Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Coronaviren: Grenzen sperren, denn das Böse kommt immer von außen!

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Offenbar entspricht es einem unausrottbarem Mythos, dass zwar auch die Verwandten und Freunde betrügen, rauben und morden, aber gefürchtet wird das Fremde.

Nachdem man mit der Sperre der Balkanroute (für Asylwerber) keinen politischen Blumentopf mehr kaufen kann, versuchen Politiker (nicht nur bei uns) die Pandemie als Vehikel für ein wohliges Burggefühl zu missbrauchen, um uns hinter sich zu scharen. Ob es Ihnen dabei primär um unseren Schutz geht bezweifle ich zunehmend.

Waren es zuerst – und für Trump noch immer – die Fledermaus-fressenden Chinesen, die an der Malaise schuld waren, sind es nun die Party-feiernden Kroatien Urlauber.
Zumindest bei uns, in Deutschland traf der politische Bannstrahl natürlich deren liebstes Urlaubsziel, eben Malle.

Selbstverständlich können Sie nun einwenden, dass Clusteranalysen gezeigt hätten, dass der tägliche Zuwachs an positiv Getesteten eben in beiden Ländern grad von dort stammt, geschenkt, aber im Kern ist das eben gleichgültig.

Dazu folgende Argumente:

Das Wesen einer Pandemie liegt eben darin, dass sich eine Gefahr weltweit verbreitet hat. Auch wenn die G’schicht in meinem kleinen Burghof bislang gut gelaufen ist, hilft mir das wenig, wenn Distanzierung absehbar meine einzige Verteidigung bleibt.
Seit Ostern tun die Verantwortlichen so, als müssten wir nur noch die nächste Woche, das nächste Monat, das Schuljahr, die Ferienzeit, … gut durchstehen, um einen Endsieg zu feiern. Offenbar gelang es der enormen PR-Kampagne zu vernebeln, dass die gesundheitliche Zukunft gerade der in der Pandemie-Bekämpfung erfolgreichsten Staaten in Wirklichkeit vom Verlauf in den am stärksten betroffenen Staaten abhängt, da eine ewige Abschottung völlig unrealistisch ist.

Das seit Monaten munter gespielte Spiel mit wechselnden Reisewarnung gibt nur vor den Bürger schützen zu wollen, ist aber fachlich für den Einzelfall völlig unsinnig, da Ihr individuelles Infektionsrisiko viel stärker von Ihrem Verhalten (egal ob Sie in einem österreichischen Schlachtbetrieb arbeiten müssen oder in der kroatischen Disco abfeiern wollen) bestimmt wird, als von den aktuellen Zahlen an Ihrem Aufenthaltsort.

Obwohl die Zahlen in den einzelnen Ländern wegen unterschiedlicher Teststrategien und Krankheitsdefinitionen letztendlich wenig aussagen und meist mit absoluten Zahlen an positiv Getesteten herumdiskutiert wird, hilft es die vorliegenden Daten auf die Einwohnergröße zu normieren und sich immer bewusst zu sein, ob die Graphen linear oder logarithmisch skaliert sind.

Wenn Sie sich den Screenshot aus dem heutigen Standard ansehen, so können Sie den gleitenden Mittelwert der täglich neu bestätigten Fälle normiert auf eine Million Einwohner einiger relevanten Länder vergleichen. (Online erlaubt es Ihnen der Standard auch weitere Länder anzuzeigen und auch die Parameter anzupassen).

Für Kroatien ergibt das aktuell 27,56 neue positiv Getestete/Mill EW und das liegt dort wo Portugal (20,06) liegt, für das schon länger eine Reisewarnung besteht, aber doch deutlich z.B. hinter den Niederlanden (41,77). Wer aktuell durch Österreich reiste weiß, dass sehr viele Niederländer bei uns Urlaub machen, aber während holländische Städte Touristen ersuchen daheim zu bleiben, habe ich das von unserer Regierung noch nicht gehört, dass man den niederländischen Touristen Ähnliches rät.

Was kann man aber von der Fürsorgepflicht unserer tückisch-grünen Regierung halten, wenn der Bannstrahl auf den Balkan gerichtet wird, aber die eigene Bevölkerung nicht vor den Virusträgern aus Amsterdam und Den Haag schützt?

Die ehrwürdige BBC deckte vor vor zwei Wochen auf, dass die Mullahs im Iran vermutlich doppelt so viele Fälle hätten, als zugegeben (Coronavirus: Iran cover-up of deaths revealed by data leak) und die Welt erschauderte. Nun, die „offiziellen Zahlen“ geben für den Iran heute 27.65 täglich neu bestätigter Fälle/Mill EW an, was ja knapp Schweizer Verhältnisse wären (Schweiz 23,14). Aber, selbst wenn man diese Zahl verdoppeln würde liegen wir mit (Iran korrigiert) 55,3 noch immer kommod unter Spanien (86,93) und Bosnien und Herzegowina (aktuell 80,46) aber nur knapp über den Niederlanden (siehe oben).

Na, und weshalb Italien (7,21) noch kein Einreiseverbot gegen Österreich (19,99) ausgesprochen hat, bleibt völlig unklar.

Natürlich ist ein evidenzbasiertes Management der Pandemie nicht leicht, aber das sinnentleerte Gesäusel von Außenminister Schallenberg, das vorgibt unser aller Bestes zu wollen und in Wahrheit das Resultat der Formel
Machtanspruch x Medienwirksamkeit/Hilflosigkeit exp
Wirtschaftsinteressen x politische Rücksichtnahme
ist.

Verantwortungsvolle Gesundheitspolitik ist das nicht!

Written by medicus58

15. August 2020 at 15:41

Fällt Ihnen der Neusprech überhaupt noch auf oder Sterben heute nur noch Gesunde?

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Neusprech (englisch Newspeak) heißt die sprachpolitisch umgestaltete Sprache in George Orwells dystopischem Roman 1984. Durch Sprachplanung sollen sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt und damit die Freiheit des Denkens aufgehoben werden.

Was 1948 im Entstehungsjahr des Romans unter dem Eindruck der Propaganda-getriebenen nationalsozialistischen und kommunistischen Diktaturen als Projektion noch hellsichtig war und 1984 vor der Internet-Revolution schon fast wieder vergessen wurde, scheint uns inzwischen schon so normal, dass es niemanden mehr zu stören scheint.

Wird heute irgend eine (Auto-)verkehrsbehindernde Maßnahme (Begegnungszonen, Parkraumbewirtschaftung, Tiefgaragen…) gesetzt, heißt das Verkehrsberuhigung. Hier soll nicht in Frage gestellt werden, dass eine Beschränkung des Autoverkehres eine sinnvolle Maßnahme im Klimaschutz wäre, nur insinuiert der Begriff ein i.d.R. als positiv empfundene Empfindung, eben eine „Beruhigung“, wobei es durch sinnlose Umleitungen und Verdrängung von Verkehrsströmen nicht mal vor der eigenen Haustüre immer zu einer Beruhigung kommt, weil eben zahllose E-Scooter, Fahrradfahrer oder sinnlos Umwege fahrende Zulieferer, Handwerker, Taxis und „Shared cars“ unterwegs sind. Beruhigt wäre der Verkehr, wenn es keine Notwendigkeit mehr für ihn gäbe.

Auch im Gesundheitssystem sind wir umzingelt von immer absurderer Sprachregelungen:

Seit die Politik 1973 einen Thinktank (Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen) gründete, der 2006 als Geschäftsbereich in der Gesundheit Österreich GmbH aufging, hat man sich dort mit der Krankenversorgung und nicht der Versorgung von Gesunden beschäftigt. Schlicht, weil erstere Geld kostet, das man durch Lenkung einsparen wollte.

Klar würde man im ÖBIG/Gesundheit Österreich einwenden, dass man sich  ab und an schon auch mit Gesundheits-erhaltenden Maßnahmen beschäftigt hat, aber die wirklich relevanten Projekte (ÖSG, Großgeräteplan, ….) liefern den jeweiligen politischen Auftraggebern das, was die über Krankenhausstandorten und minimalen Geräte- und Personalausstattungen zur Diagnostik und Therapie von Kranken hören wollen.

Wenn Sie heute noch eine Krankenschwester als solche ansprechen, sind sie nicht nur sexistisch sondern haben nicht mitbekommen, dass schon längst in den ehemaligen Schwesternschulen und nunmehr auch FHs nur mehr Gesundheits- und Krankenpflege gelehrt wird. Standesvertreter argumentieren diese Begriffserweiterung ganz offen: Gesundheitspflege als Zukunftschance für Pflegefachberufe

Nach Jahrzehnten im Gesundheitssystem könnte man glauben, dass die traditionelle „Krankenpflege“ wäre eine ausreichende Herausforderung und Hut-ab vor all denen, die das seit Jahrhunderten auf dem jeweilig höchstmöglichen Level ausübten, nein, heute wird man ganzheitlich:

Den Menschen ganzheitlich zu sehen heißt, ihn in seiner Gesamtheit zu begreifen, in all seinen Dimensionen, der physischen, psychischen und der geistigen.
Jetzt mag man auch als Gesunder gerne gehegt und gepflegt werden und als Kranker natürlich auch gesund gepflegt werden, im Zentrum  steht aber wohl, im Krankenhaus die Pflege von Kranken, ein Wellness-Zentrum ist was anderes. Ja, und durch die Umbenennung wird wohl kaum jemand gesünder.

Auch die seit langem angekündigte Umbenennung des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) reiht sich in diesen politischen Neusprech ein.
Seit einem Jahr, ungeachtet vorherige durchgeführte Umfragen und Wettbewerbe, beschloss man sich in Wiener Gesundheitsverbund umzubenennen. Liegen hält jetzt die Gesunden im Gangbett und die Gesunden warten in den Ambulanzen, klingt ja gleich positiver. Auch die Krankenhäuser und Spitäler färbt man sprachlich zu Kliniken hoch, obwohl Nachbesetzungen immer seltener durch Habilitierte erfolgen.
Warum man nicht gleich der Schwarzwaldklinik eine Wienerwaldklinik entgegenstellte weiß Äskulap.
Wir werten auf, wir benennen um.
Wir verschweigen Krankheit und Tod, ohne sie aus der Welt zu schaffen.
Fühlen Sie sich dadurch besser? Wenn ja, haben unsere PR- und Propaganda Berater gewonnen.

Written by medicus58

7. Februar 2020 at 17:24

Gottes Lohn und Teufels Beitrag

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Wie bei uns so auch beim deutschen Bruder spielen kirchennahe Krankenhausträger eine wesentliche Rolle im Gesundheitssystem.

Allein von den Katholen werden in Deutschland 400 Kliniken betrieben, wo 200.000 Beschäftigte 3.5 Millionen stationäre und 5 Millionen ambulante Patienten versorgen.

In 201 evangelischen Krankenhäusern versorgen 93.000 Beschäftigte über 2 Millionen stationäre und 3,5 Millionen ambulante Beschäftigte.

Die Gehälter liegen unter denen nicht konfessioneller Häuser und werden nicht mit der „Ärztegewerkschaft“ Marburger Bund verhandelt.

Mich würde mal ein Vergleich der Lohnniveaus zwischen konfessionellen und nicht konfessionellen Trägern in Österreich interessieren, vielleicht erklärt sich dann, weshalb die Gesundheitspolitik auch bei uns viele Leistungen (Geburten, Chirurgie,…) in die konfessionellen verschiebt.

Weshalb die Gesundheitspolitik (nicht zuletzt in Wien) es aber zulässt, dass teure und nicht lukrative Leistungen in den öffentlichen Bereich zurück verschoben werden, ist dann – zumindest ökonomisch – nicht mehr verständlich.

Written by medicus58

10. September 2019 at 23:03

Don’t Smoke, you hypocrites

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Die wissenschaftliche Evidenz, dass Rauchen ein Gesundheitsrisiko darstellt wird inzwischen nur mehr von den Dreistesten bezweifelt.
Seit mehr als einem Jahrzehnt ist es – zumindest wissenschaftlich – unbestritten, dass auch Passivrauchen ein Gesundheitsrisiko darstellt,
über dessen Höhe streitet nur mehr der Stammtisch je nach eigener Präferenz und Lebensstil.

Laut Statistik Austria (die letzten Zahlen sind aus 2014) raucht fast ein Viertel der österreichischen Bevölkerung (über dem 15. Lebensjahr) täglich, wobei es kaum einen Rückgang bei den Männern aber eine stete Zunahme bei Frauen zu bemerken ist. Zählt man die Gelegenheitsraucher und die Dunkelziffer dazu kann wohl angenommen werden, dass ein Drittel der Österreicher die anderen zwei Drittel anqualmt.

Die Faktenlage war auch schon vor 2001 ziemlich eindeutig, hat aber all die jetzt so gesundheitspolitisch Besorgten, Politiker wie Ärzte, relativ wenig aktiv werden lassen, solange die verstaatlichte Austria Tabak Gewinne abgeliefert hat und man ihr marode Betriebe wie den Schwechater Sportartikelhersteller (!) HTM anhängen konnte und Beppo Mauhart mit seinem Sponsorfüllhorn willens war. SP-Bundeskanzler Franz Vranitzky erklärte damals noch ganz offen die Austria Tabak zu „einem der wichtigsten Gewinnbringer für den Staat, weshalb eine Veräußerung eine ganz besondere Kapriole wäre“.
Auf Druck von EU-Vorgaben und den leeren Staatskassen wurde 1997 49,5 Prozent der Austria Tabak an der Wiener Börse verkauft und 2001 zu 100 % privatisiert und von der staatlichen ÖIAG an die britische Gallaher Group abgegeben. Zumindest damals verglich man den Deal mit dem BUWOG Skandal, heute ist das alles vergessen.

Seit – wie bei uns auch in vielen anderen europäischen Ländern – die Goldesel verkauft (vielleicht auch verschenkt) wurde, gebärden sich Politiker gerne als Schützer unserer Gesundheit, wenn es um Rauchverbote in der Gastronomie geht. 

Wäre dies aber so, dann hätte es unter SPÖVP bezüglich der Nichtraucherzonen in der Gastronomie nicht so ein Tauziehen gegeben!
Weshalb die FPÖ. angesichts aller anderen politischen Probleme dieses Landes, das Abendland am rauchumwehten Stammtisch retten möchte, muss sich unser Witzekanzler HC beantworten; mit Freiheit und Selbstbestimmung hat es aber sicher nichts zu tun, auch wenn uns „Kollegin“ Belakowitsch einzureden versucht.

Ärztekammer und Krebshilfe haben nun mit ihrer Don’t Smoke Abstimmung scheinbar eine Welle des Gesundheitsbewusstsein ausgelöst und aktuell standen über 270.000 Schlange, um rauchfreie Stammtische durchzusetzen. Erinnert sich noch wer, dass die Bewegung 2014 auf den am Lungenkrebs verstorbenen Kurt Kuch zurück geht, der aber selbst Kettenraucher war?

Gut so, nur halt auch irgendwie einseitig und jenseitig.

Nein, ich glaube nicht dass das alles NUR parteipolitisch motiviert ist, ich finde aber, dass all die Gesundheitsbewegten hier sehr einseitig agieren!

Sollen Sie der FPÖ eine Watsch’n geben, ist mir recht.
Machen wir die Gastronomie rauchfrei, als Nichtraucher habe ich kein Problem damit.

Tun wir aber bitte nicht so, dass wir hier besonderes Gesundheitsbewusstsein politisch durchsetzen!
Wäre dies aber so, dann hätte die Gesundheitspolitik schon längst die NOx-Diesel verboten, die nachweislich ihre behördliche Zulassung nur erschwindelt haben und im Normalbetrieb viel mehr Emissionen abgeben.  

Heute entscheidet ein deutsches Gericht über Dieselfahrverbote:
Wenn ein Dieselfahrverbot komme, hätten die Autobesitzer ein Recht darauf, bei den Herstellern Nachbesserung oder eine Rückgabe zu fordern

Bisher hat deutsche Politik jedoch der Autoindustrie die Mauer gemacht!
Gestern hat auch die Wiener SPÖ Gemeinderätin Sima einen bemerkenswerten Schluss gezogen, weshalb Wien keine Umweltzonen (=Fahrverbote für Diesel) einführt:  Gute Feinstaub- und Stickoxidwerte entziehen Umweltzonen die gesetzliche Grundlage: 2017 wurden die EU-Grenzwerte für Feinstaub an allen 13 Messstellen erneut klar unterschritten.

Und deshalb braucht man bei uns erst gar nicht auf den Betrug der Autoindustrie reagieren?
Und die Grünen halten still …

Also bitte, unterschreiben Sie das Volksbegehren oder nicht,
rauchen Sie oder besser nicht,
aber bezeichnen Sie das alles nicht als Gesundheitspolitik!

Wie immer geht es auch hier nur um Macht und Geld.

Hätten wir diese Diskussion geführt, solange die Austria Tabak noch im Staatseigentum gewesen ist, wäre sie wirklich politisch gewesen,
nämlich eine die aus Überzeugung auch gegen die eigenen finanziellen Interessen argumentiert.

Gesundheitspolitisch, aber auch im Sinne gelebten Konsumentenschutzes, wäre es vielleicht sinnvoller die durch Schummelsoftware erschwindelten behördliche Zulassungen aufzuheben und zu allfälligen Verwaltungsstrafen den Fahrzeugbesitzern die Möglichkeit von Schadensersatzforderungen zu ermöglichen.
Da schweigen die gesundheitspolitisch angeblich so Engagierten und richtet sich nach dem Willen der Lobbyisten:

Beifall spendet der ÖAMTC. Simas Absage an Diesel-Fahrverbote sei „ein guter Tag für 520.000 Autofahrer in Wien“.

Auch dass klammheimlich, so wie das Tabakmonopol, das Glückspielmonopol zuerst aufgeweicht, dann an politisch gut vernetzte einheimische Konzerne mit Sitz in NÖ verscherbelt wurde und jetzt überhaupt außer Landes verkauft wurde, hat eine gesundheitspolitische Seite, die niemand so aufregt, wie die Frage nach dem Rauch im Gastraum: der massive Anstieg von Spielsüchtigen.

Die Parallele zwischen Tschick und Chip sind doch offensichtlich. Beides sind ökonomisch und gesundheitspolitisch unerwünschte Verhaltensweisen, die aber offenbar nicht auszurotten sind. Aus diesem Grund machte es sehr viel Sinn durch entsprechende Monopole die Einnahmen direkt der Gesellschaft wieder zuzuführen, da sie ohnehin für die Kollateralschäden (Lungenkarzinome, Privatkonkurse) aufzukommen hat.

Das hat die neoliberale Deregulierungswut der letzten Jahrzehnte hinweggefegt.
Die Gewinne wurden privatisiert, die Kollateralschäden kollektiviert und fallweise dürfen sich Politiker an Nebenschauplätzen gesundheitspolitisch bewegt geben.

Vielleicht verstehen Sie nun, dass ich den Hype um Don’t smoke als Nichtraucher, Nicht-Dieselfahrer und Nicht-Spielsüchtiger, nicht nachvollziehen kann, falls Sie sich überraschenderweise gefragt haben. Und dass ich mir bessere Profilierungsfelder für unseren Kammerpräsidenten vorstellen könnte als das medienwirksame Recycling einer alten Kampagne aus 2014.

PS: Das Bild stammt übrigens von einem ganz anderen Beitrag: Feuer auf Papua Neuguinea 

Written by medicus58

22. Februar 2018 at 16:36

Fassadenpolitik erreicht inzwischen die Universitäten

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bürgerkrieg

Seit Jahren verwende ich hier den Begriff der Potemkinschen Spitäler (Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes http://wp.me/p1kfuX-8V, http://wp.me/p1kfuX-n8 ), um darauf hinzuweisen, dass die Gesundheitspolitik zwar den Schein einer fachärztlichen Vollversorgung in den öffentlichen Spitälern aufrechterhalten möchte, aber spätestens seit dem ÖSG 2012 die rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen werden, auch schwer Kranke der fachlichen Kompetenz eines Allgemeinmediziners zu überlassen.
Ein Konzept, dass vorher ausschließlich in den gewinnmaximierten Privatkrankenanstalten zu finden war, die im Notfall aber ihre Patienten dann rasch in ein öffentliches Spital verlegen konnten.

Gestern hat nun SPÖVP mit Unterstützung ihrer neoliberalen Gesellen im Nationalrat die Rahmenbedingungen geschaffen, dass Derartiges auch im Olymp der medizinischen Krankenhausversorgung möglich wird, an den Medizinischen Universitätskliniken.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151216_OTS0186/rufbereitschaft-von-fachaerztinnen-in-unikliniken-wird-ermoeglicht
Auch in Zentralkrankenanstalten muss künftig nicht mehr rund um die Uhr in jedem einzelnen Sonderfach ein Facharzt vor Ort anwesend sein. Vielmehr genügt es, wenn in den Nachtstunden bzw. vorübergehend auch im Wochenenddienst und an Feiertagen eine Rufbereitschaft eingerichtet ist. Das sieht eine Novelle zum Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz vor, die heute vom Gesundheitsausschuss des Nationalrats mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, NEOS und Team Stronach angenommen wurde. Damit werden für Zentralkrankenanstalten wie z.B. dem AKH künftig ähnliche Regelungen gelten wie jetzt schon für Schwerpunktkrankenhäuser.

Beruhigend wird hinzugefügt, dass ja ohnehin Innere, Chirurgie, Kinder-  und Intensivstation noch von einem Facharzt besetzt sein werden. Röntgenbilder können ja notfalls -wie in den USA- auch in Indien befundet werden und wer braucht einen Facharzt, der noch um Mitternacht einen Malariabefall im Blutausstrich ausschließen kann.
Da halten wir’s halt wie Scarlett O’Hara in Vom Winde verweht:

Darüber denke ich morgen nach. Morgen ist auch noch ein Tag.

Na, und irgendwie bewegt sich unsere Gesundheitssystem ja auch in Richtung 19. Jahhundert zurück. Schau’n mir mal, ob wir es auch noch bis zum Bürgerkrieg schaffen.

Vergleiche dazu auch: http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/794003_Universitaeten-ohne-Fachaerzte.html

Written by medicus58

29. Januar 2016 at 20:45

Wie oft wird kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt?

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Kennen Sie den?

Als der Richter den Zeugen nach der Vereidigung aufklärt, dass er ab sofort zur Wahrheit verpflichtet ist, antwortet dieser: „Sicher, sie Arschloch!

Auch in der Gesundheitspolitik gilt, dass der Zeitpunkt für mediale Wahrheiten gut gewählt werden muss, sonst lässt er tiefer blicken, als vielleicht beabsichtigt wurde.

Kurz nach der am 29.1.2015 mit großem medialen Getöse verkündeten
Einigung mit den Wiener Spitalsärzten über Dienstzeiten und Besoldung
(Wir werden alle reich: Ob an Geld oder Erfahrung ist noch offen http://wp.me/p1kfuX-Tm),
von der sich inzwischen immer mehr der Angesprochenen distanzieren und intern von „Verarschung“ sprechen,
platzte Stadträtin Wehsely am 2.2.2015 auf Ihrer Website mit einer angeblich neuen Meldung heraus:

Primärversorgung: Stadt Wien, WGKK und Ärztekammer verständigen sich auf Eckpunkte für zwei Pilotprojekte
http://www.sonja-wehsely.at/tag/wgkk/#sthash.yUlmySwF.dpuf

und lässt dies über Ihre Mediensprecherin Mag. Christine Stockhammer auch angeblich brühwarm über die APA gehen
Nun (!) haben sich Stadt Wien, Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) – gemeinsam mit den bundesweiten Versicherungsträgern – und die Wiener Ärztekammer auf die Grundsätze für zwei konkrete Pilotprojekte zur Umsetzung des Primärversorgungskonzeptes in Wien verständigt.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20141218_OTS0137/primaerversorgung-stadt-wien-wgkk-und-aerztekammer-verstaendigen-sich-auf-eckpunkte-fuer-zwei-pilotprojekte

Der KURIER jubelt am 2.2. 2015Wien startet zwei Pilotzentren
http://kurier.at/chronik/wien/primaerversorgung-wien-startet-zwei-pilotzentren/111.544.645

und die Wiener Zeitung vereinfacht die APA Aussendung für Ihre Leser als:
Erstanlaufstelle für Wehwehchen
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtpolitik/732346_Erstanlaufstelle-fuer-Wehwehchen.html

Der ORF verkündet die frohe Nachricht online:
Statt in teure Spitalsambulanzen zu gehen, sollen Patienten in Wien Primärversorgungszentren benutzen. http://wien.orf.at/news/stories/2692564/

und ist ob Wiens Innovationskraft fast aus dem Häuschen:
Gesundheitsreform: Wien prescht vor
http://oe1.orf.at/artikel/398573

Ein Bravo für die Wiener Gesundheitspolitik im Wahljahr!
Nachdem so viel von Überlastung der Spitäler die Rede war und man den Spitalsärzten eine (angeblich) durchschnittlich 25%-ige Gehaltserhöhung und weniger Arbeitsstunden nachgeworfen hat, entlastet man die Spitalsambulanzen auch noch mit einem innovativen Vorgriff auf die Gesundheitsreform.

Komisch ist da nur, dass die Jubelmeldung von der Einigung über die den Spitälern vorgelagerten Ambulanzen bereits vor eineinhalb Monaten durch mediale Dorf gehetzt wurde:

Rathauskorrespondenz vom 18.12.2014:
Primärversorgung: Stadt Wien, WGKK und Ärztekammer verständigen sich auf Eckpunkte für zwei Pilotprojekte 
https://www.wien.gv.at/rk/msg/2014/12/18016.html

Das Zentralorgan des Wiener Rathauses hat das auch unters vorweihnachtlich gestimmte Volk gebracht:

„Primary“-Ambulanzen für Wien in HEUTE 18.12.2014
http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,1109282?

So nebenbei hat es für eine dem Donauspital vorgelagerte Versorgungsstruktur seit mindestens einem Jahrzehnt mehrere Anläufe gegeben (u.a. auch gemeinsam mit dem Ärztenotdienst), lange bevor die letzte Gesundheitsreform das Thema „Primary Health Care“ für sich entdeckt hat.

Völlig zu Recht wird Ernest Pichlbauer auf seinem Rezeptblog auch nicht müde darauf hinzuweisen, dass das Konzept schon bald seinen 100. Geburtstag feiern wird: UK 1920 Über die Errichtung eines Primary Helath Care Es ist erschütternd zu sehen, auf welchem Niveau sich die Österreichische Gesundheitspolitik bewegt, bzw. sich nicht bewegt. http://www.rezeptblog.at/tag/primary-health-care/

Also hat die Sache einen geringeren Neuigkeitswert, als es die mediale Berichtslawine Anfang Februar 2015 glauben machen will.

Nur stellt sich die Frage, weshalb die Jubelmeldung von den beiden PHCs vor dem Donauspital und in Mariahilf gerade jetzt wieder exhumiert wurde?

Weil es im Vorweihnachtstrubel nicht gelungen war, genug gesundheitspolitisches Kleingeld zu machen?

Möglich aber nicht allzu wahrscheinlich.

Weil man im nahenden Wahlkampf wieder etwas Positives aus dem Gesundheitsbereich vermelden wollte?

Wäre medial schlecht gesetzt, auch wenn wir wirklich schon im Juni wählen, denn bis dahin ist es aus dem politischen Kurzzeitgedächtnis längst verschwunden.

Man mag mich für einen Verschwörungstheoretiker (eigentlich eher schon -praktiker) halten und ich überschätze die PR Abteilung des Rathauses möglicherweise massiv, aber angesichts eines zunehmenden Widerstandes gegen die Husch-Pfusch-Dienstzeit-Besoldungsreform der angestellten Ärzte, kann ich nicht umhin zu glauben, dass die Sau des Vorjahres wieder durch das mediale Dorf getrieben wurde, um die mediale Meinungshoheit zu behalten, wenn der Unmut der Spitalsärzte öffentlich wird.

Befremdlich ist das aber auch für alle, die hoffen, dass die Medien als die „vierte Gewalt“ im demokratischen Staate erkennen, wenn sie instrumentalisiert werden. http://de.wikipedia.org/wiki/Vierte_Gewalt

Bildnachweis:
City Library of Lyon (from the exhibiton „L’Esprit d’un siècle : Lyon 1800-1914“).Bibliothèque municipale de Lyon, dewiki.

Written by medicus58

3. Februar 2015 at 07:16

Wien: Look back in anger oder wie brutal es wirklich wurde

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Das etwas verzerrte HEUTE-Cover verwendete ich nahezu exakt vor zwei Jahren erstmals für einen Blogbeitrag (14.12.20112 Krone vs. Ärzte und die PK von Wehsely und Häupl, jetzt wirds brutal ..http://wp.me/p1kfuX-vC), um mich mit Mitteln und Stil der Auseinandersetzung zwischen Politik und Ärzteschaft auseinander zu setzen.
Das Cover zeigt schön, wie man dabei vorgeht:

Bashing des Standes und gleichzeitige Jubelpolitik, wie schön die neue Spitalswelt für den Wähler wird.  

Nur zur Klärung: mir fielen als Arzt viel schwerwiegendere Kritikpunkte an der mir von der Politik oktroyierten Kammer (Zwangsvertretung) ein, nur geht es nicht darum. Es geht um das zynische Doppelspiel sich diepolitische Interaktion „mit den Ärzten“ dadurch zu vereinfachen, dass man sich per Gesetz nur eine legitime Vertretung der Ärzteschaft (Ärztekammer)
generiert, damit man diese dann einfach medial mundtot schießen kann, aber gleichzeitig so tut als könnte man ein Gesundheitswesen ganz ohne die Ärzte betreiben.
Sorry, Pflege, Medizinisch Technische Berufe, Medizinphysiker, Apotheker, Sozialarbeiter et al., natürlich ist Euer Beitrag unerlässlich für die Behandlung und/oder Heilung der Patienten, aber es sind die Ärzte deren Kernkompetenz per Ausbildung und Titel die „gesamte Heilkunde“ ist und sie mussten dafür eine theoretische und praktische Ausbildung absolvieren, die in Summe über ein Jahrzehnt dauerte.

Wie gut das Ärztebashing funktioniert, nicht zuletzt weil unsere Ärztekammer höchst unprofessionell der Politik immer wieder ins Messer läuft, habe ich etwa ein Jahr später (6.1.2013) so formuliert:
Ärzte: Unser Image ist im Arsch, soviel scheint sicherhttp://wp.me/p1kfuX-yq )

Keine Frage, es gibt ein paar Eckdaten, die es manchen Stakeholdern im Gesundheitswesen (so spricht man doch heute neudeutsch?) scheinbar leicht machen, die Ärzte konsequenzlos zu vergraulen:

1) Österreich hat statistisch mehr Ärzte als viele andere OECD Länder, also wenn uns noch mehr verlassen, dann werden wir das schon aushalten.

.. aber trotz der großen Zahl finden sich jetzt schon zu wenige Ärzte, die die immer evidenter werdenden Lücken in der Versorgung (Landpraxis, Systemerhalter im Krankenhaus, …) füllen wollen/können

2) Österreich hat trotz sinkender Zahlen noch immer mehr Patienten in Krankenhausbehandlung als andere OECD Länder und das ist teurer als eine Behandlung in Ordinationen, Ärztezentren, …etc.

… die Frage, weshalb die Patienten aber mit ihren Füssen für die Spitalsambulanzen und -staionen abstimmen und sich nicht den Segnungen der extramuralen Medizin anvertrauen wollen/können bleibt undiskutiert, weil dann müssten wir
sowohl über Selbstbehalte und absurd niedrige Tarifen in Kassenverträgen als auch über die Wahlzuckerln:

„jedem Wähler sein Spitalsbett“,
„jedem Gemeindewirtshaus sein Krankenhaus“ reden,

über die enormen Mittel der Gesundheitsbudgets, die nicht für das verwendet werden, was sich der Laie so unter Medizin vorstellt, sondern für Infrastrukturmaßnahmen, Auslagerungen an befreundete Sektoren, Jobgarantien für Parteifreunde, … etc. und vieles mehr.

3) Das politische Wahlverhalten basiert in Bezug auf die Gesundheitspolitik (anders als z.B. in Bezug auf die Arbeitsmarktpolitik oder die Lebenshaltungskosten) mehr auf der Glaubwürdigkeit von Versprechen als auf der aktuellen persönlichen Betroffenheit.

die meisten sind am Wahltag weder in einem Spitalsbett noch in gefühlter ärztlicher Behandlung (die Dauereinnahme von Mediklamenten wird nicht als Therapie empfunden!)

Deshalb zahlt es sich noch immer politisch aus „die Wilhelmine wach zu küssen„, also konkret das Spital, in dem die Bürgermeistergattin ärztliche Direktorin ist, komplett abzureissen und mit öffentlichem Park, Kindergarten und sicher einem Volksfest neu zu errichten.

Aber kehren wir zum Titel zurück, was hat sich in der Wiener Gesundheitspolitik in den letzten zwei Jahren geändert:

Erstens scheint das Verhältnis zwischen dem Langzeitbürgermeister (mit heutigem Tag ist Häupl seit 20 Jahren im Amt) und seiner Gesundheitsstadträtin so zerrüttet, dass wir von einer gemeinsamen Pressekonferenz zukünftig wohl verschont bleiben werden. Man beachte den Gesichtsausdruck Häupls bei der rezenten Anlobung des neuen KAV Generaldirektors (http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?id=24358).

Zweitens setzte die Gesundheitsstadträtin schließlich gegen den kolportierten Willen des Stadtoberhaupts immer mehr Leute in Leitungsfunktionen des KAV ein

(Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt ….http://wp.me/p1kfuX-Kd,
Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … http://wp.me/p1kfuX-cy)

deren Credo (Runter fahren, Schwerpunktbildung, Auslagern) in diametralem Gegensatz zu einem inklusiven, solidarischen und transparenten Gesundheitssystem steht, das doch nach guter sozialdemokratischer Tradition eine Vollversorgung anstreben sollte.

Drittens erleben wir eine immer größere Aufblähung des Verwaltungs- und Beraterapparates innerhalb des Krankenanstaltenverbundes:

der pensionierte ärztliche Direktor des AKH wird durch ZWEI Direktoren ersetzt, um die bisherige Bremse der Doppelträgerschaft (Bund für die Ärzte und Forscher, Rest die Stadt Wien) zu lösen ?!!?

der als Krankenhausorganisationsexperte in den KAV geholte Prof. Janßen benötigt ab dem Punkt, wo er zum Generaldirektor wurde sofort einen zusätzlichen Direktor für Organisationsfragen(Bewerbungsende Ende Nov 2014)

Noch nie wuselten soviele externe Berater durch den KAV wie heute
(KAV: Wir sparen – koste es was es wolle http://wp.me/p1kfuX-R4) und verdienen sich ihr Honorar durch die zusätzliche Beschäftigung der Mitarbeiter, die dafür aus dem Kernprozess abgehalten werden.

Und viertens, und damit beschließe ich das heutige Lamento, hat dieMedizin in der öffentlichen Diskussion mit dem Fussball gleichgezogen:

Ein paar Maxerln laufen einem kleinen Ball nach und alle Zuschauer, auch die, die die Tribünen nur mehr schnaufend erreichen können, wissen ganz genau, wie man es eigentlich macht… 

Wir haben keine Zugangsbeschränkungen, wir haben Zeit

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Arztzeit

Ein beliebtes politisches Werkzeug kommt derzeit bei unserem deutschen Nachbarn ins Gerede, es ist absehbar, dass wir uns auch bald damit beschäftigen werden.

Kontigentierungen sind außer in Kriegszeiten nichts wofür man an der Wahlurne Zustimmung erwarten kann und fixe Regeln sind für die Gesundheitspolitik immer unbeliebt, weil sie die Basis für die Intervention im Einzelfall verunmöglichen.

Wovon hier die Rede ist, ist die Wartezeit.

Personal wird aus den Ambulanzen abgezogen, die Refundierung bestimmter Leistungen werden kontigentiert, die Anzahl der Standorte eingefroren, pardon, gesichert, aber selbstverständlich stehen „alle Leistungen allen immer und uneingeschränkt zur Verfügung„.

An dem meiner bescheidenen Meinung nach absurden Konzept der Ärztekammer für Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025 (Spezialisierung zur Qualitätsverbesserung ist out, im Spital gibt’s fachärztlichen Pannendienst http://wp.me/p1kfuX-Pr) fand BuMin Stöger „vieles gut“, nur halt nicht den Vorschlag, dass der „freie Spitalszugang“ für seine Wähler durch eine verpflichtende Überweisung aus der Niederlassung eingeschränkt werden sollte.

Mir kam das immer so vor, als würde man eigene Eingänge für Behinderte schaffen, die zufälligerweise nur über eine 60 cm hohe Stufe erreichbar sind: Man kann sich der Einrichtung rühmen, ohne dass man allzu große Angst vor einer kostentreibenden Benutzung derselben haben muss.

Ähnlich ist es mit der Zugänglichkeit zu fachärztlichen Leistungen in der Niederlassung.
Natürlich gibt es den Kassenvertragsarzt, aber Terminve erst in einem halben Jahr.

In Deutschland schrieb sich die Große Koalition vollmundig in den Koalitionsvertrag, dass zentralen Termin-Servicestellen innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin vermitteln sollen und die Wartezeit bis zum Termin nicht mehr als vier Wochen betragen soll.
http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Aerzte-wehren-sich-gegen-verordnete-Termingarantie-id30830577.html

Nur leider können sich Ärztevertreter und Politik über keinen Lösungsweg einigen: Freie Arztwahl, alles ohnehin kein Problem, regionale Unterschiede, unbezahlte Überstunden, …

Das wahre Problem scheint darin zu liegen, dass in Deutschland wie in Österreich ein nicht unbeträchtlicher Teil der ärztlichen Leistungen (etwa 25%) NICHT von den Krankenversicherungen bezahlt wird und sich deshalb die Ärzte einen verordneten Zugang zu ihren Praxen fürchten wie die Pest.

Aber selbst der Vorstand der Niedersächsischen Krankenversicherung bringt es brutal auf den Punkt: Bei begrenzter Vergütung kann es nur begrenzte Leistungen geben. Und dies führt zwangsläufig zu längeren Wartezeiten.

Und wie plant die Große Koalition aus der Sache rauszukommen?
Richtig, durch Regionalisierung und Föderalismus:

Es ist klug, wenn die konkrete Lösung von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in den jeweiligen Regionen gefunden wird, denn die wird in Berlin sicher anders aussehen als in Niedersachsen“, sagte Unions-Gesundheitsexperte Jens Spahn (CDU). „Wir setzen als Politik nur den klaren zeitlichen Rahmen.“…
http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Aerzte-wehren-sich-gegen-verordnete-Termingarantie-id30830577.html

Ach, ja …

Es werden Wetten angenommen, wie die Debatte in Österreich politisch gelöst wird, wenn sie herüberschwappt!

Weitere Links:

http://www.deutsche-gesundheits-nachrichten.de/2014/07/28/aerzte-verweigern-termingarantie-binnen-vier-wochen/

http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/865916/wartezeiten-debatte-aerzte-leisten-ueberstunden-millionenhoehe.html

http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/gesundheitsminister-hermann-groehe-termingarantie-beim-arzt-kommt-2015_id_3999695.html

I had a Dream: KAV for Sale

with one comment


For sale

 

Keine Ahnung was der Grund dafür war, zu schweres Essen, ein Glas zu viel, jedenfalls wachte ich heute nach einem gräßlichen Alptraum schweißgebadet auf. Nur schemenhaft kann ich mich noch an die Einzelheiten erinnern, aber ich bemühe mich sie aufzuschreiben, ehe sie sich wieder in mein Unterbewusstsein vertschüssen.

Bis gestern ging ich davon aus, dass sich die Rathausmehrheit sehr wohl bewußt wäre, dass sie ihre nunmehr fast 100 jährige politische Dominanz im „Roten Wien“ im wesentlichen dem Dreigestirn Müllabfuhr, Gemeindebau und Krankenhaus verdankt.Steuermillionen für Jahrmarktsveranstaltungen wie das Donauinselfest oder den Eintraum sind dagegen eher neuzeitliche Marginalien. Oder im Umkehrschluss, dass ihnen die Wähler unter den Bürgern und Mitarbeitern der „stadtnahen Betriebe“ abhanden kommen werden, wenn sie diese Bereiche nicht mehr besitzen.

Mit den knapper werdenden Budgets und den zunehmenden Belastungen der Spitäler durch die politisch abgefeierte Sanierung der Krankenkassen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34434) wurde es natürlich immer schwieriger, die nicht unbeträchtlichen Summen aufzubringen, um die Standorte des Wiener Krankenanstaltenverbundes z(KAV) umindest am Laufen zu halten.
Aus politischer Rücksichtnahme auf die Parteifreunde in der Wiener Gebietskrankenkasse war es natürlich undenkbar, von dort einen größeren Beitrag für die ambulante Versorgung der Wiener in den KAV-eigenen Spitalsambulanzen zu fordern oder den Menschen einfach reinen Wein über die prekäre Lage einzuschenken und zuzugeben, dass die Vorhalteleistungen herunter gefahren werden müssen. Das war selbstverständlich außer Diskussion, es kommen immer wieder Wahlen.

Bis zu meinem gestrigen Traum, glaubte ich, dass man nur planlos vor sich hinwurstelte und war bereit sich mit der politischen Unfähigkeit abzufinden und auf bessere Zeiten zu hoffen. Zwischen den weißen Laken reifte aber die Erkenntnis, dass hier ein ganz anderes Spiel abläuft:

Die rege Bautätigkeit an vielen KAV Standorten

Von Imhotep zu den heutigen Deppen http://wp.me/p1kfuX-lh
Eine große Familie baut sich viele Häuser http://wp.me/p1kfuX-kg
Die Stadt Wien will nur das Beste für Patienten http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67609

schien mir der unbeholfene Versuch einer Wirtschaftsbelebung nach den Konzepten der 70er Jahre zu sein. Heute im eigenen Angstschweiß aufwachend, sah ich plötzlich klarer:

Die letzten zwei bis drei Jahrzehnte waren davon geprägt, dass die Politik (in Ost und West) ehemals weitgehend geschlossene Kapitalkreisläufe (Verstaatlichte Industrie, Umlageverfahren im Pensionsversicherungssystem, öffentliches Gesundheitssystem, städtische Wasserwirtschaft, …) für externes Kapital geöffnet, also entweder verscherbelt („privatisiert“) oder mit staatlicher Förderung die Menschen in den Privatbereich gelotst (Private Pensionskassen) hat.
Der Mechanismus war immer der gleiche und kann in Reinkultur anrussischen Oligarchen aber letztlich auch an der Kärntner Hypostudiert werden: Gesellschaftliches Vermögen wurde ohne demokratische Legitimation für Einmaleffekte an Private abgegeben, Gewinne wurden privatisiert, Kosten kommunalisiert.

Doch nun zu meinem Albtraum:

Wir schreiben das Jahr 2020. Das Spitalskonzept 2030 (die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklarationhttp://wp.me/p1kfuX-K9) sind größtenteils umgesetzt und Wien strotzt vor lauter neugebauten, vom Fächerkanon aber ausgehöhlten Krankenhausstandorten.
Viel Geld wurde auf Empfehlung verschiedener Beraterfirmen in Neubauten investiert, da man sich durch die geringeren Erhaltungskosten auf längere Sicht enorme Einsparungen versprach. Dass diese versprochenen Einsparungen beim schon 2007 begonnenen Geriatriekonzept leider bis heute die Investitionskosten nicht hereingebracht haben, war nicht das Hauptproblem. Dieses besteht eher darin, dass man das Geld nicht hatte, das hier ausgegeben wurde und man dies durch irgendwelche PPP- oder Leasing-Konstrukte, Querfinanzierungen aus anderen Töpfen verschleiert, aber letztendlich durch nur Schuldenvermehrung aufbringen wird können.
Bei all den Ausgliederungen hat man das früher auch so gemacht, aber durch die strenger gewordene Budgetpfade wird es zukünftig nicht mehr möglich sein, sich durch weitere Kapitalaufnahmen ein weiteres Jahr drüber zu retten.

Ob die man diesen Weg aus Unvernunft, aus dem Bestreben sich des eigenen Personals, dessen man nicht mehr Herr zu werden glaubt oder bereits mit der festen Absicht auch das öffentliche Krankenhauswesen auf den Markt werfen zu können, begangen hat, konnte ich im Halbschlaf nicht mehr auseinanderhalten.

Jedenfalls lief alles auf den Punkt zu, wo sich die Politik auf das Trefflichste aus ihrer Verantwortung ziehen kann:
Die Alternativlosigkeit wurde erreicht, um das Gesundheitswesen nach deutschem Vorbild zu privatisieren.

In Deutschland hat zwischen 1991 – 2010 der Anteil der von der öffentlichen Hand betriebenen Krankenhäusern von 46 % auf 30,5% abgenommen (http://de.wikipedia.org/wiki/Krankenhaus).
In Österreich sind zwischen 1990 und 2009 in öffentlichen Krankenanstalten 20,5% der Krankenbetten reduziert worden und haben in profitorientierten Krankenanstalten um 92,5% zugenommen, bestehende Krankenhäuser der öffentlichen Hand wurden aber- vermutlich als Furcht vor politischen Reaktionen – noch nicht sichtbar privatisiert.

Zwar wurde die
Betriebsführung ist zu einem großen Teil oder gänzlich an private Unternehmen abgegeben,
in den Strukturplänen gewinnbringende Schwerpunkte (Routineoperationen, Geburtshilfe, …) in private Häuser verlagert oder
der Betrieb ambulanter Einrichtungen (Dialyse, …) zwar von der öffentlichen Hand finanziert, aber von Dritten betrieben, …

Von einzelnen lokalen Vorstössen einmal abgesehen, traute sich kein österreichischer Politiker zuzugeben, dass man die Krankenhäuser „gerne aus der öffentlichen Hand gibt“, aber genau darauf steuern sie hin.

Nach all der hektische Investitionstätigkeit, diese Ein- und Vorgriffe auf Geld das man nicht hat und auch nie zurückzahlen kann und die bisherige Einbindung Privater schafft man sehr bewußt vollendete Tatsachen, die als einzige Alternative in die fast vollständige Privatisierung des Krankenhauswesens führen müssen.

„Fast vollständig“ deshalb, weil es zwar eine gesetzliche Verpflichtung der Kommunen gibt, eine entsprechende Versorgung aufrecht zu erhalten, aber selbst Einrichtungen wie die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) es sich ohne weiteres leisten können, ohne Rücksprache mit anderen „ihren Versorgungsauftrag“ selbst zu definieren. D.h. um das was nicht gewinnbringend ist, also z.B. „die Oma Osteomyelitis im diabetischen Fuß„, wird sich der private Anbieter nicht wirklich prügeln, das darf ruhig weiterhin im öffentlichen Bereich liegen. Über die unkomplizierte Geburt freut sich der Verwalter schon mehr, denn da winken so lange Gewinne, so lange nicht eine komplizierte Nachbetreuung des Frühchens oder seiner Mutter anzusehen ist, jedoch fliegt dann ohnehin der Hubschrauber das öffentliche Spital an.

In meinem Traum sah ich das alles kommen,
die Gesundheitspolitiker, die sich eben noch für die enormen Investitionen in unsere Krankenhäuser abfeiern haben lassen und die sich nun mit Verweis auf die leeren Kassen freuen, die Häuser für einen symbolischen Euro in die professionellen Hände erfolgreicher Privatanbieter abgeben zu können,
und die Vertreter privater Krankenhauskonzerne, die sich zufrieden zurücklehnen können, weil sie ihre Aufgabe in der Führung und dem Aufsichtsrat der öffentlichen Krankenhausverbände erfüllt haben.

Der Titel dieses Beitrages entsprang einer Assoziation zu Cole Porters berühmten: Love for Sale http://en.wikipedia.org/wiki/Love_for_Sale_(song)

Links: 

KAV http://wp.me/s1kfuX-kav/


Umstrukturierungen im Krankenhaus und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen
 http://www.forba.at/data/downloads/file/578-FORBA_FP%2005_11.pdf

Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals http://wp.me/p1kfuX-l1 

Written by medicus58

11. Februar 2014 at 19:19

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