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Verhüllungen sind immer eine Glaubensfragen, vom Niqab zum Mund-Nasenschutz

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Ob der Koran das Verhüllen (von Frauen) nun explizit fordert oder es sich dabei mehr um eine Tradition handelt ist unter Imamen offenbar umstritten. Papst haben sie ja keinen, der das wie die jungfräulich Geburt per Weisung außer Streit stellt.

Der immer wieder, aktuell zwischen Allerberger (AGES) und Puchhammer (Meduni Wien), bricht auch der Streit über die Sinnhaftigkeit des Mund-Nasen-Schutzes, vulgo der Maske, aus. Auch hier gibt es viele Gegenpäpste und der Kampf wurde zuletzt auch durch das Verbrennen von Masken ganz demonstrativ geführt.

Dass verbrannte Masken definitiv nicht schützen sollte ebenso einleuchten, wie dass jede Barriere zwischen Atemwege und Umgebung etwas schützt.

Was mich seit Monaten so ärgert, ist die klassisch abrahamitische (da schließt sich der Kreis zum Niqab) Dogmatik des alles oder nichts.

Eine frische, optimal sitzende und mehrlagiger Maske hat eine Filterwirkung, sie ist nie 100% aber auch nicht 0%. Soviel zu denen, für jene, für die Maske das Allheilmittel scheint und die sie ebenso stolz „immer dabei haben“.

In der Praxis wird die Maske immer wieder abgenommen, befingert, feuchtet bd durch und steckt zwischen zwei Gebrauchsphasen im Hosensack. Ob das was hilft, erlaube auch ich mir zu bezweifeln, ohne als Covidiot gelten zu wollen.

Es gibt, trotz all der Fauci’s und Drosdens auch hier keinen Papst, aber vielleicht trotz Pandemie Stress etwas verbliebenen Verstand:

Dort wo kein Abstand möglich ist, die Ventilation der Innenräume suboptimal und das Risiko eine Ansteckung (wie aktuell) hoch, ist die Maske vielleicht das Letzte, jedenfalls das Einzige was wir haben, ehe wir uns alle in Quarantäne begeben.

Und jetzt höre ich auf zu tippen, weil meine Brille über der Maske beschlägt und die U-Bahn mich ans Ziel gebracht hat.

Written by medicus58

28. Oktober 2020 at 07:56

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Praktischerweise gedenken wir am besten der Toten

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Prag Altjüdischer Friedhof 2

Die Stadt Wien hat kürzlich mit der Jüdischen Kultusgemeinde eine Unterstützung von 860.000 Euro für die Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Wien zugesagt  (wien.orf.at/news/stories/2605811/).
Nahezu gleichzeitig vermeldete man einen „Sensationsfund“ auf dem Jüdischen Friedhof in Alsergrund und sprach von einer neuen Touristenattraktion (wien.orf.at/news/stories/2592255/).
Bekanntlich verbietet der jüdische Glaube die Auflösung von Gräbern, da die Toten nur so ungestört auf die Ankunft des Erlösers warten können und erwartet von den Nachgeborenen die Erhaltung der Friedhöfe. Im christlichen Glauben sieht man das weniger eng, auch wenn man sich z.B. mehrheitlich gegen eine Feuerbestattung aussprach. Ein Blick auf christliche Friedhöfe zeigt aber, dass – abgesehen von den Grüften und Mausoleen Prominenter – das durchschnittliche Grab nicht viel länger als 150 Jahre zu existierten scheint. Trptzdem wäre es unpassend über unsere moralische Verpflichtung zu diskutieren, die jüdischen Gräber und Friedhöfe zu erhalten nachdem diejenigen jüdischen Generationen, die sich um die Erhaltung der Gräber kümmern hätten können erschlagen, vergast oder zumindest vertrieben wurden. Weshalb ich überhaupt das Thema anspreche, ist das eigenartige Gefühl, dass mich auch schon in Krakau oder Prag befallen hat, wo – im Gegensatz zu Wien – schon länger das jüdische Erbe der Städte aggressiv touristisch vermarktet wird. Hier besteht doch ein erklärungsbedürftiges Mißverhältnis: In all diesen Städten wurden die Juden, als sie noch in großer Zahl die Straßen bevölkerten, von diesen in eigene Ghettos vertrieben. Das erste, noch nicht so genannte, wurde im 11. Jahrhundert in Speyer errichtet, angeblich zum Schutz der Insassen . In Venedig befanden sich ursprünglich Gießerein im Stadtteil Cannaregio und die Abschottung des Gettore diente dem Brandschutz 1516 beschloss die Republik dort alle jüdische Gemeinden hinzuverfrachten. Dass diese dort vor allfälligen Bränden nicht geschützt waren, schien man billigend in Kauf zu nehmen. Nachdem Papst Paul der IV. auch in Rom ein Ghetto errichtete folgten immer mehr Städte seinem christlichen Vorbild. Wenn wir zu den beiden touristisch erfolgreichen jüdischen Friedhöfen in Krakau (Kazimierz) und Prag (Josefov)  zurückkehren, dann fällt auf, dass die Städte heute praktisch „judenfrei“ sind.
Krakau_Kazimierz

Krakau_Kazimierz 2
Lebten vor dem 2. Weltkrieg in Krakau ca 70.000 Juden so hat die jüdische Gemeinde heute nur mehr rund 120 Mitglieder. Kraukau hatte 2013 übrigens 758.940 Einwohner!

Prag altjüdischer Friedhof
Ähnliches kann man von Prag sagen: Unter insgesamt 1.246.780 Pragern, bekennen sich derzeit 1600 zum jüdischen Glauben.
Es würde zu weit führen hier noch über die in Chile errichteten Denkmäler für die indianischen Ureinwohner zu berichten, die ebenfalls weitgehend ausgerottet wurden, …
Jedenfalls scheint es leichter sich anderer Gruppen zu erinnern, wenn diese bereits außer Reichweite sind. In diesem Sinne sollte die touristische Nutzung jüdischer Friedhöfe sehr krritisch gesehen werde.

Written by medicus58

22. November 2013 at 13:28

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