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Ansturm zum Medizinstudium als gäb’s kein Morgen

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Für die agierenden GesundheitspolitikerInnen erfreulich ist der Zustrom zum Medizinstudium ungebrochen:
Nur jeder Achte kommt durch: 12.600 traten zum härtesten Ausleseverfahren einer Uni an
http://kurier.at/politik/inland/ansturm-aufs-medizin-studium/73.379.071

Ganz aktuell setzt die Medistart (Kennen Sie Medistart der UNIRAG?
http://wp.me/p1kfuX-O3
noch nach und trommelt via APA:

Medizin-Studium: Studienbeginn im Oktober 2014 jetzt noch möglich
Unis in Bratislava, Valencia, Vilnius etc. bieten europaweit anerkanntes Studium ohne NC & Wartezeit

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140706_OTS0021/medizin-studium-studienbeginn-im-oktober-2014-jetzt-noch-moeglich

Das ist gut so, weil immer mehr von uns, die seit Jahren in diesem Beruf stehen, sich in verschiedene Nischen (Ausland, Wahlarzt im Innland, Alterna(t)ivmedizin, Wissenschaft, Pharmaindustrie, Beratungsleistung, Gesundheitsökonomie, …) wegstehlen.

Wenn ich mich aber frage, ob ich unter den herrschenden Bedingungen erneut als wissenschaftlich und praktisch Arbeitender in die Humanmedizin gehen würde, dann wäre die Antwort eindeutig:

Sicher nicht.

Nein, nicht die Arbeitsbelastung, die in meinem bisherigen Leben zwischen 60 und 120 Wochenstunden oszillierte.

Nein, nicht die Bezahlung, die zwischen einer lächerlichen Null und kurzfristig durchaus überadäquat oszillierte.

Nein, nicht die zunehmend fordernden und bisweilen aggressiven Patienten, denen von ihren Gesundheitspolitikerinnen und Versicherungen vorgegaukelt wird, dass für alle ihre Forderungen genügend Ressourcen vorhanden wären.

Nein, nicht die Verantwortung, die zu tragen nie das Problem darstellte, sondern die Endverantwortung für einen Gesamtprozess, die Ärzten aufgebürdet wird, während sie aus allen organisatorischen und finanziellen Entscheidungen über den Gesamtprozess gedrängt werden.

Das habe ich satt, und deshalb würde ich heute einen anderen Beruf ergreifen.

Health Literacy auf brutal oder alles war schon einmal da …

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Keine Gesundheitsreform der letzten Jahre kommt ohne die Forderung nach Health Literacy aus.

Eingedeutscht spricht man gerne von Gesundheitskompetenz, also der Fähigkeit des Einzelnen gesundheitsrelevante Anweisungen und gegebene Informationen zu bekommen, sinnverstehend zu lesen und danach Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Gemeinsam mit einer Vorsorgemedizin, also dem Versprechen durch geeignete Maßnahmen Krankheiten entweder nicht auftreten zu lassen oder so rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können, dass größere „Schäden“ vermieden wird, soll eine Steigerung der Health Literacy enorme Einsparungen im Gesundheitssystem bringen, wobei die Evidenz m.E. für beide Ansätze noch etwas dürftig ist, egal.

Noch vor seiner Wiederwahl hat das EU Parlament in diesem Sinne beschlossen, dass Rauchern, die trotz der schon länger verwendeten drohenden Aufschriften nicht von ihrem Laster abließen, nun mit abschreckenden pathologischen Bildern der Glimmstängel abgewöhnt werden soll.
http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/rauchen/eu-parlament-stimmt-ueber-schockbilder-auf-zigaretten-packungen-ab-34845154.bild.html

Jetzt soll hier gar nicht die alte Platte vom „Selbstbestimmungsrecht“ abgespielt werden, denn natürlich ist wäre ein Lebenstil wünschenswert, der das Auftreten vermeidbarer Erkrankungen verhindert, aber ich bezweifle, dass dies bei so multifaktoriellen Prozessen durch das Drehen an einer einzigen Schraube funktionieren wird.
Viele von uns verhalten sich trotz besseren Wissens wenig gesundheitsfördernd, weil eben andere Faktoren (Überlastung, Frustration, Fehlen anderer Belohnungsroutinen, …. ) überwiegen und ich bezweifle, dass dieses Dilemma durch noch „brutalere Aufklärung“ zu lösen ist.

Mich erinnert das an eine chinesische Wandzeitung, die ich vor über einem Vierteljahrhundert immerhin in Qufu, der Geburtsstadt des Großen Konfuzius (http://de.wikipedia.org/wiki/Konfuzius) bemerkte.
Sehr viel brutaler lässt sich nicht für die Einhaltung geltender Verkehrsregeln wohl kaum werben.

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