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Wien: Den Sound vernahm ich wohl, allein mir fehlte der Glaube

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Nur kurz rauschte es im Blätterwald, als ein Stadt-Rechnungshofbericht wieder mal kein Haar am Wiener Krankenanstaltenverbund ungekrümmt ließ:
Es ging um das mit externen Beratern realisierte SOUND-Projekt und die Krone titelte süffisant: „Kostendämpfung“ lässt in Wien Kosten explodieren
während der Standard aus dem Bericht zitierte: Skurril ist auch, dass selbst die Beratungsfirma im KAV ein Einsparungspotenzial bei Beratungsleistungen in Höhe von 3,85 Millionen Euro erkannt hat.

Nun Leser dieses Blogs wird das kaum überraschen, da wir uns schon mehrmals (z.B.: Beraten – Verraten: Das wahre Problem hinter externen Beratern) über den Berater-Unfug im öffentlichen Dienst Gedanken gemacht haben und bereits 2014 über das angebliche Kostendämpfungs- und Sparprogramm im KAV berichtet haben: KAV: Wir sparen – koste es was es wolle
über den „Hauptberater“ dieses Projekts Erbauliches finden können: Accenture im KAV: Wir zahlen doppelt für den Strick an dem sie uns aufhängen 

Auch wenn der (IMHO zu zahme RH-Bericht) moniert, dass in all die Kosten die zusätzlichen Personalkosten der KAV Mitarbeiter, die den Externen Beratern Daten aufbereiten mussten, nicht einberechnet wurden, ist der Neuigkeitswert überschaubar, weil das konnte man vor Jahren in den Aussendungen der Personalvertreter lesen; korrigiere, natürlich nicht in denen der SPÖ-nahen Mehrheitsfraktion, die sah da offenbar kein Problem und hielt im Gemeinderat solidarisch den Mund. Es dürfen Wetten angenommen werden, ob sie bei den kommenden Personalvertretungswahlen dafür abgestraft werden!

Aber auch dieser Bericht wird wie so viele „zur Kenntnis“ genommen werden, weil inzwischen natürlich alle Köpfe ausgetauscht sind und man zukünftig das alles besser machen wird.

Apropos Köpfe, wenn nächste Woche das Rätselraten ein Ende haben wird, ob nun eine akademisierte Krankenschwester (und Gemeinderätin für den 22.) Gesundheitsstadträtin wird und das Transdanubische KH Nord erben wird, pfeift sich kein Medium mehr, ob der KAV nun wie selbst behauptet 100 Mille eingespart oder mehr für die Berater ausgegeben hat, als die eingespielt haben.
Peanuts!

Ein Schelm der Böses dabei denkt, dass der Prüfauftrag an den Stadtrechnungshof ohnehin nur eine exemplarische Prüfung der über 100 Einzelprojekte umfasst hat, so dass man der KAV Führung die Rechtfertigung (ja aber in der Gesamtsicht war eh alles supi) quasi auf dem Tablett mitgereicht hat. Aber was mich viel mehr wundert, weil ich die Kompetenz und Gewissenhaft des Stadt-eigenen RHs kenne, weshalb wesentliche Punkte unbeachtet blieben:

Der Bericht moniert u.a., dass man durch eine Wechsel der Stromanbieter (weg von der Wien Energie) sparen hätte können, obwohl (mW bis heute) ein Erlass gilt, der Teilen und Unternehmungen der Stadt Wien verbietet andere Anbieter als die im Eigentum der Stadt Wien stehenden (Wien Energie, MA48, …) zu nutzen.
Andere Verträge mit externen Anbietern (Röntgen, …) aus dem Budget des KAV und somit der Stadt blieben unerwähnt, wobei selbst jetzt in den Diskussionen um die „Anstaltswerdung“ des KAV („Wien Kliniken“) nicht klar ist, in welchem Ausmaß solche Verträge rechtens sein würden (!).

Nach meinen eigenen Erfahrungen  war aber in all den von externen Beratern durchgeführten Projekten (IMPULS, SOUND, …) der wesentliche Fehler, dass externe Firmen den Mitarbeitern diktieren konnten was sie wollten, weil es keine begleitende Kontrolle durch einen Vertreter der (General-)direktion gab, der einschreiten hätte können, wenn die Firma etwas als Auftragsbestandteil behauptet, was möglicherweise mehr im Sinne der externen Firma als des KAV war.
Da Kritik stets als fehlende Identifikation mit dem Unternehmen geahndet wurde, nahm es auch nicht wunder, dass sie seitens der Mitarbeiter oft unterblieb. Wo sie geäußert wurde (wenn z.B. Einsparungssummen auf Basis von unrabattierten Listenpreisen berechnet wurden, die vor SOUND ohnehin nie gezahlt wurden aber nun als provisionsrelevantes Resultat der Berater gesehen werden) versickerten entsprechende Mails im Rundordner.
Und letztlich fehlt die Selbstkritik, weshalb sich trotzdem immer wieder genügend Mitarbeiter fanden, die für ein bisschen Hoffnung für die eigene Position (Abteilung) bereitwillig in die Kamera lächelten KAV: Wenn das alles ist.

Vielleicht sollte der Stadt-Rechnungshof auch einmal den Einfluss des seit mindestens einem Jahrzehnt systematisch ruinierten Betriebsklimas auf all die Skandale prüfen, auch wenn es schwierig wird das in Zahlen zu gießen, IMHO sprechen wir hier von vielen Millionen!

Written by medicus58

10. Mai 2018 at 12:35

Das rote Osterei für den KAV

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KAV-Ei

Über allen Bettenstationen ist Ruh, könnte man meinen.

Nach all der Aufregung, den Demonstrationen (Fotos der Ärztedemo in Wien vom 23.3.2015 http://wp.me/p1kfuX-VO), den Anschuldigen (Lohn der Genossen: ÄK Chef Szekeres zum Abschuss freigegeben http://wp.me/p1kfuX-UT) und dem Schulterschluss zwischen den roten Gewerkschaftsgranden (Hundstorfer, Oberhauser) (Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! http://wp.me/p1kfuX-UX) um Stadträtin Wehsely und Gewerkschaftsfunktionär Meidlinger gegen die aufmüpfigen KAV Ärzte den Rücken zu stärken, hat der Gemeinderat das neue Entlohnungsschema mit den Stimmen von Rot und Grün durchgewunken.
Die ärztefeindliche Rolle der Grünen wurden hier bereits nachgezeichnet (JubelGrüne: Grüne Ärztinnen und Ärzte werden leicht einmal rot dabei… http://wp.me/p1kfuX-W9) und die Roten?

Nach dem in der nämlichen Gemeinderatssitzung gelungenen Coup (Wer glaubte, Ärzte wären nur wehleidig, möge sich Demokratieverständnis der Wiener SPÖ im Gemeinde… http://wp.me/p1kfuX-W0) diskutieren die MedienAb nur mehr, ob die Wiener SPÖ nun den grünen Abgeordneten gekauft haben oder nicht, aber niemand mehr, was denn nun mit all den Forderungen der KAV Ärzte geschehen soll.

Für unsere schrille Gesundheitsstadträtin ist die Sache gelaufen. Nur für die neue Gehaltsstruktur benötigt sie die Zustimmung des Gemeinderats, für den Rest, den ihre Berater ausgedacht haben, reichen einfache Weisungen und der bewährte interne Druck.

Die Abteilungsleiter der paar Abteilungen, die jetzt schon zu Teilschließungen oder Leistungsreduktionen gezwungen sind, weil ihnen das ärztliche Personal abhanden kommt, haben einfach Managementfehler begangen.
In Kontrollanrufen verifiziert die Generaldirektion zwar die immer länger werdenden Wartezeiten in den Spezialambulanzen, bei Beschwerden wird halt dann im Einzelfall interveniert, aber nach außen hin wird abgestritten, gemauert, denunziert und einzelne Sündenböcke geschlachtet.

Das Spitalskonzept 2030 (Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration http://wp.me/p1kfuX-K9) wird pünktlich realisiert, soweit es um Abteilungs- und Spitalsschließungen geht, dass das KH Nord bald dem Berliner Flughafen sein Etikett als Jahrhunderprojekt ablaufen wird, who cares: Die Ströck-Filiale wird pünktlich eröffnet werden. Und ja, das die Haus-und Hof-Planer von EHC jetzt schon wissen, dass einige der Fächer, die irgendwann dort einsiedeln werden, ein paar Jahre danach schon wieder woanders hinsiedeln werden, … who the fuck cares! Da muss man halt ein bisschen flexibel sein, wen kümmert mein Gutachten von gestern, zahlen sie für mein Gutachten von heute!

Das wirkliche Ei, das die Magistra Wehsely dem KAV gelegt hat, sind weder

die bis heute Ungereimtheiten des neuen Gehaltsschemas, das einen Dienst am Ende des Monats anders entlohnt als zu Beginn.
ihre feste Überzeugung, sich nicht nicht die Politiker während der Gemeinderatssitzungen ausschlafen, sondern die Ärzte während des Nachtdienstes;
die flotierenden Stundenzahlen der im Vorjahr gnädig zugestandenen ZZ-Tage,
ihre Freundschaftsdienste der couleur-identen Chefin der Wiener Gebietskrankenkasse (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un , Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk http://wp.me/p1kfuX-Vz)

das wirkliche Ei, das uns Wehsely gelegt hat, sind die Berater-Seilschaften, die den KAV sturmfrei schießen, um ihn dann alternativlos privatisieren zu können:

 

Wehsely muss weg, und mit ihr, ihre Berater.

Reich wird, wer das Seine jedem verkauft: Die Gesundheitsberater http://wp.me/p1kfuX-P7

Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw

Warum wir die Medizin nicht Ökonomen überlassen dürfen, auch wenn es schon zu spät ist http://wp.me/p1kfuX-lq

Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … http://wp.me/p1kfuX-cy

Wer macht da den Köck zum Gärtner? http://wp.me/p1kfuX-cs

Dafür sollten wir nach Ostern wieder auf die Straße gehen!

 

 

Wien: Look back in anger oder wie brutal es wirklich wurde

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Das etwas verzerrte HEUTE-Cover verwendete ich nahezu exakt vor zwei Jahren erstmals für einen Blogbeitrag (14.12.20112 Krone vs. Ärzte und die PK von Wehsely und Häupl, jetzt wirds brutal ..http://wp.me/p1kfuX-vC), um mich mit Mitteln und Stil der Auseinandersetzung zwischen Politik und Ärzteschaft auseinander zu setzen.
Das Cover zeigt schön, wie man dabei vorgeht:

Bashing des Standes und gleichzeitige Jubelpolitik, wie schön die neue Spitalswelt für den Wähler wird.  

Nur zur Klärung: mir fielen als Arzt viel schwerwiegendere Kritikpunkte an der mir von der Politik oktroyierten Kammer (Zwangsvertretung) ein, nur geht es nicht darum. Es geht um das zynische Doppelspiel sich diepolitische Interaktion „mit den Ärzten“ dadurch zu vereinfachen, dass man sich per Gesetz nur eine legitime Vertretung der Ärzteschaft (Ärztekammer)
generiert, damit man diese dann einfach medial mundtot schießen kann, aber gleichzeitig so tut als könnte man ein Gesundheitswesen ganz ohne die Ärzte betreiben.
Sorry, Pflege, Medizinisch Technische Berufe, Medizinphysiker, Apotheker, Sozialarbeiter et al., natürlich ist Euer Beitrag unerlässlich für die Behandlung und/oder Heilung der Patienten, aber es sind die Ärzte deren Kernkompetenz per Ausbildung und Titel die „gesamte Heilkunde“ ist und sie mussten dafür eine theoretische und praktische Ausbildung absolvieren, die in Summe über ein Jahrzehnt dauerte.

Wie gut das Ärztebashing funktioniert, nicht zuletzt weil unsere Ärztekammer höchst unprofessionell der Politik immer wieder ins Messer läuft, habe ich etwa ein Jahr später (6.1.2013) so formuliert:
Ärzte: Unser Image ist im Arsch, soviel scheint sicherhttp://wp.me/p1kfuX-yq )

Keine Frage, es gibt ein paar Eckdaten, die es manchen Stakeholdern im Gesundheitswesen (so spricht man doch heute neudeutsch?) scheinbar leicht machen, die Ärzte konsequenzlos zu vergraulen:

1) Österreich hat statistisch mehr Ärzte als viele andere OECD Länder, also wenn uns noch mehr verlassen, dann werden wir das schon aushalten.

.. aber trotz der großen Zahl finden sich jetzt schon zu wenige Ärzte, die die immer evidenter werdenden Lücken in der Versorgung (Landpraxis, Systemerhalter im Krankenhaus, …) füllen wollen/können

2) Österreich hat trotz sinkender Zahlen noch immer mehr Patienten in Krankenhausbehandlung als andere OECD Länder und das ist teurer als eine Behandlung in Ordinationen, Ärztezentren, …etc.

… die Frage, weshalb die Patienten aber mit ihren Füssen für die Spitalsambulanzen und -staionen abstimmen und sich nicht den Segnungen der extramuralen Medizin anvertrauen wollen/können bleibt undiskutiert, weil dann müssten wir
sowohl über Selbstbehalte und absurd niedrige Tarifen in Kassenverträgen als auch über die Wahlzuckerln:

„jedem Wähler sein Spitalsbett“,
„jedem Gemeindewirtshaus sein Krankenhaus“ reden,

über die enormen Mittel der Gesundheitsbudgets, die nicht für das verwendet werden, was sich der Laie so unter Medizin vorstellt, sondern für Infrastrukturmaßnahmen, Auslagerungen an befreundete Sektoren, Jobgarantien für Parteifreunde, … etc. und vieles mehr.

3) Das politische Wahlverhalten basiert in Bezug auf die Gesundheitspolitik (anders als z.B. in Bezug auf die Arbeitsmarktpolitik oder die Lebenshaltungskosten) mehr auf der Glaubwürdigkeit von Versprechen als auf der aktuellen persönlichen Betroffenheit.

die meisten sind am Wahltag weder in einem Spitalsbett noch in gefühlter ärztlicher Behandlung (die Dauereinnahme von Mediklamenten wird nicht als Therapie empfunden!)

Deshalb zahlt es sich noch immer politisch aus „die Wilhelmine wach zu küssen„, also konkret das Spital, in dem die Bürgermeistergattin ärztliche Direktorin ist, komplett abzureissen und mit öffentlichem Park, Kindergarten und sicher einem Volksfest neu zu errichten.

Aber kehren wir zum Titel zurück, was hat sich in der Wiener Gesundheitspolitik in den letzten zwei Jahren geändert:

Erstens scheint das Verhältnis zwischen dem Langzeitbürgermeister (mit heutigem Tag ist Häupl seit 20 Jahren im Amt) und seiner Gesundheitsstadträtin so zerrüttet, dass wir von einer gemeinsamen Pressekonferenz zukünftig wohl verschont bleiben werden. Man beachte den Gesichtsausdruck Häupls bei der rezenten Anlobung des neuen KAV Generaldirektors (http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?id=24358).

Zweitens setzte die Gesundheitsstadträtin schließlich gegen den kolportierten Willen des Stadtoberhaupts immer mehr Leute in Leitungsfunktionen des KAV ein

(Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt ….http://wp.me/p1kfuX-Kd,
Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … http://wp.me/p1kfuX-cy)

deren Credo (Runter fahren, Schwerpunktbildung, Auslagern) in diametralem Gegensatz zu einem inklusiven, solidarischen und transparenten Gesundheitssystem steht, das doch nach guter sozialdemokratischer Tradition eine Vollversorgung anstreben sollte.

Drittens erleben wir eine immer größere Aufblähung des Verwaltungs- und Beraterapparates innerhalb des Krankenanstaltenverbundes:

der pensionierte ärztliche Direktor des AKH wird durch ZWEI Direktoren ersetzt, um die bisherige Bremse der Doppelträgerschaft (Bund für die Ärzte und Forscher, Rest die Stadt Wien) zu lösen ?!!?

der als Krankenhausorganisationsexperte in den KAV geholte Prof. Janßen benötigt ab dem Punkt, wo er zum Generaldirektor wurde sofort einen zusätzlichen Direktor für Organisationsfragen(Bewerbungsende Ende Nov 2014)

Noch nie wuselten soviele externe Berater durch den KAV wie heute
(KAV: Wir sparen – koste es was es wolle http://wp.me/p1kfuX-R4) und verdienen sich ihr Honorar durch die zusätzliche Beschäftigung der Mitarbeiter, die dafür aus dem Kernprozess abgehalten werden.

Und viertens, und damit beschließe ich das heutige Lamento, hat dieMedizin in der öffentlichen Diskussion mit dem Fussball gleichgezogen:

Ein paar Maxerln laufen einem kleinen Ball nach und alle Zuschauer, auch die, die die Tribünen nur mehr schnaufend erreichen können, wissen ganz genau, wie man es eigentlich macht… 

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