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Coronaviren: Grenzen sperren, denn das Böse kommt immer von außen!

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Offenbar entspricht es einem unausrottbarem Mythos, dass zwar auch die Verwandten und Freunde betrügen, rauben und morden, aber gefürchtet wird das Fremde.

Nachdem man mit der Sperre der Balkanroute (für Asylwerber) keinen politischen Blumentopf mehr kaufen kann, versuchen Politiker (nicht nur bei uns) die Pandemie als Vehikel für ein wohliges Burggefühl zu missbrauchen, um uns hinter sich zu scharen. Ob es Ihnen dabei primär um unseren Schutz geht bezweifle ich zunehmend.

Waren es zuerst – und für Trump noch immer – die Fledermaus-fressenden Chinesen, die an der Malaise schuld waren, sind es nun die Party-feiernden Kroatien Urlauber.
Zumindest bei uns, in Deutschland traf der politische Bannstrahl natürlich deren liebstes Urlaubsziel, eben Malle.

Selbstverständlich können Sie nun einwenden, dass Clusteranalysen gezeigt hätten, dass der tägliche Zuwachs an positiv Getesteten eben in beiden Ländern grad von dort stammt, geschenkt, aber im Kern ist das eben gleichgültig.

Dazu folgende Argumente:

Das Wesen einer Pandemie liegt eben darin, dass sich eine Gefahr weltweit verbreitet hat. Auch wenn die G’schicht in meinem kleinen Burghof bislang gut gelaufen ist, hilft mir das wenig, wenn Distanzierung absehbar meine einzige Verteidigung bleibt.
Seit Ostern tun die Verantwortlichen so, als müssten wir nur noch die nächste Woche, das nächste Monat, das Schuljahr, die Ferienzeit, … gut durchstehen, um einen Endsieg zu feiern. Offenbar gelang es der enormen PR-Kampagne zu vernebeln, dass die gesundheitliche Zukunft gerade der in der Pandemie-Bekämpfung erfolgreichsten Staaten in Wirklichkeit vom Verlauf in den am stärksten betroffenen Staaten abhängt, da eine ewige Abschottung völlig unrealistisch ist.

Das seit Monaten munter gespielte Spiel mit wechselnden Reisewarnung gibt nur vor den Bürger schützen zu wollen, ist aber fachlich für den Einzelfall völlig unsinnig, da Ihr individuelles Infektionsrisiko viel stärker von Ihrem Verhalten (egal ob Sie in einem österreichischen Schlachtbetrieb arbeiten müssen oder in der kroatischen Disco abfeiern wollen) bestimmt wird, als von den aktuellen Zahlen an Ihrem Aufenthaltsort.

Obwohl die Zahlen in den einzelnen Ländern wegen unterschiedlicher Teststrategien und Krankheitsdefinitionen letztendlich wenig aussagen und meist mit absoluten Zahlen an positiv Getesteten herumdiskutiert wird, hilft es die vorliegenden Daten auf die Einwohnergröße zu normieren und sich immer bewusst zu sein, ob die Graphen linear oder logarithmisch skaliert sind.

Wenn Sie sich den Screenshot aus dem heutigen Standard ansehen, so können Sie den gleitenden Mittelwert der täglich neu bestätigten Fälle normiert auf eine Million Einwohner einiger relevanten Länder vergleichen. (Online erlaubt es Ihnen der Standard auch weitere Länder anzuzeigen und auch die Parameter anzupassen).

Für Kroatien ergibt das aktuell 27,56 neue positiv Getestete/Mill EW und das liegt dort wo Portugal (20,06) liegt, für das schon länger eine Reisewarnung besteht, aber doch deutlich z.B. hinter den Niederlanden (41,77). Wer aktuell durch Österreich reiste weiß, dass sehr viele Niederländer bei uns Urlaub machen, aber während holländische Städte Touristen ersuchen daheim zu bleiben, habe ich das von unserer Regierung noch nicht gehört, dass man den niederländischen Touristen Ähnliches rät.

Was kann man aber von der Fürsorgepflicht unserer tückisch-grünen Regierung halten, wenn der Bannstrahl auf den Balkan gerichtet wird, aber die eigene Bevölkerung nicht vor den Virusträgern aus Amsterdam und Den Haag schützt?

Die ehrwürdige BBC deckte vor vor zwei Wochen auf, dass die Mullahs im Iran vermutlich doppelt so viele Fälle hätten, als zugegeben (Coronavirus: Iran cover-up of deaths revealed by data leak) und die Welt erschauderte. Nun, die „offiziellen Zahlen“ geben für den Iran heute 27.65 täglich neu bestätigter Fälle/Mill EW an, was ja knapp Schweizer Verhältnisse wären (Schweiz 23,14). Aber, selbst wenn man diese Zahl verdoppeln würde liegen wir mit (Iran korrigiert) 55,3 noch immer kommod unter Spanien (86,93) und Bosnien und Herzegowina (aktuell 80,46) aber nur knapp über den Niederlanden (siehe oben).

Na, und weshalb Italien (7,21) noch kein Einreiseverbot gegen Österreich (19,99) ausgesprochen hat, bleibt völlig unklar.

Natürlich ist ein evidenzbasiertes Management der Pandemie nicht leicht, aber das sinnentleerte Gesäusel von Außenminister Schallenberg, das vorgibt unser aller Bestes zu wollen und in Wahrheit das Resultat der Formel
Machtanspruch x Medienwirksamkeit/Hilflosigkeit exp
Wirtschaftsinteressen x politische Rücksichtnahme
ist.

Verantwortungsvolle Gesundheitspolitik ist das nicht!

Written by medicus58

15. August 2020 at 15:41

Urlaub von Corona – ein Selbstversuch in Kurzistan II

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Die Krone berichtete über die Schwierigkeiten eines Wiener nach der Rückkehr aus St. Wolfgang, als er selbst bemerkte, dass er sich mit SARS CoV2 angesteckt hat, ja, möge man nun klugscheißern, weil wir Ösis halt nicht dem Datenschutz ein Schnippchen schlagen, und die Aufenthaltsdaten aller lokal erheben und aufzeichnen, wie gleich nebenan der Deutsche, in Gestalt des Bayern.

Söder, der dortige Landesherr denkt deshalb ja grad ernsthaft nach, alle Heimkehrern aus Ösi Land, zu testen und quarantänisieren. In seinem schönen Ländchen, schreibst in jedem Wirtshaus deine Daten nieder, damit man dich rückverfolgen kann, wenn’s da was gabat.

Der Zettel bleibt aber dann doch irgendwie unbemerkt und ungesammelt am Tisch liegen. Kannst net erfinden, brauchst auch not, weil die Deutschen haben ja im Gegensatz zu den Ösis in Heerscharen ihre Corona Warn App, die das Contact Tracing eh für sie erledigt.

Ja, wenn da nicht der Bug wäre, dass sie im Hintergrund von den Stromspar Apps der Handys am aktualisieren gehindert würde. Hätte ich als Ösi und Wertkartenbesitzer diese App auf meiner Gurke käme ein zusätzliches Problem dazu: Mit einer alten Sim, deren Provider in der letzten Zeit den Besitzer gewechselt hat, geht Datenroaming nur nach einem händischen Update der APN Einträge und dann so gedrosselt, dass es auch bezweifelt werden darf, dass eine Warnung innerhalb der Inkubationszeit eintrifft.

Ruhig bleiben und einfach tief durchatmen, so lange es noch geht,war während der Pest damals auch nicht anders.

Written by medicus58

28. Juli 2020 at 07:59

Veröffentlicht in Reisen

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Begrenzte Epidemiologie, oder was ich mir gerne erklären lassen würde

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Zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus‘ wurden zu allen Nachbarländern Grenzkontrollen wieder eingeführt.
Personen, die aus diesen Ländern nach Österreich einreisen wollen, haben ein ärztliches Zeugnis über ihren Gesundheitszustand mit sich zu führen, das einen negativen molekularbiologischen Test auf SARS-CoV-2 bestätigt. Das Zeugnis darf bei der Einreise nicht älter als vier Tage sein. Personen, die ein solches Zeugnis nicht vorlegen können, wird die Einreise verwehrt. Österreichischen Staatsbürgern oder Personen, die ihren Haupt- oder Nebenwohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben, ist es erlaubt, sich zu einer unverzüglich anzutretenden 14-tägigen selbstüberwachten Heimquarantäne zu verpflichten (Bestätigung durch eigenhändige Unterschrift).
Link Innenministerium

Nehmen wir zum Beispiel die Slowakei ,die scheint dem Außenministerium besonders gefährlich:

Hohes Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 4) im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) und damit einhergehenden massiven Einschränkungen im Reiseverkehr.


Aber auch den slowakischen Behörden, scheint Österreich brandgefährlich:

Alle Personen, die in die Slowakei einreisen, müssen die 14-tägige Pflichtquarantäne in einem staatlichen Quarantänezentrum antreten. Dort werden sie auf Corona getestet und können bei negativem Testergebnis die verbleibende Zeit der 14-tägigen Quarantänedauer in Quarantäne zu Hause („Heimquarantäne“) verbringen.

Jetzt haben wir aktuell (Link) pro Million EW in Österreich 71 und in der Slowakei 5 Covid-19 Tote, also verstehe ich, vielleicht irgendwie, weshalb sich die Slowaken vor uns fürchten, aber warum wir uns vor ihnen fürchten ist mir unklar.

Den gleichen Tanz gibt es zwischen der Schweiz und Österreich, Rückkehrer nach Österreich müssen entweder einen sündteuren Test PCR Test machen, der relativ wenig bei Asymptomatischen in diesem Setting aussagt oder auch 14 Tage in Heimquarantäne.

Die Schweiz hat 220 Covid-19 Tote/Million EW, wir wie gesagt 71.

Der Punkt ist aber, praktisch alle mitteleuropäischen Staaten haben irgendwie ähnliche Verhaltensregel, wir mit unseren 1m Babyelefanten kommen uns näher als manche anderen, dafür sind die Geschäfte schon länger offen …

Woher nimmt sich der Staat das Recht Bürger, die sich an all diese Regeln halten, egal in welchem Land sie sich gerade aufhalten, wie Aussätzige zu behandeln?

Was hat das mit Virologie zu tun, was mit dem Topos, draußen ist’s gefährlich, there is no place like home, bleibt in Kansas.

Written by medicus58

23. Mai 2020 at 20:27

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Europas Vertrauenskrise: Einer der zum Schießen einreist

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Europastudio

Paul Lendvai versammelte in seinem Europastudio wieder einmal eine Gruppe von „wichtigen“ Journalisten“ von „angesehenen europäischen Medien“ (FAZ, NZZ, …) um über die Ursachen von Europas Vertrauenskrise zu diskutieren.
Unter wiederholter Anrufung von Nitsche, Hegel und Churchill zerbrach man sich den Kopf, weshalb die Menschen das Friedensprojekt der Europäischen Union so gar nicht schätzen. Etwas uneinig war man, ob der Widerstand nur Sache des kleinen Mannes oder vielleicht auch doch von Teilen der Eliten ist.

Wie stets in derlei Erörterungen, brachte der Herr Professor wieder das Totschlag-Argument vor, dass die Menschen sich schon daran gewöhnt haben innerhalb von Europa die bestehenden  Nationalgrenzen nach Belieben überschreiten zu dürfen, dass sie diese Freiheit gar nicht mehr als wesentlichen Gewinn der Euorpäischen Einigung erkennen.

Möglicherweise liegt es daran, dass Lendvai und seine Gesprächspartner zwar in Zeitungen schreiben, diese aber nicht lesen, sonst würden sie die Löchrigkeit des Arguments erkennen.

Die Abreise des Österr. Fußball-Nationalteams zur EM 2016 nach Frankreich verzögerte sich letzten Mittwoch deshalb, weil Offensivspieler Martin Harnik seinen Reisepass im Hotel vergessen hatte und ihm das Dokument vom Hotel zum Flughafen nachgebracht werden musste. http://diepresse.com/home/sport/fussball/euro/5007089/Harnik-vergisst-Pass_OFBAbreise-mit-Verzogerung?
Das zeigt doch sehr schön, dass wir europäische Grenzen im Schengenraum wie auch vor unserem EU-/Schengen-Beitritt nur mit dem Zücken eines Reisepasses überwinden dürfen.
Visa zwischen Österreich und Frankreich benötigte man zu meinen Lebzeiten ohnehin nicht. Also was hat sich da für den Einzelnen geändert, das er nun als großen Gewinn erkennen soll?
Im kleinen Grenzverkehr, wurden Einheimische auch schon früher einfach durch gewunken.

Über diese eigenartige Diskrepanz habe ich mich hier schon im Mai 2011
Das können wir uns Schengen https://medicus58.wordpress.com/2011/05/19/das-konnen-wir-uns-schengen/

und im November 2013 Gedanken gemacht
Grenzen https://medicus58.wordpress.com/2013/11/20/grenzen/  .

Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit der angespannten Sicherheitslage um die EM 2016.
Den Grenzbeamten möchte ich gerne kennen lernen, der einen im Rahmen der Nationalmannschaft reisenden Fußballer, dessen Identität wohl jeder seiner Gruppe glaubhaft bestätigen könnte, die Einreise verweigern muss, weil er ihn ohne Reisepass für eine Sicherheitsbedrohung erachtet.

Millionen passierten in den letzten Monaten europäische Grenzen ohne Ausweisleistung und Registrierung.

Ein österreichischer Fußballer aus einem Schengenland braucht aber einen Reisepass um in ein anderes Schengenland zu fliegen, obwohl seine Identität völlig klar war und er sogar zugeben würde, dass seine einzige Absicht war, in Frankreich möglichst viel herum zu schießen:
Tore aber, nur Tore und (mit größter Wahrscheinlichkeit) nix anderes.

 

 

 

 

 

 

 

Written by medicus58

12. Juni 2016 at 12:42

Die moralischen und politischen Grenzen des Grenzschutzes

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Rom

Die Türkei schützte die Integrität Ihrer Grenzen durch den Abschuss eines Kampffliegers, der sich weniger als 2 Meilen und für 17 Sekunden über türkischen Hoheitsgebiet aufgehalten hat:

https://twitter.com/wikileaks/status/669188253279473664

Seit Monaten überschreiten Hunderttausende Menschen unkontrolliert die türkische Grenze, um in die EU zu gelangen. Mehrere unabhängigen Presseberichten zufolge schreitet der türkische Grenzschutz nicht ein. Auch große Bestechungssummen an lokale türkische Behörden werden immer wieder behauptet.

Wer angesichts dieser und anderer Widersprüche noch an die Legitimität staatlicher Gewaltmonopole glauben kann, ist – gerade vor Weihnachten – zu beneiden. Er muss auch noch an das Christkind glauben.

Written by medicus58

25. November 2015 at 07:46

Innere Grenzen im Friedensprojekt Europa: oder worüber Schottland auch abstimmt

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PeaceLine_Belfast_2

Auch unsere Medien haben letztlich die potentielle Sprengkraft der bevorstehenden Abstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands erkannt und berichten über das für 18. September geplante Referendum (http://de.wikipedia.org/wiki/Unabh%C3%A4ngigkeit_Schottlands).

Viel weniger wird über den in den letzten Monaten immer lauter werdenden Ruf nach Unabhängigkeit Kataloniens berichtet, über die am 9. November abgestimmt werden soll.
http://de.wikipedia.org/wiki/Referendum_%C3%BCber_die_politische_Zukunft_Kataloniens_2014

Gleichzeitig, am 9. November wird Berlin den 25. Jahrestag des Mauerfalls (http://www.berlin.de/special/25-jahre-mauerfall/) gefeiert, jedoch wäre es gefährlich darüber die vielen anderen Bruchlinien imFriedensprojekt Europa zu übersehen.

Mitten durch Belfast läuft noch immer eine sogenannte Peace line(http://de.wikipedia.org/wiki/Friedenslinien) zwischen den Wohngebieten irischer Nationalisten und britischer Unionisten. Heute spielen zwar Kinder, wo noch vor wenigen Jahren Heckenschützen lauerten, aber es benötigt wenig um sich vorzustellen, was eine Unabhängigkeit Schottland für den eingefrorenen Konflikt in Nordirland bedeutet.

PeaceLine_Belfast_1

Wo bis 2003 Menschen erschossen wurden, spielen augenblicklich Kinder.

 

http://www.derwesten.de/reise/peace-line-schutzmauer-in-belfast-ist-touristenattraktion-id8880277.html 

http://bigstory.ap.org/article/belfast-keeping-peace-means-city-walls 

Written by medicus58

15. September 2014 at 19:09

Wie man mit drei Plastiksäcken voll Baileys durch Europa reist

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Baileys

Vielleicht kennen Sie Umberto Ecos köstlichenText „Wie man mit einem Lachs verreist„, in dem er sein Scheitern schildert, einen in Stockholm günstig erstanden Lachs in genießbarem Zustand heim zu bringen.

Die Zwischenlagerung des guten Stücks in einem Hotelkühlschrank im Zusammenhang einem größeren Computerfehler des Etablissements führte letztendlich dazu, dass der Herr Professor vor seinen Kindern als Säufer dastand und der Omega-3-Fettsäurengehalt des Schuppentiers so drastisch fiel, dass er ungenießbar wurde.

Dieser Text erschien 1986.

Meine Geschichte aus 2014 wird es wohl kaum in den Hanser-Verlag schaffen, gerade deshalb möchte ich sie Ihnen hier nicht vorenthalten:

Auf der Rückreise aus dem schönen Irland fühlte ich mich bemüßigt, am Flughafen ein dringlich als Mitbringsel eingefordertes FläschchenBAILEYS Irish Cream zu erstehen. Angesichts der nicht gerade günstigen Preise im westlichsten Euroland griff ich zum günstigen Multipack, mit der netten Aussicht so ein zweites Fläschchen für den eigenen Kühlschrank zu erhalten.

In Einklang mit den aktuellen Sicherheitsbestimmungen wurden die beiden Flaschen in einen ersten Plastiksack mit behördlichem Aufdruck verstaut. Eindringlich wurde ich darauf hingweisen, dass es mir nicht gestattet wäre, mich an dem süßem Nass schon bei der Zwischenlandung zu laben.

Vollbesetzt wie die Flieger heute sind waren die Gepäckablagen schon rammelvoll, als ich meine beiden Flaschen dort hineinpresste.

Der zweite Akt der Posse begann bei der neuerlichen (!) Sicherheitskontrolle in Frankfurt. Als ich und mein Handgepäck im Transit – aus welchem Grunde auch immer – nochmals durchleuchtet wurde, missfiel der diensthabenden Dame mein mittelprozentiges Mitbringsel. Mit hochgezogenen Augenbrauen verwies sie auf einen hellbraunen Flüssigkeitsspiegel innerhalb des Plastiksäckchens Nummer eins.  Offenbar hat eine der Flaschen den Flug hierher im dicht gepackten Locker nicht heil überlegt. Ich war schweren Herzens bereit, die kaputte Flasche und ihren schmackhaften Inhalt der Sicherheit des europäischen Flugwesens zu opfern, jedoch lehnte das mein Gegenüber strikt ab.
Würde ich den verschlossenen Plastiksack nun öffnen, müsste ich beide Flaschen opfern, jedenfalls wäre es mir untersagt, die heile Flasche in den Flieger mitzunehmen.

Satzungemäß konnte die harsche Maid nur den ersten Plasticksack in einen zweiten, selbstverständlich ebenfalls mit offiziellem Auftruck versehenen, Sack stecken, um mir so zu ermöglichen, eine – von viel Baileys umflutete – intakte Flasche gemeinsam mit einem zu Bruch gegangenen Gebinde nach Hause zu schleppen.

Im Gegensatz zu meiner süßen Fracht schon ziemlich angesäuert, stopfte ich die beiden Plastiksäcke in die Gepäckablage meines Anschlussfluges, nur um kurz danach – im dritten Akt des Dramas -erneut mit meiner Malaise konfrontiert zu werden, als ein anderer Fahrgast, der verzweifelt sein Handgepäck in den überfüllten Locker stopfen wollte, den Steward auf das flüssigkeitsgefüllte Doppelpack aufmerksam machte. Der Flugbegleiter kam nun mit einem dritten – nun sehr dicken – Plastiksack und versenkte mit einem bedauernden „schade drum“ anschließend die Fracht irgendwo im hinteren Teil des Fliegers.

Erst daheim durfte ich, ohne irgendwelche Sicherheitsregeln des internationalen Flugverkehrs zu brechen, die in einem Liter Baileys gebadete, überlebende Flasche, bergen und die zerbrochene Flasche der Altglassammlung übergeben.

Als Beitrag zur europäischen Flugsicherheit schleppte ich also eine zerbrochene Glasflasche und eine Liter Irish Cream in drei Plastiksäcken durch halb Europa und konnte mich nicht wirklich schlüssig erklären, weshalb wir uns alle einen derartig Schwachsinn bieten lassen.

Written by medicus58

31. August 2014 at 22:46

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Grenzen

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Man versucht uns so manches Ungemach der EU mit der anscheinend durch sie erlangten grenzenlosen Bewegungsfreiheit schön zu reden, zumindest so lange wir uns im Umkreis von Schengen herumtreiben.
Für den Flugverkehr ist das natürlich gelogen. Auch wenn beim Einchecken die Kreditkarte reicht, solange wir mit ihr den Flug gebucht haben. Wenn wir uns dann mit etwas anderem als einem Reisepass gegenüber Fluglinien, Grenzern oder sonstigen Amtskappelherumträgern ausweisen wollen ist Stunk vorprogrammiert. Bahnreisen sind da anders. Auch wenn der Ankauf der Bahnkarten schon mal einem Spießrutenlauf gleichen mag (es wurde hier darüber lamentiert) auf der Reise pfeift sich keiner den auf den Tickets ausdrücklich erwähnten Identifikationszwang auszuüben.
Sowohl der österreichische als auch der tschechische Schaffner begnügen sich mit einem Zangenabdruck auf dem Fahrausweis.
Wäre irgendwie sympathisch zeugte es von bürgerlichen Rechten und nicht von der Gleichgültigkeit eines altmodisch gewordenen Fahrgeschäfts. Oder geht’s doch um was anderes.

Es sind aus terroristischer Absicht sicher schon mehr Züge als Flugzeuge gesprengt worden.
Schmuggeln lassen sich im Zug sicher mehr Waren als im auf 20kg  beschränkten Flugepäck. Und wenn man es wirklich will, kann man im einem geschickt gesprengten Zug mehr Menschen umbringen als durch den mutwillig herbeigeführten Ansturzes eines Flugzeugs.
Weshalb greifen sie uns auf den Flughäfen immer unverschämter aus, nehmen immer größerer Warteschlangen in Kauf und wollen in immer kürzeren Abständen unsere Reisepässe befingern ( zu Letzt in zB 2x innerhalb von 10 m !! ), wenn es anders, siehe Bahn, auch geht?
Denen die sagen, dass es wohl sensiblere Grenzen gibt als die zwischen Tschechien und Österreich kann entgegengehalten werden, dass sich das Geschilderte tendenziell auch an kritischeren Grenzen weltweit beobachten lässt.
Vielleicht geht es gar nicht um Recht, Ordnung und bürgerliche Sicherheit,  sondern um den ungleich höheren Kapitaleinsatz den eine B747 im Vergleich zu einer ÖBB Garnitur darstellt.
Wiedereinmal geht es in Europa um den Schutz des Kapitals und nicht so sehr um den Bürger.

Written by medicus58

20. November 2013 at 15:41

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