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Nachruf auf Mückstein a la Kronen Zeitung

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Flüchtenden schießt man nicht nach, aber genau das tut Herr Prommer von der Kronen Zeitung heute.

Die Krone hat (in welchem Auftrag auch immer) seit Anbeginn gegen den „Hausarzt in Turnschuhen“ aus all ihren Auspuffen geballert. Die Krone war es auch, die gestern Abend schon wusste, dass Mückstein zurücktreten wird und als letztes Aufgebot, der Sozialarbeiter aus dem Ländle gerufen wird, der sich im Paarlauf mit seinem VP Landesvogt und als treuer Vasall des Vizekanzlers bewährt hat.

Die Journaille (in Ö1) preist den gewiften Politiker und ist sich einschließlich der Vertreterin der Kronen Zeitung einig, dass dieses Ministerium einen Politiker und keinen Fachmann benötigt.

Keine Stimme hinterfrägt, ob ein Ministerium, das nachweislich keine widerspruchslose Verordnung, keine evidenzbasierte Strategie auch gegen die PR Profis der türkis-schwarzen Kamptruppe zusammenbringt, nicht auch ein strukturelles Problem hat.

Auch unter der Führung einer gelernten Hygienikerin (und nunmehrigen SP Vorsitzenden auf Zu- und Abruf) brachte man dort kein vorausschauendes Pandemiekonzept, keine vernünftige Ärzteausbildung, keine vernünftige Pflegeplanung,… zusammen! Kommt es da keinem in den Sinn, dass es vermutlich egal ist, wer sich dafür politisch die Ohrfeigen abholt.

Das Gesundheitsministerium, auf das sich die Grünen auch noch das Sozialministerium draufpappen haben lassen, weil die grüne Resttruppe so geil darauf war an den Trog zu kommen, hat weder die gesetzliche noch die politische und intellektuelle Fähigkeit seiner Aufgabe nachzukommen, d. h. werden wir dort bald in Paraphrase auf einen Vorarlberger Werbespruch sagen können :

Mit Rauch geht’s auch nicht.

Written by medicus58

3. März 2022 at 21:30

und da war da noch ELGA

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ELGA kommt

Während ein Wiener Ärztekammerpräsident zum Protest gegen Postenstreichungen im KAV aufruft, die er selbst unterschrieben hat,
während in Wirklichkeit sich keiner drum kümmert, weil die Hiobsbotschaften der Hypo den medialen Luftraum beherrschen,
hebt ein anderer Untoter des österreichischen Gesundheitswesens eines seiner vielen unschönen Häupter:
ELGA, die elektronische Krankenakte, der feuchte Traum von Wirtschaftskammer, Bundesministern und Gesundheitsökonomen, kommt noch später.

Falls Ihr Langzeitgedächtnis Pause macht, folgen einige Links zur Auffrischung inkl. Materialen zum Abriss der IT im Gesundheitswesen:

2014
Da mir Minister Stöger kein Interview zu ELGA gibt http://wp.me/p1kfuX-N2
Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV http://wp.me/p1kfuX-L5
Before we have been so rudely interupted http://wp.me/p1kfuX-Lv
Software kann auch töten http://wp.me/p1kfuX-LR

2013 
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht http://wp.me/p1kfuX-B4
Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV http://wp.me/p1kfuX-Iz

2012

VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient. http://wp.me/p1kfuX-hl
Männchen oder Weibchen? An alle ELGA Fans http://wp.me/p1kfuX-hp
Endlich ELGA: Cui bono? http://wp.me/p1kfuX-jK
ELGA kommt endlich http://wp.me/p1kfuX-tj
Pressestunde: Salon ELGA http://wp.me/p1kfuX-9g
Risikofaktor medizinische Informatik http://wp.me/p1kfuX-uw
EDV: Supergau im KAV http://wp.me/p1kfuX-vj

2012 hat der Nationalrat das „ELGA-Gesetz„( http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/5/6/5/CH1045/CMS1338460371868/elga-g_regierungsvorlage.pdf) und der Bund vorsorglich seine Bundesländer, die schließlich die großen Krankenanstaltenverbünde kontrollieren, in den 15a-Verhandlung vertraglich zum Mitmachen gebunden. In den Medien wurde fortan immer nur über den Widerstand der Ärzteschaft berichtet, aber dass im Juni 2014 kleinlaut eingestanden wurde, dass der Start von ELGA in den Krankenanstalten, nicht wie geplant Anfang 2015 sondern frühestens Ende des Jahres realisiert werden kann (http://derstandard.at/2000002491511/Elga-startet-in-Spitaelern-verspaetet ) lag das i.e.L. daran, dass die grottenschlechten EDV Systeme (KIS, PACS) der Häuser unfähig waren, die meist unstrukturiert abgelegten Dokumente in geeigneter Form an ELGA zu übergeben.
Konkret existierten zum Beispiel keine einheitlichen Codierungen in den Häusern, die es ermöglicht hätten z.B. einen Schädel-CT von einem Bauch-CT zu unterscheiden, oder bei bestimmte Laborbestimmungen eindeutig zu definieren, ob sie aus dem Plasma, Serum oder überhaupt aus einer anderen Körperflüssigkeit gewonnen wurden, was wiederum zu ganz anderen „Normalwerten“ führen müsste.
Die ELGA-Geschäftsführerin verwies auch auf einen „Kulturwandel“, der bei den Ärzten notwendig werde, weil diese sich beim Schreiben der Befunde umstellen werden müssen. Mit ELGA müssen die Befunde nicht nur interaktiv, sondern auch standardisiert und strukturiert geschrieben werden.
In der Praxis führt das zu immer unleserlichen Ambulanz- und Krankengeschichten, weil man sich als Arzt an das technische Mögliche anzupassen hat und nicht umgekehrt. Für die Häufung von Fehlern und Missverständlichkeiten wurde in den oben angeführten Beiträgen eingegangen.

Wenn nun, im März 2015 in kleinen medialen Randnotizen vermeldet wird, dass sich der Start von ELGA in den Ordinationen auf Mitte 2017 verschiebt (http://derstandard.at/2000012517560/Verzoegerung-bei-ElgaVerpflichtender-Start-fuer-niedergelassene-Aerzte-erst-Mitte-2017) ist das in Wirklichkeit die Bankrotterklärung des Vorhabens.

 Die Elga-Geschäftsführerin begründet das damit, dass es im niedergelassenen Bereich rund 150 Software-Anbieter gebe.

Ja eh, und die saßen mehrheitlich in all den ELGA Lenkungsausschüssen, und haben feuchte Augen bekommen, wie viel Geld ELGA in Ihre Kassen spülen wird!

Einer der größten Betreiber des Projekts, Sektionschef Auer, unter dem schon unzählige Gesundheitsminister dienten, will zwar Glauben machen, dass es sich um ein Sicherheitsproblem handelt:

Clemens Martin-Auer, Sektionschef im Gesundheitsministerium, hatte bereits am Mittwochabend in der „ZiB 1“ erklärt: „Wir machen weniger parallel, daher verzögert sich alles etwas nach hinten.“
Auer betonte, „dass der Sicherheitsaspekt und der Funktionalitätseffekt irrsinnig wichtig“ seien bei einem solch riesigen IT-Projekt gerade mit Gesundheitsdaten. Auch Herbek unterstrich, dass Datenschutz und Datensicherheit sowie Benutzerfreundlichkeit oberste Priorität haben. Der Zeitfaktor sei zwar auch wichtig, stehe aber dahinter.

In Wirklichkeit scheitern die Jünger einer elektronisch kontrollierten Medizin an den bestehenden Inkongruenzen, Widersprüchen und „Inborn-Errors“ des Gesundheitssystems, die sie vielleicht vorher lösen hätten sollen, ehe sie die Millionen in Richtung IT-Industrie lenkten.
Der KAV hat es ja vorgemacht, wie viele Millionen sinnlos versenkt werden können, wenn man glaubt mit einer externen EDV Firma (Stichwort für den Insider „Impuls-Projekt“)
gleichzeitig den IST-Zustand der Arbeitsprozesse erheben zu wollen, diesen
von den IT-Leuten neu strukturieren und reformieren zu lassen und
mittels der von den gleichen Leuten programmierten EDV steuern, dokumentieren und überwachen lassen will. 

 

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