Reform“ liegt nicht (nur) darin, die Hausarztpraxis durch eine Struktur zu ersetzen, in der Kassen kontrollieren, wie und wann der Patient überhaupt Zugang zu seinem Arzt hat …
und nicht nur bis zu einem Telefon-Helpdesk oder zu einer Pflegekraft vordringen kann!

Finanziert, und nun kommen wir zu einem weiteren Kernpunkt der Reform, soll das alles durch die
Elimination der niedergelassenen Fachärzte aus unserem Pflichtversicherungssystem!

Der ökonomische Hintergrund ist klar und wird auch im aktuellsten Jahresbericht der WGKK (aus 2015!) ausgeführt:
Die Durchschnittskosten je Fall liegt beim Allgemeinmediziner bei 45,16 Euro und beim Facharzt für 70,24.

Jetzt wollen wir gar nicht diskutieren,
dass ein Facharzt eine paar Jährchen längere Ausbildung absolviert hat, die vielleicht auch eingepreist werden sollte (Leistung muss sich lohnen!),
dass viele Kontakte beim Allgemeinmediziner ausschließlich zur Rezeptausstellung von Dauermedikamenten erfolgen,
dass Facharztordinationen natürlich i.d.R. einen geringeren Durchsatz als Allgemeinmediziner-Ordis haben,
dass (zumindest in der Theorie) dem Familienarzt die Krankengeschichte seines Patienten bekannt ist und Patientenkontakte in Facharztordinationen häufiger erst- und einmalig auftreten,
dass die apparative Ausstattung vieler Facharztordinationen aufwendiger und teurer ist,
dass die Facharztkontakte seit Einführung der e-card ohnehin schon reglementiert wurden,
dass man also letztlich Birnen mit Äpfeln vergleicht ...

Mir liegt es auch völlig fern, die erbrachte Leistung der beiden Gruppen gegeneinander auszuspielen, dazu kenne ich viel zu viele großartige und inferiore Vertreter in beiden Gruppen, ich möchte auf die banale Denke unserer Gesundheitspolitik hinweisen, wenn sie sich die Zukunft der Patientenversorgung zusammenreimen.

Für jeden Fall, den ich davon abhalte zum Facharzt zu gehen, kann ich mir zwei Allgemeinmediziner leisten.

Reischl verriet bei der Jubel-Pressekonferenz zur Eröffnung des Donaustädter PVs auch (mW erstmals), dass das genau ihr Ansatz ist:

Auch wenn die Zentren der WGKK teurer kämen als eine Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt, seien sie längerfristig dennoch der richtige Weg, weil man dann bei Fachärzten und Ambulanzaufenthalten sparen könne.

Jetzt ist der Kostenbeitrag der WGKK bei den Spitalsambulanzen bekanntlich ohnehin sehr gering, so dass nur das Fachärzte-Einsparen als Geld-bringende Maßnahme überbleibt.

Welcher Trugschluss dieser Milchmädchenrechnung aber zugrunde liegt, zeigt ein Blick in das Jubelarchiv des Hauptverbandes, wo das Ärzteteam des Mariahilfer Primärversorgungszentrums aus der Schule plaudert:

„Für Probleme die wir nicht vor Ort lösen können stehen wir in Kontakt mit einem guten und verlässlichen Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten in der unmittelbaren Umgebung. Dieses Netzwerk, das im Verlauf der vielen Jahren des Wachstums der Praxis entstanden ist, haben wir durch ein verbindliches Zuweisungsregime zu den Fachabteilungen des Gesundheitszentrum Mariahilf der Wiener Gebietskrankenkasse substanziell verstärkt. Mithilfe dieses Netzwerkes können wir in aller Regel rasch die erforderliche Diagnostik und die notwendige Therapie veranlassen.

Wenn die PV-Irgendwase heute funktionieren, dann nur, WEIL sie sich der anderen (noch) existierenden fachärztlichen Strukturen bedienen!

Bemerkenswert ist auch, dass die Homepage weiterhin von einer Gruppenpraxis OG spricht und für „weitere PatientInnen“ ohnehin nicht mehr zugänglich ist:

*) auf seinem Blog gibt sich ÄK Präsi Szekeres etwas weniger euphorisch, fokusiert aber wieder ausschließlich auf die Allgemeinmediziner (Hausärzte):
http://blog.szekeres.at/blog-post/2017/08/31/habemus-phc-2-und-sonst.html 

Ich zahlen nicht mehr für Ihre Sucht

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torte

Im April 2013 habe ich mich schon über die immer lauter werdenden Aufrufe zur gesundheitlichen Eigenverantwortung unter dem Titel Gesundheit ist Pflicht (http://wp.me/p1kfuX-Cj ) kritisch geäußert.

Aktuell stößt Möbelhändler, Unternehmensberater, ÖVAG Aufsichtsrat und Hauptverbandschef HJ Schelling wieder in dieses Horn.
Nachdem er erst kürztlich im telefonischen Helpdesk (Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind http://wp.me/p1kfuX-OR ) den Stein der Weisen der extramuralen Krankenversorgung gefunden zu haben glaubte, verkündet er im aktuellen Standard (http://derstandard.at/2000004192638/Schelling-Es-wird-von-der-Aerztekammer-viel-Propaganda-betrieben)

„Den Menschen muss ihr Körper genauso wichtig werden wie ihr Auto.

Wenn Sie mit Sommerreifen im Winter fahren, zahlt die Versicherung nichts, bei uns dürfen Sie alles tun.

Inhaltlich ist der ersten Aussage kaum zu widersprechen, jedoch wenn das vom Vize-Chef der Österreichischen Wirtschaftskammer (ja, den Job hat er auch noch) kommt, beschleicht mich bei der zweiten Aussage der Verdacht, dass es ihm letztendlich um Strafzahlungen (pardon  Prämienerhöhungen) bei Zuwiderhandeln geht.

Klar kann man argumentieren, weshalb die Allgemeinheit, eh nicht die Wirtschaftskammer, dafür zahlen soll, wenn ich mir die Leber hart saufe oder das Lungenkarzinom anrauche, nur sind derarige Überlegungen nur auf den ersten Blick schlüssig.

Für eine neue, sehr effektive aber auch sehr teure Therapie der Hepatitis C verweigern die Krankenkassen bei uns und in Deutschland ( http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-08/hepatitis-medikament-krankenkassen-teuer
http://www.tt.com/lebensart/gesundheit/8645324-91/hepatitis-c-gro%C3%9Fe-hoffnung-auf-heilung.csp) die Kostenübernahme. Steht da neben den hohen Kosten vielleicht im Hintergrund auch die moralische Keule, dass man sich vielleicht nicht angesteckt hätte, hätte man geschützten Verkehr ausgeübt?

Noch mehr sollte unserem Wirtschaftskämmerer zu denken geben, was eine eben publizierte Studie dargestellt hat:

Eine hohe Belastung im Job kann das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlich erhöhen. Das ergab die Auswertung bevölkerungsbasierter Studiendaten durch Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift‚ Psychosomatic Medicine‘ veröffentlicht.

http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/article/24827/index.html

http://journals.lww.com/psychosomaticmedicine/Abstract/publishahead/Job_Strain_as_a_Risk_Factor_for_the_Onset_of_Type.99170.aspx

Was ist mit dem „Burn out“ des vom Arbeitgeber zumindest vorübergehend sehr geschätzten Workaholic?

Sollen die ausgelagerten Programmierer, die scheinselbstständigen Ich-AGs oder die Multipraktikanten die Therapie ihrer Magengeschwüre selbst berappen, weil sie als Ich-AG in die Selbstausbeutung getrieben werden?

Sollen in diesen Fällen die Patienten ein zweites Mal bestraft werden oder übernehmen dann die Arbeitgeber oder besser gleich die Wirtschaftskammer diese Kollateralschäden?

end of irony

Written by medicus58

11. August 2014 at 17:46

Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind

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Schelling

Wenn Sie Schmerzen über dem Zwerchfell haben, drücken Sie 1!
Wenn Sie Schmerzen unter dem Zwerchfell haben, drücken Sie 2!
Wenn Sie nicht wissen, was Ihr Zwerchfell ist, drücken Sie 3 oder wieder die Schulbank!

So stellt Hauptverbandschef HJ Schelling (Familie Putz geht zum Gesundheitsdienstleister http://wp.me/p1kfuX-12) den neuen gesundheitsreformerischen Geniestreich diverser und (m.E.) perverser LandesgesundheitsräteVersicherer und Telemedizinanbieteres natürlich nicht dar, wenn Ärztehonorare eingespart werden sollen, sondern so:

Meine Praxis 24“ bedeutet laut Hauptverband, dass Patientinnen und Patienten auch außerhalb gewohnter Ordinationszeiten medizinischen Rat und Hilfe finden – etwa durch medizinisch geschulte Ansprechpartner rund um die Uhr oder innovative telefon- und webbasierte Services.

http://medonline.at/2014/konferenz-ueber-zukunft-medizinischer-primaerversorgung/

Neu ist das ja ohnehin nicht, wie hier schon berichtet wurde, existieren bereits viele Versionen der elektronischen Patienteninformation:

Frag den Professor – er wartet nur auf Dich – Großes Kino oder medizinische Peepshow? http://wp.me/p1kfuX-tJ

Online Praxen, dort hat Ihr Arzt noch Zeit für Siehttp://wp.me/p1kfuX-fq

MED 2.0 Facebook for the insane http://wp.me/p1kfuX-iK

und jeder weiß, dass er bei DrEd ganz schnell sein Viagra rezeptiert bekommt:  http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56206

Neu ist, dass die bisher installierten Systeme augenfällig gewinnorient sind und sich im Kleingedruckten jedwelcher Haftung entbinden, hier aber ein angeblich gemeinnütziges, staatlich geschütztes Monopol auf diesen Zug aufspringt. .

Auch das jetzt als beispielhaft als „Schweizer Modell“ genannte http://www.medgate.ch/ ist ein gewinnorientierter, privater Anbieter, der von den Versicherungen dafür entlohnt wird, Patienten davon abzuhalten in die Arztordinationen zu gehen.

Von der Problematik gesundheitsrelevante Informationen via Internetseite einem Entscheidungsalgorithmus zur Verfügung zu stellen, wollen wir hier gar nicht sprechen.

Keine Frage, viele Informationen werden schon jetzt vom nicht-ärztlichen Personal (Sprechstundenhilfe, Zahnarzthelferin, Arztgattin/Arztgatten, Portier, …) bezogen, aber ob man diesen mitunter gefährlichen Prozess nun ganz offiziell über die IT zementieren soll, wage ich schärfstens zu hinterfragen.

Wer mit den „überlasteten Ärzten“ argumentiert, die sich doch über all jene freuen sollen, die zusätzlich in den Gesundheitsmarkt drängen, sollte sich doch einmal fragen, ob diese Überlastung ausschließlich mit der finanziellen Gier meiner Kollegenschaft erklärt werden kann oder nicht auch etwas mit dem absurden Entlohnungsschema zu tun hat, das Masse vor Klasse setzt.

Wer sich dann noch überlegt, ob irgendetwas besser werden kann in diesem Gesundheitssystem, wenn man noch mehr Geld von den die primäre Leistung Erbringenden in Richtung gewinnorietierter Anbieter und IT-Industrie pumpt, dem kann ob dieses neuesten gesundheitsreformerischen Geniestreichs nur die Zornesröte ins Gesicht steigen.

Written by medicus58

2. Juli 2014 at 07:00

Das Gute im CT/MR Tarifstreit

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CT Krebs

Der Hauptverband hat vor Jahren beschlossen hat, dass radiologische Schnittbildverfahren (Computertomografie, CT und Magnetresonanz, MR) nicht in radiologischen Ordinationen sondern nur in radiologischen Instituten refundiert werden. Eine plausible Erklärung wurde m.E. nie gegeben oder öffentlich eingefordert.

Dass medizinische Institute (Radiologie, Physikalische Medizin, Labormedizin, …) durch die Wirtschafts- und nicht die Ärztekammer vertreten werden und dass Verträge im Gegensatz zu Ordinationsverträgen prinzipiell täglich kündbar sind und nicht für alle Teilnehmer gleich sein müssen, ist übrigens auch vielen Ärzten nicht klar.

Letztendlich führte das dazu, dass die radiologischen Institute zu bildgebenden Fabriken hochgerüstet werden, die den Betrieb mit vielen zusätzlichen, also nicht fix angestellten Ärzten am Laufen halten. Anders sind die enormen Kosten, nicht nur für die Geräte selbst sondern die erforderliche Infrastruktur (Stromverbrauch, Strahlenschutz, Klimatisierung, Befundschreibung, PACS, Kostenrechnung, …) einzuarbeiten. Optimisten verweisen auf den positiven Effekt großer Fallzahlen, die angeblich die medizinische Qualität heben und blicken gern darüber hinweg, dass ab einer bestimmten Größe und der Arbeitsteilung mit immer mehr externen Mitarbeitern man sich im Einzelbefund nie sicher sein kann, ob gerade der Bestqualifizierte oder eben der heute Vorhandene den Befund erstellt hat.

Mitleid mit den Großen in dem Spiel ist nicht erforderlich, das Einkommen der Radiologen liegt noch immer im obersten Bereich aller Fächer, aber es ist durch eine naturgemäß vorgegebene Grenze der Geräteauslastung und die fehlende Inflationsanpassung seit Jahren im Fallen.

Dass andere diagnostische Schnittbildverfahren, wie die Positronenemissionstomografie (PET) weder von den Krankenkassen noch im LKF System refundiert wird, sei hier einfach nur so erwähnt.

Worin liegt aber das Gute an diesem Streit?

Das Gute liegt m.E. darin, dass der Stil der Auseinadersetzung zwischen Ärzteschaft und Hauptverband (Krankenkassen) endlich einmal den p.t.Versicherten gegenüber transparent wird.
Laut Verhandler Dr. Manfred Baldt wurde ihm vom Hauptverband vorgeschlagen, die Tarife um 10% zu erhöhen, wenn man gleichzeitig die Anzahl der Untersuchungen um 10% begrenzt.
HV-Verband Vize Bernhard Wurzer bestreitet, dass es überhaupt eine Deckelung für die Anzahl der Untersuchungen gibt, es gibt halt nur ein Höchsthonorar. Niemand würde den Ärzten verbieten dafür noch mehr zu leisten …

Also eigentlich gibt es in der Medizin keine Deckel!

Vergleiche 9.Juni 2012: Was für die Finanzmärkte unvorstellbar ist, ist im Gesundheitssystem Realität: Der Deckel http://wp.me/p1kfuX-jT 

Von den Ärzten wird einfach erwartet durch Raubbau an ihrer eigenen Gesundheit ein Gesundheitssysstem am Laufen zu halten, für dass die Versicherungen (und Politiker) versichern, dass es ohnehin das Beste zwischen Scheibbs und Nebraska ist. 
Kurz, das Gute an dem Konflikt ist, dass den Patienten gegenüber zwangsweise transparent wird, wie es bei uns so läuft …

Links:
http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1504679/-Wartezeiten-auf-CT-und-MRT-kosten-49-Mio-Euro

http://www.kleinezeitung.at/kaernten/3495543/gefeilscht-kosten-patienten.story

Statistiknachhilfe für Krankenkasse oder verschaukelt man uns bewußt?

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Spitalsbett

Die heutige Ausgabe der U-Bahnzeitung HEUTE  zitiert die Wiener Gebietskrankenkasse mit dem Aufschrei,
dass bei den 1,08 Millionen Krankmeldungen des Vorjahres in bis zu 400.000 Fällen getrickst worden sein.
Gefolgt wurde die Schlußrechnung von hochgerechneten 720 Millionen € die die Firmen für blau feiernde Mitarbeiter gezahlt hätten.
http://www.heute.at/news/wirtschaft/art23662,845014

Im ORF liest sich das ganz anders:
Wiener weniger und kürzer im Krankenstand
(http://wien.orf.at/news/stories/2566406/)
und passt auch in den Trend, so wie er von der Wiener Gebietskrankenkasse auf ihrer Homepage gezeigt wird:
WGKK: Krankenstände 2010 deutlich unter Vorjahresniveau
http://www.wgkk.at/portal27/portal/wgkkportal/channel_content/cmsWindow;jsessionid=2BDC368095584A5FA34EF24E295536AF.jbport_271_1a?p_pubid=646355&action=2&p_menuid=73055&p_tabid=2

Dass die Gratiszeitung, die ausschließlich von bezahlten Inseraten lebt, aus eigenen Stücken ihre einziges Kapital, also ihre Leser vergrault, mag bezweifelt werden.
Doch wo liegt der Hund in dieser Meldung?
Ganz einfach, hier werden wie immer im Gesundheitswesen ein paar fundamentale Regeln der Statistik (bewußt?) mißachtet und hemmungslos extrapoliert, damit man zu der beabsichtigten Message kommt.

Von den 37% Prozent der im Zuge der Nachkontrollen aufgeflogenen Betrugsfälle zu schliessen, dass dieser Prozentsatz an Betrug für alle 1,08 Millionen Krankenstandsmeldungen gilt, ist einfach aber falsch.
Wir wissen alle, dass es zu den Kontrollbesuchen nicht nur per Zufall kommt, sondern in erster Linie bei „auffälligen“ Fällen: Langzeitkrankenständen, häufigen Krankenständen, saisonal in bestimmten Berufen, nach „Warnung“ Dritter, … etc.
Mit anderen Worten, ich darf davon ausgehen, dass ich bei den kontrollierten ein nicht repräsentatives Sample untersuche, so wie wenn ich die Hausübungshefte nur derer kontrolliere, die in dem bestimmten Gegensatand schon in der Vergangenheit bekannt schlecht sind. D.h. die Vortestwahrscheinlichkeit, dass ich hier Fehler finde ist überdurchschnittlich hoch.
Davon auszugehen, dass die Fehlerhäufigkeit in den Hausübungen aller Schüler, also der Mischung aus guten, mittelmäßigen und schlechten Schülern, ebenso hoch ist, ist eigentlich so dumm, dass es einem beruflich mit Statistik hantierenden Unternehmen nicht unabsichtlich passieren kann, auch wenn man angesichts der regelhaften Horrormeldungen über drohende Defizite zu Jahresmitte und nachfolgendem Jubel über ein kleines Plus nach Jahresabschluss (http://www.news.at/a/krankenkassen-kassen-gewinn-fuer-2012, http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/747867/Musterschueler_Krankenkassen-uebererfuellen-Finanzziele) auch daran zweifeln kann.

Written by medicus58

22. Januar 2013 at 17:45

Was lange verhandelt wird: Die Gesundheitsreform und das Ende des Sozialstaates

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Morgen, am 13.6. sollen die Eckpunkte des neuen Gesundheitssystems unterzeichnet werden, die Bund, Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Länder vereinbart haben. Die Wiener Zeitung (Gesunde Grenzen für die Kostenspirale) scheint im Gegensatz zu vielen anderen (z.B. die Ärzteschaft) vorinformiert. Die nachfolgenden Einträge stammen aus diesem Artikel: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/top_news/?em_cnt=464137
Der „Wiener Zeitung“ liegt das Papier vor, das Finanzministerin Maria Fekter, Gesundheitsminister Alois Stöger, Landeshauptmann Josef Pühringer, Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, Hauptverbands-Präsident Hans-Jörg Schelling und die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkassen Ingrid Reischl am Mittwoch unterzeichnen werden. Ab 2013 soll aber eine gemeinsame Zielsteuerung der überbordenden Kostensteigerung – vor allem im Spitalsbereich Einhalt gebieten. Ein bundeseinheitliches Krankenanstaltengesetz wird es aber nicht geben, die Länder beharren auf ihren Landesgesetzen.
Das heißt, der Bund geht erneut vor den Landeshauptleuten in die Knie. Die letzten Jahre hat gzeigt, dass es für den Bund, der letztlich für die anfallenden Defizite aufkommen muss, die bauwütige (http://wp.me/p1kfuX-k5http://wp.me/p1kfuX-kg) Landesfürsten anrichten.  Morgen, Mittwoch, soll eine „Politische Vereinbarung über ein partnerschaftliches Zielsteuerungssystem für das österreichische Gesundheitswesen und einen Ausgabendämpfungspfad für die öffentlichen Gesundheitsausgaben“ unterzeichnet werden. Damit wird die Basis geschaffen, auf der eine Vereinbarung gemäß Artikel 15a der Bundesverfassung unter Beteiligung der Sozialversicherung erarbeitet werden kann.
Ich weiß ja nicht, ob diese Formulierung akkordiert ist, aber dass, nachdem die Kammern in den Verfassungsrang gehoben wurden, auch die Sozialversicherung in einen Prozess eingebunden wird, der in der Bundesverfassung nur zwischen Ländern und Bund abzulaufen hat, ist m.E. bizarr. Diese soll im Oktober fertig sein. Mit 1. Jänner 2013 sollen das gemeinsame Zielsteuerungssystem und die Ausgabenobergrenzen in Kraft treten. Mit 1. Jänner 2013 sollen das gemeinsame Zielsteuerungssystem und die Ausgabenobergrenzen in Kraft treten.
Das Bild (Copyright liegt bei Hauptverband und Wiener Zeitung) zeigt die beabsichtigten „Kostendämpfungen“ Bund, Sozialversicherung und Länder legen gemeinsam ein sektorenübergreifendes (intra- und extramuraler Bereich) Zielsteuerungssystem vor, das Versorgungs- und Finanzziele beinhaltet. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben dürfen künftig nicht stärker als das BIP wachsen.
Wie kürzlich schon hier (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67163) angesprochen, besteht notgedrungen ein Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung einer Gesellschaft und den Steuereinnahmen und Geld, dass die öffentliche Hand nicht hat, kann sie nicht ausgeben. Es widerspricht aber sowohl dem Versicherungs- als auch dem Solidaritätsgedanken, dass ich im aktuellen Schadensfall nur das bekommen kann, was ich gerade einzahle. Gerade die antizyklischen Aktivitäten der öffentlichen Hand stabilisieren das Leben der Bürger, wenn die Wirtschaft ihre Schweinezyklen abfeiert.
Es ist auch bemerkenswert, dass NOCH NIEMAND eine BINDUNG DER WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG ODER BANKENRETTUNG an das BIP gefordert hat, sondern man sich stets an den Gesundheits- und Sozialsystemen bedient.
Die Länder erhalten ein virtuelles Budget, das sich Sozialversicherung und Land aufteilen müssen. Es bleibt also eine Entscheidung der beiden Partner auf Länderebene, ob sie Ambulanzen abbauen und dafür den niedergelassenen Bereich stärken oder eben umgekehrt. Wichtig ist dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger, dass hier gut abgestimmt wird. Einen Ausbau der Ambulanzen bei gleichzeitiger Erhöhung der Gruppenpraxen oder der Verlängerung der Ärztepraxen-Öffnungszeiten wird es nicht geben. Hier ist bemerkenswert, dass zwar der Hauptverband in den Spitalsbereich hineinregieren kann, für den er im Schnitt weniger als die im Artikel angegebenen 50% beiträgt, umgekehrt aber nicht darauf reagiert wird, dass die SPITALSAMBULANZEN DESHALB ÜBERLASTET SIND, WEIL DER NIEDERGELASSENE BEREICH nicht funktioniert.
„Es ist ein Kompromiss und nicht die beste Lösung“, analysiert Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für höhere Studien das vorliegende Papier für die „Wiener Zeitung“. Aber immerhin gebe es eine vertragliche Verpflichtung zu Ausgabenobergrenzen. Hier stiert einem die Unvernunft mit glasigen Augen an. Hauptsache „Deckel“! Wir wissen eh, dass das System schlecht ist, aber dafür beschränken wir die Kosten.
Verantwortlichkeiten nicht geklärt
So kritisiert Czypionka etwa, dass die Verantwortlichkeiten nicht geklärt sind: „Wenn die Versorgungsziele nicht erreicht werden, wer ist dann wem gegenüber Rechenschaft schuldig?“ Das sind wir gewöhnt: Im ÖSG (Österr. Strukturplan Gesundheit) kann stehen was will, wenn der Gesundheitsstadtrat nicht will, werden defekte Großgeräte drei Jahre lang nicht ausgetauscht, hat man einen guten Draht zu ihm, dann sprudeln die Mitteln nur so.
Wenn das alles so kommt, wie es die Wiener Zeitung schreibt (und auch andere Informationen sprechen seit vielen Wochen dafür), dann haben wir es mit folgenden Fakten zu tun.

DER SOZIALSTAAT, DER IN WIRTSCHAFTLICHEN KRISEN GEGENSTEUERN KANN (wenn er es noch kann) WIRD DURCH EINE KOSTENBINDUNG AN DAS BIP ENDGÜLTIG BEGRABEN.

DIE POLITIK NIMMT SICH WIE SCHON IM FISKALPAKT JEDE INTERVENTIONSMÖGLICHKEIT UND HAT ABGEDANKT.

DIE BÜRGER (ARBEITNEHMER UND ARBEITGEBER) MÜSSEN ZWAR UNTER DEM TITEL „KRANKENVERSICHERUNG“ ZAHLEN, DABEI HANDELT ES SICH JEDOCH UM KEINE VERSICHERUNG MEHR.

SOLANGE ES LANDESHÄUPTLINGE GIBT, WIRD ES IN DIESEM LAND KEINE FINANZIERUNG DES GESUNDHEITSWESEN AUS EINER HAND GEBEN.

Written by medicus58

12. Juni 2012 at 17:02

Familie Putz geht zum Gesundheitsdienstleister

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Hans Jörg Schelling
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_J%C3%B6rg_Schelling  , studierter Betriebswirt, Möbelhändler bei Leiner/KIKA und nach Differenzen bei XXXLutz und erst seit 21. Jänner 2009 Vorsitzenden des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Mit der von professionellen Unternehmensberatern gewöhnten Geschwindigkeit, legt er nach kurzer Einarbeitungszeit die Strategische(n) Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitswesens aus Sicht der Sozialversicherung, den MASTERPLAN GESUNDHEIT vor. http://images.derstandard.at/2010/11/19/masterplan.pdf  Beliebte Begriffe sind einerseits pseudomarktwirtschaftliche Termini wie Gesundheitsdienstleister, Zertifizierung und andererseits Plattheiten, die jeder alternativmedizinischer Verkaufsfahrt alle Ehre machen würden: ganzheitlichen Ansatz zur Verbesserung der Gesundheit vergangenheitsorientiert, Vom Lippenbekenntnis zum Lebensprinzip Man könnte ja fast glauben, dass alle bisher von der Politik eingesetzten Player ( http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31614  ) nur zu dumm waren, die Wahrheit zu sehen und die einzige Lösung zu finden. Danach breitet Herr Schelling seine Wahrheiten aus und verspricht durch die gänzliche Elimination der Ärztinnen und Ärzte aus dem Entscheidungsprozess endlich Statt auf Krankheit, den Blick auf Gesundheit lenken. Ich vertrete nicht die Position der Österr. Ärztekammer, aber deren Resolution zum Masterplan läßt tief blicken, mit welcher Hü-und-Hott-Politik in den letzten Jahren in diesem Land Gesundheitspolitik gemacht wird: http://www.aekwien.at/aekmedia/Masterplan_Resolution.pdf  Nur in einem Punkt trifft Herr Schelling die Wahrheit: Die Versorgung erfolgt nicht nach dem Bedarf, sondern nach den Zuständigkeiten der Akteure im Gesundheitswesen Der Hauptverband der Österr. Sozialversicherungen ist seit Jahrzehnten einer dieser Akteure und glaubt uns jetzt glauben machen zu können, dass seine Meinung neutral wäre ……
Vergleiche auch:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33160
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33251
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33820

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