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Ungereimtheiten zum Tode vor dem Spital und alle wissen es nun besser

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Ein Mann wurde am 2.11. von einer Passantin in seinem Auto bewusstlos aufgefunden: Diese wendet sich um Hilfe an den Portier eines nahe gelegenen Belegspitals und wird mit der Bemerkung, die Ärzte dürften das Spital nicht verlassen abgewiesen und auf die Zuständigkeit der Rettung verwiesen.
Letztlich kommen doch Spitalsärzte auf die Straße,
rasch ist die Rettung da und bringt ihn in eine nahe gelegene Notaufnahme, was den Mann nicht mehr retten kann:
Mediale Aufregung bis gestern im ORF Thema.

Selbstverständlich ist das Geschehen für Angehörige, Beteiligte und medizinische Laien unverständlich, wobei die befragten Experten in meinen Augen wenig zur Klärung beitrugen. Einigkeit herrscht offenbar nur, dass der Hauptschuldige der Portier war und wie immer alle nachgeschult werden müssen. Vielleicht erinnern wir uns an einen Vorfall IN diesem Krankenhaus: 
Patientin vergiftet: Nur der Turnusarzt muss zahlen

Für Jurist und Kammeramtsdirektor der Wiener Ärztekammer, für den Gesundheitsstadtrat und die Patientenanwältin war es sofort klar, dass in solchen Fällen Spitalsärzte aus dem Haus eilen müssten (was übrigens innerhalb eines gewissen Radius auch meiner Empfindung entspräche). Nachdem sich die betroffene Spitalsleitung (wie wir gleich sehen werden konkordant) auf das Krankenanstaltengesetz berief und war ihnen schlussendlich plötzlich klar, dass im Notfall alle Vorschriften außer Kraft gesetzt werden können und müssen. Nur scheinbar eindeutig die von der Presse zitierte Aussage eines KAV- Sprechers: Bei uns gibt es keine Regelung, die so etwas besagen würde. Wenn es um das KAV-Areal geht, dann ist das Spitalspersonal zuständig.“

Ja, wenn es um das Spitalsareal geht, ist die Sache sonnenklar, aber darum ging es hier nicht, wenn man Spitalsareal im Sinne des Grundbuches interpretiert.

Was mich an diesem Fall, unabhängig ob eine sofortige ärztliche Hilfe an seinem Ausgang etwas geändert hätte aber nun ärgert, ist meine persönliche Erfahrung, die in arger Diskrepanz zu den forschen Aussagen der üblichen Wortspender steht: 

Erstens werden zumindest in einem großen Krankenhaus seit vielen Jahren neu eintretende Ärzte explizit vom Notfallteam darauf hingewiesen, dass die Zuständigkeit der Herzalarmteams an den Spitalsgrenzen endet und dort im Notfall die Rettung zu verständigen ist. Davon scheint nun niemand mehr was im System zu wissen.

Dass dem so ist habe ich selbst erfahren müssen, als sich das Eintreffen der Rettung verspätete und ich vergeblich versuchte eine nach einem Sturz zwar nicht lebensgefährlich verletzte aber trotzdem stark blutende alte Frau von der Straßenbahnhaltestelle vor einem Spital in dieses zu „turfen“.

Warum wird in all der Auseinandersetzung nicht auf den sehr unterschiedlichen Qualifikationsgrad verschiedener Spitäler und Spitalsbetreiber verwiesen, um auch der Öffentlichkeit klar zu machen, dass das „Rosinenpicken“ im Finanzierungssystem zu Lasten der Häuser der öffentlichen Hand geht, die eben eine entsprechende Vorhaltekapazität einrichten, die nicht adäquat refundiert wird.

Ja, und wenn sich das betreffende Beleg- (nicht Schwepunkt-)spital der Vinzengruppe auf seiner Homepage wie folgt präsentiert: 

Mehr als nur ein Krankenhaus
Das Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien, ein Unternehmen der Vinzenz Gruppe, ist auf Gefäßmedizin, Herzerkrankungen, Neurologie und Chirurgie, insbesondere für ältere Menschen spezialisiert.

Ja, dann frägt sich nicht nur der medizinische Laie, weshalb nach Aussage der Spitalsleitung Expertise, Geräte und Schulung FÜR DIE ERSTVERSORGUNG EINES KREISLAUFSTILLSTANDES IN DIESEM SPITAL FEHLEN (wir reden hier noch nicht von Akutkatheter, Ballonpumpe, oder ECMO).

Ja, weil seit 2012 Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes im Gesundheitssystem herrscht. Insbesondere auch von den genannten Wortspendern.

Written by medicus58

13. November 2018 at 15:53

Guter Artikel und Kommentar von Peyerl zum Urteil

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Written by medicus58

17. Juli 2013 at 17:47

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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