Sprechstunde

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Gottes Lohn und Teufels Beitrag

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Wie bei uns so auch beim deutschen Bruder spielen kirchennahe Krankenhausträger eine wesentliche Rolle im Gesundheitssystem.

Allein von den Katholen werden in Deutschland 400 Kliniken betrieben, wo 200.000 Beschäftigte 3.5 Millionen stationäre und 5 Millionen ambulante Patienten versorgen.

In 201 evangelischen Krankenhäusern versorgen 93.000 Beschäftigte über 2 Millionen stationäre und 3,5 Millionen ambulante Beschäftigte.

Die Gehälter liegen unter denen nicht konfessioneller Häuser und werden nicht mit der „Ärztegewerkschaft“ Marburger Bund verhandelt.

Mich würde mal ein Vergleich der Lohnniveaus zwischen konfessionellen und nicht konfessionellen Trägern in Österreich interessieren, vielleicht erklärt sich dann, weshalb die Gesundheitspolitik auch bei uns viele Leistungen (Geburten, Chirurgie,…) in die konfessionellen verschiebt.

Weshalb die Gesundheitspolitik (nicht zuletzt in Wien) es aber zulässt, dass teure und nicht lukrative Leistungen in den öffentlichen Bereich zurück verschoben werden, ist dann – zumindest ökonomisch – nicht mehr verständlich.

Written by medicus58

10. September 2019 at 23:03

Was für die Finanzmärkte unvorstellbar ist, ist im Gesundheitssystem Realität: Der Deckel

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Vereinzelt soll es ja noch die strammen Neolibs geben, die an einer Selbstregelung des Marktes glauben; aber eschatologische Lehren sind offenbar unausrottbar.

Die Rufe nach regulatorischen Eingriffen (meist durch den ansonsten abgelehnten Staat) in das freie Spiel von Angebot und Nachfrage kommen immer erst wenn das Pyramidenspiel der Finanzmärkte platzt: Dann wirft man den staatlichen Autoritäten Säumigkeit vor, da sie den Predigern der zweistelligen Profitraten nicht ins Gewissen (LOL) geredet haben. Davor wurde lautstark „Mehr Privat, weniger Staat“ skandiert. Wenn es um die Hütchenspiele der (Finanz)Märkte geht, huldigt man August von Hayek (http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_von_Hayek) und tanzt zu Cole Porter (http://de.wikipedia.org/wiki/Cole_Porter) „Anything goes“.

Wenn es um Lohnnebenkosten (für Erwerbstätige heißt das Gesundheitsausgaben, Pensionsbeiträge, Pflegegeld, …) und staatliche Budgets geht, misst man mit einem anderen Maß und ruft seit Jahren nach „Bremsen“.

Gesundheitsökonomen predigen seit Jahren, dass die angebotsinduzierten Nachfrage am Markt der „Gesundheitsdienstleister“ zu einem unbeschränkten Kostenwachstum führen muss, und fordern „Kostenbremsen“. Als Argument wird angeführt, dass die Pro-Kopf- Ausgaben mit steigender Ärztedichte ansteigen, da Ärzte (in Ordinationen und Instituten) ihr Einkommen maximieren, indem sie einfach mehr Leistungen anbieten. Dass dies ohnehin nicht so leicht möglich ist, da selbst evidenzbasierte Diagnoseverfahren (z.B. PET beim nicht-punktablen Lungenrundherd) und viele Therapien nicht refundiert werden, weil sich der Hauptverband dagegen sträubt, wird verschwiegen, dass vieles daher von den Patienten aus eigener Tasche bezahlt wird (noch 5 physikalische Behandlungen, weil die nicht mehr von der Kasse übernommen werden), wird stillschweigend akzeptiert, ebenso, dass das Gehalt angestellter Ärzte ohne „Klassegelder“ international noch weniger kompetitiv wäre. Andererseits ist der „Bedarf an Gesundheitsdienstleistung“ auch für manche Patientennicht sättigbar. Die Gründe sind mannigfaltig und reichen vom Hypochonder, der sich immer wieder vom System überzeugen lassen will, dass er gesund ist, über die Vereinsamten, für die der Arztbesuch den Hauptteil ihrer Sozialkontakte darstellt, bis zum kritischen Patienten, der prinzipiell mindestens drei Ärzte befragen möchte, weil er den Generalverdacht hegt, dass sein Gesundheitsproblem so schwierig ist, dass es nur durch eine Mehrheitsentscheidung zu lösen ist.

Das Ganze hat nur auf den ersten Blick schon eine „schwäbische“ Logik, denn:

Erstens handelt es sich beim Gesundheitssystem nicht um einen „klassischen Markt“:In noch viel größerem Ausmaß als an der Börse besteht kein freier Informationsfluss (naturwissenschaftlich basierte Medizin erfordert eine jahrelange Ausbildung und praktische Schulung) und die Bestimmung des Warenwertes „Gesundheitsversorgung“ ist komplex: Der Patient weiß vielleicht, was er gerne hätte („Kuraufenthalt“), ob das auch seinem Gesundheitszustand zuträglich ist („Kurschatten“) mag bezweifelt werden.Zweitens hängt in unserem System der finanzielle Zufluss in das Gesundheitssystem (im Wesentlichen die Krankenversicherungsbeiträge der beschäftigten Arbeitnehmer und -geber, Steuereinnahmen) primär von der Wirtschaftsleistung (BIP) und nicht vom Bedarf ab.Drittens kann man Geld, das man nicht hat, auch nicht wirklich nicht ausgeben, da hat die schwäbische Hausfrau und die deutsche Physikerin im Kanzleramt nicht unrecht. Ehrlich wäre es aber, dann weder von einem „Solidaritätsprinzip“ (https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/DasGesundheitswesenimUeberblicktml_LN.html) zu sprechen, noch zu behaupten, dass man in sich in der Gesundheitspolitik nur von wissenschaftlichen Kriterien leiten läßt, bzw. dass man die Ärzteschaft noch als Partnerin der Weiterentwicklung des Gesundheitssystemsauffasst.

Die tonangebenden Experten (Gesundheitsökonomen) haben entweder keine medizinische Ausbildung, oder wie manche haben zwar irgendeinmal Medizin studiert haben, den Beruf aber wenn überhaupt nur kurz oder in theoretischen Fächern ausgeübt haben und den größten Teil ihres Berufslebens weit weg von Krankenbett, Ambulanz oder Ordination verbracht.

Das Allheilmittel für die angebotsinduzierte Nachfrage im Gesundheitswesen gilt der Deckel:

Der Hauptakteur imextramuralen Bereich (Ordinationen, Kassenambulatorien), der Hauptverband der Sozialversicherungsträger schränkt den refundierbaren Zugang zu Vertragsärzten durch eine Limitierung von „Kassenverträge“ ein. Zusätzlich wird die Anzahl der refundierten Leistungen auf eine Maximalzahl begrenzt (=Deckel). Mit anderen Worten bezahlt man den zahlenmäßig beschränkten Ärzten nur eine bestimmte Anzahl an Leistungen. Was darüber hinaus notwendig ist, wird eben nicht vergütet. In die übrige Welt übersetzt hieße das, dass z.B. ihre Haushaltsversicherung ihrem Baumeister die Reparatur ihres Hausdaches nicht mehr bezahlt, weil sie nach dem letzten Sturm ohnehin schon die Fensterscheiben ihrer Nachbarn ersetzt hat. Die Konsequenzen sind klar, der extramural tätige Arzt hat wenig Ansporn (außer vielleicht noch den letzten Rest seines Helfersyndroms) die Ordination aufzusperren, nur weil Bedarf besteht und der Ärztenotdienst bzw. das Rettungswesen führt insbesondere in Ballungsräumen zu einer Drift der Patientenströme in den intramuralen Bereich. Im intramuralen Bereich (Spitalsambulanzen, Spitalsstationen) tun sich die Hauptakteure, die öffentliche und privaten Krankenhausträger, im Vergleich zu den Krankenkassen leichter, weil sie nicht nur vollen Durchgriff auf den Stellenplan der dort Tätigen (Ärzte, Pflege, Medizinische technischen Dienste, …) haben, sondern diese Angestellten auch nicht einfach die Ambulanz oder Station sperren können, wenn ihre Kapazitäten erschöpft sind. Auf ihre Verantwortung müssen sie Triagierung (http://de.wikipedia.org/wiki/Triage) durchführen, darüber hinaus bleibt ihnen als einziges Steuerungswerkzeug die „Wartezeit“, um Patienten wieder aus dem System zu bringen. Selbstverständlich existiert auch im intramuralen Bereich die Beschränkungen des Sachaufwandes (Anzahl der zur Implantation zur Verfügung stehenden den Gelenksprothesen, Herzschrittmacher, …) als Instrument der Kostendämpfung. Das Allheilmittel für die angebotsinduzierte Nachfrage im Gesundheitswesen ist extramural und intramural der Deckel: Ein niedergelassener Arzt darf eben nur eine bestimmte Anzahl an Krankenscheinen, nur eine bestimmte Anzahl an Leistungen (EKG, …) abrechnen, ein Röntgeninstitut nur eine bestimmte Anzahl an CT- und MR-Untersuchungen abrechnen die Ausgaben im Österreichische Gesundheitswesen sollen an das BIP gekoppelt werden… (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/oesterreich/422568_Kopf-will-Milliarden-bei-Gesundheit-sparen.html) Und da stellt sich angesichts der weltweiten Krise der Finanzmärkte, deren bisherigen Bewältigung einen Staat nach dem anderen in die Insolvenz taumeln lässt, doch die Frage, weshalb es die Politik im Sozial- und Gesundheitssystem keinerlei Hemmungen hat, Deckelungen einzuführen, sich andererseits aber seit vier Jahren kaum getraut, dem Finanzsystem, insbesondere den immer größer werdenden (Too big to fail) Banken einen Deckel zu verpassen.

Denken Sie mal daran, wenn Sie in ihren nächsten Ambulanztermin in 6 Monaten bekommen und für die präoperative Magnetresonanzuntersuchung auf das nächste Quartal vertröstet werden …

Nachtrag: 11.6.2012:
via Twitter meldete sich E. Pichlbauer und verweist auf einen (durchaus lesenswerten) Artikel: http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5195/gesetz.pdf den er als Beweis gegen das „Konzept der angebotsinduzierten Nachfrage“ im Gesundheitssystem anführt.Trotzdem beherrscht das Argument noch den tägliche Dialog.
Bemerkenswert ist jedenfalls, dass in diesem Artikel die These aufgestellt wird, dass eine bessere Information der Patienten zu einer bewußteren Nutzung des Gesundheitssystems führt, also der neoliberale Ansatz, dass Märkte erst dann funktionieren, wenn alle Parteien Zugang zur vollen Information haben. Vielleicht werde ich dazu in der nächsten Zeit einmal ein paar Gedanken bloggen, denn ich befürchte, dass es letztendlich unmöglich ist, Patienten in diesem Sinne zu informieren ….

Was ist uns ein Universitätsprofessor wert?

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Als jemand, der seit über 28 Jahren (auch) Universitätslehrer ist, fand ich die aktuelle Meldung im Online Spiegel bemerkenswert:

Die Professorenbesoldung in Deutschland ist in Teilen verfassungswidrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden.

Konkret ging es um das Einstiegsgehalt des Jahres 2005  von zunächst 3890 Euro und Leistungsbezüge von zuätzlich knapp 24 Euro. 
Danach hat man in Deutschland das Besoldungsschema geändert und das Einstiegsgehalt weiter gesenkt, aber die jährlichen Zuwachsraten (das A&O der Beamtekarriere) abgeflacht. 
In Österreich kann man von solchen Summen nur träumen, da hat 
Frau Volkschullehrer und Bundesministerin Gehrer 
http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Gehrer überhaupt auf ein Vertragsbediensteten-System umgestellt, wo frisch in den Universitätsbetrieb einsteigende Mediziner 1982,20 €/Monat brutto bekommen und damit rechnen müssen, dass der Vertrag ohne Kündigung ausläuft. http://www.i-med.ac.at/betriebsrat1/info/gehalt2007-uni.html
An der TU ist es noch schlimmer: http://info.tuwien.ac.at/E093/main.htm

Das Brutto-Einstiegsgehalt lt. Spiegel von Hochschulprofessoren wa 2007 in
Deutschland 3744 Euro pro Monat, während es in
Großbritannien 5842, in 
Polen aber nur 1127 waren. 

In der Medizin hat man halt 10 Nachtdienste gemacht, um die Kongresse, Lehrbücher, Druckkostenbeiträge zu bezahlen, … etc.

Theoretiker“ hofften halt auf möglichst viele Praktika oder Seminare, um zusätzliches Einkommen zu lukrieren, … ist mir klar, aber unter all dem Eliteuni-Geschrei und frei vereinbaren Gehältern für einige Spitzenpositionen
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52689) gilt noch immer

IF YOU FEED PEANUTS YOU’LL CATCH MONKEYS.

und die werden unsere Wissenschaft vorantreiben und unseren Kindern die Leidenschaft für die wissenschaftliche Forschung weitergeben.

Mir ist das Lachen vergangen und da ich nun einen anderen Brotberuf habe, halte ich viele Vorlesungen einfach gratis …

Besser als mit einem Bettellohn beleidigt zu werden, aber ich bin auch nimmer 26. Da hatte ich auch mit 14.000 ÖS/Monat eine 70 Stundenwoche (ohne Nachtdienste!) und täglich kündbaren Karenzverträgen.

Ob man sich aber gesellschaftlich immer darauf verlassen soll, solche Trottel zu finden, mag ich hinterfragen …

Link: 
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,817360,00.html 
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,815139,00.html
http://sciencev1.orf.at/science/news/133781 
http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/ls20120214_2bvl000410.html

 

Written by medicus58

7. März 2012 at 16:02

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